Dienstag, 11. Juni 2013

TIPS: Keine negative Realrendite mehr?

Die Rendite der US-TIPS mit 10 Jahren Laufzeit betrug am Handelsende am Freitag noch -0.012%. Doch hat die Rendite der inflationsgeschützten US-Staatsanleihen (TIPS) am Montag zum ersten Mal seit einer langen Zeit mit einem positiven Wert abgeschlossen: +0.072%

5y TIPS: -0.759%
10y TIPS: 0.072%
30y TIPS: 1.155%

Zuletzt lag die Rendite der TIPS mit 10 Jahren Laufzeit im Januar 2012 über der Nullmarke, d.h. vor rund 18 Monaten.

Was ist von der aktuellen Entwicklung zu halten?



Rendite der US TIPS mit 10 Jahren Laufzeit, Graph: FRED, Fed St. Louis

Montag, 10. Juni 2013

Abenomics und Verlauf der Zinsen

(Nur für Streber)

Es war Richard Koo, der von Anfang an auf die Verbraucher, die durch die Schulden eingeschränkt sind, hingewiesen hat. Der Chef-Ökonom von Nomura Research Institute, Tokio hat erklärt, dass ein Land, das in einer Bilanzrezession steckt, unter überschüssigen Ersparnissen leidet. Während der Prozess des Schuldenabbaus (deleveraging) anhalte, gelte es, die Nachfragelücke zu füllen. In einer Bilanz-Rezession (balance sheet recession) sind daher staatliche Ausgaben nötig, um die Wirtschaft anzukurbeln. Sonst droht ein Double-dip, ein erneuter Rückfall in die Rezession, legte Koo dar.

Und er hat recht damit: Wenn einer spart, muss ein anderer Schulden machen. Denn eine Volkswirtschaft kann als Ganzes nicht Geld ansparen. Jemand muss das angesparte Geld immer aufnehmen, also sich verschulden, um zu investieren, wie Heiner Flassbeck erläutert. Findet der Privatsektor keine Verwendung für die Ersparnisse, kann der Staat seine Schulden damit finanzieren.

Erst wenn der Privatsektor beginnt, wieder netto neue Schulden aufzunehmen, zeigt sich, dass die Bilanzrezession vorüber ist. Koo hat vor diesem Hintergrund mehrmals dargelegt, wie Japan durch die frühzeitige Rücknahme der fiskalpolitischen Impulse 1997 unter der Regierung Hashimoto und 2001 unter der Regierung Koizumi den Fehler beging, vor der Erholung der Wirtschaft nocheinmal in Rezession zu geraten. Koo vertritt jedoch die Ansicht, dass eine expansive Geldpolitik bei der Bekämpfung einer Bilanzrezession unwirksam ist, weil die Wirtschaft in einer Liquiditätsfalle steckt. Daher hält der amerikanische Ökonom die „monetäre Reflation durch Abenomics“ für „wahnsinnig“.

Ist die Depression „new normal“?

Depression wird zum „new normal“. Das ist der Eindruck, den die Politik in diesen Tagen hinterlässt. Was haben aber die Menschen vor der Finanzkrise als normal betrachtet?

Als normal galt, dass die Wirtschaft jährlich eine Million oder mehr Arbeitsplätze schafft, um mit dem Wachstum der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter Schritt zu halten. Und normal bedeutete eine Arbeitslosenquote von nicht viel mehr als 5%, mit Ausnahme in Zeiten von kurzen Rezessionen. Es gab zwar immer Arbeitslosigkeit, aber unter normal verstand man, dass nur wenige Menschen für einen längeren Zeitraum arbeitslos waren, ruft Paul Krugman mit Nachdruck in seiner lesenswerten Kolumne („The Big Shrug“) am Montag in NYTimes in Erinnerung.

Wie hätten wir in jenen längst vergangenen Tagen auf den Arbeitsmarktbericht von Freitag reagiert, dass die Zahl der Amerikaner mit Jobs noch immer zwei Millionen geringer ist als vor sechs Jahren? 7,6% der Arbeitskräfte sind ohne Beschäftigung und mehr als vier Millionen Menschen sind seit mehr als sechs Monaten arbeitslos. Die Politik reagiert heute so, als ob der Arbeitsmarktbericht gut wäre. Der Bericht wird sogar als „Beweis“ dafür gefeiert, dass das Budget Sequester keinen Schaden angerichtet hat, legt Krugman dar.

