Mittwoch, 7. Januar 2009

Anleihenmarkt: Sind US-Treasuries überkauft?

Im Zuge der Kreditmarktkrise flüchteten Anleger in Scharen in den sicheren Hafen der Staatsanleihen. Das hat die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries von 3,85% auf 2,1% gedrückt. Während die Preise am Aktienmarkt fielen, stiegen die Kurse am Anleihenmarkt. Bei Anleihen ist es so, dass die Rendite und der Kurs sich gegenläufig bewegen. Der US-Treasury-Markt hat es 2008 auf einen Ertrag von 14% gebracht und den breit erfassten S&P-500 Index für Aktien (Minus 50%) deutlich an Leistung übertroffen. 2008 war das beste Jahr für Staatsanleihen seit mehr als 25 Jahren. Mit 2,035% ist die Rendite der Benchmark-Anleihe auf den niedrigsten Wert seit 1953 gesunken. Auch die Rendite der 30-jährigen Treasuries fiel mit 2,55% auf das tiefste Niveau seit 1977 zurück. Die Renditen der T-Bills sind sogar ins Minus gerutscht.


US-Treasury (10Y) Rendite, Graph: finance.yahoo.com

Der Markt für inflationsgeschützte Anleihen (TIPS) antizipiert zur Zeit eine Inflationsrate von weniger als 0,27%. Seit Jahresbeginn steigt die Rendite der US-Staatsanleihen wieder. Kehrt sich jetzt der Trend um? Der designierte US-Staatspräsident Barack Obama plant, ein gigantisches Konjunkturpaket im Betrag von 775 Mrd. $ aufzuschnüren. Das Schatzamt kündigte bereits an, 2009 Anleihen im Wert von 2'000 Mrd. $ aufzulegen. Der US-Treasury-Markt hat insgesamt ein Volumen von 5'000 Mrd. $. Sollte am Anleihenmarkt tatsächlich eine Blase entstanden haben, ist es eher auf Angst als auf Gier zurückzuführen. Denn Anleger suchen Schutz vor Rezession und Deflation. Institutionelle Investoren haben sich im IV. Quartal 2008 massenweise von den sog. „toxic assets“ getrennt, um mit dem Erlös sichere Staatsanleihen zu kaufen. Wie schlimm könnte aber ein Absturz am Anleihenmarkt sein? Die Frage ist schwer zu beantworten. Immerhin hat die US-Notenbank zu Jahresbeginn angefangen, hypthekenbesicherte Papiere im grossen Stil zu kaufen. Die Geldpolitiker deuteten bisher mehrmals an, gegebenfalls auch langlaufende Staatsanleihen am offenen Markt zu erwerben. Die Median-Prognose der 19 Primary Dealer am US-Treasury Markt besagt laut Bloomberg, dass die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatspapiere auf 3% steigen wird. Die japanische Erfahrung mit der Deflation in den 1990er Jahren belegt aber, dass die Renditen am Bondmarkt weiter fallen dürften.

Dienstag, 6. Januar 2009

Wirtschaftskrise: Fed wehrt sich mit ZIRP und QE gestützt auf TARP

Die US-Notenbank (Fed) versucht mit einer Kombination von ZIRP (zero interest rate policy) und QE (quantitative easing) den Markt mit zusätzlicher Liquidität zu fluten. Das ist notwendig, aber nicht ausreichend. Deshalb beschafft das TARP (troubled asset relief programm) weiterhin Kapital für das Bankensystem. Fed-Chef Ben Bernanke nimmt aber auch die Politik gern in die Pflicht. Der künftige US-Präsident Barack Obama plant ein gigantisches Konjunkturpaket (über 700 Mrd. $). Es soll jedoch zu rund 40% aus Steuersenkungen bestehen.


