Donnerstag, 13. August 2015

China und Trilemma des Wechselkursregimes

Man kann nonchalant argumentieren, dass Pekings Abwertung fast unvermeidbar war, weil die wirtschaftlichen Aussichten des Landes sich seit geraumer Zeit verschlechtern.

Ein wesentlicher Grund ist die quasi Anbindung von Renminbi (RMB), der chinesischen Währung an den US-Dollar. 

Die geplante allmähliche Verschärfung der monetären Rahmenbedingungen durch die Fed in den kommenden Monaten überträgt sich daher auch in Chinas Wirtschaft. Peking hat den Würgegriff des US-Dollars irgendwie über eine Abwertung der eigenen Währung lockern müssen.

Es gibt jedoch einen weiteren fundamentalen Grund für die Abwertung: China steht dem Trilemma des Wechselkursregimes (impossible trinity) gegenüber, wie David Beckworth in seinem Blog hervorhebt.

Das Impossible Trinity-Modell beschreibt einen Zielkonflikt: feste Wechselkurse, geldpolitische Autonomie und freie Kapitalbewegung. Maximum zwei Ziele können gleichzeitig erreicht werden. Alle drei Ziele gleichzeitig zu erreichen, gilt als unmöglich.



China Erzeugerpreis-Index (PPI), Graph: Morgan Stanley

Mittwoch, 12. August 2015

Warum China seine Währung abwertet

Obwohl die chinesische Notenbank (PBoC) die gestrige Massnahme zur Niedrigsetzung (6,1162 USD) des Mittelwertes des Währungskurses (de facto Abwertung) als einmalig bezeichnet hat, hat sie heute morgen noch einmal nachgelegt.

Das heisst, dass der daily fix noch einmal tiefer gesetzt wurde: 6,2298 USD. Die Landeswährung ist darauf hin am Mittwoch auf ein Vierjahrestief gefallen.

Es gibt zwei grosse Gründe, warum China seine Währung abwertet: 

(1) Die Wirtschaft: Peking will Wirtschaftswachstum und hohe Beschäftigung, 

(2) Die Währung: Renminbi soll global eine herausragende Rolle spielen, um diplomatische Ziele des Landes zu fördern und die Zentralität Chinas in der Weltwirtschaft zu festigen, schreibt Neil Irwin in NYTimes.



Renminbi gegen USD, Graph: FT 

Dienstag, 11. August 2015

Chinas Konjunkturflaute und Abwertungswettlauf

China hat am Wochenende einige Zahlen zum Aussenhandel im Juli bekannt gegeben. Die Exporte sind demnach um 8,9% und die Importe um 8,6% gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen.

Und heute Morgen kam die Meldung, dass Peking den Wechselkurs  zum US-Dollar neu fixieren will. Das bedeutet Yuan-Abwertung. Die chinesische Währung hat daraufhin gegenüber dem US-Dollar um rund 1,9% an Wert verloren.

Die chinesische Landeswährung Yuan wird täglich nach dem von der PBoC festgelegten Mittelwert gehandelt.


China’s Export Wachstum, Graph: Morgan Stanley

Montag, 10. August 2015

Globale Reflation und Realzinsen

Die Inflation Breakeven-Sätze implizieren derzeit eine dürftige und unterdurchschnittliche Erholung der Wirtschaft.

Die aktuellen Daten aus den Finanzmärkten deuten immer noch auf eine Niedriginflation und vielleicht sogar auf säkulare Stagnation hin.


Inflation Breakevens, Graph: Morgan Stanley

Sonntag, 9. August 2015

QE für Menschen: Geldabwurf aus dem Hubschrauber

Es lag von Anfang an auf der Hand, dass die mengenmässige Lockerung der Geldpolitik (genannt QE: quantitative easing), wenn das Thema Fiskal-Politik vom Tisch ist, eine Art Not-Lösung (second-best choice) war, in der Zeit, wo die herkömmliche Geldpolitik zu kurz greift und die nominalen Zinsen nahe null (zero lower bound) liegen.

Wenn der fiskalpolitische Ansatz politisch nicht angestrebt wird und die geldpolitischen Instrumente ausgeschöpft sind, könnte die Zentralbank, ermächtigt durch die öffentliche Hand, Zahlungen direkt an den Haushaltssektor liefern. 

