Montag, 5. März 2012

CDS-Notierungen für neue griechische Staatsanleihen

Im Markt gibt es bereits Preisangebote (h/t FT Alphaville) für neue Staatsanleihen Griechenlands.

Die Händler geben Quotes für CDS auf neue Staatspapiere nach der griechischen Umschuldung (PSI Anleihe-Umtausch) an. Die Notierungen belaufen sich auf rund 20 Punkte upfront und die Wetten lauten auf das bevorstehede Kreditereignis (credit event) Griechenlands.

Das griechische Kreditereignis wird nun allem Anschein nach vollständig eingepreist. Die CDS mit 5 Jahren Laufzeit notieren auf 75/76 Punkten upfront mit der günstigst lieferbaren Anleihe (CTD), welche tiefer notiert (ca. 20 Punkte).

Depression und Staatsausgaben

Die Nachrichten aus der Wirtschaft sehen in letzter Zeit besser aus. Es wäre aber töricht, anzunehmen, dass alles gut ist, schreibt Paul Krugman in seiner lesenswerten Montagskolumne („States of Depression“) in NYT.

In jedem Fall ist es immer noch eine sehr langsame wirtschaftliche Erholung im historischen Vergleich. Es gibt mehrere Gründe für die schwache Erholung der Konjunktur. Der wichtigste Grund ist der Überhang an Schulden der privaten Haushalte, und zwar als Hinterlassenschaft der Immobilienblase.

Ein wesentlicher Faktor ist aber die Tatsache, dass der amerikanische Staat (government in America) genau das tut, was sowohl die Theorie als auch die Geschichte sagt, nicht zu tun: Abbau der Staatsausgaben trotz einer niedergeschlagenen Wirtschaft, erklärt der an der University of Princeton lehrende Wirtschaftsprofessor.

In der Tat hätten die USA heute mit Sicherheit eine niedrigere Arbeitslosenquote gehabt als in einem vergleichbaren Stadium der Wirtschaft während der Reagan-Ära, wenn es die zerstörerischen Sparmassnahmen (fiscal austerity) nicht gegeben hätte.

Krugman legt dabei einen grossen Wert auf die Unterscheidung zwischen „government in America“ und „federal government“. Was der Träger des Wirtschaftsnobelpreises damit meint, ist, dass, während die Obama-Regierung ein Konjunkturpaket geschnürt hat, die Ausgaben auf der Ebene der Bundesstaaten und der lokalen Verwaltungen stark gesenkt worden sind, was zu einem starken Rückgang der Beschäftigung und der Staatsausgaben für Waren und Dienstleistungen geführt hat, und was immer noch eine starke Belastung für die Wirtschaft als Ganzes darstellt.


US-Staatsausgaben (real) im Vergleich Reagan vs Obama, Graph: Prof. Paul Krugman

Es sind die laufenden Staatsausgaben dividiert durch den BIP-Deflator, ausgehend vom IV. Q. 1982 bis zum II. Q. 2009 (ohne von Arbeitslosengeld und anderen Transferleistungen abzusehen)

Sonntag, 4. März 2012

Wirtschaftsmodelle und wirtschaftliche Voraussagen

Marko Thoma liefert in seinem Blog seit ein paar Tagen die wichtigsten online Verbindungen (Simon Wren-Lewis, Noahopinion und Robert Waldman) zum aktuellen Thema microfoundations in der Blogosphäre.

Es handelt sich bei microfoundations um die mikroökonomische Analyse des Verhaltens der einzelnen Wirtschaftssubjekte wie z.B. der Haushalte oder Unternehmen, welche sich auf eine makroökonomische Theorie abstützt.

Die meisten früheren makroökonomischen Modelle, einschliesslich der früheren keynesianischen Modelle, basierten auf Hypothesen über die Zusammenhänge zwischen ökonomischen Aggregaten wie z.B. Output, Beschäftigung, Verbrauch und Investitionen. Kritiker und Befürworter dieser Modelle waren sich uneinig, ob die ökonomischen Grössen, die die Einzeldaten der verschiedenen Märkte für Waren, Dienstleistungen, Arbeitskräfte und Vermögensobjete zusammenfassen, mit den Grundsätzen der Mikroökonomie in Einklang stünden.

Paul Krugman bietet nun dazu in seinem Blog einige kleine Spitzfindigkeiten. Doch will sich der Träger des Wirtschaftsnobelpreises vorerst mit dem Gedanken über die Rolle der Vorhersagen in der ökonomischen Lehre auseinandersetzen.

Es geht aber nicht um Voraussagen der Art, dass das BIP z.B. im dritten Quartal mit einer Jahresrate von 1,7% steigen würde. Solche Dinge hängen von einer Vielzahl von Menge an Details und eines scharfen Blicks für die relevanten Einzelheiten ab.

EU-Haushaltspakt funktioniert nicht

Die Euro-Krise lässt sich nicht durch einen neuen Haushaltspakt (Fiscal Compact), welcher von einer Sparpolitik besessen ist, lösen, schreibt Mariana Mazzucato in einem lesenswerten Artikel („Austerity Plans Are Based on the Wrong Diagnosis of the Wrong Problem“) in AlterNet.

