Montag, 18. März 2013

IWF und Schweizer Wirtschaftspolitik


Der Internationale Währungsfonds (IWF) schreibt in seiner jüngsten Länderprüfung (Switzerland2013 Article for Consultation Preliminary Conclusions), dass die Schweiz eine stabilitätsorientierte Finanz- und Geldpolitik verfolgt.

Die Schweiz hat laut IWF auf die Aufwertung des CHF und auf die Schwäche des Export-Handels besser als erwartet reagiert. Bemerkenswert ist, dass der IWF der SNB empfiehlt, den Mindestkurs von 1,20 CHF pro EUR beizubehalten.

Die SNB soll am Mindestkurs festhalten, solange die Wirtschaft sich nicht fest erholt. In Fall eines erneuten Aufwertungsdrucks sollte die SNB laut IWF den Mindestkurs verteidigen, z.B. durch die Einführung von negativen Zinsen auf die Überschussreserven der Banken, als eine vorübergehende Massnahme, um die Kapitalzuflüsse in die Schweiz abzuwehren.

Mainstream und Aberwitz


Vor zehn Jahren ist Amerika in den Irak einmarschiert. Einige Stimmen hatten davor gewarnt, dass es ein schrecklicher Fehler ist. Und diese Warnungen waren natürlich wahr, schreibt Paul Krugman in seiner lesenswerten Kolumne (“Marches of Folly”) am Montag in NYTimes. Haben die politische Elite und die News Media aus dieser Erfahrung was gelernt?  Es sieht nicht danach aus, unterstreicht der Träger des Wirtschaftsnobelpreises mit Nachdruck.

Was im Vorfeld des Krieges wirklich auffällig war, war die Illussion im Konsens. Bis zum heutigen Tag entschuldigen sich die Experten , die damit falsch lagen, mit der Begründung, dass jeder dachte, dass die Argumente für den Krieg sprachen. Natürlich erkennen sie, dass es Gegner des Krieges gab. Aber diese waren ausserhalb des Mainstreams.

Das Problem mit diesem Argument ist, dass es Zirkelschluss war und ist: Unterstützung des Krieges wurde Teil der Definition, was es bedeutete, eine Mainstream Ansicht zu vertreten. Jeder, der aus der Reihe tanzte, unabhängig davon, wie qualifiziert er war, wurde ipso facto als Vertreter von nicht-würdigen Überlegungen abgestempelt.

Alles in allem war es ein Lehrstück im Hinblick auf die Gefahren von Gruppendenken. Aber wie gesagt, es ist eine Lektion, die allem Anschein nach nicht gelernt wurde, hebt Krugman hervor. Man betrachte als Nachweis die Defizit-Besessenheit, die die politische Szene seit drei Jahren beherrscht.

Die Analogie braucht nicht weiter gezogen zu werden. Schlechte Wirtschaftspolitik ist nicht das moralische Äquivalent eines Krieges unter falschem Vorwand.

Zypern und wie das soziale Gefüge Europas zerbricht


Erstmals werden in der Euro-Krise Sparer zur Kasse gebeten, um die Banken zu refinanzieren. Die Einzelheiten sind nicht ganz bekannt, aber die Bankkunden verzichten zwangsläufig („upfront one-off stability levy“) auf 9,9% bzw. 6,75% ihres Geldes. 

Die Sparer (inländisch und ausländisch) sollen damit rund 5,8 Mrd. Euro zur Sanierung des maroden Banken-Sektors beitragen. Der Rest fliesst in die Finanzierung des Haushaltes.

Bevor man nach einer Logik dieser aussergewöhnlichen Massnahme sucht, ist es wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass die Euro-Krise nicht gleich Staatsschuldenkrise ist. Die Euro-Krise ist eine Folge der Finanzkrise bzw. der Bailout (Rettungsaktionen) der Banken.

Spanien und Irland hatten am Vorabend der Krise Haushaltsüberschüsse und niedrige Schuldenquoten. Die Bürger lehnen die aufgezwungene Austeritätspolitik via Brüssel und Berlin ab, wie der Ausgang der Wahlen in Italien vor Augen führt. Dennoch werden die einfachen Menschen jetzt herangezogen, einen Tel der Last einer völlig verfehlten Politik zu tragen. Die politischen Entscheidungsträger der EU opfern einer kurzsichtigen Austerian-Doktrin noch mehr Human Capital.


Zypern: Sonderabgaben auf Bank-Guthaben, Graph: Daniele Antonucci, Morgan Stanley, March 2013

Sonntag, 17. März 2013

Interview: Prof. Anat Admati, Stanford University


Anat Admati is the George G.C. Parker Professor of Finance and Economics at Stanford’s Graduate School of Business.


Are banks different? Why are financial institutions so highly indebted, while there are no other highly leveraged companies in the economy?

