Freitag, 28. August 2015

Schweizer Wirtschaft in Hard Stop

Im ersten Quartal war die Schweizer Wirtschaft noch um 0,2% geschrumpft. Im Zweiten Quartal ist das BIP entgegen den Erwartungen doch noch nicht per Definition in die Rezession gerutscht. Das BIP ist um 0,2% gestiegen.

Es waren der Konsum der privaten Haushalte und des Staates und die Investitionen, die das BIP im zweiten Quartal 2015 stützten, meldet das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO).

Die negativen Daten aus dem Detailhandel und dem Gastgewerbe deuten aber nicht auf eine nachhaltige Entwicklung des privaten Verbrauchs hin, zumal die Situation am Arbeitsmarkt nach wie vor gespannt bleibt.

Gemäss einer aktuellen Umfrage unter 50 Schweizer Unternehmen (mit einem Jahresumsatz weniger als 1 Mrd. CHF im Jahr) ist in der Schweizer jeder fünfte Arbeitsplatz in Gefahr.




Schweizer Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal 2015, Graph: SECO, Aug 29, 2015 

Mittwoch, 26. August 2015

Die chinesische Wirtschaft hält die Weltwirtschaft in Atem

Die Bank of Israel (BoI) hat am Montag den Referenzzinssatz bei 0,1% unverändert belassen. Am Dienstag hat Gouverneurin Karnit Flug in einem TV-Interview gesagt,  dass die BoI den Benchmark-Zinssatz unter Umständen unter Null senken kann. 

Die Chefin der israelischen Notenbank hat darauf hingewiesen, dass es heute eine Reihe von Ländern mit negativen Zinsen gibt und “wir auch dorthin kommen können”.

Die Inflationsrate gemessen am CPI beträgt in Israel annualisiert minus 0,3%. Bemerkenswert ist, dass die BoI mit einem Wirtschaftswachstum von 3% für 2015 und 3,7% für 2016 rechnet.


ILS-Wechselkurs (handelsgewichtet), Graph: Morgan Stanley

China sucht adäquate monetäre Bedingungen

Der gewichtete Durchschnittssatz für die Kreditvergabe ist zwar laut PBoC von 6.04% im Juni auf 5,97% im Juli gesunken. 

Die Finanzierungskosten verharren aber real gesehen aufgrund der PPI-Deflation nach wie vor hoch, wie in der folgenden Abbildung von Morgan Stanley deutlich zu sehen ist.

Das deutet darauf hin, dass die PBoC nicht darum herum kommt, den Mindestreservesatz (RRR) weiter zu senken, um die Liquidität und das Wirtschaftswachstum zu stabilisieren.



China: Finanzierungskosten (real), Graph: Morgan Stanley

Dienstag, 25. August 2015

China: Mindestreservesatz und Geldmultiplikator

Die chinesische Notenbank (PBoC: People’s Bank of China) hat heute auf die Abkühlung der Wirtschaft mit Zinsenkungen reagiert: Der einjährige Kreditzinssatz wurde um 25 Basispunkte auf 4,6% gesenkt.

Der Einlagensatz wurde um 0,25% auf 1,75% gekürzt. Chinas Währungshüter haben auch den Mindestreservesatz (RR-Satz) um 0,50% auf 18% zurückgezogen.

Da Peking befürchtet, dass die RMB-Abwertung zu einem verstärkten Abfluss des ausländischen Kapitals führen kann, ist es vernünftig, den RR-Satz zu senken. Die RRR-Kürzung reduziert nämlich die Notenbankgeldmenge (monetary base) und kurbelt den Geldmultiplikator (money multiplier) an.

Wenn die Banken die Sichteinlagen, die sie bei der PBoC deponieren, wieder zurückziehen, nimmt die Notenbankgeldmenge (Giroguthaben der Banken bei der Zentralbank + Noten im Umlauf) ab.

Angesichts der aktuellen Grössenordnung der Einlagen im Banking-Sektor, lässt jede RRR-Reduzierung um 100 Basispunkte (1%) im Durchschnitt 1’200 Mrd. RMB Liquidität frei, wie FTAlphaville berichtet.

