Buchbesprechung
Barry Eichengreen: Money Beyond Borders – Global Currencies from Croesus to Crypto, Princeton University Press, March 2026, London.
Die Turbulenzen im Welthandel bilden den Hintergrund für die aktuelle Auseinandersetzung des Buches mit der Entwicklung internationaler Währungen.
Seit 1960 stützt der US-Dollar mit seinen tiefen und liquiden Märkten sowie seiner nahezu universellen Akzeptanz den globalen Handel und das Finanzwesen.
Doch viele befürchten nun, dass eine unberechenbare US-Wirtschaftspolitik die Märkte verunsichern und dazu führen könnte, dass der Dollar seine Rolle als gemeinsamer globaler Anker verliert.
Um zu klären, ob diese Befürchtungen berechtigt sind, nimmt Eichengreen eine langfristige Perspektive ein – und geht dabei bis in die Antike zurück.
Er zeichnet die Wechselbeziehung zwischen Geld und Macht nach, angefangen beim antiken Athen mit seinen Silberminen, seiner führenden Flotte und dem Militärbündnis des Delischen Bundes bis hin zu Konstantins Bezahlung der römischen Legionen mit Goldmünzen, die während der byzantinischen Ära als „Dollar des Mittelalters“ fungierten.
Zeitgleich mit der Blütezeit der islamischen Zivilisation erlangte auch der muslimische Golddinar internationale Bedeutung, und das Ende jeder dieser Währungen wurde letztlich durch eine Niederlage in der Schlacht besiegelt.
Das Buch befasst sich anschließend mit dem Silber des spanischen Imperiums aus Potosí und Brasilien, der Bank von Amsterdam der Niederländischen Republik und ihrer bahnbrechenden Fiat-Währung sowie dem Aufstieg des britischen Pfund Sterling, der durch die Finanz- und die Glorious Revolution sowie das auf Freihandel ausgerichtete britische Imperium ermöglicht wurde.
Die Kapitel über das 20. Jahrhundert werden Lesern von Eichengreens früheren Werken bekannt vorkommen, doch es lohnt sich, die Zyklen der Geschichte noch einmal Revue passieren zu lassen. Nixons Konfrontation mit dem Vorsitzenden der Federal Reserve in den 1970er Jahren ist besonders aktuell.
Die zentrale analytische These des Buches ist eine ernüchternde: Die lange Geschichte internationaler Währungen zeigt, dass dieselben Faktoren, die ihre weitverbreitete Verwendung begünstigen, letztendlich zu ihrer Aufgabe führen, und Money Beyond Borders liefert überzeugende Argumente dafür, dass sich der Dollar nun auf der Abwärtsseite dieses Zyklus befindet.
Eichengreen unterscheidet in Bezug auf Kryptowährungen und digitale Währungen klar zwischen Bitcoin-ähnlichen Kryptowährungen und digitalen Zentralbankwährungen.
Er argumentiert, dass herkömmliche Krypto-Währungen dem gängigen Verständnis von Geld überhaupt nicht gerecht werden – sie sind zu volatil, um als Recheneinheit, Zahlungsmittel oder Wertspeicher zu dienen. Digitale Zentralbank-Währungen hingegen sieht er als echten nächsten Schritt in der monetären Entwicklung.
Aus heterodoxer (z. B. post-keynesianischer) Perspektive betont das Buch tendenziell 1) die Glaubwürdigkeit des Staates und 2) die Haushaltsdisziplin stärker als endogenes Geld und die Mechanismen der globalen Finanzhierarchie.
Eichengreen vernachlässigt anhaltende Leistungsbilanzungleichgewichte, Strategien zur Lohndämpfung (z. B. in Deutschland und China) und asymmetrischen Anpassungsdruck.
Eine tiefgreifende und transformative Lektüre, die unsere Sicht auf Geld, Bankwesen und die Rolle des Finanzsystems in der Gesellschaft grundlegend verändert.
| Ein paar Zitate aus dem Buch. |
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