Mittwoch, 6. November 2013

Interview: Prof. Simon Evenett, University of St. Gallen

Simon Evenett is Academic Director at the St. Gallen MBA and Professor of International Trade and Economic Development.


You say that it is important to understand the global financial crisis. But in the five years since Lehman, nothing has changed. The big banks are still dangerous to the society. What went wrong?

Plenty has changed since the financial crisis, but not all for the better. Only now are the banks being forced to hold much more capital, pay fines for past acts, and retrench. Many CEOs and policymakers played for time hoping, as in other crises, that this would soon past. As the crisis dragged on, so debts have built up and the adjustments are ultimately harder. Procrastination has a price. In the meantime, trillions of dollars in potential output has been lost and millions have had their careers disrupted.


After sharp criticism from the United States to the German large current account surplus, the EU also blames Germany’s export obsession in the euro area. What is going on in the EMU?

Germany has refused to adjust its policies and deserves to be criticised. German leaders think only deficit countries must adjust and become like Germany. If every country followed Germany's policies it would be a recipe for deflation and a worldwide slump. Only when the Earth starts trading with the Moon can every country run a trade surplus.

Anleihen: 33 Jahre Bull Market

Investoren auf den Anleihemärkten hatten einen unglaublich Lauf in den vergangenen rund 30 Jahren.

Der Ertrag im Durchschnitt beläuft sich auf 8,6%, obwohl die Renditen in diesem Zeitraum von 13% auf 1,5% gesunken sind, wie Morgan Stanley berichtet. Seit 1980 gab es nur zwei Jahre mit einem negativen Ergebnis.



Ertrag auf den Anleihemärkten seit 1980, Graph: Morgan Stanley, Nov 2013

Dienstag, 5. November 2013

Schweiz und keine Inflation

Der Index der Konsumentenpreise (CPI) hat in der Schweiz im Oktober einen Rückgang um 0,1% verzeichnet. Die Inflation ist auf Jahresbasis um 0,3% gefallen.

Damit zeigt die Inflationsrate in der Schweiz seit 24 Monaten in Folge keinen Anstieg. Die Verbraucherpreise sind 23 Monate in Folge gesunken. Nur in einem Monat war die Inflation inzwischen unverändert.

Bemerkenswert ist ferner der Verlauf der Preise der Importgüter, die im vergangenen Monat um 2,6% gesunken sind.




Schweiz Konsumentenpreise (CPI) Veränderung (in %) gegenüber dem Vormonat, Graph: Bundesamt für Statistik, BFS, Nov 5, 2013

Deutschlands Leistungsbilanzüberschüsse - Aufschrei durch Politik und Medien

Warum nehmen die Mainstream-Ökonomen und die Leitmedien an der offenen Kritik des US-Schatzamtes an Deutschlands Leistungsbilanzüberschüssen so viel Anstoss?

Abgesehen davon, dass der Aufschrei dogmatisch ist und der Sache nicht dient, lautet die Frage, warum es darauf ankommt? Die kurze Antwort: Die gegenwärtige Situation der Weltwirtschaft.

Die nominalen Zinsen sind auf der Null-Grenze aufgeprallt (zero lower bound). Es herrscht Sparparadoxon (paradox of thrift). Ein Anstieg der Notebankgeldmenge (monetary base) löst keine Inflation aus. Ein höheres Haushaltsdefizit führt nicht zu einem Anstieg der Zinsen. Die Produktionslücke (output gap) bleibt weit geöffnet. Die Arbeitslosigkeit verharrt auf Rekordniveau. In den grössten Volkswirtschaften der industrialisierten Welt mangelt es an Nachfrage.

Doch, Deutschland hat mittlerweile höhere Überschüsse als China. Deutschlands hohe Überschüsse bedeuten, dass es einen grossen Teil der zur Verfügung stehenden externen Nachfrage in der reichen Welt geniesst.

Normalerweise wäre das vielleicht kein grosses Ärgernis. Denn Deutschlands Überschüsse würden seine Währung aufwerten lassen, was den Überschuss verringern würde. Gleichzeitig könnte der Nachfrageausfall aus dem Ausland durch höhere Nachfrage im Inland ausgeglichen werden. Das findet aber nicht statt. Warum? Weil Deutschland keine eigene Währung zum Abwerten Aufwerten hat, sondern es hat die Gemeinschaftswährung, die es mit seinen Nachbarn in der EWU teilt.


Deutschlands Lohnstückkosten (Daten: OECD), Graph: Prof. Paul Krugman

Montag, 4. November 2013

Schweizer Franken und Kreditgeschäft

Der Schweizer Franken (CHF) hat in den vergangenen Monaten etwas an Wert gewonnen. Die Aufwertung ist wahrscheinlich durch den Rückgang der grenzübeschreitenden Kreditvergabe ausgelöst worden.

Schweizer Banken halten sich nämlich seit Mitte 2011 im grenzüberschreitenden Kreditgeschäft zurück. Das hat zum Teil regulatorische Gründe. Die Banken müssen laut Finanzmarktaufsicht (FINMA) mehr Eigenkapital beschaffen und Fremdkapital zurückfahren.

