Samstag, 19. September 2009

Behörden schliessen zwei weitere Banken

Die US-Aufsichtsbehörden haben am Freitag 2 weitere Banken geschlossen: Irwin Union Bank of Louisville, Ky., und Irwin Union Bank and Trust of Columbus, Ind. Die Anzahl der Banken, die im Zuge der Krise dichtegemacht haben, ist damit auf 94 gestiegen. Die FDIC schätzt die Kosten der beiden zuletzt geschlossenen Banken für die öffentliche Hand auf rund 850 Mio. $.

Bankpleiten:
2009: 94 Banken
2008: 25
2007: 3

Hunderte von Banken dürften in den nächsten Jahren v.a. wegen der notleidenden Darlehen für gewerbliche Immobilien scheitern. Die Anzahl der Banken, die auf der Problemliste der FDIC erscheinen, ist Ende Juni auf 416 von 305 (von 252 im vierten Quartal) im ersten Quartal gesprungen. Das ist die höchste Zahl seit Juni 1994 während der „savings and loan“-Krise. Die Einlagensicherungsbehörde schätzt die Kosten der Sicherung auf rund 70 Mrd. $ bis 2013. Die Einlagen der Sparer sind bis zu 250'000 $ pro Konto geschützt.

Freitag, 18. September 2009

US-Behörde will Flash Orders sperren lassen

Die US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) hat gestern vorgeschlagen, die sog. Flash Orders zu sperren, welche gestützt auf ein mächtiges Computersystem Einblick in die Orderliste der Investoren ermöglichen, bevor die Öffentlichkeit davon erfährt. Diese Praxis wird oft mit einem umstrittenen Eck des Finanzsystem, dem sog. Hochfrequenz-Trading verbunden. Mary L. Schapiro, die SEC-Chefin, sagte laut New York Times, dass die Behörde mit der Verbannung der Flash Orders versuche, die oft konkurrierenden Interessen von langfristigen Anlegern und kurzfristig orientierten Traders zu balancieren. Der Börsenplatz Nasdaq will jetzt Flash Orders verbieten. Das war eine Selbstverständlichkeit, schreibt Barry Ritholtz in seinem Blog zu Recht.

Die eigentliche Frage sei, die unbeantwortet bleibt, und eine gründliche Untersuchung fordert, welche Beamten der Börsen das gebilligt haben? Wer glaubte, dass es OK ist, den begünstigten Firmen (privilegierte Insider) zu erlauben, vor den anderen Investoren zu rennen? Ganz offen: Die ahnungslosen Tölpel, die Flash Orders erlaubt haben, müssen öffentlich bestraft, von ihren Jobs gefeuert und aus der Stadt auf einer Schiene vertrieben werden, bemerkt Ritholtz völlig zu Recht. „Ach ja, alle sollten die Gewinne aus diesem organisierten Diebstahl zurückgeben“, fordert Ritholtz. Denn dieses Geld sei gestohlen, urteilt der beliebteste Blogger (The Big Picture) an der Wall Street.

Fazit: Eines der Probleme der jüngsten Krise ist laut Barry Ritholtz, dass es keine Anprangerungen der verantwortlichen Parteien gegeben habe. Keine Rückgabe von unrechtmässig erworbenen Gewinnen sei bisher erfolgt. Das muss sofort geändert werden.

Exkurs:
Das Geschäft mit Flash Orders funktioniert etwa so: Investor A will eine gewisse Menge von Aktie X verkaufen. Investor B will eine gewisse Menge von Aktie X kaufen. Investor C, der über das Privileg (Zugang zu) „Flash Orders“ verfügt, kauft dem Investor A die Aktien X und verkauft sie an Investor B und kassiert dafür eine Transaktionsgebühr. Wem nützt diese Transaktion? Weder dem A noch dem B, sondern nur dem C, der vor der Öffentlichkeit einen Blick auf die Order-Bücher werfen darf, womit er erfährt, wer was zu verkaufen und wer was zu kaufen bereit ist. Streng genommen wird das Geschäft auf dem Rücken des Käufers B getragen.

Türkei: Moody’s revidiert Ausblick auf „positiv“

Die Ratingagentur Moody’s hat heute den Rating-Ausblick für die Türkei von „stabil“ auf „positive“ angehoben. Grund: verbesserte Widerstandsfähigkeit der türkischen Wirtschaft ohne fremde Hilfe gegen den Schock, der durch die globale Krise in den vergangenen zwei Jahren ausgelöst wurde.

Moody’s signalisierte eine höhere Einstufung von bisher „Ba3“-Rating, welches seit 2005 gültig ist. Während der Krise im Jahre 2001 hatte die Türkei das Rating „B1“. Die Reaktion im Markt blieb aber aus, da die CDS-Prämien (5 jährige Kontrakte) auf türkische Staatsanleihen bereits auf 190 Basispunkte gefallen sind und damit niedriger liegen als die der Länder mit einem besseren Rating wie z.B. Russland; Ungarn, Bulgarien usw., wie Tevfik Aksoy, Morgan Stanley Ökonom bemerkt. Zuletzt hatte Moody’s am 14. Dezember 2005 über das Rating der Türkei befunden.

