Die Peter G. Peterson Foundation versucht mit der Fiscal Solutions Tour, das Interesse der Öffentlichkeit gegen Haushaltsdefizite und Staatsverschuldung zu wecken, und v.a. um Unterstützung für Massnahmen für drastische Kürzungen von Social Security und Medicare zu gewinnen. Die Tournee („Fiscal Wake-Up Tour“) kam am 9. Februar nach Texas. Die Mitwirkenden waren Robert Bixby, David Walker und Alice Rivlin. Weil Frau Rivlin eine alte Kollegin ist, ging auch James K. Galbraith hin. Der an der University of Texas lehrende Wirtschaftsprofessor fasst die Vorträge in wenigen, prägnanten Sätzen in einem lesenswerten Beitrag in New Deal 2.0 zusammen. Bixby beginnt mit der Beschreibung der öffentlichen Schulden als „das entscheidende Thema unserer Zeit“ und sagt, die Frage sei, „wie gross wir uns verschulden und wie wir sie uns leisten können?“. Er erklärt aber nicht, warum das so ist. Er unterlässt es, zu versuchen, die Verschuldung in Bezug auf die Finanzkrise zu vergleichen, oder die Arbeitslosigkeit, die Zwangsvollstreckungen und den Klimawandel. Seltsamerweise werden keine dieser Fragen von keinem der Referenten erwähnt.
Sonntag, 13. Februar 2011
Samstag, 12. Februar 2011
Weissbrot: Wie Inflation gebacken wird, oder auch nicht
Trotz der starken Preissprünge für Grundnahrungsmittel bleibt Fed-Präsident Ben Bernanke entspannt, was das allgemeine Bild von Inflation betrifft. Warum? Weil er zwischen „sticky“ (träge) und „flexible“ (beweglich) Preisen unterscheidet. Es kommt schliesslich auf die sticky (träge, klebrige) Preise an, die einem Sorgen machen müssten. Viele Berichterstatter, die seit geraumer Zeit den Teufel an die Wand malen, scheinen, nicht realisiert zu haben, welche geringe Rolle die Rohstoffpreise für die Verbraucherpreise (CPI ) insgesamt spielen. Natürlich nicht Null. Ölpreise machen beispielsweise einen grossen Teil der Benzinpreise aus, was wiederum ein grosser Aufwand darstellt. Aber auch andere Dinge, die Verbraucher kaufen, auch wenn sie eine Rohstoff-Komponente zu haben scheinen, werden eigentlich hauptsächlich aus Arbeit und anderen Quellen der Wertschöpfung gefertigt, wie Paul Krugman in seinem Blog erklärt.
US-Staatsanleihen: Ausfallrisiko 0,05%
Es war einmal. Die Credit Default Swaps (CDS) auf US-Staatsanleihen pflegten um 2 Basispunkte zu schwanken. In Folge der globalen Finanzkrise sind die Spreads bis auf 100 Basispunkte geklettert. Gegenwärtig belaufen sie sich auf rund 40 Basispunkte. Die Wahrscheinlichkeit eines Ausfallrisikos für US-Treasury Bonds beträgt heute 20-mal grösser als im Frühjahr 2007. Stimmt es? Nicht unbedingt, schreibt Jerry Tempelman von Moody’s Analytics: Die CDS bestehen zumeist aus Faktoren, die mit dem Ausfallrisiko (default risk) nichts zu tun haben. Das „reine“ Ausfallrisiko, wie durch CDS-Spreads impliziert wird, beträgt derzeit 0,05% für einen Zeithorizont von einem Jahr und 0,12% für 5 Jahre, was zugleich mit dem „AAA“-Rating im Einklang steht.
