Samstag, 25. Februar 2012

FDIC schliesst zwei kleine Banken

Die FDIC (Einlagensicherungsbehörde) hat am Freitag laut Washington Post zwei kleine Banken in Georgia und Minnesota geschlossen.

Damit ist die Anzahl der Banken, die im Jahre 2012 verstaatlicht wurden, auf 11 gestiegen, nachdem im Vorjahr insgesamt 92 Banken gescheitert waren.

Die Zahl der Bankschliessungen im Jahr 2012 markiert einen deutlichen Rückgang aus den beiden Vorjahren. Zu diesem Zeitpunkt vor einem Jahr hatten die Behörden 23 Banken geschlossen.

Die verstaatlichten  zwei Banken verfügen über ein Anlagevermögen von insgesamt 713 Mio. $ und Einlagen von 698,8 Mio $. Die Kosten der geschlossenen zwei Banken betragen für die öffentliche Hand 106,3 Mio. $.

Bankpleiten:
2012: 11
2011: 92
2010: 157
2009: 140
2008: 25
2007: 3

Freitag, 24. Februar 2012

Unaufrichtige Wahlkampagne

Laut Michael Kinsley ist es ein Fauxpas, wenn ein Politiker aus Versehen die Wahrheit sagt, schreibt Paul Krugman in seiner lesenswerten Freitagskolumne („Romney’s Economic Closet“) in NYT.

Das ist genau das, was am Dienstag passiert ist. Mitt Romney hat nämlich in einer Rede in Michigan auf eine Frage über den Abbau des Haushaltsdefizits geistesabwesend etwas ganz Vernünftiges gesagt: „Wenn Sie die Ausgaben kürzen, wird sich das Wirtschaftswachstum verlangsamen“.

Romney glaubt also daran, dass die Kürzung der Staatsausgaben auf dem Wachstum lastet, wenn alles andere unverändert bleibt.

Die Polizei der rechten Ideologie war, wie vorauszusehen war, entsetzt, hebt Krugman hervor. Und ein Sprecher von Romney hat versucht, die Bemerkung rückgängig zu machen. Aber Romney ist fast sicher ein geheimer Keynesianer.


Woher wissen wir das? Nun, während sein Verständnis von der Welt manchmal wackeling zu sein scheint, muss er über die verwüstende Sparpolitik in Griechenland, Irland und anderswo Bescheid wissen, legt der Träger des Wirtschaftsnobelpreises dar.

Darüber hinaus wissen wir, an wen er sich wendet, um sich wirtschaftlich beraten zu lassen: Glenn Hubbard und Greg Mankiw. Während die beiden Männer treue Handlanger der Republikaner sind, haben beide auch lange Track Records als professionelle Ökonomen. Und was die Erfolgs- und Erfahrungsgeschichte betrifft, glaubt keiner der beiden an eine der Propositionen, die zum Lackmus-Test für die Möchte-gern-Präsidentschaftskandidaten der GOP geworden sind, erläutert Krugman.

Verunsicherung am Rohölmarkt

Der Preis für Rohöl in Euro ist mit 93,64 Euro (Nordseesorte Brent) auf den höchsten Stand seit der Einführung der Gemeinschaftswährung gestiegen. Aber auch in Dollar klettert der Preis am Ölmarkt wieder höher.

James Hamilton befasst sich in seinem Blog mit der Frage, was das alles für die US-Verbraucher an der Zapfsäule bedeutet.

Die Rede ist von Rohölpreis. Es gibt zwei beliebte Benchmarkt: West Texas Intermediate (WTI),  gehandelt in Oklahoma und Nordsee Brent, gehandelt in Europa. Historisch gesehen verlaufen die Preise eng aneinander. Es spielt keine grosse Rolle, auf welche Sorte man sich bezieht. Aber die Preise haben sich in den vergangenen Jahren aufgrund der mangelhaften Transport-Infrastruktur in den USA auseinander entwickelt.

Hamiltons Faustregel ist, dass für jeden Anstieg des Preises um einen Dollar für ein Barrel Rohöl US-Verbraucher wahrscheinlich 2 ½ $ mehr für einen Liter Benzin (gallon of gasoline) zahlen.

Die gelbe Kurve in der Abbildung zeigt den durchschnittlichen US-Verkaufspreis von Normalbenzin in den USA über die vergangenen vier Jahre.

Die blaue Kurve zeigt den Benzin-Preis, den man der Faustregel von Hamilton zufolge für den WTI zahlen müsste.

Die fuchsienfarbige Kurve zeigt die Prognose, wenn man davon ausgeht, dass die US-Verkaufspreise auf Brent basieren.


Rohöl, WTI und Brent, Graph: Prof. James Hamilton

Donnerstag, 23. Februar 2012

Das Weisse Haus will Unternehmenssteuern senken

Das Weisse Haus plant, die Körperschaftssteuer von 35% auf 28% zu senken. Präsident Obama schlägt ausserdem vor, dass Hersteller sogar eine weitere Kürzung (25%) geniessen. Zudem soll durch die Verhängung eines Mindestsatzes auf Erträge, die im Ausland erzielt werden, die Steuerzuflucht verhindert werden. Präsidents Vorhaben enthält aber darüber hinaus noch andere weniger inhaltliche Änderungen.

