Sonntag, 23. August 2015

Schweizer Notenbankgeldmenge versus Inflation

Der von der SNB berechnete getrimmte Mittelwert (TM15) hat im Juli den fünften Monat in Folge einen negativen Wert verbucht: -0.4%.

Das gilt auch für die Kerninflation, die im fünften Monat in Folge unter der Null-Marke verweilt: -0.6%.

Bemerkenswert ist, dass die Inflation nicht steigt, obwohl die Notenbankgeldmenge (Notenumlauf + Girokonten inländischer Banken bei der SNB) im vergangenen Monat auf einen neuen Rekordwert geklettert ist: 463,9 Mrd. CHF. Beim Ausbruch der globalen Finanzkrise belief sich die Geldbasis (monetary base) Ende 2008 auf 49,5 Mrd. CHF. 




Schweiz: Notenbankgeldmenge vs. Inflation (CPI), von Juli 2014 bis Juli 2015, Graph: ACEMAXX-ANALYTICS
Quelle: SNB, Statistisches Monatsheft, August 2015

Samstag, 22. August 2015

Mehr Staatsausgaben wären gerade richtig

Ob Sie es glauben oder nicht: Es gibt einen vernünftigen Grund zur Annahme, dass ein Teil von dem, was die Weltwirtschaft derzeit belastet, die Tatsache ist, dass die Staaten nicht genug Schulden haben, schreibt Paul Krugman in seiner lesenswerten Kolumne (“Debt is good”) am Freitag in NYTimes.

Das mag sich verrückt anhören. Immerhin haben wir die letzten fünf oder sechs Jahre in einem Zustand der Fiskal-Panik gelebt, wo die Very Serious People (VSP) uns erklären, dass wir das Haushaltsdefizit kürzen müssen, und zwar jetzt sofort, weil wir sonst so enden wie Griechenland, mit der Betonung auf Griechenland, hebt der am Graduierten Zentrum der City University of New York (CUNY) forschende Wirtschaftsprofessor hervor.

Die Antriebskraft des Defizit-Schimpfers bezog sich aber immer um den Siegszug der Ideologie über die Beweise. Und eine wachsende Anzahl von ernsthaften Menschen argumentiert gleichzeitig, dass wir mehr Staatsverschuldung brauchen, nicht weniger.

Warum?

Eine Antwort darauf ist, dass die USA offensichtliche Mängel in Sachen Strassen, Schienen, Wassersystemen und mehr erleiden. Unterdessen kann der Staat zu historisch niedrigen Zinsen Kapital aufnehmen. Es ist also ein sehr guter Zeitpunkt, Kredit aufzunehmen und Investitionen in die Zukunft zu tätigen.



Grossbritanniens Staatsverschuldung, Graph: Paul Krugman in NYTimes

Tenge schwankt frei

Nach der RMB-Abwertung durch Peking ist auch Kasachstan dazu übergegangen, den Wechselkurs seiner Währung frei schwanken zu lassen.

Der Tenge (KZT) ist darauf hin in zwei Tagen um 26% abgestürzt. Kelimbetov, Präsident der Zentralbank (NBK) hat gesagt, dass die Geldpolitik sich von jetzt an an Inflationsziel (inflation targeting) orientieren will, während der Wechselkurs durch die Faktoren Nachfrage und Angebot bestimmt werde.

Im neuen politischen Rahmen wolle die NBK nicht in den Markt eingreifen. Es sei denn, die FX-Volatilität drohe die Finanzstabilität drohe. 

Der Übergang zu einem flexiblen Wechselkurs ist in erster Linie durch den Ölpreisrückgang ausgelöst worden. Auf Öl, Gas und Öl-Produkte entfallen 73% der gesamten Exporte von Kasachstan, berichten Analysten von Morgan Stanley in einer am Freitag vorgelegten Studie. 

Fallende Rohstoffpreise führten zu einem Rückgang der Ausfuhren um 34% in der ersten Jahreshälfte 2015.



Kasachstan hebt das Trading Band für Tenge auf, Graph: Morgan Stanley

Freitag, 21. August 2015

Türkei-China Handelsverbindung mit Fragezeichen

Wie die meisten Volkswirtschaften reflektieren die Aussenhandelszahlen der Türkei Chinas Integration in die Weltwirtschaft, schreibt das CEEMEA-Team von Morgan Stanley in einer aktuell vorgelegten Studie.

Während Chinas Anteil an Einfuhren der Türkei von 2,2% im Jahr auf 11,1% im Jahr 2015 angestiegen ist, bleibt der Anteil der Ausfuhren mit 1-2% beinahe unverändert.

