Ein Argument, welches viele Spitzenpolitiker und Mainstream-Ökonomen zur Erklärung der Finanzkrise seit 2008 gern vortragen, lautet, dass es sich bei der Finanzkrise um eine reine Liquiditätskrise handelt.
Die Auffassung lenkt davon ab,
warum die Banken gegenüber Verlusten so anfällig waren und warum die
Regulierung so locker gehandhabt wurde. Die Aufmerksamkeit wird dadurch von
wichtigen Fragen abgelenkt, warum die Banken z.B. in Sachen Risikomanagement
und Risikokontrolle versagt haben.
Im Vorfeld der Krise gingen die
Banken viele Risiken ein, die sie vor der eigenen Unternehmensleitung und den
Anlegern versteckt haben. Die Liquiditätsinterpretation der Krise hält die
Menschen von dem Versuch ab, die Solvenzprobleme und ihre Ursachen zu
verstehen, schreiben Anat Admati und Martin Hellwig in ihrem Buch „Des Bankers neue Kleider“
In diesem Zusammenhang nennt Robert Skidelsky in einem lesenswerten
Essay („Four Fallacies of the Second
Great Depression“) in Project Syndicate vier Trugschlüsse, die im Sog der Finanzkrise als Erklärung
immer wieder auftauchen.
Der eine ist „die schwäbische Hausfrau“. Die
deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat mehrfach gesagt, dass man einfach nur die
schwäbische Hausfrau hätte fragen sollen: „Sie hätte uns eine Lebensweisheit
gesagt: Man kann nicht auf Dauer über seine Verhältnisse leben“.



