Freitag, 7. September 2012

Sanierung der US-Wirtschaft


Bill Clintons Rede auf der Democratic National Convention war ein Hammer, schreibt Paul Krugman in seiner lesenswerten Kolumne („Cleaning up the Economy“) am Freitag in NY Times.

Es war eine bemerkenswerte Kombination aus einer Schwerstarbeit und einem unvergesslichen sensantionellen Ereignis. Vielleicht war das Beste in diesem Hammer-Ereignis seine sarkastische Zusammenfassung des republikanischen Standpunkts, Wiederwahl von Obama abzulehnen: „wir haben ihm ein komplettes Chaos hinterlassen. Er hat es nicht schnell genug aufgeräumt. So feuern Sie ihn jetzt und setzen Sie uns an seine Stelle“.

„Grossartig“, bemerkt Krugman dazu. Aber wird das Chaos tatsächlich immer aufgeräumt? Die Antwort ist vermutlich ja, erklärt der an der University of Princeton lehrende Wirtschaftsprofessor. Die nächsten vier Jahre werden wahrscheinlich viel besser als die letzten vier Jahre, es sei denn, verfehlte Politik schafft ein anderes Chaos. Das bedeutet nicht, dass Krugman eine Ausrede sucht. Das Beschäftigungswachstum war viel langsamer und die Arbeitslosigkeit viel höher als sie hätte sein sollen.

Während Krugman die Geschichte über eine enttäuschende wirtschaftliche Erholung erzählt, will er kurz erwähnen, worüber die Republikaner vergangene Woche in Tampa, Florida gesprochen haben: die Auswirkungen der hohen Steuern und Regulierung, das mangelnde Vertrauen, welches angeblich durch Obamas Versagen verursacht wurde, um nicht genug Lob für die Arbeitsplatzbeschaffung zu verschwenden. Krugman nennt es „Mutti, er schaut mich so komisch an!“ Theorie der wirtschaftlichen Probleme aus Sicht der Republikaner.

Warum die kurze Erwähnung? Weil es kein Stückchen des Beweises für die GOP-Theorie gibt, was die Wirtschaft plagt, während es viele harte Beweise für die Ansicht gibt, dass es an Nachfrage mangelt, vor allem wegen der übermässigen Verschuldung der privaten Haushalte, was das eigentliche Problem ist.

Angst vor China Syndrom


Die Idee, dass die USA auf Gedeih und Verderb auf China angewiesen sind, ist sehr einflussreich: es würden schreckliche Dinge passieren, wenn China aufhören würde, US-Treasury Bonds zu kaufen. Doch ist es einfach falsch, schreibt Paul Krugman in seinem Blog.

Das Argument, dass die Zinsen durch die Decke schiessen würden, wenn die Chinesischen weniger US-Staatspapiere kaufen, ist dasselbe wie das Argument, dass die Zinsen stark steigen würden, wenn die USA mehr Staatsanleihen verkaufen würden, erklärt Krugman. Zur Erinnerung: Das war der Gegenstand einer heftigen Debatte vor rund drei Jahren. Und heute wissen wir, wie sie ausgegangen ist.

Man denke mit Bezug auf Wicksell, legt Krugman nahe: wir stecken in einer Situation, wo die geplanten Ersparnisse am Anfang, d.h. die Menge, die die Leute bei Vollbeschäftigung aufheben, grösser sind als die anfängliche Nachfrage nach geplanten Investitionen. Und das Überangebot an Ersparnissen führt zu einer Depression.

Was China mit dem Kauf von Anleihen tut, ist, die überschüssigen Ersparnisse zu erhöhen, was die gegenwärtige Situation verschlimmert. Das ist eine andere Art von Sparen, sodass der künstliche Handelsüberschuss der US-Wirtschaft schadet, erläutert der an der University of Princeton lehrende Wirtschaftsprofessor.

Donnerstag, 6. September 2012

EZB und OMT


Das neue Stichwort der EZB lautet: OMT = Outright Monetary Transactions. So wird das neue Anleihen-Ankaufprogramm der EZB genannt, wie Mario Draghi heute nach dem Treffen des EZB-Rats in Frankfurt offiziell mitgeteilt hat.

Die EZB will v.a. Staatspapiere mit Laufzeiten von 1 bis 3 Jahren kaufen, und zwar im Sekundärmarkt.

Das Volumen sei im Gegensatz SMP unbegrenzt.

Der Ankauf von Staatsanleihen werde „sterilisiert“. Das bedeutet, dass die Gelder, die für den Ankauf von Staatsanleihen in den Markt gegeben werden, an einer andere Stelle wieder aus dem Markt zurückgezogen würden.

Die EZB verzichtet aufh ihre Vorrangstellung (seniority). Das heisst, es gibt für die EZB keinen bevorzugten Gläubigerstatus.

