Sonntag, 11. Oktober 2015

Das schnelle Geld in US-Wahlkampagne

Das Geld kommt aus der Energie- und Finanzbranche, die die amerikanischen Wahlkampfausgaben früh in Kampagnen dominiert. Und es fliesst meistens zu den Republikanern.

Das meldet NYTimes in einem lesenswerten Bericht am Samstag:

Sie sind überwiegend weiss, reich, alt und männlich, in einem Land, das von den Frauen, schwarzen und braunen Wählern erneuert wird. Und sie wohnen in exklusivsten Vierteln in einigen handvoll Städten und Gemeinden. 

In einer Wirtschaft, die in einer Vielzahl von Branchen Milliardäre hervorbringt, stammt das Vermögen dazu aus nur zwei Branchen: Finanz und Energie.

Nun stellen sie ihren grossen Reichtum in der politischen Arena zur Verfügung und bieten fast die Hälfte aller Startkapital, um demokratische und republikanische Präsidentschaftskandidaten zu unterstützen, schildert NYTimes weiter.

Es waren nur 158 Familien und die von ihnen kontrollierten Unternehmen, die in der ersten Phase der Wahlkampagne 176 Mio. USD dazu beigetragen haben.



158 Familien finanzieren die Hälfte der frühen Wahlkampagne in den USA, Graph: NYTimes in Buying Power

Freitag, 9. Oktober 2015

Der Klügere spricht für Fiscal Stimulus

Träges Wirtschaftswachstum, Niedrigzinsen, Deflationsgefahr und Produktivitätsschwäche. Das sind derzeit die wesentlichen Ecksteine der Weltwirtschaft.

Die Entscheidungsträger müssen vor diesem Hintergrund die Rhetorik Strukturreform über Bord werfen und Fiscal Stimulus annehmen. Das sagt Larry Summers in einem langen, aber lesenswerten Artikel (“Global Economy: The case for expansion”) in FT.

Die Zentralbank könnte negative Zinsen in Erwägung ziehen, bemerkt Ben Bernanke andererseits in einem Gespräch mit dem WSJ.

Es ist um die Weltwirtschaft nach fast sieben Jahren der Finanzkrise nicht sonderlich gut bestellt.

Am meisten lässt Europa zu wünschen übrig. Peter Praet, Mitglied des EZB-Direktoriums hat gestern anhand von ein paar aussagekräftigen Abbildungen (innert sieben Tagen) erneut hervorgehoben, wie schwer die europäische Wirtschaft angeschlagen ist: eine weit geöffnete Produktionslücke (output gap), die unzureichende Nachfrage, ein starker deflationärer Abwind usw.



Rendite von Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit, Graph: FT Global Economy

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Was oder Wer hat die Wirtschaft vor dem Untergang gerettet?

Alle vernünftig forschenden Ökonomen sind sich mehr oder weniger einig, dass die Niedrigzinsen nicht die Ursache, sondern ein Symptom der Krise sind.

Die Antwort auf die Frage, warum die Zinsen im Jahr 2008 völlig abgestürzt sind, ist nicht vollständig, wenn man sagt, dass die Fed es getan hat, schreibt David Andolfatto in einer aktuellen Forschungsarbeit (“A Model of US Monetary Policy Before and After the Great Recession”)

Es gibt natürliche Marktkräfte, die die Zinsen nach unten drucken, wenn die wirtschaftlichen Aussichten gedämpft sind. Ob die sich zurückbildenden Erwartungen das Nebenprodukt eines rationalen Pessimisums oder einer irrationalen Angst sind, ist im Hinblick auf die Auswirkungen auf den Markt irrelevant, unterstreicht der stellvertretende Vorsteher der Forschungsabteilung der Fed St. Louis.

Ben Bernanke erzählt in seinem neuen Buch (“The Courage to Act”), dass die Erschütterungen im Jahr 2008 so schlimm waren, dass wir eine vollständige Wiederholung der Great Depression hätten erleben können.

Das ist zum Glück nicht passiert, weil die Fed reagiert hat, gestützt auf die Lehren aus den 1930er Jahren. Die US-Notenbank hat dieses Mal rasch gehandelt, um das Finanzystem zu stützen, hebt der ehemalige Fed-Präsident hervor.



Notenbankgeldmenge (monetary base) und Preisniveau (PCE), Graph:
David Andolfatto in: (“A Model of US Monetary Policy Before and After the Great Recession”)

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Warum Europa keine Lehre aus der Krise zieht

Wie Ben Bernanke, der ehemalige Fed-Präsident neulich in einem Meinungsartikel in WSJ deutlich unterstrichen hat, besteht kein Zweifel daran, dass Europas (neoliberal geprägte) Wirtschaftspolitik gescheitert ist.

