Wenn Demokraten und Republikaner sich auf den laufenden Haushalt 2011 nicht einigen können, müssen die Betriebe des Staates wegen Geldmangel geschlossen werden. Die Republikanische Partei scheint mit Unterstützung der Tea-Party entschlossen, den Geldhahn für die Obama-Regierung zuzudrehen. John Boehner, Chef der Republikaner im Repräsentantenhaus beharrt darauf, dass das Budget weiter gekürzt werden müsse. Boehner fordert laut Bloomberg Einsparungen in Höhe von 40 Mrd. $. Stimmt der Kongress dem Haushalt nicht zu, darf die Regierung keine weiteren Ausgaben tätigen. Die Schliessung von Behörden („shutdown“) würde für die Bürger des Landes eine Reihe von Unannehmlichkeiten bringen. Wenn es zu einem „shutdown“ kommen sollte, würden die Gelder, die in die Programme der Arbeitslosigkeit in den Bundesstaaten fliessen, versiegen. Die Stilllegung im öffentlichen Dienst würde Zehntausenden von Menschen vorübergehend den Verlust des Arbeitsplatzes bedeuten.
Mittwoch, 6. April 2011
Overnight-Geschäfte: Keine risikofreien Gewinne mehr für Banken
Die US-Geldmarktzinsen sind laut Bloomberg zu Beginn der Woche auf etwa ein-Jahres-Tiefs gesunken. Die Rendite der T-Bills mit 3 Monaten Laufzeit ist von 10 Basispunkten am vergangenen Donnerstag auf 3 Basispunkte am Dienstag gefallen. Die Rendite lag im Februar noch auf 15,72 Basispunkten. Warum? Da die Banken nicht mehr in der Lage sind, risikofreie Gewinne (risk-free profits) am Geldmarkt über Nacht (overnight money markets) zu machen, fliessen die Gelder in andere kurzfristige Instrumente. Warum? Weil (1) die US-Einlagensicherungsbehörde (FDIC) eine Gebühr für die Banken für die „Kreditaufnahme über Nacht“ eingeführt und (2) das US-Schatzamt die Emission von T-Bills* reduziert hat, um eine Überschreitung des Schuldenlimits (debt ceiling, mehr zum Thema Schuldenobergrenze) zu verhindern.
3 Monats-US-Treasury Bills, Rendite, Graph: Bloomberg.com
Inflation und Seelenmassage
Während Mainstream-Ökonomen auf eine steigende Inflationsgefahr in den Schwellenländern Asiens hindeuten und ein Übergreifen auf die EU implizieren, schickt sich die EZB an, den europäischen Leitzins von 1,0% auf 1,25% zu erhöhen, sehr wahrscheinlich sogar am Donnerstag, da EZB-Chef Jean-Claude Trichet bereits das Signalwort „hohe Wachsamkeit“ ausgesprochen hat. Die EZB scheint damit im Sog der Inflationsfalken selbst Inflationsängste zu schüren. Eine Zentralbank kann nämlich auch durch Kommunikation Einfluss auf die Inflationserwartungen nehmen. Die Amerikaner nennen es „jawboning“, d.h. einfach (zu)reden. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie eine Zentralbank wie die Federal Reserve (Fed), die die Inflation unter Kontrolle halten will, tatsächlich handeln kann, beschreibt Brad DeLong in seinem Blog. Die erste, was die Fed tun kann, ist, um die Inflation zu kontrollieren, reden, was kurz „jawboning“ heisst. Die Fed versucht, die Menschen davon zu überzeugen, was die Zukunft bringen wird und damit für die Anpassung der Inflationserwartungen sorgt, und zwar im dem Sinne, was der Fed in diesem Fall in Sachen Inflationsrate vorschwebt.
Euroland; allgemeine Inflation und Kerninflation, Graph: Morgan Stanley
Dienstag, 5. April 2011
Gesamte Faktorproduktivität und „Great Stagnation“
David Beckworth liefert in seinem Blog die folgende Abbildung der gesamten Faktorproduktivität (TFP: total factor productivity). Der an der Texas State University, San Marcos lehrende Wirtschaftsprofessor bezieht sich dabei auf die Daten von John Fernald, San Francisco Fed. Die TFP ist der Teil der Produktivität, welcher im Sinne von Input-Faktoren Arbeit und Kapital nicht erklärt werden kann. Die TFP, die daher oft als „Technologie“ genannt wird, misst m.a.W. die Veränderungen der Produktion, die nicht auf Arbeit und Kapital zurückzuführen sind. Vorausgesetzt, dass die TFP Technologie bedeutet, dann scheint die Abbildung die „Great Stagnation“-Hypothese (um 1973) von Tyler Cowen zu bestätigen, bemerkt der Blog Noahpinion (via Mark Thoma). Aus Neugier entschliesst sich Noahpinion, die Abbildung zu aktualisieren, und zwar so, dass er die TFP in zwei Kategorien aufteilt: (1) die TFP von langlebigen Gütern (durable goods; z.B. Autos, Gebäude, Fernsehen, Maschinen usw.) und (2) die TFP von Verbrauchsgütern (nondurable goods; Bekleidung, Lebensmittel usw.).
