Mittwoch, 21. Oktober 2020

Spanien: Eine Frage der Verschuldung

Steve Keen hat im Jahr 2017 ein lesenswertes Buch veröffentlicht: „Can We Avoid Another Financial Crisis?“.

Die These, die der Wirtschaftsprofessor aus Australien in seinem Werk vertritt, ist, dass die Wirtschaftskrisen nicht durch Staatsverschuldung, sondern durch private Schulden verursacht werden.

Das Buch wird in Kürze auf Spanisch erscheinen.

Im Vorwort für die spanische Version seines Buches schreibt Keen nun, dass Spanien in vielerlei Hinsicht ein Lehrbuchbeispiel für die wirtschaftlichen Kräfte ist, die die globale Finanzkrise (GFC) verursacht haben. 

Der Fall Spanien ist zudem auch dafür lehrreich, wie konventionelles wirtschaftliches Denken, dramatisch verkörpert in den restriktiven Maastricht-Kriterien (*) der EU in Bezug auf die Staatsverschuldung und den Haushalt, dazu beigetragen hat, die Krise auszulösen und die Auswirkungen noch zu verschlimmern, fügt der an der Kingston University in London forschende Ökonom weiter hinzu.


Spaniens Verschuldung: Privatsektor versus Staat, Graph: Prof. Steve Keen, Oct 12, 2020 


Samstag, 17. Oktober 2020

Covid-19 Krise und IWFs Gesinnungswandel

Die COVID-19 Krise hat das Leben vieler Menschen, zahlreiche Arbeitsplätze und die Unternehmen verwüstet.

Laut IWF belaufen sich die Kosten weltweit auf schwindelerregende 12 Billionen USD. Die Regierungen ergreifen beispiellose Massnahmen, um den Schock abzufedern. 

Zudem zeigt IWF im Fiscal Monitor, dass steigende öffentliche Investitionen in den fortgeschrittenen und aufstrebenden Markwirtschaften dazu beitragen könnten, die Wirtschaftstätigkeit nach dem schärften und tiefsten globalen Wirtschaftseinbruch der Zeitgeschichte wieder anzukurbeln.

Sie könnten auch kurzfristig Millionen von Arbeitsplätzen direkt und über einen längeren Zeitraum weitere Millionen indirekt schaffen.

Eine Erhöhung der öffentlichen Investitionen um 1% des BIP könnte nach Angaben des IWF das Vertrauen in den Aufschwung stärken und das BIP um 2,7%, die privaten Investitionen um 10% und die Beschäftigung um 1,2% fördern, wenn die Investitionen von hoher Qualität sind.


Die tiefen Spuren der Covid-19 Krise; der Rückgang des Wachstums zwischen 2019 und 2025 (Prognose), Graph: FT, Oct 15, 2020 

Donnerstag, 15. Oktober 2020

Italiens Staatsanleihen und EZB als „lender of last resort“

Es gibt gute Nachrichten aus Italien. Der Spread der Renditen 10-jähriger Staatsanleihen (BTP) Italiens gegenüber entsprechenden deutschen Bundesanleihen ist auf den niedrigsten Stand seit Anfang 2018 gesunken.

Das bedeutet, dass das Vertrauen zurückgekehrt ist.

Die Rendite-Differenz (spread) gilt im Allgemeinen als das beste Mass für das wahrgenommene politische Risiko in Italien.

Dass der Aufschlag wieder auf das Niveau von Anfang 2018 zurückgegangen ist, zeigt die Stärke des wiedererwachten Optimismus über die Zukunft der Eurozone, wie John Authers seiner Kolumne bei Bloomberg Opinion unterstreicht. 

Dahinter steckt sicherlich die nach einem Verhandlungsmarathon ausgehandelte Vereinbarung der EU, gemeinsam Anleihen zur Finanzierung der COVID-19 Hilfe aufzubringen.

Authers liefert dazu zwei bemerkenswerte Abbildungen von Jim Reid, Deutsche Bank AG. In dem einen Chart sehen wir die Entwicklung der Rendite der italienischen Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit.


Die Renditen der Staatsanleihen Italiens und Griechenlands mit 10 Jahren Laufzeit, Graph: FT, Oct 15, 2020

Samstag, 10. Oktober 2020

Verschuldung steigt, die Zinsen aber nicht – Warum?

Brendan Greely, FT-Reporter bittet Kristalina Georgieva, die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) in einem Interview ganz klar zu sein: 

Ist der Fonds bereit, Haushaltsdefizite zu tolerieren, wenn sie für die richtigen Dinge ausgegeben werden?

„Auf jeden Fall“, antwortet sie: „Ja, ja“.

Das sind völlig neue Töne aus der konservativen Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Washington. Der Fonds hatte bislang die dogmatisch geprägte Angewohnheit, jedem Land, das sich in einer Krise befindet, unmittelbar „fiscal austerity“ zu verordnen, unabhängig davon, ob der Schock angebots- oder nachfrage-seitig war.

