Montag, 23. Mai 2011

Schweiz: Kerninflation ist erneut negativ

Die Kerninflation fiel in der Schweiz im April wieder unter die Marke von Null Prozent: Minus 0,1%.

Die Kernrate, die die Preisentwicklung ohne Nahrung, Getränke, Tabak, Saisonprodukte, Energie und Treibstoffe widerspiegelt, hatte im vergangenen Jahr drei Monate in Folge (Sept. Minus 0,1%, Okt. Minus 0,2% und Nov. Minus 0,1%) Minuswerte aufgewiesen. Die durchschnittliche Teuerung, die 2009 noch negativ war, betrug 2010 0,7%. Die Preisstabilität war somit gewährleistet.

Die aktuellen Daten zeigen, dass die Wirtschaft sich nach wie vor in einem äusserst angespannten Umfeld befindet. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) tut gut daran, eine starke Straffung der geldpolitischen Rahmenbedingungen nicht zuzulassen, damit keine deflationäre Entwicklung entsteht.
  

Schweiz: Konsumentenpreise und Kerninflation, Graph: SNB, Statistisches Monatsheft Mai 2011

Provoziert die EZB eine neue Finanzkrise?

Die Pain Caucus hat seit mehr als einem Jahr die Kontrolle in Europa, darauf bestehend, dass sound money und ausgeglichene Haushalte die Antwort auf alle Probleme sind. Hinter dieser Beharrlichkeit stehen wirtschaftliche Phantasien, insbesondere der Glaube an Vertrauen Fee (confidence fairy). Das heisst, der Glaube, dass Kürzung der Ausgaben tatsächlich Arbeitsplätze schaffen werde, weil fiskalische Sparmassnahmen (fiscal austerity) das Vertrauen im Privatsektor festigen würden, beschreibt Paul Krugman in seiner lesenswerten Montagskolumne („When Austerity Fails“) in NYT.

Leider weigert sich die Vertrauen Fee, sich zu zeigen. Und ein Wortwechsel darüber, wie die unbequeme Realitität, die Europa bedroht, anzugehen ist, ist der Unruheherd einer neuen Finanzkrise, legt der Träger des Wirtschaftsnobelpreises (2008) dar.

Sonntag, 22. Mai 2011

Exit-Strategie: Fed Minutes vom 27. April 2011

Die US-Notenbank hat am Mittwoch das Sitzungsprotokoll (Fed Minutes) der letzten Zusammenkunft des geldpolitischen Ausschusses (FOMC) vom 26./27. April veröffentlicht. Angesichts der anhaltenden Schwäche der aggregierten Nachfrage wurde die Nullzinspolitik fortgesetzt.

Wie aus dem Protokoll hervorgeht, waren sich die Ausschussmitglieder in bezug auf die Normalisierung der Geldpolitik auf einige Grundsätze einig:

(1) Im Hinblick auf die Normalisierung des geldpolitischen Kurses würden das Tempo und die Ablaufplanung der geldpolitischen Schritte aufgrund der Ziele des geldpolitischen Ausschusses für maximale Beschäftigung und  Preisstabilität erfolgen.

Die Teilnehmer stellen fest, dass die Entscheidung des Ausschusses, die angemessene Strategie für die Normalisierung der geldpolitischen Haltung zu besprechen, nicht bedeutet, dass der Schritt in Richtung Normalisierung notwendigerweise bald beginnen muss.


Fed-Prognosen für Wachstum (BIP) und Beschäftigung, Graph: FOMC Minutes, Federal Reserve Bank

Ursprung der Krise, gefälschte und echte

Paul Krugman schreibt in seinem Blog, dass er in diesen Tagen nicht viel Zeit verbringe, über die Entstehung der Finanzkrise zu reden. Die brennende Frage sei jetzt, was als nächstes kommt, bemerkt der Träger des Wirtschaftsnobelpreises (2008). „Dennoch ist die Geschichte ein Schlachtfeld und die üblichen Verdächtigen sind bemüht, die Geschichte in ihrem Interesse zu schreiben“, legt der an der Princeton University lehrende Wirtschaftsprofessor dar.

