Donnerstag, 6. Oktober 2022

Risiken von Derivaten und Bailout von Banken

Bank of England as “buyer of last resort”


Es geht um das jüngste kritische Geschehen im britischen Anleihemarkt.

Im Zentrum stehen die Derivate: komplexe Finanzinstrumente, die es Anlegern ermöglichen, auf die Wertentwicklung von Vermögenswerten zu wetten. 

In diesem Fall sind es Staatsanleihen, und v.a. Spekulationen, möglicherweise mit Auswirkungen auf die gesamte finanzielle Stabilität des Vereinigten Königreichs.



Trading with borrowed money (leverage), derivatives, collaterals, margin calls and bailouts of the banks, Graph: Acemaxx-Analytics, Oct 05, 2022


Mittwoch, 5. Oktober 2022

The Value of a Whale

Buchbesprechung

Adrienne Buller: The Value of a Whale – On the Illusions of Green Capitalism, Manchester University Press, 2022.


Wale sind elegante, intelligente und sozial-versierte Säugetiere: sie atmen Luft durch die Lunge. Weniger bekannt ist, dass sie als "Sentinel-Arten" für unser eigenes klimatisches und ökologisches Schicksal gelten. 

Wale haben nämlich eine ähnliche Bedeutung wie Bäume im Wald. Doch halten wir sie für schützenswert? 

IWF-Forscher versuchen vor diesem Hintergrund, herauszufinden, was der Wert eines Wals ist. Und sie einigen sich auf einen Wert von 2 Millionen Dollar pro Exemplar (nur für Großwale), was sich auf eine beeindruckende Summe von 1 Billion Dollar für den bestehenden weltweiten Bestand summiert. 

Im Laufe ihres Lebens binden Großwale im Durchschnitt das Äquivalent von 33 Tonnen Kohlendioxid, was mehr pro Pfund ist als ein Baum. Das heisst: ein grosser Speicher für Kohlenstoff. 

Wal-Kot enthält ausserdem Stickstoff, Phosphor und Eisen, wichtige Nährstoffe, die das Phytoplankton im Wasser sprießen lassen. Diese Meeresalgen sind 50% der weltweiten Sauerstoffproduktion verantwortlich.

Die IWF-Forscher schlugen zum Schluss ihrer Studie ernsthaft vor, in den Schutz der Wale zu investieren, statt in andere Methoden zur Kohlenstoffbindung. Sie schätzten die Kosten für einen solchen Schutz auf bescheidene 13 Dollar pro Person auf der Erde. 13 Dollar!

Samstag, 1. Oktober 2022

Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation

Swiss Monetary Base and Inflation


Die Schweizer Nationalbank (SNB) hat die Geldpolitik weiter gestrafft und den Leitzins um 0,75% auf 0,50% erhöht. 

Ziel ist, dem erneut gestiegenen Inflationsdruck entgegenzuwirken.

Die Inflation stieg im August auf 3,5% und dürfte vorerst laut SNB erhöht bleiben. 



Notenbankgeldmenge in der Schweiz, Graph: Schweizer Nationalbank (SNB), Sept 28, 2022 in: Quarterly Bulletin 3/2022.


Samstag, 24. September 2022

Negativzinsen: Eine Ära geht zu Ende

Fed doesn’t trade inflation for growth 


Die Fed hat die Zinsen zum dritten Mal in Folge um 75 Basispunkte angehoben und signalisiert, dass weitere Zinserhöhungen bevorstehen.

Der neue «Dot Plot» der US-Notenbank zeigt einen Endzinssatz («terminal rate») von etwa 4,6 % im Jahr 2023, was höher ist als der Markt bisher erwartet hat. 

Bemerkenswert ist zudem die Vorhersage der US-Notenbank zur Arbeitslosigkeit: Erwartet wird ein Anstieg der Arbeitslosenquote auf 4,4%. Noch im Juni hatte sich die Prognose auf 3,9% belaufen. Das bedeutet im Klartext einen Verlust von mehr als 1 Mio. Arbeitsplätzen.


In Europa geht das Experiment mit Negativzinsen zu Ende, Graph: Reuters, Sept 22, 2022

Sonntag, 18. September 2022

Do Central Banks serve the People?

Buchbesprechung:

Peter Dietsch, François Claveau and Clément Fontan: Do central banks serve the people? Polity Books, Cambridge, UK, 2018.


Die Zentralbanken haben das Monopol für die Ausgabe gesetzlicher Zahlungsmittel. Das ist das Merkmal, das sie von allen Institutionen in einem Währungsraum unterscheidet.

Die Zentralbank («exogenous money») ist aber nicht die einzige Institution, die "Geld schafft". 

Tatsächlich sind die Geschäftsbanken («endogenous money») heute die wichtigsten Geldschöpfer (*), aber das Zentralbankgeld hat einen besonderen Status: Es ist die ultimative Form der Verrechnung zwischen Wirtschaftsakteuren.

Dieses Monopol versetzt die Zentralbanken in eine günstige Position, um zwei Ziele zu verfolgen: Finanzstabilität und Preisstabilität.

Die Zentralbank kann in Zeiten finanzieller Turbulenzen als Kreditgeber der letzten Instanz ("lender of last resort") eingreifen, da sie ohne Einschränkungen Liquidität schaffen und durch die Manipulation des Kreditpreises zu einem stabilen Preisniveau beitragen kann.

Die Zentralbanken scheinen heute den Menschen in ihrem Währungsgebiet aber nicht optimal zu dienen.

Warum?

Weil es laut Autoren dieses Buches hauptsächlich drei Herausforderungen gibt.

Dienstag, 13. September 2022

Deflation ist die wahre Sorge, nicht Inflation

Is inflation crisis over?


Die Inflationserwartungen, die von UST-Breakeven-Sätzen gemessen werden, deuten darauf hin, dass die Inflationsangst in den USA zu schwinden scheint.

Analysten für Containerschifffahrt reden zugleich davon, dass der durch die Pandemie ausgelöste Boom bei den Frachtraten seinen Höhepunkt erreicht hat.

Tatsächlich sind die Seefrachtraten auf den wichtigsten Handelsrouten seit Anfang des Jahres um mehr als die Hälfte gesunken, was ein mögliches Zeichen für einen nachlassenden Inflationsdruck und eine Entlastung der Lieferketten («supply-chain») ist.


Baltic Global Index, Graph: Yahoo Finance, Sept 11, 2022

Samstag, 10. September 2022

Energiekrise und Preisdeckel auf Gas

Jumbo Rate Hikes and Last Call for Price Policy


Die Energiekrise (*) hat mittlerweile einen Wendepunkt erreicht, der erhebliche wirtschaftspolitische Massnahmen erfordert. 

Denn der sprunghafte Anstieg der Gas- und Strompreise ist inzwischen so gravierend, dass es nicht unangemessen wäre, von einer potenziellen Gefährdung des sozialen, wirtschaftlichen und politischen Gefüges Europas zu reden. 

Goldman Sachs beispielsweise geht nun dazu über, eine Verhängung von Preiskontrollen zu befürworten.

Die Analysten der amerikanischen Investmentbank unterstreichen, dass das Ausmass und die strukturellen Auswirkungen der gegenwärtigen Krise noch tiefer gehen dürfte als die Ölkrise der 1970er Jahre



Da die Gasreserven bis November auf 90 % ansteigen werden, sieht es so aus, als ob Deutschland den Winter ohne russisches Gas überstehen könnte, allerdings nur, wenn es seinen Verbrauch weiterhin um 15 % gegenüber dem normalen Niveau senkt, Graph: JPMorgan, Sept 08, 2022