Obamas Schwenk für Steuersenkungen

Strebt Obama mit Steuersenkungen eine breite Zustimmung im Parlament für seine Konjunkturpläne an? Die Republikaner sind bekanntlich für Steuersenkungen. Investitionen in die Infrastruktur und in erneuerbare Energien lohnen sich und sind als Stimulus für die Wirtschaft effektiver als Steuersenkungen. Es gibt dafür laut Paul Krugman zwei Gründe. Erstens ist das Geld, das der Staat ausgibt, ausgegeben. Es fördert nämlich die Nachfrage. Zweitens versprechen Investitionen in Infrastruktur mehr Wert. Das in Strassen, Brücken, Schulen, öffentliche Gebäuden und schnellere Internetverbindungen gesteckte Geld hinterlässt etwas Beständiges, was auch nach dem Ende des Stimulus-Plans weiter existiert. Steuersenkungen hingegen haben sich in der Vergangenheit nicht immer als wirkungsvoll erwiesen. Die Bürger könnten Steuerschecks zum grössten Teil „sparen“, d.h. nicht für Konsum ausgeben.

Montag, 5. Januar 2009

Markit iTraxx Crossover Index: Verhaltener Anstieg zu Jahresbeginn

Die Banken horten nach wie vor Geld. Es herrscht Kreditklemme. Die Renditen der Staatsanleihen dürften im neuen Jahr noch einige Monate weiter fallen. Die US-Notenbank (Fed) wird mit dem Aufkauf von Anleihen am offenen Markt den Anstieg der Renditen bremsen. Nach dem düsteren Jahresausklang sind die Kosten für die Absicherung von Kreditrisiken für europäische Unternehmen heute zum Handelsbeginn geringfügig gestiegen. Die Credit Default Swaps (CDS) für den Markit iTraxx Crossover Index, der 50 europäische Unternehmen mit geringer Bonität (high-risk, high-yield credit rating) umfasst, kletterten um 10 Basispunkte auf 1’025 Basispunkte. Der Index stieg am 3. Dezember 2008 erstmals auf 1'000 Basispunkte.


Markit iTraxx Crossover Index, Graph: Markit

Das heisst, dass Investoren 10,25% der Summe, die sie absichern wollen, als Versicherungssumme zahlen müssen. Mit anderen Worten müssen Anleger 1'025’000 Euro zahlen, um Anleihen im Index im Wert von 10 Mio. Euro für fünf Jahre gegen den Ausfall zu versichern.


Markit iTraxx Europe Index, Graph: Markit

Auch die CDS für den Markit iTraxx Europe Index, der 125 europäische Unternehmen mit Anlagequalität (investment-grade) erfasst, ist laut Bloomberg leicht um 2 Basispunkte auf 178 Basispunkte gestiegen.

Sonntag, 4. Januar 2009

Januar-Effekt: Barometer für die Jahresperformance?

Es gibt an der Wall Street bekanntlich viele sagenhafte Sprichwörter. Wie zum Beispiel „Sell in May and go away“. Oder „As goes January, so goes the year“. Das bedeutet, dass die Performance des Monats Januar für das Gesamtjahr entscheidend ist. Legen die Aktienkurse im Januar überdurchschnittlich zu, schliesst die Börse das Jahr im Plus ab. Der amerikanische S&P-500 Index hat nach empirischen Untersuchungen dank einem jeweiligen positiven Januar-Effekt 60 der vergangenen 80 Jahre mit Gewinn beendet. Am 2. Januar, dem ersten Handelstag des Jahres 2009 legte der Dow Jones um 258 Punkte auf 9'034 Index-Stand zu. Der S&P-500 Index kletterte um 3,16%. Mit 931,21 Punkten markiert der breitgefasste amerikanische Index den höchsten Stand seit Anfang November.


S&P-500 Index (5 Tage), Graph: finance.yahoo.com

Der Januar-Effekt ist wissenschaftlich natürlich nicht begründbar. Ob sich das historische Kursmuster auch dieses Jahr anhält, ist jedoch angesichts der schweren Rezession mehr als fragwürdig. Denn es gibt laut einem Artikel in New York Times nicht einmal eine Korrelation unter den Industrieländern. Dieses Phänomen ist offenbar in Grossbritannien, Japan und Kanada nicht zu beobachten. Es handelt sich dabei im allgemeinen um eine statistische Anomalie. Anleger wären daher besser beraten, sich auf den sog. „Januar-Effekt“ nicht zu verlasen. Im vergangenen Jahr sind die Aktien weltweit im Durchschnitt um 50% eingebrochen. Die globale Marktkapitalisierung hat sich halbiert. Ob das Schlimmste hinter uns liegt, hängt davon ab, wie wir mit dem drastischen Wachstumseinbruch und den verschlechterten Marktkonditionen umgehen.

