Mittwoch, 4. April 2012

EZB-Sitzung mit Peanuts und Seitenhieb

Die EZB hat heute auf ihrer regulären Sitzung den vierten Monat in Folge den Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte bei 1,0% unverändert gelassen.

Die Entscheidung war einstimmig gefallen. Beim Konjunkturausblick überwiegen die Abwärtsrisiken. Die Inflation bewegt sich mit der Preisstabilität, teilte Mario Draghi mit.

Zudem hat der EZB-Präsident auf der Pressekonferenz die Gelegenheit nicht ausgelassen, eine bissige Anspielung in Richtung Bundesbank zu senden: „Jede Unterredung über Exit-Strategie (d.h. Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik) ist verfrüht“.

Der Bundesbankpräsident Jens Weidmann fordert bekanntlich ein Ende der Krisenmassnahmen der EZB.

„Ich denke, dass der EZB-Präsident da das letzte Wort hat“, unterstrich Draghi seinen Standpunkt mit einer klaren Aussage.

Dienstag, 3. April 2012

Starre Nominallöhne


New Keynesian Modells haben mit sticky prices (rigide Löhne und Preise) zu tun.

In diesem Zusammenhang deutet Paul Krugman in seinem Blog (via Mark Thoma) auf eine neue Forschungsarbeit („Why Has Wage Growth Stayed Strong?“) der San Francisco Fed hin, wo atemberaubende Erkenntnisse über Nominallöhne präsentiert werden.

Das ist ein Thema, mit dem Krugman sich seit einer langen Zeit (z.B. siehe hier) beschäftigt. Die aktuelle Studie zeigt, dass viele Arbeitnehmer exakt Null-Lohnwachstum (in Dollar ausgedrückt) erfahren.

Die Frage, die sich stellt, ist, welche Folgen diese Beobachtungen der neuen Forschung für die Politik bedeuten? Der an der University of Princeton lehrende Wirtschaftsprofessor sieht v.a. zwei Auswirkungen:

(1) Die Vorherrschaft der Null-Wachstum-Löhne liefert überwältigende Beweise dafür, dass die Wirtschaft unter Mangel an Nachfrage leidet, nicht an Mangel an Angebot. Es unterbietet auch eines der beliebtesten Argumente jener, die behaupten, dass die Wirtschaft ein angebotseitiges Problem hat: das Fortbestehen der niedrigen Inflation und positives Lohnwachstum trotz des niedrigen Niveau der Beschäftigung.


Veränderung der Nominallöhne (USA), Graph: San Francisco Fed, in: FRBSF Economic Letter April 2, 2012

Fed, Notenbankgeldmenge und Depression


Die Finanzkrise hält seit 2008 die Welt in Atem. Die anhaltende hohe Arbeitslosigkeit wirft mittlerweile grundsätzliche Fragen zur Rolle der Zentralbanken auf. Die Fed versucht, die Finanzmärkte mit einer aktiveren Steuerung der Notenbankgeldmenge (monetary base) zu stabilisieren.

Vor diesem Hintergrund liefert Paul Krugman in seinem Blog eine stilisierte Abbildung, um die Rolle der Fed schematisch besser darzustellen. Es handelt sich dabei um eine nach unten geneigte Nachfragekurve für die Notenbankgeldmenge (d.h. Giroguthaben der Banken bei der Fed + Notenumlauf).

Der an der University of Princeton lehrende Wirtschaftsprofessor betont, dass es genau das ist, was die Fed tut: Feds Macht kommt von der Tatsache, dass sie und nur die Fed die Notenbankgeldmenge (Geldbasis) steuern (addieren und subtrahieren) kann.

Die nach unten geneigte Kurve repräsentiert die Nachfrage nach Notenbankgeldmenge und der Punkt A schildert den Punkt, den die Fed auswählt.

Wie kommt die Fed nun zum Punkt A als operative Angelegenheit? Die Fed könnte die Höhe der Geldbasis festlegen und den Zinssatz als Ergebnis herausspringen lassen oder die Fed könnte den Zinssatz festlegen und die Geldbasis flitzen lassen. In der Praxis legt die Fed in diesen Tagen den Zinssatz fest: der geldpolitische Ausschuss (FOMC) teilt dem Open-Market-Desk in New York mit, die Zielvorgabe zu treffen.


Fed und Notenbankgeldmenge, Graph: Prof. Paul Krugman

Montag, 2. April 2012

Eurozone und Sparpolitik


So sieht die Euro-Zone infolge der von Brüssel geförderten und von der Merkel-Regierung verordneten Sparpolitik (fiscal austerity) mitten in einer Depression aus.

Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote ist im Euroraum im Februar 2012 auf 10,8% gestiegen.


Das Ergebnis des Sparkurses in Europa: Die Arbeitslosenquote des Euroraums (10,8%), Graph: eurostat, April 2, 2012.

Rosa-Schleime Wirtschaftspolitik


Die Republikaner im Repräsentantenhaus haben am Donnerstag ihren Haushaltsentwurf verabschiedet. Es ist sicherlich das meist betrügerische Budget in der amerikanischen Geschichte, schreibt Paul Krugman in seiner lesenswerten Kolumne („Pink Slime Economics“) am Montag in NYT.