CDS-Spreads und EDF-Metrics für US-Treasury Bonds, Graph: Moody’s Analytics
Eigenhandel: „market making“ versus „position trading“
Die Grundidee der Volcker-Regel ist, dass die Aktivitäten der TBTF-Institutionen, da sie faktisch eine Staatsgarantie geniessen, auf die Art von Intermediation, die die Realwirtschaft fördert, eingeschränkt werden. Die Steuerzahler sind nämlich nicht verpflichtet, die Wetteinsätze von Zocker „Kopf: Ich gewinne, Zahl: Du verlierst“ zu finanzieren, bemerkt Yves Smith in einem lesenswerten Beitrag in ihrem Blog naked capitalism. Ein grosses Problem ist aber, zwischen „market making“ und „position trading“ zu unterscheiden, wie Goldman Sachs den Behörden einreden will. Die beiden sind eng miteinander verbunden. Goldman versucht bekannterweise, den sozialen Wert seiner Rolle, wann immer möglich ist, aufzuspielen, und zwar unter dem Deckmantel von „market making“.
USA: Weitere Bankschliessungen
Die FDIC (Einlagensicherungsbehörde) hat am Freitag laut Washington Post vier kleine Banken in Florida, Michigan, Wisconsin und California geschlossen. Damit ist die Anzahl der Banken, die im Jahre 2011 verstaatlicht wurden, auf 18 gestiegen, nachdem im Vorjahr insgesamt 157 Banken gescheitert sind.
Die verstaatlichten 4 Banken verfügen über ein Anlagevermögen von insgesamt 620,7 Mio. $. Die Kosten der geschlossenen vier Banken belaufen sich für die öffentliche Hand auf 144,8 Mio. $.
Bankpleiten:
2011: 18
2010: 157
2009: 140
2008: 25
2007: 3
Freitag, 11. Februar 2011
Kerninflation, Lohnstückkosten und Zahnfee
James Hamilton liefert in seinem Blog zwei anschauliche Abbildungen zum Thema Inflation. Der an der University of California, San Diego lehrende Wirtschaftsprofessor bemerkt dazu, dass viele Messungen von Inflation auf ein sehr niedriges Niveau, in der Tat auf nahe Null hindeuten. (1) Die Inflationsraten für Kern CPI , PCE Deflator (personal consumption expenditure) und PPI (Erzeugerpreis-Index) liegen auf einer annualisierten 3-Monats-Basis entweder unter 1 Prozent oder im Fall von PPI weniger als Null Prozent. (2) Wie sieht es mit dem Druck auf dem Arbeitsmarkt aus? Arbeitsvergütungen (Löhne, Gehälter und Sozialleistungen usw.) wachsen mit 2 Prozent (Quartal zu Quartal, annualisiert).
Kerninflation (USA), Graph: Prof. James Hamilton
Gauner, nicht Narren
Eine Ansicht nimmt an, dass die Führungskräfte der grössten Banken im Vorfeld der Krise von 2008 glücklose Narren gewesen sind. Sie waren sich nicht bewusst, wie die Finanzinnovationen toxische Produkte geschaffen und das Finanzsystem grundlegend instabil gemacht haben. Sie haben munter Schulden aufgenommen und versehentlich grössere Risiken eingegangen. Die alternative Sichtweise ist, dass diese Menschen vielmehr Gauner als Narren gewesen sind. Sie haben zu einem grossen Teil genau verstanden, was sie und ihre Unternehmen getan haben und sie haben in mehreren Fällen wegen der Anreize bis zur letzten Minute durchgehalten. Neue Belege verweisen auf die zweite Interpretation, dank den Bemühungen von Sanjai Bhagat (University of Colorado) und Brian Bolton (University of New Hampshire), die vorsichtig durch die Vergütungsstruktur von Führungskräften bei Top 14 Finanzinstituten in den USA zwischen 2000 und 2008 gegangen sind, schreibt Simon Johnson in einem lesenswerten Essay (“Ship of Knaves”) in New York Times (NYT ). Das wichtigste Ergebnis ist, dass die CEOs „30 Mal häufiger in einen Verkauf Handel (sell trade) verwickelt waren als in einen vergleichbaren Kauf Handel (buy trade) mit den Aktien der eigenen Bank. Und der Dollar-Wert der verkauften Aktien, die den CEOs gehören, ist rund 100 Mal wie der Dollar-Wert der Käufe auf dem offenen Markt.
Cumulative Portfolio Returns (2000-2008), Graph: Prof. Sanjai Bhagat & Prof. Brian Bolton
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