Freitag, 2. Januar 2009

Dow Jones Index: Jahresperformance Minus 34 Prozent

Der Dow Jones-Index der 30 grossen Industriewerte hat im vergangenen Jahr 34% an Wert verloren. Das war der höchste Kursverlust des weltweit führenden Börsenbarometers seit 1931. Auch der S&P-500 Index stürzte brutal ab. Im Jahresvergleich büsste der breite gefasste Index 38,5 Prozent ein. Der Technologie-Index Nasdaq schloss 2008 mit einer Performance von Minus 41% ab. Die Finanzmarktkrise hat in den USA insgesamt 6'900 Mrd. Dollar an Börsenwert vernichtet.


Dow Jones Index (2008), Graph: yahoo.finance.com

Es scheint derzeit unwahrscheinlich, dass die Börse sich vor der zweiten Jahreshälfte 2009 nachhaltig erholen kann. Sind die trüben Konjunkturaussichten in den Aktienkursen enthalten? Das bleibt eine offene Frage. In Europa sind die Unternehmensgewinne 2008 nach ersten Berechnungen um 14% zurückgegangen. Für 2009 rechnen Analysten mit einem Einbruch von 33%.

Türkei: Inflation im Dezember rückgängig

Der Verbraucherpreis-Index (CPI) ist in der Türkei im Dezember um 0,41% einschrumpft. Annualisiert beträgt die Inflation nun für 2008 rund 10 Prozent. Der Rückgang der Inflation ist breitgefächert. Verantwortlich dafür ist aber insbesondere die Preisabnahme in Bekleidung (-3,9%), Transportwesen (-2,5%) und Unterkunft (-0,5%). Auf Monat-Basis verbucht die Inflation den tiefsten Wert seit Juli 2007. Es ist zu erwarten, dass sich der Abwärtstrend im Jahre 2009 fortsetzen wird. Auch die Kernrate der Inflation weist im Dezember in allen Messeinheiten negative Werte auf. Die grundlegende Inflationsdynamik ist also milde.


Türkei: Inflationsentwicklung, Graph: Turkish Treasury


Fazit: Die türkische Zentralbank (CBT) dürfte vor dem Hintergrund aktueller Daten ihren Leitzins weiter senken. Folglich kommt diese Entwicklung dem türkischen Anleihenmarkt zu Gute. Die Preise der Anleihen dürften zulegen, während die Renditen fallen werden. Die Rendite der Benchmark-Anleihe ging seit Anfang Dezember um 450 Basispunkte zurück.

MBS Purchase Program: Fed kündigt Aufkauf von MBS an

Die US-Notenbank (Fed) hat am 30. Dezember mitgeteilt, dass sie Anfang Januar beginnen wird, unter dem bereits angekündigten Programm Mortgage-Backed Securities (MBS, hypothekenbesicherte Wertpapiere) zu kaufen. Das MBS-Aufkauf-Programm zielt auf die Wertschriften, die von den verstaatlichten Hypothekeninstituten Fannie Mae, Freddie Mac und Ginnie Mae besichert sind, ab. Das Ziel ist den Hypotheken- und Immobilienmarkt zu stützen sowie die Verbesserung der Konditionen auf den Finanzmärkten im allgemeinen zu fördern. Der Kauf von Hypothekenpapieren im Markt werde durch die Schaffung von zusätzlichen Bankreserven finanziert.


Bemerkenswert ist, dass auch das US-Schatzamt ein MBS-Aufkauf-Programm hat. Worin unterscheiden sich die beiden Programme? Sie sind zwar getrennt und gesondert, aber verfolgen dasselbe Ziel. Der geldpolitische Ansatz der Fed heisst „Quantitative Easing“. Die Rettungspläne sorgen dafür, dass die Bilanzsumme der Fed weiter anschwillt. Von 800 Mrd. Dollar im September 2008 ist die Bilanzsumme mittlerweile auf 2'200 Mrd. Dollar angestiegen. Die US-Wirtschaft befindet sich seit einem Jahr in der Rezession. Die Fed hat ihren Leitzins im Dezember von 1,0% auf eine Spanne von Null bis 0,25% gesenkt.