Montag, 21. Februar 2011

Armut ist Gefahr, nicht Inflation

Für die USA ist die Gefahr nicht unbedingt ein Ausbruch der Inflation durch steigende Lohn-Preis-Spirale, sondern viel mehr ein Lebensstandard-Schock. In der Tat haben Haushaltseinkommen die Inflation seit 1975 kaum übertroffen. Gewinne an Haushaltseinkommen sind v.a. auf Frauen, die in die Arbeitswelt eintreten, zurückzuführen. Das Median-Einkommen für Männer lag 1973 real höher als im Jahre 2009. Die wirkliche Gefahr ist, dass die USA einem Armut-Zyklus gegenübersehen als einem inflationären, schreibt WSJ in einem kurzen Artikel.

Sonntag, 20. Februar 2011

Partisan Zentralbanker

Eine Verwandlung, die für politische Schlagzeilen sorgt. Ed Balls, Schatten-Kanzler hat in kürzlich Mervyn King, Gouverneur der Bank of England (BoE) kritisiert, die Glaubwürdigkeit der Zentralbank zu verspielen. King hat nämlich angefangen, sich wie ein Cheerleader für die aktuelle britische Regierungspolitik zu verhalten. Er liegt falsch, nicht weil er eine vorderlastige Ausgabenkürzungen begrüsst, sondern weil die Leute, die Zentralbanken führen, vorsichtig sein müssten, um über dem politischen Gefecht zu bleiben. Das weckt Erinnerungen an Alan Greenspan, wie Paul Krugman in seinem Blog beschreibt. Greenspan war ein strenger Verfechter der Haushaltsdisziplin, bis ein Republikaner im Weissen Haus das Ruder übernahm. Dann erklärt der ehem. Fed-Präsident, dass Steuersenkungen notwendig sind, um eine zu schnelle Senkung der US-Schulden zu verhindern. Krugman bedauert es, dass King, der ja bisher einen guten Ruf genossen hat, nun den gleichen Weg geht.

Bank of Israel: Negative Realzinsen

Die Bank of Israel (BoI) dürfte im Einklang mit dem schrittweise erfolgenden Prozess der Rückkehr der Zinsen auf ein normales Niveau den geldpolitischen Kurs weiter straffen. Angesichts der verschiedenen Faktoren wie des Kreditwachstums, des anhaltenden Anstiegs der Häuserpreise, der Wachstumsdynamik und der sich verschlechternden Inflationserwartungen wäre ein Zinsanstieg nicht unangemessen. Die Reallöhne steigen und die Produktionslücke (output gap) schliesst sich.


Israel, negative Realzinsen, Graph: Tevfik Aksoy, Morgan Stanley

Global Saving Glut: Hypothese von Ersparnisschwemme

Welcome back to Matrix! Ben Bernanke hatte 2005 in einem einflussreichen Vortrag („Global Saving Glut“) festgehalten, dass die weltweiten Handelsungleichgewichte auf die globalen Ersparnisschwemme zurückzuführen sind. Unter „Ersparnisschwemme“ ist der Anstieg des Angebots an Ersparnissen zu verstehen. Insbesondere stellt China dafür das weltweit deutlichste Beispiel dar. Während die Ungleichgewichte Bernankes Hypothese nach durch eine globale Ersparnisschwemme verursacht wurden, sehen die Anhänger der neoklassichen Ökonomie „Geldschwemme“ (d.h. lockere Geld- und Fiskalpolitik) als Ursache der Weltwirtschaftskrise. Nach mehr als sechs Jahren hat Bernanke in Paris vorgestern wieder auf diese Thematik zurückgegriffen. In einem 35-Seiten umfassenden Paper („International Capital Flows and the Returns to Safe Assets in the United States, 2003-2007“) begleitet durch drei andere Ökonomen der US-Notenbank verfeinert Bernanke jetzt seine Hypothese von „Ersparnisschwemme“ auf einer internationalen Veranstaltung im Rahmen des G-20-Treffens in Frankreich.


Kapitalströme aus Europa in die US-Wertpapiere nach Typus, Graph: Prof. Ben Bernanke, International Capital Flows and the Returns to Safe Assets in the United States

Samstag, 19. Februar 2011

USA: Bankschliessungen steigen weiter

Die FDIC (Einlagensicherungsbehörde) hat am Freitag laut NYT zwei Banken in Georgia und zwei in Kalifornien geschlossen. Damit ist die Anzahl der Banken, die im Jahre 2011 verstaatlicht wurden, auf 22 gestiegen, nachdem im Vorjahr insgesamt 157 Banken gescheitert sind.

Die verstaatlichten vier Banken verfügen über ein Anlagevermögen von insgesamt  1’055,3 Mio. $.

Bankpleiten:
2011: 22
2010: 157
2009: 140
2008: 25
2007: 3

G-20-Treffen in Paris: Ben Bernanke verteidigt US-Geldpolitik

Auf dem G-20-Treffen in Paris sind gestern Finanzminister und Notenbank-Gouverneure aus 20 Ländern zusammengekommen. Die wichtigsten Volkswirtschaften wollen sich v.a. zwei Themen annehmen: globale Ungleichgewichte und steigende Rohstoffpreise. Fed-Präsident Ben Bernanke hat auf einer von der Banque de France organisierten Veranstaltung „Financial Stability Review Launch“ Event zum Thema „Global Imbalances“ einen Vortrag gehalten. Bernanke hat dabei die US-Geldpolitik gegen die Vorwürfe in Schutz genommen, dass die US-Notenbank aufgrund ihrer Politik des billigen Geldes Inflation exportiere und „asset bubbles“ im Ausland verursache.


International Capital Flows, Graph: Prof. Ben Bernanke, International Finance Discussion Papers, Nr. 1014, Febr. 2011

Inflation: Was sagt „MIT Billion Price Index“ aus?

Stimmt es, wie manche Marktbeobachter behaupten, dass der MIT Billion Price Index über die Inflationsentwicklung in den USA etwas anderes aussagt als der CPI? Handelt es sich dabei also um eine ganz andere Geschichte im Vergleich zum offiziellen Verbraucher-Preisindex (CPI)? Überhaupt nicht. Wie Paul Krugman in seinem Blog argumentiert, passen die beiden Indizes recht gut zusammen. Um es gleich vorwegzunehmen: Der Billion Price Index erfasst zwangsläufig nur Güter, nicht Dienstleistungen. Der MIT Index hat daher einen engeren Fokus als der Konsumenten-Preisindex (CPI). Und die Waren-Preise, welche einen viel grösseren Rohstoff-Inhalt enthalten, sind deutlich volatiler, erklärt Krugman. Die Preise sind im Jahr 2009 abgestürzt und sie sind im vergangenen Jahr viel stärker gestiegen als die der Dienstleistungen.



The Billion Prices Index (MIT), Graph: Daily Price Indexes (MIT)