In der Tat ist es für eine Menge Leute bereits geschehen: Es ist Orthodoxie auf der rechten Seite des politischen Spektrums, dass Fannie und Freddie die Immobilienblase und –Flop verursacht haben. Es war also alles die Schuld des Staates.


Die realen Daten an überfälligen, rückständigen Hypotheken, Graph: David Min via Prof. Paul Krugman

Klartext reden über den US-Dollar

Christina Romer legt in einem lesenswerten Essay („Needed: Plain Talk About the Dollar“) in NYT dar, dass über den US-Dollar Klartext geredet werden sollte. Ben Bernanke wurde kürzlich auf einer Pressekonferenz nach dem Verfall des US-Dollars gefragt. Der Fed-Präsident hat die Frage pariert, indem er sagte, dass der Finanzminister der Sprecher der Regierung sei, was den Wechselkurs des US-Dollars betreffe. Und natürlich befürworten die USA einen starken Dollar, fügte Bernanke aber zu.

Romer erinnert sich vor diesem Hintergrund an ihre ersten Erfahrungen als Beraterin des Präsidenten Barack Obama. Im November 2008 habe sie mit Larry Summers ein Taxi geteilt, erzählt die nun an der University of California, Berkeley lehrende Wirtschaftsprofessorin. In Vorbereitung auf die Interviews und die Anhörungen, die bevorstehen, habe Sommers gnädig Fragen an Romer gestellt und die Antworten kritisiert. In Bezug auf die Frage nach dem Wechselkurs habe Romer angefangen, zu erklären, dass der Wechselkurs ein Preis sei wie jeder andere Preis auch und von den Marktkräften bestimmt werde.

Samstag, 21. Mai 2011

Schaffung von Arbeitsplätzen und gerechte Verteilung von Einkommen

Dani Rodrik (via Mark Thoma) macht in seinem Blog auf eine aktuelle Forschungsarbeit („Addressing the Problem of Stagnant Wages“) von Frank Levy und Tom Kochan aufmerksam. Die Arbeitsproduktivität ist zwischen 1980 und 2009 um 78% gestiegen. Aber die Median Vergütung (einschliesslich Nebenleistungen) der Männer im Alter von 35-44 mit Schulabschluss (high school) ist real um 10% gefallen, bemerkt der an der Harvard University lehrende Wirtschaftsprofessor.

Frauen schneiden im Allgemeinen besser ab. Aber zwei Drittel der Frauen sehen einer hinter dem Produktivitätswachstum hinkenden Vergütung entgegen. Levy und Kochan fordern einen Social Compact, um die Trends umzukehren und zeigen auf, wie die notwendigen Schritte dorthin erfolgen. Die Arbeit ist sehr lesenswert, legt Rodrik nahe.


Median Vergütung (wöchentlich) von Männern zwischen 35 und 44, die eine Vollzeit Arbeit leisten, Graph: Frank Levy und Tom Kochan

Wiederbelebung des verarbeitenden Gewerbes

Eine wichtige Komponente der Wende im verarbeitenden Gewerbe ist darauf zurückzuführen ist, dass die Obama-Regierung die Ratschläge der rechten Ideologen des politischen Spektrums ignoriert hat, beschreibt Paul Krugman in seiner lesenswerten Freitagskolumne („Making Things in America“) in New York Times.

Das verarbeitende Gewerbe, einmal Amerika’s grösste Stärke, schien endgültig im Niedergang. Aber das dürfte sich jetzt ändern: Das verarbeitende Gewerbe ist gegenwärtig einer der Lichtblicke einer insgesamt enttäuschenden Erholung der Konjunktur. Eine anhaltende Aufholjagd schickt an, legt Krugman dar. Hätten sich rechtsnationale Kritiker durchgesetzt, würde das Comeback aber heute nicht stattfinden.

Der Träger des Wirtschaftsnobelpreises (2008) will nicht den Eindruck erwecken, als wäre alles wunderbar im verarbeitenden Gewerbe der USA. Doch es ist besser, diese Arbeitsplätze zu haben, als gar keine Arbeitsplätze.


Erholung im verarbeitenden Gewerbe Amerikas, (Bilanz der Fertigung in % des BIP), Graph: Prof. Paul Krugman