Der EU-Haushaltspakt (siehe auch hier), welcher zum Ziel hat, die Gemeinschaftswährung zu retten, hat mit „fiscal“ nichts zu tun, da das Wort sich gewöhnlich auf die Staatsausgaben bezieht, erklärt die an der University of Sussex (UK) lehrende Wirtschaftsprofessorin.

Der Plan ist in der Tat ein Sparprogramm (Austerity Compact), ein Versuch, die wirtschaftliche Malaise verkehrt denkend anzugehen. Und es wird laut Mazzucato nicht funktionieren. Denn wie Keynes zeigte, ist das Schlimmste, was ein Staat während einer Rezession tun kann, die Ausgaben zu senken. Und Europa als Ganzes ist einer Rezession, und wahrscheinlich bald in einer Depression, beschreibt Mazzucato weiter.

Das Hauptproblem mit dem EU-Haushaltspakt ist aber, dass er nicht einfach aus keynesianischen Gründen funktioniert, sondern weil der Plan auf der falschen Diagnose des Problems basiert. Die Austerity-Lösung geht davon aus, dass das Problem mit den Ländern wie Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien an der EU-Peripherie ist, dass sie viel zu hohe Staatsausgaben gehabt hätten.

Crowding-out ist out

Im Sog der anhaltenden Krise tauchen in den Kommentaren und in der breiten Diskussion immer wieder Behauptungen auf, wonach die Staatsausgaben weder Nachfrage noch Arbeitsplätze schaffen können.

Die Behauptung beruht im Grunde genommen darauf, dass es immer ein 100% Crowding-out gibt.

Paul Krugman wundert sich in seinem Blog, wie dieser Glaube bestehenbleiben kann, angesichts der unbestreitbaren Wahrheit und der Welt, in der wir seit ein paar Jahren leben.

Wenn es ein 100%iges Crowding out gibt, dann muss es auch ein 100%iges Crowding in geben. Das heisst, dass die Kürzung der Staatsausgaben als Ausgleich zu einem Anstieg der privaten Ausgaben führen, bemerkt der Träger des Wirtschaftsnobelpreises (2008).

Samstag, 3. März 2012

Staatsausgaben im Vergleich: Reagan vs Obama

Paul Krugman nimmt in seinem Blog Antonio Fatas‘ jüngste Analyse über die aussergewöhnliche Schwäche der Staatsausgaben in der gegenwärtigen Erholung der Wirtschaft lobend zum Anlass, um eigene Beobachtungen zum Ausdruck zu bringen.

Der an der University of Princeton lehrende Wirtschaftsprofessor richtet das Augenmerk nach den realen Staatsausgaben (Konsum und Investitionen), und zwar mit Bezug auf alle Ebenen der konjunkturellen Erholungen: (1) die gegenwärtige Expansion, (2) der Bush-Boom und (3) „Morning in America“ (*).

Daraus ergibt sich die folgende bemerkenswerte Abbildung:


US-Staatsausgaben (real), Verbrauch und Investitionen, Graph: Prof. Paul Krugman

Sind CDS handelbare Vermögenswerte oder Versicherung?

Der internationale Derivatehändlerverband (ISDA) hat entschieden, dass die Umschuldung Griechenlands kein Kreditereignis (credit event) darstellt.  

Damit werden die CDS (Kreditausfallversicherung) auf griechische Staatsanleihen (vorerst) nicht fällig. Die Gläubiger haben m.a.W. keinen Anspruch auf Zahlungen (d.h. Versicherungsleistungen).

Dienen aber diese Produkte (CDS: credit default swaps) nicht dazu, die Gläubiger im Fall eines Zahlungsausfalls zu entschädigen?

Barry Ritholtz erklärt in seinem Blog die Vorgeschichte.

Das Gesetz über die Warentermingeschäfte (Commodity Futures Modernization Act) wurde im Jahr 2000 von Phil Gramm, dem Senator aus Texas aus Gefälligkeit zu seiner Frau Wendy durch den Kongress verabschiedet. Wendys Ziel war, Vorstandsmitglied bei Enron, mit Energie-Derivate ohne Aufsicht zu handeln. Das Gesetz wurde praktisch ungelesen durch den Kongress und seine Mitarbeiter dem damaligen Präsidenten Bill Clinton vorgelegt. Clinton hat CFMA Act auf Rat seines Finanzministers Lawrence Summers unterzeichnet.

Das CFMA hat den Handel mit Derivaten radikal dereguliert. Das neue Gesetz hat das alte Gesetz CEA (Commodity Exchange Act) von 1936 ersetzt, um Derivate-Transaktionen von Vorschriften entweder als „Futures“ unter dem CEA oder „Wertschriften“ unter den US-Wertpapiergesetzen zu befreien.

Ferner hat das CFMA insbesondere CDS (Credit Default Swaps) und andere derivative Produkte aus der Regulierung durch jede bundesstaatliche Versicherungsbehörde oder Regulatoren ausgenommen.