Mark Thoma vertritt in einem lesenswerten Artikel („Corporate tax cut: Good idea, but won’t stimulate economy“) in CBS Money Watch, dass es sich dabei hauptsächlich eher um eine Umverteilung der Steuerlast als um eine Senkung der Steuern handelt.

Der an der University of Oregon lehrende Wirtschaftsprofessor denkt nicht, dass die geplante Senkung der Körperschaftssteuer einen grossen Einfluss auf die Wirtschaft hätte.

Die Kürzung des Regelsteuersatzes dürfte keinen so grossen Effekt auf den Unternehmenssektor entfalten wie erwartet, weil die Steuersenkung als aufkommensneutral geplant ist. Um Aufkommensneutralität zu erreichen, müsste der Schnitt des Steuersatzes mit der Schliessung von Schlupflöchern begleitet werden, d.h. auf einer breiteren Basis, unterstreicht Thoma. So wird jedes Unternehmen, welches eine Steuererleichterung bekommt, an anderer Stelle von einem anderen Unternehmen, welches eine Steuererhöhung erlebt, abgeglichen. Während also manche Unternehmen davon profitieren, werden andere Unternehmen härter betroffen. Der Netto-Effekt dürfte am Schluss plus minus Null sein.

Griechenlands Staatsanleihen und Collective Action Clause

Die Ratingagentur Fitch hat gestern Griechenlands Kreditwürdigkeit von „CCC“ auf „C“ herabgestuft. Es bedeutet, dass in Kürze ein Zahlungsausfall (default) bevorsteht.

Was haben die Kleinanleger nun zu erwarten? Denn der für die privaten Gläubiger von griechischen Staatsanleihen geplante Schuldenschnitt (haircut) von 53,5% betrifft auch Kleinanleger.

Das griechische Parlament führt jetzt im Rahmen eines Anleihetausches nachträglich Kreditklauseln (Collective Action Clause) für griechische Staatspapiere ein.

Bei CAC handelt es sich um eine Vertragsklausel im Zusammenhang mit Mehrheitsbeschlüssen der Gläubiger in Bezug auf die Abwicklung von notleidenden Schuldtiteln.

Stimmt die Zweidrittelmehrheit der Anleihenbesitzer dem Schuldenschnitt (haircut) zu, können damit auch die Kleinanleger zu einem Schuldenerlass gezwungen werden, auch wenn sie urprünglich gegen den Schuldenschnitt gestimmt haben.


Griechenlands Staatsanleihen und Vertragsklauseln (CAC), Graph: BNP Paribas via WSJ

Mittwoch, 22. Februar 2012

Wo soll das Wachstum herkommen?

Was muss getan werden, um die gesamtwirtschaftliche Nachfrage anzukurbeln? Was ist zu tun, aus der Kleinen Depression zu kommen?

Ein Vorschlag ist die Rückkehr zum Goldstandard, was natürlich vollkommen töricht ist.

Ein weiterer Vorschlag ist Freihandel, d.h. weitere Massnahmen, um die Märkte kompletter zu machen.

In diesem Zusammenhang deutet Paul Krugman in seinem Blog auf einen Bericht („12 EU leaders call for open markets to fuel growth“) hin. Die europäischen Staats- und Regierungschef rufen demnach nach Massnahmen, um das Wachstum via open markets strategy (Abbau von Handelsbarrieren) zu fördern. Für eine Sekunde wundert sich der gutmütige Leser, ob der Austerian Consensus knackt. Weit gefehlt! Die Antwort der politischen Entscheidungsträger auf die mangelhafte Nachfrage (der Privatsektor hält sich mit Ausgaben zurück) ist, Deregulierung und Liberalisierung des Handels.

Das ist eine nicht nur eine schlechte, sondern auch eine irrelevante Idee, erklärt der an der University of Princeton lehrende Wirtschaftsprofessor. Was würden solche Massnahmen zustande bringen, um die Schuldenlast der privaten Haushalte zu verringern? Was würden solche allgemeine Massnahmen verrichten, um den zerstörerischen Überschuss Deutschlands in der Leistungsbilanz einzugrenzen?

Unmögliche Hilfe für Griechenland

Das zweite Hilfspaket (im Wert von 130 Mrd. Euro) für Griechenland, das das erste vom Mai 2010 ersetzt, steht nun fest. Athen verliert damit die Hoheit über den Haushalt des Landes.

Griechenland ist nun offiziell ein Mündel der internationalen Gemeinschaft, wie Felix Salmon in seinem Blog bemerkt. Was die Finanzpolitik betrifft, verfügt das Land über keine wirkliche Unabhängigkeit mehr. Und wenn alles nach Plan läuft, wird Griechenland die Unabhängigkeit für viele, viele Jahre nicht zurückerlangen können.

Griechenland muss die Beträge für die Bedienung seiner Staatsanleihen in ein Sperrkonto, welches von Deutschland diktiert worden ist,  einzahlen. Die Besitzer der griechischen Staatsanleihen werden aus diesem Sperrkonto (offiziell als „Treuhandkonto“ genannt) bedient.

Der negative Bericht der Troika hinterlässt den Eindruck, als ob sie selbst nicht an eine Rettung Griechenlands glauben würde, wie Wolfgang Münchau in einem Kommentar („Die Atombombe der Krisenpolitik“) in FTD schreibt.


Greece Preliminary Debt Sustainability Analysis (DSA), Graph: via FT Alphaville