Banks are different because they have easy access to deposit funds and from that point on they prefer to have as little equity as possible while taking risks. They are immediately in debt overhang. Add government guarantees and subsidies of debt and the desire to always fund with debt is fed and encouraged. For other companies, creditors worry about the various inefficiencies and costs associated with high indebtedness. We explain this in the book, chapters 3 and 9 in particular. 


Why is it the best fix for big banks to use more equity to fund their assets and investments?

This fix involves essentially "reshuffling" of financial claims to correct distortions and put in place more liability and responsibility onto the balance sheet, alleviating the great inefficiency and harm of high indebtedness. It is easier and more effective, definitely also more cost effective, than trying to control the details of what banks do or any solutions that just go and split or shrink the balance sheet without addressing the fragility of the institutions and the system. As long as the system remains interconnected and fragile, and can harm when it gets distressed, the problems remain. 

Fall-Zypern und TBTF-Banks


Die Mittelmeerinsel, die 0,2% der Wirtschaftsleistung der Euro-Zone ausmacht, hat das grösste Banking-System in Europa, was das Verhältnis der Assets (Vermögenswerte) zum Bruttoinlandprodukt (BIP) betrifft.

Und 8% der Assets der zypriotischen Banken werden nach Angaben von Morgan Stanley durch die EZB bzw. ELA (Emergency Liquidity Assistance) finanziert.


Banken: Vermögenswerte im Vergleich zum BIP, Graph: Daniele Antonucci, Morgan Stanley

Bank Run auf Zypern und in der ganzen EU?


Nick Rowe befasst sich in seinem Blog mit der Sonderabgabe (upfront one-off stability levy), die die Sparer auf ihre Einlagen bei den zypriotischen Banken zahlen müssen.

Die Regierungen stellen i.d.R. Einlagensicherung bereit, um Bank-Runs zu verhindern. Wenn die Regierung aber nicht über eine eigene Währung verfügt, ändern sich die Rahmenbedingungen.

Eine Regierung kann eigene Währung so viel drucken wie es nötig ist, um die Sparer zu bezahlen, was ihnen geschuldet wird. Wenn die Regierung zu viel Geld drucken muss, ist es aber ein Problem, weil es Inflation bedeutet. Aber die Inflation beeinträchtigt nicht nur den realen Wert des Geldes, sondern auch die Einlagen der Sparer bei einer Bank. Auch wenn die Menschen also erwarten, dass es wieder passieren könnte, kommt es nicht zu einem Bank Run, wo die Menschen versuchen würden, ihre Einlagen zu retten.

Es ist aber auf Zypern eine andere Art von Problem, wo die Regierung kein Geld drucken kann, beschreibt der an der Carleton University, Ottowa, Kanada lehrende Wirtschaftsprofessor.

Wenn die Menschen nun mit einer einmaligen Sonderabgabe (one-time tax) konfrontiert werden, denken sie, dass so etwas wieder passieren kann. Und wenn sie erwarten, dass sich so etwas wiederholt, dann werden sie versuchen, die Einlagen in Cash zu tauschen, was im Endeffekt ein Bank Run bedeutet.

Fall-Zypern und wie die einfachen Menschen auf der Strecke bleiben


Zypern trägt 0,2% zur Wirtschaftsleistung der Eurozone bei. Es kommt auf der Mittelmeerinsel keinem Default.

Die Euro-Gruppe will mit einem Hilfspaket im Wert von rund 10 Mrd. Euro Zypern vor Zahlungsunfähigkeit bewahren. Das Rettungspaket soll vor allem zur Rekapitalisierung der schwer angeschlagenen Banken beitragen.

Was neu am Hilfspaket ist, dass ein erheblicher Teil der Gelder aus dem Land selbst kommt. Die Bankkunden werden nämlich zur Kasse gebeten. Es sind Sparer, die die Last mittragen müssen. Die EU nennt es „upfront one-off stability levy“.

Es ist sicherlich keine Entscheidung aus einer tief betrachteten, langfristigen Strategie, die in konstruktiven Beratungen zwischen der EU, dem IWF und der neuen zypriotischen Regierung erarbeitet wurde. Es ist, wie Felix Salmon in seinem Blog beschreibt, ein Schritt der Verzweiflung in der letzten Instanz, stammend aus einer unheiligen Kombination von Verschleppung, Erpressung und übermüdeten Ablenkungsmanöver.

Die Sparer mit Einlagen von mehr als 100‘000 Euro sollen eine Abgabe (levy) von 9,9% zahlen. Die Sparer mit Einlagen unter 100‘000 Euro müssen auf 6,75% ihres Geldes verzichten. Die Abgabe, die laut Euro-Gruppe insgesamt 5,8 Mrd. Euro einbringen soll, gilt sowohl für auf Zypern ansässige als auch für ausländische Bankkunden. Das heisst, dass die Abgabe reiche ausländische Anleger (z.B. aus Russland) und auch zypriotische Rentner trifft.

Die Abgabe werde angeblich abgezogen, bevor die Banken am Dienstag wieder öffnen. Dennoch ist zu erwarten, dass es nächste Woche auf Zypern zu einem Bank Run kommt.