Das Programm ist an Bedingungen geknüpft. Das heisst, dass die betreffenden Länder sich vorerst an EFSF/ESM wenden müssen. Es handelt sich dabei um strikte Auflagen. Eine Überwachung durch den IWF sei wünschenswert, so Draghi auf der Pressekonferenz.

US-Staatsverschuldung über 16 Billionen Dollar


John Boehner, Sprecher des Repräsentantenhauses beklagt, dass die Staatsverschuldung die 16 Billionen-$-Schwelle überschritten hat, und dass die Verschuldung seit Obamas Amtsantritt um 5 Billionen $ zugenommen hat.

Boehner stellt zwei Behauptungen auf: (1) die Verschuldung ist das Ergebnis der Wirtschaftspolitik Obamas, und (2) die Verschuldung lastet auf dem Wirtschaftswachstum.

Ad 1) Es ist wahr, dass die Staatsverschuldung gestiegen ist. Obamas Politik hat jedoch rund 1‘440 Mrd. $ dazu beigetragen, und die Hälfte davon entfällt auf das Konjunkturprogramm (stimulus), bemerkt Mark Thoma in einem lesenswerten Artikel („National debt passes $16 trillion: Should you worry?“) in CBS Money Watch.

Die Steuersenkungen, Kriege und andere politische Massnahmen, bevor Obama das Amt übernahm, haben im Gegensatz im Haushalt eine Lücke von 5‘000 Mrd. $ geöffnet. Das heisst mehr als dreimal so viel. Wenn es eine Schuldzuweisung geben soll, dann geht ein guter Anteil auf die Kappe von Präsident Bush.

Wie kann es aber sein, dass Obamas Wirtschaftspolitik 1‘440 Mrd. $ dazu beiträgt, obwohl die Verschuldung seit seinem Amtsantritt um rund 5‘000 Mrd. $ geklettert ist? Die Antwort ist die Rezession. Während einer Rezession fallen die Einnahmen der öffentlichen Hand, weil Einkommen fallen und die Ausgaben für bestehende Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld und Essensmarken steigen. Das Ergebnis ist ein höheres Haushaltsdefizit. Obama hat aber die Rezession nicht verursacht. Die Rezession war bereits auf dem Weg, als Obama das Amt antrat. Präsident kann also dafür nicht verantwortlich gemacht werden, dass die Staatsverschuldung gestiegen ist, legt Thoma dar.


Abschwung und Vermächtnis der Wirtschaftspolitik von Bush, Graph: CBPP, Center on Budget and Policy Priorities

SNB hat vor einem Jahr Mindestkurs festgelegt


Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat heute vor einem Jahr einen Mindestkurs des Frankens von 1,20 pro Euro eingeführt. Begründung: eine massive Überbewertung der Schweizer Landeswährung und das damit einhergehenden Risiko einer Verschlechterung der Rezession und einer deflationäre Entwicklung.

Die SNB hat am 6. September 2011 erklärt, dass sie diesen Mindestkurs mit aller Konsequenz durchsetzen will. Und sie ist bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen.

Der Schweizer Franken ist auch bei 1,20 pro Euro hoch bewertet und sollte sich über die Zeit weiter abschwächen, unterstrich die SNB vor einem Jahr.


Der exportgewichtete Wechselkurs (real) des Schweizer Frankens, Graph: Jean-Pierre Danthine, SNB Vice Chairman

Mittwoch, 5. September 2012

Das neue EZB-Anleihekaufprogramm


Das Thema der Woche ist sicherlich die Sitzung des EZB-Rats am Donnerstag in Frankfurt. EZB-Präsident Mario Draghi hat im Vorfeld nachdrücklich hervorgehoben, dass die EZB alles unternehmen werde, um die Gemeinschaftswährung zu retten.

Die EZB werde Information von Bloomberg zufolge kurzlaufende Staatsanleihen (bis zu 3 Jahren) kaufen, unlimitiert, aber sterilisiert. Das heisst, dass die Bilanzsumme der EZB durch das neue Programm nicht aufgebläht werden soll.

Vermutlich werde die EZB auf ihre Vorrangstellung (seniority) verzichten und auch keine Obergrenze (cap) für die Risikoaufschläge der zukaufenden Staatsanleihen festlegen.

Die Modalitäten (conditionality) für die Inanspruchnahme des Anleihekaufprogramms dürften morgen auf der dem Treffen des EZB-Rats folgenden Pressekonferenz bekanntgegeben werden.


Verlauf der Anleihekäufe durch die EZB, Graph: Morgan Stanley, Research Global

Überhitzung im Schweizer Markt für Wohnliegenschaften


Die SNB warnt seit zwei Jahren vor Risiken der Überbewertung im Wohnliegenschaftsmarkt.

Aber sie hat bisher keinen Antrag auf Aktivierung des antizyklischen Kapitalpuffers (CCB) gestellt.


Schweizer Markt für Wohnliegenschaften, Graph: Jean-PierreDanthine, SNB, in: „Taming the financial cycle“, Sept 5, 2012