Nun fordert die neue Chefin im kürzlich vorgelegten Jahresbericht die reichen Länder dazu auf, Schulden für „hochwertige Ausgaben“ (quality spending) * zu übernehmen.

Frau Georgieva lässt aber die Frage für den Rest der Welt offen, für die Länder, die nicht den gleichen Zugang zu den Kapitalmärkten wie die USA, Europe oder Japan haben.


Öffentliche Investitionen, Graph: IMF, Oct 05, 2020 

Die verstärkende Wirkung öffentlicher Investitionen:

In Zeiten hoher Unsicherheit steigert eine Erhöhung der Investitionen um 1% des BIP das Wachstum um 2,7%, die privaten Investitionen um 10% und die Beschäftigung nach 2 Jahren um 1,2%.


Donnerstag, 8. Oktober 2020

COVID-19: Haushaltsdefizit ist ein Ergebnis, kein Selbstzweck

Die Alarmglocken läuten: Die Verschuldung steigt an. 

Warum? Weil der öffentliche Sektor Kredit aufnimmt, um die Krise, die durch die Coronavirus Pandemie ausgelöst wurde, zu bekämpfen.

Es ist im Grunde genommen eine „monetäre Brücke“ über den Corona-Abgrund, die vom Staat gebaut wird, wie Friederike Spiecker im Blog Makroskop beschreibt. 

Doch die FAZ-Wirtschaft schert sich nicht darum, dass sie mit absoluten Zahlen zu Staatsverschuldung die Leserschaft verwirrt.

Die Ausgaben des öffentlichen stiegen im 1. Halbjahr 2020 um 8,6 % gegenüber dem 1. Halbjahr 2019 auf 797,8 Milliarden EUR, meldet Destatis.

Die Einnahmen gingen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erstmals seit 2012 zurück, und zwar um 4,8 % auf 709,4 Milliarden EUR. 

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, errechnet sich hieraus für das 1. Halbjahr 2020 ein kassenmäßiges Finanzierungsdefizit – in Abgrenzung der Finanzstatistiken – von 89,8 Milliarden Euro.




Finanzierungssalden nach Ebenen; öffentlicher Gesamthaushalt in Mrd. EUR, Graph: Destatis, Oct 07, 2020 


Donnerstag, 1. Oktober 2020

COVID-19 Stress: Yen und Carry-Trades

Einer Studie von Nordea nach ging seit 1997 ein Rückgang des S&P 500 Index um 5% in 76% der Fälle mit einer Aufwertung der japanischen Landeswährung (JPY) einher.

Und dieser Trend hält seit mehr als zwei Jahrzehnten an.

Wir können daher davon ausgehen, dass es eine inverse (90-Tage) Korrelation zwischen dem Yen und dem S&P 500 Index gibt. Fällt der Index, steigt der JPY, und umgekehrt.

Der Yen gehört zu den Währungen (wie CHF, EUR und USD) an, die in Stress-Situationen an den Finanzmärkten am meisten gefragt sind.

Doch seitdem Pandemie-Schock (Mitte März 2020) scheint die Korrelation des Yen mit den Aktien nicht mehr zu halten.

Das Ansehen des Yen rührt von Japans Auslandsvermögen her, das mit 3,5 Billionen USD die weltweit grösste internationale Investitionsposition darstellt, wie Reuters unterstreicht. 



Das spekulative Carry-Trade Geschäft mit Yen nimmt seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie ab, Graph: Reuters, Sept 29, 2020


Sonntag, 27. September 2020

Europas Problem mit Inflation und Ursachen

Die Mainstream-Ökonomen, treu der Fiscal-Austerity Doktrin, warnen seit den turbulenten Zeiten der GFC, globalen Finanzkrise von 2008-2009 unumwunden vor einer ausufernden Inflation

Obwohl sie damit völlig falsch liegen, malen sie weiter den Teufel an die Wand, dass die Inflation durch die Decke schiesst. Die aktuelle Begründung: Die Staaten geben nun mit dem Ausbruch der Corona-Virus Krise von März 2020 viel Geld aus, um der Wirtschaft auf die Beine zu helfen.

Je lauter der Ruf nach Inflation wird, desto tiefer fällt aber die Inflation.

Die Eurozone ist im vergangenen Monat zum ersten Mal seit vier Jahren in die Deflation, mit einem unter den Erwartungen liegenden Wert von minus 0,2% gerutscht.

Wenn das alte Muster zwischen Lohnwachstum und Inflation bestehen bleibt, könnte die EZB Anfang 2021 eine harte Zeit vor sich haben. Es ist möglich, eine Last von Schulden zu bewältigen, aber nicht in einem gänzlich deflationären Umfeld, bemerkt das Team Nordea Research am Wochenende. Völlig richtig.


Die Eurozone in einem deflationären Umfeld, Graph: Nordea Research, Sept 25, 2020