Folglich ist das türkische Handelsdefizit mit China von 700 Mio. USD im Jahr 2001 auf 22,7 Mrd. USD im Jahr 2015 angeschwollen, was 29% dem gesamten Handelsdefizit der Türkei entspricht.



Das wachsende Handelsdefizit der Türkei mit China, trotz der TRY-Schwäche, Graph: Morgan Stanley

US-Notenbank und China-Faktor

Während die Fed seit geraumer Zeit den Beginn zur Straffung der Geldpolitik gegen Jahresende andeutet, sorgen die Abkühlung der chinesischen Wirtschaft und die aktuelle RMB-Abwertung zur Zeit für zunehmende Unsicherheit.

Auch der anhaltende Rückgang des Ölpreises (der tiefste Wert seit sechs Jahren) nährt Bedenken, ob die von der Fed anvisierten Konditionen für einen Zinsschritt tatsächlich gegeben sind oder nicht.

Tim Duy schreibt in seinem Blog, dass die Fed-Minutes der FOMC-Sitzung vom 28-29. Juli bereits nicht mehr frisch nicht, die von den Ereignissen rasch überholt werden. Da die Fed sehr gut daran ist, genaue Absichten nicht besonders gut zu signalisieren, lässt sich viel in die Sitzungsnotizen der Fed hineininterpretieren.

Möglicherweise ist die Fed für die Störungen auf den Finanzmärkten weniger empfänglich als im grössten Teil des Zeitraums nach dem Ausbruch der Finanzkrise, da die US-Wirtschaft sich allmählich in Richtung Vollbeschäftigung bewegt, kommentiert der an der Oregon University lehrende Wirtschaftsprofessor weiter.

Narayana Kocherlakota spielt hingegen mit den Gedanken, die Möglichkeit in Erwägung zu ziehen, das Inflationsziel (inflation target) der US-Notenbank anzuheben, um auf diese Weise Risiken in Bezug auf die Finanzstabilität zu verringern. Der Fed soll dadurch die Arbeit erleichtert werden, für die Preisniveaustabilität zu sorgen und die Vollbeschäftigung zu erlangen.



Die US-Notenbank verfehlt das eigene Inflationsziel (gemessen an PCE) seit 2009 um 0,50% im Durchschnitt pro Jahr, Graph: Morgan Stanley

Donnerstag, 20. August 2015

Emerging Markets in Sogkraft von China

In den Schlagzeilen von heute fallen exotische Währungen auf: Tenge, Dong, Ringgit und andere. Auslöser ist die RMB-Abwertung.

Seitdem die chinesische Führung die Bereitschaft angedeutet hat, die Landeswährung RMB möglichst rasch frei schwanken lassen zu wollen, ist auch die Region Asien ohne Japan davon tangiert.

Erhöht das eine Land das Trading Band für die eigene Währung, folgt das andere Land. Abwertung über Abwertung. Und die FT aus London berichtet, dass in den vergangenen 13 Monaten rund 1’000 Mrd. USD aus der Region abgeflossen sind.



Der deflationäre Trend lastet auf Umsatz und Gewinn von Unternehmen, Graph: Morgan Stanley

Mittwoch, 19. August 2015

Was heisst eigentlich eine niedrige Realrendite?

Je länger die träge Erholung der Wirtschaft anhält, desto mehr rückt das Thema “niedrige Realzinsen” ins Zentrum der ökonomischen Analyse.

Ben Bernanke  hat sich damit mit seinem ersten Eintrag in seinem neuen Blog auseinandergesetzt und hervorgehoben, dass es sich dabei nicht um eine kurzfristige Abweichung, sondern um einen langfristigen Trend handelt.

Larry Summers spricht in diesem Zusammenhang von “secular stagnation”.

Stephen Williamson deutet heute in seinem Blog auf einen interessanten Aspekt hin: Die Teilnehmer an der Diskussion scheinen zum Teil davon auszugehen, wie wenn die Rendite der Staatsanleihen und der Ertrag von Kapitaleinsatz übereinstimmen würden.

Gemessen an herkömmlichen Messwerten ist die Rendite der Staatspapiere zwar niedrig, aber der Ertrag auf das Kapital nicht, hält der Vice President der Economic Research Abteilung der Fed St. Louis fest.



Reale Kapitalerträge, Graph: Paul Gomme, B. Ravikumar and Peter Rupert, Secular Stagnation and Returns on Capital in: Economic Research, Fed St. Louis