Da in der zweiten Jahreshälfte genau soviel Kapital abfliessen könnte wie in der ersten Jahreshälfte, kann der RR-Satz im Grunde genommen bis auf 6% gesenkt werden, um Kreditschöpfung anzuregen.


China; Notenbankgeldmenge und M2, Graph: CEIC, HSBC via FTAlphaville

Von wegen! Wenn in China ein Sack Reis umfällt

Ein Crash am chinesischen Aktienmarkt löst weltweit heftige Turbulenzen aus. Was sich in China abspielt, tangiert den Rest der Welt. 

Warum? Weil die chinesische Wirtschaft eine ziemlich grosse Wirtschaft ist. Chinas Abschwung bleibt daher nicht ohne Folgewirkungen anderswo in der Welt.

Da die RMB-Abwertung zu einem verstärkten Abfluss des ausländischen Kapitals führen könnte, erwägt die chinesische Zentralbank (PBoC), wie das WSJ berichtet, den Mindestreservesatz, den sog. RRR (required reserve ratio) für Banken zu senken, um das Bankensystem mit Liquidität zu unterstützen.

Ziel ist, die Banken in die Lage zu versetzen, mehr Kredit an private Haushalte und Unternehmen zu verleihen. Die Banken hätten damit theoretisch mehr Liquidität zur Verfügung, je weniger RRR sie aufbringen müssen.

Peking will u.a. die Banken animieren, mit dem Geld neue Anleihen (zur Finanzierung von Infrastruktur-Projekten), die zentrale und lokale Regierungen begeben, zu zeichnen.

Die Bemühungen der Behörden, die monetären Rahmenbedinungen zu lockern, sollten sich an der Entwicklung des M2-Wachtums erkennen lassen. Hier ist dazu eine interessante Abbildung von Morgan Stanley.


China; Geldmenge M2, Graph: Morgan Stanley

Montag, 24. August 2015

Es gibt keinen Grund für Zinserhöhung

Während an den Märkten Sorgen um Chinas Wachstumsschwäche zunehmen, schickt sich die US-Notenbank an, die Zinsen zu erhöhen. Die Frage, ob die Fed bereits in der September-Sitzung die Leitzinsen zum ersten Mal seit 2006 anheben wird, erhitzt die Gemüter.

Zinserhöhung wäre ein schwerwiegender Fehler; alle drei grossen Ziele der Fed, Preisniveaustabilität, Vollbeschäftigung und Stabilität des Finanzsystems würde davon gefährdet, schreibt Larry Summers in einem lesenswerten Kommentar (“The Fed looks set to make a dangerous mistake”) in FT am Montag.

Wie die meisten grossen Zentralbanken hat auch die Fed ein Inflationsziel von 2 Prozent. Das grösste Risiko ist, dass die Inflation unter die Zielmarke fällt; ein Risiko, das durch die Straffung des geldpolitischen Kurses verstärkt werden würde, unterstreicht der Professor für Wirtschaftswissenschaften.

Eine Straffung der Geldpolitik würde sich ausserdem negativ auf die Beschäftigung auswirken. Höhere Zinsen steigern den Wert des US-Dollars, was die Wettbewerbsfähigkeit der US-Unternehmen beeinträchtigt und zu einer Zeit wachsender Ungleichheit besonders beunruhinged wäre, betont der ehemalige Finanzminister.

Sonntag, 23. August 2015

Wie steht es um die globale Wirtschaft?

Während Europa’s Wirtschaft von deutschen politischen Entscheidungen zurückgehalten wird, sieht die US-Wirtschaft relativ stark aus, schreibt Justin Fox in einem lesenswerten Artikel in BloombergView.

In wirtschaftlicher Hinsicht gibt es sogar eine Menge Parallelen zwischen der aktuellen Situation und der Mitte der 1990er Jahre:

Ölpreise fallen. Schwellenländer ringen um Währungen. Chinas Wirtschaftswachstum schwächt sich ab. Russland ist ein ökonomisches Durcheinander.




Anteil der USA an der Weltwirtschaft steigt wieder, Graph: Justin Fox in BloombergView