Vor mehr als drei Jahren haben einige Ökonomen wie Krugman dagegen gekämpft, dass wegen der schädlichen Besessenheit der politischen Elite von Haushaltsdefiziten die Staatsausgaben gekürzt wurden, anstatt erhöht zu werden, weshalb Arbeitsplätze vernichtet wurden, anstatt geschaffen zu werden. Deshalb bemerkt der an der University of Princeton lehrende Wirtschaftsprofessor zu Recht, dass er noch nie jemals etwas Ähnliches wie den plötzlichen Zusammenbruch der austerity economics als politische Doktrin erlebt hat.

Sonntag, 9. Juni 2013

Brad DeLong tritt Paul Krugman auf den Schlips

Mannomann! Brad DeLong schreibt in seinem Blog (ein Schlichtungsversuch?), dass es unfair sei, dass Keynesianer sich über die Menschen, die sich für die Austeritätspolitik einsetzen, lustig machen, indem sie von „confidence fairy“ (Vertrauen Fee) reden, während sie selbst ähnliche Aussagen in Bezug auf die Verschiebung von Erwartungen machen.

DeLong bezieht sich auf die Argumente, die vor allem von Krugman (aber auch von z.B. Olivier Blanchard, Greg Mankiw usw.) vorgetragen werden, dass die Fed und andere Notenbanken die Erwartungen im Hinblick auf die Inflation in Zukunft erhöhen sollen, damit die Wirtschaft aus der liquidity trap (Liquiditätsfalle) kommt.

Es gibt aber zwei entscheidende Unterschiede zwischen den Ökonomen, die mit „Vertrauen Fee“ argumentieren und den Verfechtern der „expansiven Austerität“. Paul Krugman erläutert in seinem Blog, dass es (1) darum geht, dass eine Hoffnung (Erhöhung der Inflationserwartungen) einem Plan (expansive austerity) gegenüber steht.

Krugmans Argument ist dahingehend, dass die Fed, die Bank of Japan usw. eine höhere Inflation anstreben sollen, in der Hoffnung, dass es hilft. Aber es ist eine Hoffnung. Und währenddessen sollen die Forderungen nach Fiscal Austerity (Haushaltskonsolidierung mitten einer schwer angeschlagenen Wirtschaft) bekämpft werden. Zudem bedarf es mehr Stimulus.

Die Anhänger der expansiven Austerität setzen (oder setzten bisher) auf den vermeintlichen Anstieg des Vertrauens, um zu vermeiden, was sonst in schreckliche Rezessionen endet, welche tatsächlich verwirklicht sind.

Samstag, 8. Juni 2013

FDIC schliesst zwei weitere Banken

Die FDIC (Einlagensicherungsbehörde) hat am Freitag zwei kleine Banken in Nevada und Tennessee geschlossen.

Damit sind seit Beginn des Jahres 16 Banken verstaatlicht worden, nachdem im Vorjahr insgesamt 51 Banken gescheitert waren.

Die Zahl der Bankschliessungen im Jahr 2012 markiert mit 51 einen deutlichen Rückgang aus den beiden Vorjahren. Dennoch ist die Zahl ungewöhnlich hoch, da in einer stark wachsenden Wirtschaft jährlich i.d.R. nur vier oder fünf Banken im Durchschnitt geschlossen werden.

Die gestern verstaatlichten zwei Banken verfügen insgesamt über ein Anlagevermögen (assets) von 457,5 Mio. $ und Einlagen (deposits) von 393,0 Mio. $. Die Kosten der geschlossenen Banken betragen für die öffentliche Hand  schätzungsweise 42,9 Mio. $.