US-Debatte über Gesundheitsreform

US-Präsident Barack Obama wird bekanntlich in den USA bisher wegen seiner Gesunheitsreform-Pläne zu Unrecht stark gescholten. Hier ist ein lesenswerter Artikel via „economy“ The New York Times zur aktuellen Debatte über das Gesundheitswesen. Der Inhalt des Artikel stützt sich auf den Ansatz des Gerechtigkeitsphilosophen John Rawls ab.

„Wollen Sie in einer Welt leben, wo jeder den Aufwand für die Versorgung der Krankheit allein trägt? Das wäre eine Welt, wo kranke Menschen zwangsläufig arm wären. Oder wollen Sie in einer Welt leben, wo jeder, ob krank oder gesund, auf einen Teil des Konsums verzichtet, wie z.B. jedes Jahr ein neues Breitbild-Fernsehen zu kaufen, und wo medizinische Hilfe für alle ohne zusätzliche Kosten verfügbar ist“, fragt der Autor.

Ein altes griechisches Sprichwort (frei übersetzt): „Betrachte keinen Menschen als gesund, bis er stirbt“.

US-Präsident und Wall Street

US-Präsident Barack Obama hat am Montag eine Rede gehalten: Thema: Wirtschaftskrise und Rezession. Adressant: Wall Street. Präsident legte die Schuld für die Krise direkt auf den Fuss des Finanzsektors. Was will Obama? (1) Ein sorgfältiges Risikomanagement, (2) Ein verantwortungsbewusstes Entschädigungssystem und (3) Eine bessere Unternehmensethik. Die Diagnose war richtig, urteilt Simon Johnson im Blog Baseline Scenario. Aber der Rest seiner Rede sei enttäuschend gewesen, fügt der ehemalige Chefökonom des IWF hinzu. Der Entwurf zur regulatorischen Reform sehe laut Johnson lahm aus. Die Banken seien in vollem Umfang dagegen mobilisiert. Zum Beispiel gegen die Einrichtung einer Verbraucherschutz-Agentur für Finanzprodukte. Der Aufruf des Präsidenten „please, dont do it again“ werde wohl auf taube Ohren stossen, so Wirtschaftsprofessor an der MIT’s Sloan School of Management.

Die eigentliche Nachricht vom Montag sei nicht der Inhalt der Rede oder das steinige Schweigen der Finanz-Elite im Publikum, sondern vielmehr die Tatsache gewesen, dass kein einziger CEO einer Grossbank anwesend war, kritisiert Simon Johnson zu Recht. Kein einziger Bank-Chef hat offenbar Zeit, um ein wenig Respekt und Dankbarkeit zu zeigen, und sogar ein Lippenbekenntnis zu einem besseren Verhalten in Zukunft abzugeben.

Türkei: S&P bestätigt Länderrating „BB-„

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat die Länderbonität der Türkei bestätigt: „BB-„ in Fremdwährungen, „BB“ in Lokalwährung. Der Rating-Ausblick hingegen wurde von „negative“ auf „stabil“ heraufgestuft.


Turkish Interbank Rates, Graph: Bloomberg.com

Die S&P hatte zuletzt am 13. November 2008 die Länderbonität der Türkei unter die Lupe genommen.

Donnerstag, 17. September 2009

Türkische Zentralbank senkt Leitzins auf 7,25 Prozent

Die türkische Zentralbank (CBT) hat heute auf ihrer 9. Sitzung dieses Jahres ihre Leitzinsen weiter gesenkt. Hintergrund: Die Inflation nähert sich dem langsamsten Tempo seit 39 Jahren. Der Tagesgeldeinlagensatz (overnight borrowing rate) wurde um 50 Basispunkte von 7,75% auf 7,25% zurückgeschraubt. Die CBT hat auch den Tagesgeldausleihsatz (overnight lending rate) von 10,25% auf 9,75% reduziert. Damit haben die türkischen Währungshüter die Leitzinsen in den vergangenen 10 Monaten angesichts der anhaltenden Weltwirtschaftskrise und der Nachfrageschwäche um insgesamt 950 Basispunkte gesenkt.


CBT O/N Borrowing Rate, Graph: CBT

Zukünftige Zinssenkungen hängen von der Geschwindigkeit der wirtschaftlichen Erholung ab, welche wohl „langsam“ und „schrittweise“ sein wird, teilte die CBT in dem dem Zinsbeschluss beigelegten Statement mit. Es gebe jedoch keine Anzeichen einer deutlichen Erholung am Arbeitsmarkt und eines Anziehens der Binnennachfrage im zweiten Quartal, hiess es. Das bedeutet im Klartext, dass weitere Zinssenkungen folgen werden.

Die türkische Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 7% geschrumpft, nachdem das BIP im ersten Quartal um 14,3% eingebrochen war. Die Arbeitslosigkeit kletterte inzwischen auf 13%.

Die Türkei und der IWF führen seit mehr als einem Jahr Gespräche über eine mögliche Kreditvereinbarung, welche die Wirtschaft gegen die Rezession stützen soll. Die Regieung hat gestern einen 3-Jahresplan („Medium Term Program) zur Reduzierung des Haushaltsdefizits präsentiert und gesagt, dass das Programm eine Grundlage für ein neues Stand-by Abkommen bilden wird.



CPI, Türkei, Graph: Bloomberg.com

US-Dollar/TRY: 1,4706
Euro/TRY: 2,1653
CHF/TRY: 1,4285.