Eveline Widmer-Schlumpf hält die geltenden Eigenkapitalanforderungen für „zu schwach“.  Finanzministerin will die Verschuldungsquote (leverage ratio) von heute maximal 4,5% massiv erhöhen, wie die Schweiz am Sonntag berichtet: „Das 4,5% scheint tief. Es müsse eine vernünftige Höhe sein, die Sicherheit gibt, aber die Verantwortung bei den Instituten belässt“.

Interessanterweise verlaufen die Long-Positionen in EUR und CHF zur Zeit im gleichen Schritt. Das heisst, dass CHF nicht für Finanzierung von Deals in EUR eingesetzt. Devisenmarkt-Analysten von Morgan Stanley erwarten jedoch seit einigen Monaten, dass CHF sich im Angesicht der niedrigen Renditen und des von der SNB festgelegten Mindestkurses (floor) auf lange Sicht zu einer Funding Currency wandelt.



MS Wechselkurs Prognosen, Graph: Morgan Stanley

Handelsvorteile auf Kosten des Auslands

Deutsche Beamte sind auf Amerika wütend, und nicht nur wegen der Sache mit Angela Merkels Handy, schreibt Paul Krugman in seiner lesenswerten Kolumne („Those Depressing Germans“) am Montag in NYTimes.

Was sie jetzt wütend gemacht hat, ist ein (langer) Absatz in einem Bericht des US-Schatzamtes. In diesem Absatz argumentiert das amerikanische Finanzministerium, dass Deutschlands riesiger Überschuss in der Leistungsbilanz (ein Messwert für die Handelsbilanz) schädlich ist, was eine deflationäre Tendenz für den Euro-Raum sowie die Weltwirtschaft auslöst.

Die Deutschen weisen dieses Argument verärgert als „unverständlich“ zurück. „Es gibt keine Ungleichgewichte in Deutschland, welche eine Korrektur unserer wachstumsfreundlichen Wirtschafts- und Fiskalpolitik erfordert“, erklärte ein Sprecher des deutschen Finanzministeriums.

Das US-Schatzamt liegt aber richtig. Und die deutsche Reaktion ist störend, so Krugman. Zum einen war es Indikator für die anhaltende Weigerung der politischen Entscheidungsträger in Deutschland, in Europa und auf der ganzen Welt, sich der Natur der wirtschaftlichen Probleme anzunehmen.

Zum anderen zeigt es Deutschlands bedauernswerte Tendenz, auf jede Kritik an seiner Wirtschaftspolitik mit dem Ausruf der ungerechten Behandlung zu reagieren.

Fünf Jahre nach dem Fall von Lehman ist die Weltwirtschaft immer noch depressiv, die unter einem anhaltenden Mangel an Nachfrage leidet. In diesem Umfeld betreibt ein Land mit Überschuss im Aussenhandel „beggar thy neighbour“-Politik (*). Es leitet die Ausgaben weg von Waren und Dienstleistungen der Nachbar-Länder ab in die eigenen Waren und Dienstleistungen, um dadurch Arbeitsplätze wegzunehmen.


Leistungsbilanz-Überschüsse: China (vorher) versus Euro-Raum (nachher), Graph: Prof. Paul Krugman

Das deutsche Wirtschaftsmodell seit Mitte der 1990er Jahre

Deutschland gerät immer stärker unter Druck wegen seiner massiven Überschüsse in der Leistungsbilanz. Es fällt auf, dass die gegenwärtige Diskussion über die Position der deutschen Exportwirtschaft im Welthandel öfters den Eindruck hinterlässt, als ob es immer eine deutsche Norm gewesen wäre, hohe Überschüsse im Aussenhandel zu erzielen, weil die qualitativ hochwertigen Güter weltweit stark gefragt seien.

Das trifft natürlich nicht zu. Paul Krugman liefert dazu eine bemerkenswerte Abbildung in seinem Blog. Es gab eine frühere Periode der Überschüsse in der Mitte der 1980er Jahre, weitgehend als das Gegenstück zu amerikanischen Defiziten in der Reagan-Ära.

Aber Deutschland hat in den 1990er Jahren überhaupt keinen Überschuss aufgewiesen. Erst mit der Einführung der Gemeinschaftswährung und die entsprechenden riesigen Kapitalströme an die Peripherie der Eurozone kam es zu einem Wendepunkt, erklärt Krugman.

Und damit ging ein starker Rückgang der deutschen Lohnstückkosten (unit labor costs) einher, wie die Daten von OECD belegen. Der springende Punkt ist hier, dass das Ganze auch nach dem Platzen der Blase anhält. Das heisst, dass Deutschland (Gläubiger), obwohl es selbst nach wie vor enorme Überschüsse hat und sie verteidigt, von dem Rest der Eurozone (Schuldner) harsche Sparmassnahmen fordert. Das stellt natürlich in einer schwer angeschlagenen Wirtschaft einen grossen Teil des gesamten Problems dar.



Deutschlands Leistungsbilanz als Prozentsatz des BIP (Entwicklung seit 1980), Graph: Prof. Paul Krugman