Bankpleiten:

2013: 16
2012: 51
2011: 92
2010: 157
2009: 140
2008: 25
2007: 3

Freitag, 7. Juni 2013

Die Fed und die Krise

Die Folgen der Finanzkrise von 2008 sind allgegenwärtig. Und die Fed gerät immer mehr unter Druck. Die Kritik, die in den vergangenen Wochen v.a. von Hedge Fonds Managern ausgeübt wird, artikuliert sich so, dass die Fed mit ihrer Geldpolitik die Finanzmärkte „pervertiert“. Die Kritiker behaupten, dass die US-Notenbank inzwischen zu viel unternommen hat. Und sie verweisen hierbei insbesondere auf das Haushaltsdefizit, obwohl die Anleihemärkte (gemessen am Verlauf der Renditen) diese Ansicht keinesfalls teilen.

Die Fed-Gegner halten die Massnahmen, die die US-Notenbank im Rahmen ihrer mengenmässigen Lockerung der Geldpolitik (QE: quantitative easing) getroffen hat, für übermässig, ja sogar für wahnsinnig. Martin Wolf hat sich kürzlich gezwungen gesehen, in seiner Kolumne in FT Ben Bernanke in Schutz zu nehmen.

Hat die Fed aber in den vergangenen 5 Jahren gegen die Krise tatsächlich zu viel unternommen? Nein, ganz im Gegenteil. Die Wirtschaftspolitik hat zu wenig zustande gebracht, was sowohl die Geld- als auch die Fiskalpolitik betrifft, wie Paul Krugman in seinem Blog bemerkt. Die Produktion (output) liegt weit unter vernünftigen Schätzungen des Produktionspotenzials (d.h. Potenzialwachstum). Das heisst Billionen von Dollar Verschwendung an Ressourcen. Die Arbeitslosigkeit verharrt auf einem hohen Niveau, was auf eine persönliche, soziale und möglicherweise auf eine politische Katastrophe hinausläuft. Die Inflation bleibt unter dem Zielwert, was nahlegt, dass die Zielvorgabe für die Inflation wohl zu niedrig ist.

Bevor man die unkonventionelle Geldpolitik der Fed unter die Lupe nimmt, ist es vorteilhaft, in Erinnerung zu rufen, dass die Fed mit der Steuerung der kurzfristigen Zinsen auf die Wirtschaft wirkt. Die Zinsen werden gesenkt, um die Produktion zu fördern. Der natürliche Zinssatz liegt dort, wo die Produktion = das Produktionspotenzial ist. Das heisst, dass es auf diesem Punkt weder einen deflationären noch einen inflationären Druck gibt.



Der natürliche Zinssatz, Graph: Prof. Paul Krugman

Donnerstag, 6. Juni 2013

Fed und die Frage der Ungleichheit im Sog der Rezession

Eine herausfordernde Frage, die in diesen Tagen aufgeworfen wird, lautet, ob die Fed hinter dem Wachstum der Ungleichheit nach der Rezession steht. Autoren wie Neil Irwin und Robert Frank haben sich dazu ausführlich geäussert.

Annie Lowrey schreibt in einem lesenswerten Artikel („The Fed and Inequality“) in NYTimes, dass die Ungleichheit in Bezug auf Einkommen und Vermögen seit der Rezession gestiegen ist. Emmanuel Saez, University of California, Berkeley hält in einer Forschungsarbeit fest, dass all die Einkommenszuwächse in den ersten Jahren der Erholung der Wirtschaft auf die oberste 1% der Verdiener entfallen ist.

Das Einkommen (income) der 1% Prozent sei um 11,2% gestiegen, während das Einkommen der 99% Prozent um rund 0,4% gesunken ist. Schaut man sich das Vermögen (wealth) an, ergibt sich ein ähnliches Bild. Unter Vermögen versteht man hier den Wert der Vermögenswerte von Familien. Das heisst: Haus + Sparkonto – Schulden wie z.B. Hypotheken und Kreditkarten. Das PewResearch Center hat herausgefunden, dass das Vermögen der reichsten 7% der Haushalte von 2009 bis 2011um rund 28% geklettert ist, während das Vermögen der restlichen 93% um rund 4% gesunken ist.

Eine Studie der Fed San Francisco schätzt, dass die Fed mit ihrer aggressiven Geldpolitik die Arbeitslosigkeit um 1,5% verringert und im Wesentlichen das Wachstum der Wirtschaft unterstützt hat. Hat die Fed also die Wirtschaft angekurbelt und zugleich die Ungleichheit gestützt?



Ungleiche Erholung, Graph: Pew Research, April 2013