Montag, 16. Februar 2026

Geldtheorie und Geldpolitik

Buchbesprechung

Michael Paetz: Geldtheorie und Geldpolitik - Grundlagen konventioneller und unkonventioneller Massnahmen, Mai 2025, Schäffer & Poeschel Verlag, Stuttgart.


Während klassische Lehrbücher oft noch in der Welt der 1990er Jahre verhaftet sind, liefert Michael Paetz mit seinem neuen Werk eine eindringliche Analyse der heutigen monetären Architektur. 

Das Buch ist deshalb so erkenntnisreich, weil es nicht bei der abstrakten Zinspolitik stehen bleibt, sondern die institutionellen Details beleuchtet, die bestimmen, wie Geld heute tatsächlich fließt.

Ein Highlight des Buches ist die konsequente Nutzung der sektoralen Finanzierungssalden. Paetz zeigt auf, dass Geldtheorie ohne die Buchhaltungslogik der Gesamtwirtschaft nicht funktioniert. 

Er macht deutlich: Wenn der Privatsektor sparen will, muss ein anderer Sektor (der Staat oder das Ausland) sich verschulden. Diese systemische Sichtweise ist essentiell, um die Notwendigkeit staatlicher Defizite und die Rolle der Zentralbank als Stabilisator zu verstehen.


Das "Shadow Banking" und die Endogenität des Geldes:

Paetz bricht mit dem Mythos des Geldmultiplikators. Er erklärt präzise, wie Geschäftsbanken und insbesondere das Schattenbanken-System Geld schöpfen. Die Integration des Schattenbanken-Wesens ist hier besonders "up-to-date", da es die Grenzen zwischen herkömmlichen Banken und anderen Finanzmark-Akteuren verwischt und zeigt, warum die Zentralbank heute als "Market Maker of Last Resort" agieren muss.


Konventionelle vs. Unkonventionelle Maßnahmen:

Das Buch bietet einen hervorragenden Vergleich:

Konventionell: Steuerung über Leitzinsen und Mindestreserven.

Unkonventionell: Paetz analysiert tiefgehend Maßnahmen wie Quantitative Easing (QE), Forward Guidance und gezielte Refinanzierungsoperationen. Er erklärt nicht nur, wie sie funktionieren, sondern auch, warum sie nach den Finanzkrisen zur neuen Normalität werden mussten.

Die Stärke von Paetz liegt in der Verbindung von theoretischer Tiefe und praktischer Relevanz. Er scheut sich nicht, die Rolle der Zentralbank kritisch zu hinterfragen: Ist sie noch neutral, oder ist sie zum zentralen Akteur geworden, der die Stabilität des gesamten Kapitalismus stützen muss?

Paetz’ "Geldtheorie und Geldpolitik" ist das definitive Update für 2026. Es ist ein Muss für jeden, der verstehen will, warum die alten Modelle der Geldmenge M1-M3 nicht mehr ausreichen, um die Dynamiken von Repo-Märkten, Staatsverschuldung und moderner Inflation zu greifen.


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