Freitag, 23. März 2012

Interview: Prof. Jay R. Ritter, University of Florida

Jay R. Ritter is Cordell Professor of Finance at the University of Florida’s Warrington College of Business Administration.


Is JOBS Bill really necessary?

The Jumpstart Our Business Startups (check to make sure that this is what JOBS stands for?) bill has little to do with jobs. It is based on the assumption that more IPOs would result in more jobs, but the relation between IPOs and job creation is tenuous. Companies with good business models create jobs, but funding companies with bad prospects does not create jobs that last. The fact of the matter is that the average small company going public in the last thirty years has not produced many jobs, and on average investors have been burned. Companies like Google and Microsoft were already big companies at the time of their IPO. Small companies are having trouble going public because investors are skeptical about the ability of small companies to earn profits, and this skepticism is justified.

What are the advantages and disadvantages of the JOBS Bill in light of the financial crisis 2008?

Some of the features of the Bill are things that could be changed by regulators, without a law that is very difficult to change as the economy evolves over time. The advantage of financial regulations is that they can be changed as we find out what works and what does not work. Having said that, the U.S. Secuities and Exchange Commission can be criticized for not revising its regulations frequently enough. And the SEC has a lot to answer for, having blown the Madoff and Stanford Ponzi scheme investigations. If the SEC hired more financial economists and fewer lawyers, I think that they would have fewer embarrassments. The 2008 financial crisis was not the fault of the SEC, however. Congress, especially Barney Frank and Chris Dodd, as well as the bank regulators, deserve more of the blame.

JOBS Act: Deregulierung in Fortsetzung

Der US-Kongress hat von den 1970er Jahren bis vor kurzem die Deregulierung der Finanzmärkte zugelassen und ermutigt, schreibt Simon Johnson in seinem Blog. Die grossen Banken sind anschliessend grösser geworden und sie gingen mehr Risiken ein.

Die gesetzgeberische Tagesordnung war weitgehend überparteilich, bis das Glass-Steagal-Gesetz Ende der 1990er Jahre aufgehoben wurde, hebt der an der MIT Sloan lehrende Wirtschaftsprofessor hervor. Nach reiflicher Überlegung des Gesetzgebungsverfahrens wurde der Weg für Megabanken frei gemacht, um Commercial und Investment Banking in einem komplexen globalen Massstab zusammenzubringen. Damit wurden die besten Voraussetzungen für die Finanzkrise von 2008 und die schrecklichen Rezession, die sich entwickeln, geschaffen.

Nun schickt sich der US-Kongress laut Johnson wieder an, mit dem JOBS Act (H.R. 3606) dieselben Fehler zu wiederholen. Diesmal geht es darum, das Wertpapierrecht von 1930 aufzuheben, welches Investoren gut gedient und die USA zu einem der besten Orte für die Kapitalbeschaffung gemacht hat. „Wir befinden uns wieder auf einem überparteilichen Weg in die Katastrophe“, hält der ehemalige Chef-Ökonom des IWF fest.

Die Idee, die hinter dem JOBS Bill (Gesetzentwurf) steht, ist, dass die bestehende Wertpapiergesetzgebung (v.a. wegen der Disclosure-Pflicht) erheblich auf der Wirtschaft laste.


Anzahl von IPOs (in den USA) mit pre-IPO Umsatz kleiner oder grösser als 50 Mio. $, Graph: Prof. Jay R. Ritter, University of Florida, March 2012

Die Anzahl der amerikanischen Börsengänge von 1980 bis 2011, mit pre-IPO Umsätzen von weniger (kleine Unternehmen) oder mehr (grosse Unternehmen) als 50 Mio. $ in den vergangenen 12 Monaten.

Donnerstag, 22. März 2012

Warum gibt es Unterschiede für Benzinpreise?

Warum unterscheiden sich die Benzinpreise in den verschiedenen Regionen der Vereinigten Staaten erheblich voneinander?