Gesamte Faktorproduktivität: Total Factor Productivity (TFP), Graph: Prof. David Beckworth
QE2 Wirkungsmechanismus
David Beckworth stimmt Paul Krugman zu, was die Erläuterung des geldpolitischen Wirkungsmechanismus für die QE2 betrifft. Aber er vertritt die Ansicht, dass es eine weit reichere Story gibt, die es mit dem Portfolio-Rebalancing Mechanismus der Geldpolitik zu erzählen gilt. Krugman hat gestern in seinem Blog auf die v.a. vom Vermögenseffekt getriebenen Konsumausgaben über die steigenden Aktienpreise und den Anstieg der ausländischen Ausgaben für die US-Wirtschaft über die US-Dollar-Abwertung hingewiesen. Beckworth erklärt, dass kurzfristige Staatspapiere wie z.B. die T-Bills nahezu einen vollkommenen Ersatz für die Bankreserven darstellen, weil beide einen Ertrag von nahe Null einbringen und ähnlich liquide sind. Damit die Fed die Anleger dazu bringt, einen Teil ihrer Geldbestände auszugeben, muss sie vorerst einen sinnvollen Wandel im Portfolio der Anleger herbeiführen. Der Austausch von T-Bills für Bankreserven wird aber nicht dafür sorgen können, weil sie jetzt praktisch gleich beschaffen sind. Um an Boden zu gewinnen, muss die Fed die Vermögenswerte austauschen, die keine perfekten Substitute darstellen. Daher hat sie beschlossen, weniger flüssige, höher rentierliche, längerfristige US-Treasury Bonds zu kaufen, um auf diese Weise die durchschnittliche Laufzeit der US-Staatspapiere, die sich in der Öffentlichkeit befinden, zu kürzen, legt Beckworth dar.
Wie die QE2 das Wachstum der erwarteten nominellen Ausgaben verändert hat, Graph: Prof. David Beckworth
Montag, 4. April 2011
QE und Transmissionsmechanismus
Es wird mittlerweile weithin angenommen, dass die QE2 ein Erfolg war. Und die US-Wirtschaft, die im vergangenen Sommer in eine deflationäre Morast zu geraten schien, hat sich seither wieder aufgelebt. Vor diesem Hintergrund befasst sich Paul Krugman in seinem Blog mit der Frage, warum? In den alten Tagen, als die Dinosaurier die Erde bevölkerten und die Studenten noch Keynesianismus lernten, war viel über den Transmissionsmechanismus der Geldpolitik zu hören, wie die Fed tatsächlich dafür sorge, dass die reale Wirtschaft an Boden gewinnt, beschreibt Krugman. Sowohl der Ausdruck als auch das Thema sind indes aus der Mode gekommen. Aber es ist immer noch eine wichtige Frage, und zwar mehr denn je, schildert der Träger des Wirtschaftsnobelpreises (2008) weiter. Was Sie damals lernten, war, dass der Transmissionsmechanismus weitgehend durch das Wohnungswesen (housing) funktioniert hat. Warum? Weil die langlebigen Investitionen sehr empfindlich auf Zinssätze reagieren, während die kurzlebigen Zinssätze nicht.
Wachstumskomponente im vierten Quartal 2011 (USA), Graph: Prof. Paul Krugman
Was Facebook mit Lokaljournalismus zu tun hat
Es ist inzwischen unbestritten, dass Facebook mehr als eine Webseite ist, wo soziale Netzwerke erstellt und betrieben werden. Vor diesem Hintergrund verweist David Warsch in economicprincipals auf einen lesenswerten Beitrag von Joshua Gans, der kürzlich in Harvard Business Review veröffentlicht wurde. „Facebook ist die grösste Nachrichtenagentur schlechthin“, schreibt Gans. Facebook stellt eine „hyper-local“-Notion dar. Es hat sich einfach herausgestellt, dass Facebook keine geographische Nachbarschaft bildet, sondern eine sozial geschaltete Plattform ist, wo Individuen zu Reportern und Redakteuren werden, hält der an der Melbourne Business School lehrende Wirtschaftsprofessor fest. Als Journalist erinnert Warsh in diesem Zusammenhang an die seit vielen Jahren anhaltenden Bemühungen der Verleger, die lernen müssen, ihre Gemeinschaften nachzuforschen, um das zu produzieren, was sie „hyper-local“-News (hyperlocal; „Lokaljournalismus“) nennen. Die Idee sei, die Kompetenz der Nachrichtenerfassung und die Reputation irgendwie in einen Springquell lokaler Inhalte auszubauen, ausreichend, um immer mehr Leser und Anzeigenkunden aus allen Ecken anzulocken, erklärt Warsh.
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