Sonntag, 30. Mai 2010

Wer „shortet“ Finanzreform?

In einem lesenswerten, ironischen Essay in NYT befasst sich Michael Lewis mit der Thematik Finanzreform, in Form eines Schreibens

an: „Wall Street CEOs“,
von: „Ihr Mann in Washington“,
Betreff: „Status quo behalten“.

„Unsere Gewinne sind robust. Unsere Vergütung ist wieder zurück auf ihr natürliches, hohes Niveau. Folglich haben wir die Phantasie der meisten ehrgeizigen Studenten an den besten Universtitäten wiederergriffen. Aus dieser einzigen Tatsache folgen viele wünschenswerte Ergebnisse“, so beginnt das Rundumschreiben aus Washington an Wall Street aus der Feder des Bestseller-Autors Lewis („The Big Short“). „So haben wir uns von dem, was wir „Grosses Unglück“ nennen, fast vollständig erholt. In den nächsten Wochen werden sich jedoch schlecht informierte Senatoren mit schlecht bezahlten Mitgliedern des Repräsentantenhauses treffen, um sich über ihre schlecht konzipierte Finanzreform zu versöhnen. Dieser Prozess kann und darf nicht gestoppt werden. Das amerikanische Volk bedarf zumindest der Illusion des Wandels. Es kann aber für unsere Interessen unbedenklich gemacht werden“, fährt Lewis weiter aus Sicht des "Mannes der Banken aus Washington" in seinem imaginären Brief.

„Wir halten die Öffentlichkeit mit Erfolg auf ein einziges Thema fokussiert, welches kaum Einfluss darauf hat, wie wir Geschäfte machen: Die Frage danach, wie zu verhindern ist, damit das Geld der Steuerzahler jemals wieder ausgegeben wird, um die Wall Street zu retten. Gemeinsam haben wir die Debatte bereits unterdrückt, dass beispielsweise die jenigen von uns, die als „too big to fail“ gelten, „too big“ sind und aufgebrochen werden müssten oder CDS und CDO und sonstige Finanzinnovationen einfach verboten gehören. Wir sind jetzt frei, um die wenigen noch verbleibenden Gefahren für die Art, wie wir leben, anzugehen, nämlich: (1) "Washington wird jetzt versuchen, unsere Fähigkeit, die Idiotie von institutionellen Anlegern (d.h. unseren Kunden) auszubeuten, zu begrenzen. Der Senat scheint das lukrative Derivate-Geschäft auf offene Börsen übertragen zu wollen, wo jeder Anleger sehen kann, wie die Preise zustande kommen. Diese Massnahme, die ich als „Making the World Safe for Germans With Money Act“ beschreibe, ist schwierig zu bekämpfen. Unsere Strategie hier ist, wie anderswo, das Problem zu verkomplizieren. (2) Unsere geistesschwachen Cousins bei Moody’s und Standard & Poor’s werden wahrscheinlich einen Schlag auf ihren bereits niedrigen Status erleiden. Sie werden so gut wie sicher ihrer Bezeichnung als „National Anerkannte Statistische Bewertungsorganisation“ beraubt. Was auch das immer bedeuten mag, stellt es für unsere Lebensweise keine Bedrohung dar. Genau im Gegenteil: Je elender die Mitarbeiter bei Moody’s am Werk sind, desto unfähiger (und manipulierbarer) werden die Mitarbeiter von Moody’s. (3) Es gibt zwar eine leichte, aber reale Gefahr, dass die öffentliche Meinung uns in eine unerwartete Richtung zerren kann. In den vergangenen Monaten ist ein merkwürdiges Muster aufgekommen: Je offener die Debatte, desto radikaler wird das Ergebnis“.

„Kurzfristig müssen wir tun, was wir tun können, um Barney Frank von Gesprächen mit Senatoren und Mitgliedern des Represäntantenhauses abzuhalten, die im TV übertragen werden. Auf längere Sicht müssen wir in den Schatten zurück. Arbeite im Privaten. Lass dein Geld für dich sprechen und erinnere dich daran, dass der einzige Weg, die Finanzreform, die wir wollen, zu bekommen ist, wenn wir sie bezahlen. Niemand sonst kann es sich leisten“.

Kommentare:

dels hat gesagt…

Bei der Finanzmarktreform ist der Blick Log schon lange short. Ich rechne nur noch mit Kosmetik.

Bei dieser Gelegenheit einmal vielen Dank für die vielen guten und interessanten Beiträge der letzten Wochen und Monate.

dels hat gesagt…

Bei der Finanzmarktreform ist der Blick Log schon lange short. Ich rechne nur noch mit Kosmetik.

Bei dieser Gelegenheit einmal vielen Dank für die vielen guten und interessanten Beiträge der letzten Wochen und Monate.