Samstag, 3. März 2012

FDIC schliesst bisher zwölf Banken

Die FDIC (Einlagensicherungsbehörde) hat am Freitag laut Washington Post eine kleine Bank in Georgia geschlossen.

Damit ist die Anzahl der Banken, die im Jahre 2012 verstaatlicht wurden, auf 12 gestiegen, nachdem im Vorjahr insgesamt 92 Banken gescheitert waren.

Die Zahl der Bankschliessungen im Jahr 2012 markiert einen deutlichen Rückgang aus den beiden Vorjahren. Zu diesem Zeitpunkt vor einem Jahr hatten die Behörden 23 Banken geschlossen.

Die verstaatlichte  Bank verfügt über ein Anlagevermögen von 143,7 Mio. $ und Einlagen von 116,8 Mio $. Die Kosten der geschlossenen Bank betragen für die öffentliche Hand  17,9 Mio. $.

Bankpleiten:
2012: 12
2011: 92
2010: 157
2009: 140
2008: 25
2007: 3

Wie Sparpolitik Erholung bremst

Es gilt sowohl für Europa als auch für die USA, dass die Erholung der Wirtschaft  aus der vergangenen Rezession sehr schwach erfolgt.

Es gibt dafür viele Gründe, warum die konjunkturrelle Erholung ungewöhnlich langsam vonstatten geht, schreibt Antonio Fatas in seinem Blog: ein angeschlagener Immobilienmarkt, Schuldenüberhang, die Angst vor Zahlungsunfähigkeit von Staaten. Einige dieser Argumente sind schwer zu quantifizieren.

Aber es gibt einen Faktor, der sich viel einfacher messen lässt: die Rolle der Sparpolitik (fiscal austerity), hebt der an der INSEAD lehrende Wirtschaftsprofessor hervor.

Die Tatsachen scheinen aber der seit Monaten anhaltenden Debatte zu entkommen. Es war für eine Weile üblich, die Wahrnehmung zu hören, dass die Staatsausgaben stetig steigen, wegen der aufeinander folgenden Konjunkturpakete, die die Regierungen schnüren. Was aber die Schwäche der wirtschaftlichen Erholung betrifft, gibt es in jüngster Zeit Bedenken über die mögliche Rolle der Sparpolitik, hält Fatas fest.

Der portugesische Ökonom vergleicht in diesem Zusammenhang die zwei vergangenen Rezessionen in den USA anhand von drei sehenswerten Abbildungen.


Staatsausgaben (Verbrauch und Investitionen) während der Erholungsphasen der Konjunktur aus Rezessionen (2001 und 2009), Graph: Prof. Antonio Fatas

Freitag, 2. März 2012

EZB Bankeinlagen: Horten Banken Geld?

Die Einlagen, die die Banken über Nacht (over-night) bei der EZB parken, ist gestern um 63% gestiegen. Die Rekordsumme beträgt mittlerweile 776,94 Mrd. Euro. Die Übernachteinlagen werden von der EZB zu 0,25% verzinst.

Die EZB hat am Mittwoch im Rahmen des zweiten langfristigen Refinanzierungsgeschäfts (3-Jahrestender, genannt LTRO) 529,5 Mrd. Euro zu einem festen Zinssatz von 1% zugeteilt. Nachgefragt hatten insgesamt 800 Banken.

Die Geschäftsbanken müssen bei der EZB eine minimale Einlage hinterlegen. Es handelt sich dabei um ein geldpolitisches Instrument der EZB zur Steuerung der Nachfrage nach Zentralbankgeld.

Deutet aber der kräftige Anstieg der Überschussreserven bei der EZB darauf hin, dass die jüngste LTRO misslungen ist, die Käufe von Staatsanleihen in der Eurozone (v.a. an der Peripherie) anzukurbeln?

Nein, nicht wirklich, wie die FT Alphaville mit Hinweis auf Dankse Bank nahelegt. Wenn eine Bank die Gelder aus der LTRO dazu verwendet, Staatsanleihen im Sekundärmarkt zu kaufen, taucht die Summe als eine Einlage bei der EZB auf, jetzt im Namen der Bank, die die Staatsanleihe verkauft hat.


Bankeinlagen bei der EZB (keine Hortung), Graph: Bank of America Merrill Lynch via FT Alphaville

Fiskalpolitische Vortäuschung im Wahlkampf

Die vier Kandidaten der Republikanischen Partei schrecken davor nicht zurück,  die allgemeinen Bedenken über das Haushaltsdefizit für ihre eigene politische Agenda zu verwenden.