Der durchschnittliche Preis ist z.B. in Illinois derzeit 70 Cents/Gallone höher als in Wyoming und Autofahrer in Kalifornien zahlen 86 Cents/Gallone mehr als die Menschen in Wyoming. Warum?

James Hamilton erläutert in seinem Blog, dass der grösste einzelne Faktor die Steuern sind. Die Steuern auf eine Gallone Benzin in Illinois liegen 25 Cents höher als in Wyoming, während die Steuern in Kalifornien 35 Cents höher sind.

Es bleibt aber immer noch 45 Cents Preis-Prämie in Illinois und 51 Cents in Kalifornia übrig, zu erklären. Es gibt eine von Political Calculations bereitgestellte Karte von durchschnittlichen Benzinpreisen ohne Mitberücksichtung von Steuern, wo man die Details der Unterschiede besser beobachten kann.

Ein weiterer Faktor im Preisunterschied sind die Unterschiede im Benzin selbst. Autofahrer in Kalifornien sind z.B. verpflichtet, einen höherwertigen Kraftstoff zu verwenden, um die Limite für Luftverschmutzung einzuhalten, betont Hamilton.


Rohöl und raffinierte Produkte, Graph: Prof. James Hamilton, in: Econbrowser

Die rote Kurve: US-Netto-Exporte von Erdölprodukten, Durchschnitt der jüngsten 12 Wochen, in Tausend Barrel pro Tag, (von Jan. 2007 bis Dezember 2011).

Die blaue Kurve: US-Netto-Exporte von Erdöl, Durchschnitt der jüngsten 12 Wochen, in Tausend Barrel pro Tag.

Super PACs und wachsende Ungleichheit

In den USA ist es grundsätzlich streng geregelt, wie Einzelpersonen einen Wahlkampf mit Geld unterstützen können. Es gibt jedoch eine Ausnahme. Der Oberste Gerichtshof der USA hat im Jahr 2010 in einem Urteil (Citizens United vs. Federal Election Commission) festgehalten, dass das Recht auf freie Meinungsäusserung auch für Unternehmen und Verbände gilt. Demnach ist es erlaubt, durch die Bildung von sog. Super PACs von Unternehmen und Verbänden in unbeschränkter Höhe Gelder anzunehmen. Die Super PACs spenden dann die Mittel an bestimmte Kandidaten und Parteien.

Vor diesem Hintergrund halten Daron Acemoglu und James Robinson in einem lesenswerten Beitrag  im Blog „Why Nations Fail“ fest, dass in der Diskussion über Super PACs das Augenmerk vielfach der Frage gerichtet werde, ob die Political Action Committees in der Lage sind, um die Kandidaten, die sie unterstützen, am Ende wählen zu lassen.

Das ist der falsche Weg, um über ein sehr ernstes Problem nachzudenken, schrieben die Autoren, die in einem Artikel („The Problem With US Inequality“) in Huffington Post argumentieren, dass die politische Ungleichheit eine ernste Herausforderung für die sog. inclusive institutions (d.h. politische Parteien) in den USA darstellt und der eigentliche Grund sei, warum „wir uns über die wachsende Ungleichheit Sorgen machen sollten. Diese Probleme sind älter als das „Citizens United“-Urteil“, so die beiden Uni-Professoren.

Lobbying und Wahlkampfspenden haben bereits einen grossen Einfluss auf die Politik und die Reichen haben eine viel besseren Zugang zu Politikern und sind in der Lage, sie von ihrer Sicht der Dinge viel leichter zu überzeugen, heben Acemoglu und Robinson hervor.


Anteil von Top1% am Einkommen, Graph: Daron Acemoglu und James Robinson

Mittwoch, 21. März 2012

Bettet sich negative Inflation in der Schweiz ein?

Die Kerninflation verbucht in der Schweiz den 5. Monat in Folge einen negativen Wert. Im Februar belief sich die Inflation (ohne frische und saisonale Produkte, Energie und Treibstoffe) auf Minus 1,2%.

