Freitag, 18. Februar 2011

USA: Inflation im Sog von einmaligen Faktoren

Die Fed kommt mit der QEII-Politik gut voran. Es ist Ben Bernanke, dem Fed-Präsidenten gelungen, das Deflationsrisiko erheblich zu reduzieren. Die Inflation ist zwar im vergangenen Monat gestiegen, aber v.a. wegen des Benzinpreises. Zudem hat der Index für Nahrungsmittelpreise den stärksten Anstieg seit über zwei Jahren aufgewiesen. Abgesehen von einmaligen Faktoren verläuft die Kerninflation weiterhin niedrig, zumindest unterhalb der Zielwerte der Fed. Die mangelnde Nachfrage lastet noch immer auf der gesamten Wirtschaft, wie die anhaltende hohe Arbeitslosigkeit andeutet.

Der Median CPI (Median Konsumenten-Preisindex) stieg im Januar nach den gestern vorgelegten Angaben der Fed nur geringfügig um 0,2% (Jahresrate: 2,0%). Der 16%-Trimmed Mittelwert legte im vergangenen Monat um 0,2% (Jahresrate: 2,7%) zu.

Bei Median CPI und 16%-Trimmed Mean CPI handelt es sich um Messgrössen der Kerninflation. Die Daten der Fed Cleveland beruhen auf Inflationswerte, die von Bureau of Labor Statistics (BLS) monatlich veröffentlicht werden.


Median CPI, Graph: Brent Meyer, Fed Cleveland

GDP-linked Bonds

Während sich eine erbitterte Konfrontation in der US-Haushaltsdebatte zwischen den Demokraten und Republikaner im Kongress abzeichnet, bringt Robert Shiller ein neues Konzept ins Spiel: GDP-linked Bonds. Es handelt sich dabei um eine Idee, die der an der Yale University lehrende Wirtschaftsprofessor bereits im Jahr 1993 in seinem Buch „Macro Markets“ vorgestellt hatte. In einem lesenswerten Essay („A bond that insures against instability“) in FT vom 10. Juli 2006 hatte Shiller mit Stephany Griffith-Jones weitere Einzelheiten dargelegt. Nachdem Ausbruch der Finanzkrise hat der Autor des Buches „Animal Spirits“ das Konzept der Anleihen, die am Wirtschaftswachstum (BIP) verknüpft sind zuletzt im Dezember 2009 in einem Artikel („A way to share in a Nation’s Growth“) in NYT geschildert. Unternehmen geben Aktien und Anleihen aus, um sich Kapital zu beschaffen. Warum sollen Staaten nicht eine neue Art von Wertpapieren, die sich auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beziehen, begeben: Anteile am BIP. Shiller nennt sie „Trills“. Jedes Trill würde ein Billionstel des BIP eines Landes darstellen, und eine vierteljährliche Dividende in Höhe von einem Billionsten des vierteljährlichen nominalen BIP auf Dauer und in inländischer Währung auszahlen.

Aktuelle US-Haushaltsdebatte

Es gibt drei Dinge, die man über die aktuelle US-Haushaltsdebatte wissen sollte: (1) Es ist im Wesentlichen verlogen, (2) die meisten Menschen, die sich als Defizit-Falken geben, täuschen es vor, und (3) während der Präsident die Verlogenheit nicht ganz vermieden hat, verdient er viel mehr Anerkennung für eine verantwortungsvolle Finanzpolitik als bisher der Fall ist, bemerkt Paul Krugman in seiner Freitagskolumne in NYT. Was die Verlogenheit betrifft: im vergangenen Monat beschrieb Howard Gleckman von Tax Policy Center den Präsidenten als „anti-Willi Sutton“, weil Obama dahin geht, wo das Geld nicht ist, indem er aus dem Einfrieren der nicht sicherheitsrelevanten diskretionären Ausgaben, welche 12% des Haushalts ausmachen, eine grosse Sache macht. Das ist aber das, was jeder tut, legt Krugman dar. Republikaner konzentrieren sich ausschliesslich auf das gleiche kleine Budget-Scheibchen. Die ganze Haushaltsdebatte ist eine Farce, schildert der Nobelpreisträger (2008) für Wirtschaftswissenschaften. Republikaner, die buchstäblich Lebensmittel aus dem Mund der Babys stehlen (Ernährungshilfe für schwangere Frauen und Kleinkinder werden gestrichen), stellen sich fälschlich als Defizit-Falken dar.