Wenn Krugman von betrügerisch (verlogen, arglistig) redet, meine er es auch so, betont der Träger des Wirtschaftsnobelpreises. Das Problem mit dem von Paul Ryan ausgedachten Haushaltsentwurf ist nicht nur seine fast unvorstellbar grausame Prioritäten, wie er Steuern für Konzerne und Reiche streicht, während die Lebensmittel- und medizinische Hilfen für die Bedürftigen drastisch abgebaut werden, sondern die angebliche Verringerung des Defizits, welche vollständig von der Behauptung abhängt, dass durch die Schliessung von Steuerschlupflöchern Billionen von Dollar an Einnahmen generiert werden können.

Die Rede ist also von Schliessungen von Steuerschlupflöchern. Wie Howard Gleckman von überparteilichen Tax Policy Center darauf hinweist, müsste der republikanische Kongressabgeordnete Ryan bis 2022 genügend Schlupflöcher schliessen, um jedes Jahr rund 700 Mrd. $ an Einnahmen zu generieren.

Von welchen zu schliessenden Schlupflöchern redet Ryan, der ein 98-seitiges Manifest im Namen eines Haushaltsentwurfs vorgelegt hat?

Keine. Nicht eine einzige, hebt Krugman hervor: Ryan hat jedoch kategorisch ausgeschlossen, die hauptsächlichen Schlupflöcher, die Reichen zu Gute kommen, zu schliessen, nämlich die ultra-niedrige Steuersätze auf Kapitaleinkommen. Das ist die Lücke, die Mitt Romney ermöglicht, nur 14% seines Einkommens zu versteuern.

Fed: Zielwerte, Instrumente und Nullzinsgrenze


(Nur für Streber)

Warum ist Fed-Chef Ben Bernanke so umsichtig? Es muss sehr gute Gründe geben, warum die Fed nicht viel mehr unternommen hat, um die Krise zu bekämpfen, schrieb Laurence Ball neulich in einem lesenswerten Essay („Ben Bernanke and the zero bound“) in voxeu.

Bernanke war von 2000 bis 2003 Wirtschaftsprofessor. Er hat sich ausgiebig (hier: “Japanese Monetary Policy: A Case of Self-Induced Paralysis”, December 1999 und hier: „Deflation: Making sure „It“ Doesn’t Happen Here“, November 2002) mit einem Problem der Geldpolitik befasst, und zwar an einem konkreten Fall.

Bernanke hat nämlich, bevor er zum Fed-Präsidenten ernannt wurde, sich mit Japans Wirtschaft in den 1990er Jahren ausführlich auseinandergesetzt und in dieser Hinsicht konkret wirtschaftspolitische Massnahmen empfohlen, wie z.B. die Konjunktur wiederbelebt werden kann, wenn die Nullzinsgrenze (zero bound) erreicht ist.

Und er hat auch Überlegungen (z.B. hier: „Some Thoughts on Monetary Policy in Japan“, May 2003) angestellt, wie die USA, falls sie damit konfrontiert würden, damit umgehen sollten.

Ball analysiert vor diesem Hintergrund, wie und warum Bernanke im Sog der Finanzkrise von seinen früheren Positionen, d.h. von der Kritik an Wirtschaftspolitik Japans ausgewichen ist. Der an der Johns Hopkins University lehrende Wirtschaftsprofessor deutet als Wendepunkt auf die Sitzung des geldpolitischen Ausschusses (FOMC) der Fed des Jahres 2003 hin, wo die Geldpolitik in Bezug auf die Nullzinsgrenze diskutiert wurde.

Sonntag, 1. April 2012

Banken Mystik und Finanzkrise


(Wonkish)

Paul Krugman hebt in seinem Blog wieder hervor, dass viele Kommentatoren allem Anschein nach die Unterscheidung zwischen der Aussage, dass die Banken Geld schaffen, was je in jedem Buch der Volkswirtschaftslehre, einschliesslich des von Krugman zu lesen ist, und auch zutrifft, weil der Geldmultiplikator damit zu tun hat, und der Aussage, dass die Fähigkeit der Banken, Geld zu schaffen, nicht durch die Notenbankgeldmenge (monetary base) eingeschränkt ist, nicht begreifen.

Krugman beschäftigt sich mit dieser von einigen Experten vertretenen Ansicht, wonach die Banken aus der Luft Geld schaffen können. Die Tatsache, dass die Fähigkeit der Banken, Kredit zu vergeben, durch ihre Einlagen eingeschränkt ist, oder dass die Notenbankgeldmenge eine wichtige Rolle spielt, wird dabei vehement verneint. Es heisst weiter, dass die Banken kaum noch Reserven halten (was auch stimmt), sodass die Bemühungen der US-Notenbank Reserven zu schaffen oder zerstören, keinen Einfluss darauf ausübt.

Das ist alles falsch, hält Krugman fest.

Zunächst einmal muss jede einzelne Bank das Geld, das sie als Einlagen bekommt, weiter verleihen. Die Bankmitarbeiter im Kredit-Department können nicht einfach Checks aus der Luft schreiben und aushändigen wie wenn sie Mitarbeiter irgendeines Finanzintermediärs wären. Sie müssen mit den Mitteln, über die sie verfügen, Vermögenswerte kaufen, erklärt der an der University of Princeton lehrende Wirtschaftsprofessor.