Es ist aufschlussreich, dass die europäische Binnennachfrage weiterhin unter dem Vorkrisen-Niveau von 2008-2009 verläuft.

Peter Praet, Direktoriumsmitglied der EZB hat vor ein paar Tagen diese Entwicklung mit einer Reihe von aussagekräftigen Abbildungen deutlich vor Augen geführt.

Trotzdem schreibt Ludger Schuknecht in einem Meinungsartikel (“What the bankers can teach stimulus-addicted economists”) in FT am Montag, dass mit dem Stimulus endlich Schluss gemacht werden soll. Stattdessen sollen Schulden abgebaut werden.

Der Chefökonom des deutschen Finanzministeriums besteht also darauf, die gescheiterte Politik der Haushaltskonsolidierung in einer schwer angeschlagenen Wirtschaft fortzusetzen: Austeritätspolitik soll durchgesetzt werden, koste es was es wolle.


Was Europa aus der Krise lernen soll, Graph: Paul Krugman in NYTimes

Dienstag, 6. Oktober 2015

Nullzinsen für US-Staatspapiere mit drei Monaten Laufzeit

Das US-Schatzamt (US-Treasury) hat am Montag zum ersten Mal auf einer Versteigerung ein Staatspapier mit 3 Monaten Laufzeit zu null Zinsen verkauft.

Bei einem Emissionsvolumen von insgesamt 21 Milliarden USD wurden für Gebote von 4,14 USD lediglich 1 USD zugeteilt.

Im amerikanischen Sekundärmarkt notieren manche Papiere bereits mit Null- oder sogar Negativ-Renditen. Heute wurden Papiere mit vier Wochen Laufzeit zu minus 0,03% und Papiere mit 3 Monaten Laufzeit zu minus 0,01% gehandelt.


Renditen bei UST Auktionen von Papieren mit 3 Monaten Laufzeit, Graph: FT

Belasten Niedrigzinsen Bankgewinne oder nicht?

Banken und ihre Lobbyisten beschweren sich seit längerer Zeit über die niedrigen Zinsen. Und viele Leute (v.a. Investoren) scheinen tatsächlich zu denken, dass die Banken davon profitieren, wenn die Zentralbank den geldpolitischen Kurs strafft.

Das heisst, dass eine Zinserhöhung unmittelbar Banken zu Gute kommt. Stimmt es? Die BIS, Bank für Internationalen Zahlungsausgleich mit Sitz in Basel hat kürzlich eine inzwischen viel zitierte Studie vorgestellt.

In einigen Fällen mag es zutreffen, dass die Niedrigzinsen nachteilig auf die Gewinne von Banken auswirken, aber im allgemeinen nicht, schreiben Cecchetti und Schoenholtz in einem lesenswerten Beitrag in ihrem gemeinsam verwalteten Blog.

Was wir wissen, ist, dass die Banken und die Wirtschaft gemeinsam leiden und es gemeinsam gut haben. Fed Präsidentin Janet Yellen hat am 27. September 2015 den Beschluss, die Zinsen nicht zu erhöhen, so begründet, dass die jüngsten globalen wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen die Wirtschaftstätigkeit zurückhalten.


Netto Zinsmargen der US-Banken, Graph: Cecchetti and Schoenholtz in Money and Banking

Montag, 5. Oktober 2015

Europas kläglich gescheiterte Wirtschaftspolitik

Ben Bernanke zieht in einem lesenswerten Meinungsartikel (“How the Fed Saved the Economy”) in WSJ eine konsequente Resümee mit Seitenhieb, wie die US-Notenbank die Wirtschaft gerettet hat. 

Die Fed hat ihren Job gemacht: Vollbeschäftigung ohne Inflation ist in Sicht. Was ist aber mit allen anderen?, so der ehemalige Fed-Präsident.

Es ist lehrreich, die jüngste Entwicklung der US-Wirtschaft mit der von Europa zu vergleichen, einer grossen Industriewirtschaft von ähnlicher Grösse: Es gibt viele Unterschiede zwischen den USA und Europa.

Aber ein kritischer Punkt ist, dass Europas wirtschaftliche Orthodoxie bis vor kurzem weitgehend den Einsatz von Geld- und Fiskalpolitik verhindert hat, um die Erholung der Wirtschaft zu unterstützen, erklärt Bernanke, ohne mit der Wimper zu zucken.

Wirtschaftsphilosophie, nicht Machbarkeit ist die Einschränkung: Griechenlands Optionen mögen limitiert sein. Aber Deutschland zum Beispiel hat Möglichkeiten. Und die EZB hat eine breitere geldpolitische Macht als die Fed, betont Bernanke weiter.


Inflation-Ausblick im Anleihemarkt im Rückgang, Graph: Bloomberg