Buchbesprechung
Michael Paetz: Geldtheorie und Geldpolitik - Grundlagen konventioneller und unkonventioneller Massnahmen, Mai 2025, Schäffer & Poeschel Verlag, Stuttgart.
Während klassische Lehrbücher oft noch in der Welt der 1990er Jahre verhaftet sind, liefert Michael Paetz mit seinem neuen Werk eine eindringliche Analyse der heutigen monetären Architektur.
Das Buch ist deshalb so erkenntnisreich, weil es nicht bei der abstrakten Zinspolitik stehen bleibt, sondern die institutionellen Details beleuchtet, die bestimmen, wie Geld heute tatsächlich fließt.
Ein Highlight des Buches ist die konsequente Nutzung der sektoralen Finanzierungssalden. Paetz zeigt auf, dass Geldtheorie ohne die Buchhaltungslogik der Gesamtwirtschaft nicht funktioniert.
Er macht deutlich: Wenn der Privatsektor sparen will, muss ein anderer Sektor (der Staat oder das Ausland) sich verschulden. Diese systemische Sichtweise ist essentiell, um die Notwendigkeit staatlicher Defizite und die Rolle der Zentralbank als Stabilisator zu verstehen.
Das "Shadow Banking" und die Endogenität des Geldes:
Paetz bricht mit dem Mythos des Geldmultiplikators. Er erklärt präzise, wie Geschäftsbanken und insbesondere das Schattenbanken-System Geld schöpfen. Die Integration des Schattenbanken-Wesens ist hier besonders "up-to-date", da es die Grenzen zwischen herkömmlichen Banken und anderen Finanzmark-Akteuren verwischt und zeigt, warum die Zentralbank heute als "Market Maker of Last Resort" agieren muss.