Wie das von der SNB heute vorgelegte Monatsheft (März 2012) darauf hindeutet, fiel auch der getrimmte Mittelwert (TM15), der wie die Kerninflation ein geeigneteres Bild der Entwicklung der allgemeinen Inflation liefert, erstmals überhaupt in den negativen Bereich: Minus 0,1%. Der TM15 betrug in den zwei Monaten davor Null Prozent.

Die Schätzungen der Kerninflation sind nützlich, weil die am Konsumentenpreisindex (CPI) gemessene Teuerung kurzfristigen Schwankungen unterliegt.

Gemessen am Produzenten- und Importpreisindex betrug der Preisrückgang in der Schweiz im Februar 2012 innert Jahresfrist 1,9%.


Schweiz: Kerninflation und der getrimmte Mittelwert, Graph: ACEMAXX ANALYTICS

PS: Der vorübergehende Anstieg der Teuerung im März 2011 ist im Wesentlichen auf einen Sondereffekt aufgrund eines höheren Erhebungsrhythmus der Preise für Bekleidung und Schuhe zurückzuführen.

Ben Bernanke zerlegt Goldstandard

Ben Bernanke kommt an die Uni zurück und erklärt Studenten, wie die Zentralbanken funktionieren und welche Rolle sie in einer Krise spielen.

Der Chef der US-Notenbank Fed hat gestern mit seinen Gastvorlesungen an der George Washington University angefangen.

Was ist eine Zentralbank? Steht auf der ersten Folie, die Bernanke präsentiert. Eine Notenbank hat für die Stabilität zu sorgen, sowohl was die Wirtschaft, als auch was das Finanzsystem betrifft.

In der ersten (Lecture 1) im Internet live übertragenen Vorlesung („Origins and Mission of the Federal Reserve“) hebt Bernanke hervor, dass eine Notenbank über drei wichtige Instrumente verfügt: (1) Zinspolitik: Die Zentralbank erhöht (beim Aufschwung) und senkt (beim Abschwung) die Zinsen, (2) Liquiditätssteuerung (lender of last resort) und (3) Regulierung des Finanzmarktes.

Besonders bemerkenswert waren Bernankes Aussagen über den Goldstandard.  Der Fed-Präsident hat u.a. geschildert, dass man, um einen Goldstandard zu haben, in z.B. Südafrika nach Gold graben und es dann in einen Keller in New York legen müsse. Das sei unsinnig.


Goldstandard, Graph: Prof. Ben Bernanke in: “Origins of the Federal Reserve: Economic Stability Concerns”, March 20, 2012

Dienstag, 20. März 2012

ETFs im Schatten Bankensystem?

Die EU will die sog. Schattenbanken regulieren. Gemäss dem von der EU-Kommission gestern vorgestellten Green Paper soll Licht in den gesamten Finanzsektor gebracht werden.

FSB, der internationale Finanzstabilitätsrat FSB (Financial Stability Board) definiert das Schatten Bankensystem (shadow banking system) als „das System der Kredit-Intermediation, welche Unternehmen (Entitäten) und Aktivitäten ausserhalb des regulären Bankensystem umfasst“.

Diese Definition impliziert, dass das Schatten Bankensystem auf zwei ineinander verschlungenen Säulen beruht (meine freie Übersetzung).

(1) Unternehmen die ausserhalb des regulären Bankensystems in eine der folgenden Aktivitäten engagiert sind:

Annahme einer Finanzierung mit Einlage-ähnlichen Eigenschaften, Durchführung von Laufzeit und/oder Liquiditäts-Transformationen

Übertragung von Kreditrisiko-Transfer und Verwendung von direkter oder indirekter finanziellen Hebelwirkung (leverage).

(2) Tätigkeiten, die als wichtige Quellen der Finanzierung von Nicht-Banken-Unternehmen handeln könnten. Diese Tätigkeiten umfassen Verbriefung, Wertpapierleihe (securities lending), und Wertpapierpensionsgeschäfte (repo).