Mitt Romney ist über Haushaltsdefizite sehr besorgt. Oder zumindest ist es, was er sagt. Denn er warnt gern davor, dass Präsidet Obamas Defizite die USA in Richtung eines Zusammenbruchs wie Griechenland führen.

Warum legt aber Romney einen Haushaltsentwurf vor, der zu viel grösseren Schulden und Defiziten führen würde als das entsprechende Vorhaben der Obama Regierung?, bemerkt Paul Krugman in seiner lesenswerten Freitagskolumne („Four Fiscal Phonies“) in NYT.

Natürlich ist Romney mit seiner Heuchelei nicht allein. In der Tat stehen alle verbliebenen vier Kandidaten der Republikanischen Partei für Vortäuschung in fiskalpolitischer Hinsicht. Die Kandidaten erlassen apokalyptische Warnungen über die Gefahren der Staatsverschuldung und setzen sich für Defizitreduzierung und verlangen brutale Kürzungen von Sozialprogrammen zu Gunsten der Mittelschicht und der Armen. Und sie verschleudern das damit gerettete Geld für Steuersenkungen für die Reichen, hebt Krugman hervor.

Und niemand sollte überrascht sein. Es lag die ganze Zeit auf der Hand, dass die die Politiker, die am lautesten über die Defizite schimpfen, die Defizit-Hysterie als Titel-Geschichte für ihr wirkliches politisches Programm nutzen, was top-down Klassenkampf ist, schildert der Träger des Wirtschaftsnobelpreises. Um es mit Romneys Worten zu beschreiben: es ist ein Vorwand, um Programme der öffentlichen Hand für die Menschen zu kürzen, die gern NASCAR (*) Veranstaltungen verfolgen, während Steuersenkungen für die Menschen, die die NASCAR-Teams besitzen, vonstatten gehen.

Donnerstag, 1. März 2012

Welche Staatsquote hätten Sie gern?

Die Republikaner schreien herum, dass Obamas Defizite die USA in Griechenland verwandeln würden. Wie sehen aber die Fakten aus?

Paul Krugman nimmt in seinem Blog alle Vorschläge der GOP-Kandidaten unter die Lupe und liefert anschliessend gestützt auf die Daten von CRFB (*) die folgende Abbildung.

Es ist so, dass alle Vorschläge (vielleicht ausser von Ron Paul, wobei er für riesige und wahrscheinlich unmögliche Ausgabenkürzungen eintritt) zu höheren Defiziten führen würden als es unter der Obama-Regierung der Fall ist.

Einige Kommentatore beschwören zwar, dass dies wegen der „dynamischen“ Auswirkungen der Steuersenkungen für die Reichen i.O. sei. Aber warum um alles in der Welt soll man an diesem Punkt an voodoo economics glauben?


Staatsquote (USA) 2021, Graph: Prof. Paul Krugman

Daten-Quelle CRFB (für die vier Kandidaten der GOP) und CRFB (eigene Schätzung) für Obama

Schweizer Wirtschaft legt um 0,1% zu

Das Bruttoinlandprodukt (BIP) hat in der Schweiz im vierten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,1% zugenommen.

Warum ist es aber „überraschend“, wie es in den Mainstream-Medien heisst? Nur weil Deutschland im vierten Quartal 2011 einen Rückgang des Wachstums um 0,2% hat hinnehmen müssen?

Das reale BIP der Schweiz ist gestiegen, weil der Staat im zweiten und dritten Quartal 2011 seine Ausgaben erhöht hat, um 1,6% bzw. 0,5% gegenüber dem Vorquartal und um 2,3% bzw. 2,3% gegenüber der gleichen Periode des Vorjahres.

Schweizer BIP im vierten Quartasl 2011, Graph: SECO, Staatssekretariat für Wirtschaft

EZB Bilanz

Was ist der Unterschied zwischen LTRO und QE?

LTRO ist eine Art indirekte QE via Kreditvergabepolitik einer Zentralbank. QE ist geradezu der Ankauf von Vermögenswerten (z.B. Anleihen) am Markt.

Auch wenn die beiden Instrumente auf den ersten Blick sich ähneln, gibt es Unterschiede im Hinblick auf den Wirkungsmechanismus.

Die Massnahmen führen i.d.R. zu einer Ausweitung der Bilanzsumme der Zentralbank und zu einem Anstieg der Überschussreserven im Banken-System.


EZB Bilanz, Graph: Elga Bartsch, Morgan Stanley