Dienstag, 20. September 2011

Central Banking im Sog der Finanzkrise

Im Sog der weltweiten Finanzkrise zeichnet sich ein Konsens ab, dass die Rahmenbedingungen, die dem Wesen der modernen Zentralbank zugrunde liegen, was als „flexible inflation targeting“ bekannt ist, neu überdacht werden müssen, schreiben Barry Eichengreen, