Dienstag, 22. Februar 2011

Wann wird die Fed die Zinsen erhöhen?

Sehr wahrscheinlich nicht in diesem Jahr, bemerkt Calculated Risk. Die Fed könnte die Leitzinsen frühestens später im Jahre 2012 oder noch später anheben, so der anspruchsvolle Wirtschaftsblog. Auch Glenn Rudebusch, Senior Vice President und Associate Director of Research bei der Federal Reserve Bank of San Francisco glaubt, dass es einige Zeit dauern wird, bis die Fed die Fed Funds Rate erhöht werden. Aufgrund einer solch grossen Produktionslücke (output gap), der hohen Arbeitslosigkeit und der niedrigen Inflation ist in absehbarer Zeit mit keiner Zinserhöhung zu rechnen.


Produktionslücke, Graph: Glenn Rudebusch, Federal Reserve Bank of San Francisco

Ist die moderne Zentralbank reformbedürftig?

In der jüngsten Finanzkrise waren die Zentralbanken zentrale Figuren, die stark interveniert haben, um die Finanzmärkte und Volkswirtschaften zu unterstützen. Die Eingriffe haben aber eine Welle von Kritik an die Adresse der Zentralbanken ausgelöst. The Economist möchte vor diesem Hintergrund von einer Reihe von Ökonomen wissen, ob die moderne Zentralbank reformbedürftig ist? Ökonomen antworten. Markus Brunnermeier schreibt in einer lesenswerten Stellungnahme, dass die Zentralbanken mehr Instrumente nutzen müssen, um Bubbles zu bekämpfen. „Die Preisstabilität ist von primärer Bedeutung, aber auch die finanzielle Stabilität muss als Priorität wahrgenommen werden, wenn Bankpleiten die realwirtschaftlichen Aktivitäten belasten. In der Tat war die Funktion „lender of last resort“ die ursprüngliche Motivation, um Zentralbanken einzurichten“, erklärt der an der Princeton University (Edwards S. Sanford) lehrende Wirtschaftsprofessor. Die jüngsten Ereignisse haben deutlich gemacht, dass diese Funktion durch präventive Massnahmen ergänzt werden muss. „Aufwischen“, nach der eine Blase geplatzt ist, reicht nicht mehr aus. Die Zentralbanken müssen gegen Ungleichgewichte präventiv vorgehen, argumentiert der wissenschaftliche Mitarbeiter bei CEPR, NBER und CESifo.

Israelische Zentralbank erhöht Zinsen auf 2,50 Prozent

Die Bank of Israel (BoI) hat gestern wie erwartet ihren Benchmark-Zins  um 25 Basispunkte auf 2,50% angehoben. Die BoI hatte zuletzt im vergangenen Monat die Zinsen erhöht. Die Konsumentenpreise (CPI) sind im Januar annualisiert auf 3,6% gestiegen. Der Zinsentscheid steht laut BoI im Einklang mit dem schrittweise erfolgenden Prozess der Rückkehr der Zinsen auf ein „normales“ Niveau, in der Absicht, die Inflation im Zielbereich fest zu verankern und zur Erholung der Wirtschaft weiter beizutragen, bei gleichzeitiger Unterstützung der Stabilität des Finanzsystems. Aufgrund der starken Beiträge des privaten Verbrauchs und der Ausfuhren zum Wirtschaftswachstum (+7,8% im IV. Quartal 2010) ist zu erwarten, dass BoI-Governor Stanley Fischer in den nächsten Monaten die Zinsen weiter anheben wird.


Israel Inflationserwartungen, Graph: Morgan Stanley

Montag, 21. Februar 2011

Wie Deutschland EU-Finanzkrise umwickelt

Wolfgang Münchau sieht in der Art und Weise, wie Deutschland die EU-Finanzkrise, seine Besorgnisse über den europäischen Finanzstabilität-Mechanismus (EFSF) und seinen Einfluss auf die Ernennung des nächsten EZB-Präsidenten in eine Erzählung umwickelt, eine Gefahr für die EU. Am Schluss werde die falsche Krise angegangen, mit Veto belegt oder einfach gepfuscht und mit einer nicht glaubwürdigen Lösung für die Banken, einem drittklassigen Zentralbanker an der Spitze der EZB und einem Prozess der Koordinierungspolitik, wo Entscheidungen von zwei Oberhäuptern auf langen Spaziergängen an den Stränden getroffen werden, beschreibt der Kolumnist in einem lesenswerten Kommentar („A misguided German narrative of the crisis“) in der britischen Tageszeitung FT. Münchau schildert, warum es wichtig ist, um den nächsten strategischen Schritt von Angela Merkel zu verstehen, sich zunächst mit der deutschen Erzählung der Krise in der Euro-Zone vertraut zu machen: „Es ist eine Erzählung von fiskalpolitischer Verantwortungslosigkeit und mangelnder Wettbewerbsfähigkeit. Es gibt zwar eine Bankkrise, aber sie ist nicht zentral. Es ist die Krise, die die EU versucht, gerade jetzt zu lösen“.

Schweiz: Null-Inflation hält an

Die Kerninflation lag in der Schweiz nach Dezember 2010 auch im Januar 2011 bei Null Prozent. Davor belief sich die Kernrate, die die Preisentwicklung ohne Nahrung, Getränke, Tabak, Saisonprodukte, Energie und Treibstoffe widerspiegelt, im September auf Minus 0,1%, im Oktober auf Minus 0,2% und im November auf Minus 0,1%.
  

Schweiz: Konsumentenpreise und Kerninflation, Graph: SNB, Statistisches Monatsheft Febr. 2011

Vögel, Bienen und Grossbanken

Regulierungsbehörden fordern, dass die grossen, komplexen Banken grössere Puffer des Kapitals halten müssen, um das Finanzsystem zu schützen. Grossbanken argumentieren, dass das nicht nötig ist, weil die Gefahr durch ihre grössere Bilanz diversifiziert sei. Wer hat Recht? Naturwissenschaften, insbesondere der Epidemiologie, Ökologie und Genetik liefern Hinweise, schreiben Andrew Haldane und Robert May in einem lesenswerten Essay („The Birds and the bees, and the big banks“) in FT. Sind Grossbanken tatsächlich weniger anfällig fürs Scheitern? Die traditionelle Ökonomie der Diverzifizierung legt das nahe. Aber komplexe Systeme in der Natur wie im Finanzwesen präsentieren eine andere Geschichte. Risikoaufstockung kann zu einem Absturz führen, anstatt zum Ausgleich, bemerken der Direktor der Finanzstabilität bei der Bank of England (BoE) und der Professor für Zoologie an der Oxford University. Je grösser und komplexer die Struktur, desto grösser das Risiko.

CoCo-Bonds: Warum nicht mehr Eigenkapital?

Die Credit Suisse hat am vergangenen Montag zwei CoCo-Bonds (Contingent Convertible Bonds) im Wert von 3,5 Mrd. $ und 2,5 Mrd. Schweizer Franken bei arabischen Investoren (Qatar Holding und Olayan Group) platziert. Die Schweizer Grossbank zahlt für die in US-Dollar denominierten CoCo-Bonds 9,5% Zinsen, und für die in Schweizer Franken denominierten CoCo-Bonds 9% Zinsen. Am Donnerstag hat die Credit Suisse (CS) eine weitere bedingte Pflichtwandelanleihe (CoCo-Bonds) begeben: Im Volumen von 2 Mrd. $ mit einem Kupon von 7,875%. Die Anleihe wird in Aktien der CS gewandelt, wenn die ausgewiesene risikobasierte Kapitalquote der CS Group am Ende eines Quartals unter 7% (trigger) sinken. Die Anleihe wird auch dann gewandelt, wenn die Schweizer Regulierungsbehörde befindet, dass die CS Group staatliche Unterstützung braucht, um Insolvenz oder Bankrott abzuwenden oder um einen wesentlichen Anteil des Fremdkapitals zurückzuzahlen oder wenn andere Umstände dies erfordern würden. Der Zinssatz gilt zunächst für 5 Jahre. Danach (ab August 2016) kann die Anleihe mit 30 Jahren Laufzeit von der CS jederzeit getilgt werden.




Wandlungskapital im Vergleich mit Eigenkapital, Graph: Prof. Anat Admati in: „Fallacies, Irrelevant Facts and Myths in the Discussion of Capital Regulation: Why Bank Equity is Not Expensive”, Oct. 2010