Der als “QE for People” geprägte Vorschlag wurde zuletzt im Mai 2015 von Mark Blyth, Eric Lonergan und Simon Wren-Lewis in einem lesenswerten Artikel ("Now the Bank of England needs to deliver QE for the people") in The Guardian vorgestellt.

Die britische Zentralbank (BoE) wäre damit befähigt, einen weiteren Absturz der Wirtschaft abzumildern, ausgelöst durch interne oder externe Faktoren wie z.B. einen deflationären Schock aus China oder einen drastischen Abschwung in der Eurozone.

Die Autoren unterstreichen ferner die empirische Evidenz, dass Überweisungen an den Haushaltssektor als ein Bruchteil von QE eine weit grössere Auswirkung auf die Nachfrage hätten.

Verbraucher scheinen nämlich schnell zwischen einem Drittel und der Hälfte aller cash windfalls auszugeben. Wenn wir also den privaten Verbrauch um 1% im Verhältnis zum BIP erhöhen wollen, brauchen wird eine Übertragung (transfer) in Höhe von 3% des BIP. 

In Grossbritannien entspricht QE rund 20% des jährlichen BIP. Nach einer Schätzung der BoE würde dadurch das BIP um 3% gesteigert.

Samstag, 8. August 2015

Arbeitsmarkt und politische Entscheidungsträger

In den USA sind im Juli 215’000 neue Arbeitsplätze entstanden. Und die Daten für die beiden Vormonate wurden um 14’000 nach oben revidiert. Im Durchschnitt wurden also in den vergangenen drei Monaten 235’000 Stellen geschaffen.

Das Wachstum im Juli kam v.a. aus dem Einzelhandel, den Restaurants und anderen schlecht-bezahlten Service-Jobs, obwohl es auch ein erfreuliches Stellenwachstum in besser bezahlten Bereichen gab, einschliesslich Bau- und Finanz-Sektor.

Woran es mangelt, ist, wie in jedem anderen Monat in den vergangenen Jahren, ein nennenswertes Wachstum der Löhne. Der durchschnittliche Stundenlohn für die Arbeitnehmer im privaten Sektor sind um 0,5 Cents auf 24,99$ gestiegen.

Job-Wachstum ohne Lohnerhöhungen ist ein entmutigendes Zeichen der Flaute im Arbeitsmarkt, unterstreicht Teresa Tritch in einem lesenswerten Kommentar in NYTimes.




US-Arbeitsmarkt: Arbeitslosenquote und Anzahl der neu geschaffenen Stellen ausserhalb der Landwirtschaft, Graph: BLS, Aug 7, 2015

US-Wirtschaft und TV-Debatte der Republikaner

Es wäre nicht vermessen, zu sagen, dass die TV-Debatte der “Top 10” der Republikaner um das Rennen für die Präsidentschaftskandidatur am Donnerstag Abend in Cleveland (Ohio) viel Spott ausgelöst hat.

Ein gefundenes Fressen für TV-Journalisten, ausführlich darüber zu berichten. Aber auch eine günstige Gelegenheit für Paul Krugman sich damit in seiner Kolumne (“From Trump on Down, the Republicans can’t be serious”) am Freitag in NYTimes zu befassen.

Der am Graduierten Zentrum der City University New York (CUNY) lehrende Wirtschaftsprofessor bemerkt, dass die TV-Debatte der republikanischen Präsidentschaftskandidaten nach Ansicht vieler Kommentatoren im Wahlzyklus der Partei vorstellen würde, wie gross die Anzahl der besonders talentierten Spieler im Team sei (“deep bench”).

Das Rennen für die Präsidentschaftskandidatur beinhalte erfahrene Gouverneure wie Jeb Bush und Scott Walker, frische Denker wie Rand Paul und attraktive neue Spieler wie Marco Rubio. Stattdessen führt jedoch Donald Trump das Feld mit grossem Abstand. Was ist passiert?

Die Antwort ist laut Krugman, wie so viele es nicht kommen sahen, Leichtgläubigkeit: Menschen können den Unterschied zwischen jemandem, der so klingt, wie wenn er wüsste, worüber er redet und jemandem, der in der Tat ernsthaft über Probleme redet, nicht erklären.


Arbeitsplatzbeschaffung im Privatsektor während der Erholungsphase der Wirtschaft nach den Rezessionen 2001 und 2007-2009, Graph: Paul Krugman in NYTimes