Donnerstag, 17. Februar 2011

Euro-Zone: Leistungsbilanz im Defizit

Einem aktuellen Bericht der Europäischen Zentralbank (EZB) nach hat die Leistungsbilanz der Euro-Zone im Dezember 2010 (November: 10,5 Mrd. Euro) saisonbereinigt ein Defizit von 13,3 Mrd. Euro ergeben. Das Defizit reflektiert laufende Übertragungen (8,2 Mrd. Euro), Erträge (4,4 Mrd. Euro) und Dienstleistungen (1,1 Mrd. Euro). Die Güter-Bilanz war laut EZB-Pressemitteilung nahezu ausgeglichen. Das Leistungsbilanzdefizit ist im Gesamtjahr 2010 auf 56,4 Mrd. Euro (2009: 51,4 Mrd. Euro) gestiegen. Das entspricht rund 0,6% des aggregierten BIP der gemeinsamen Euro-Zone.


Euro-Zone Zahlungsbilanz, Leistungsbilanz, Graph: EZB

Druckt die Fed nun Geld oder nicht?

In der Debatte, ob die Federal Reserve (Fed) derzeit Geld druckt oder nicht, kommt es vorerst darauf an, festzuhalten, was man unter „Geld“ (money) und „Gelddrucken“ (money printing) versteht. James Hamilton erklärt in einem lesenswerten Beitrag im Blog Econbrowser, dass die Leute, wenn sie von „Gelddrucken“ reden, zunächst an die grünen Noten mit Bildern der toten Präsidenten darauf denken. Die nachstehende Abbildung zeichnet die Wachstumsrate des Bargeldumlaufs im letzten Jahrzehnt. Hamilton hat dabei die Wachstumsraten über 2 Jahres- anstatt 1-Jahres-Intervalle ausgewählt, weil er (1) die Auswirkungen des abrupten Rückgangs der Geldmenge im Jahr 2008 auf diese Weise etwas ausgleichen will und (2) sowohl die ökonomische Theorie als auch die empirischen Befunde es nahelegen, dass es besser ist, die durchschnittlichen Wachstumsraten über längere Zeiträume zu verwenden, wenn man v.a. Geldmengenwachstumsrate als einen möglichen Inflationsindikator erfasst.


Wachstumsrate des Bargeldumlaufs in den vergangenen 10 Jahren, Graph: Prof. James Hamilton

Wie nah ist Amerika einer Haushaltskrise?

The Economist will wissen, wie nah Amerika einer Fiskal-Krise ist. Ökonomen antworten. Darunter Brad DeLong. Der an der University of California, Berkeley lehrende Wirtschaftsprofessor liefert die folgende Abbildung und bemerkt, dass Amerika jetzt ein grosses kurzfristiges Defizit hat: „Wir sind immer noch in einem tiefen Abschwung und als Ergebnis liegen die Staatseinnahmen vorübergehend unter dem Trend und die Staatsausgaben vorübergehend über dem Trend. Aber das CBO prognostiziert in seinem aktuellen Ausgangswert, dass die Staatseinnahmen, wenn die Wirtschaft sich erholt, zunehmen und die Staatsausgaben abnehmen werden“, beschreibt DeLong. Die gepunktete Linie der Staatseinnahmen auf der Abbildung entspricht ab 2015 der Spitze der primären Staatsausgaben.


Staatseinnahmen und Primärausgaben, Graph: CBO via Prof. Brad DeLong

Mittwoch, 16. Februar 2011

Thema Ägypten und Fortschritte in Demokratie

Martin Wolf befasst sich in einem lesenswerten Essay („Egypt has history on its side“) in FT mit dem Thema Ägypten im Lichte des Demokratisierungsprozesses im Verlauf der Geschichte. Im Jahr 508 vor unserer Zeitrechnung war nach dem Sturz eines Tyrannen eine Demokratie in Athen gegründet. Wenn die Demokratie heute 2'519 Jahre alt ist, ist Ägypten wesentlich älter, es ist der älteste Staat auf dem Planeten, bemerkt der Chef Wirtschaftskommentator der britischen Zeitung. Das „Polity IV Projekt“ am Zentrum für Systemic Peace an der George Manson University präsentiert in einer Analyse der politischen Regimes von 1800 bis 2009, dass im Jahr 2009 92 von insgesamt 162 untersuchten Länder Demokratien sind, während nur 23 Länder Autokratien darstellen, gegenüber 89 im Jahre 1977. Ach! 47 Länder waren „anocracies“, d.h. fragile Staaten mit beiden Elementen einer Demokratie und Autokratie. Dennoch ist die Welt zum ersten Mal in der Geschichte überwiegend demokratisch.


Globale Trends in Staatsformen (1946-2008), blau: Demokratien, schwarz: „Anocracies“ und rot: Autokratien, Graph: Polity IV Country Reports 2008, George Manson University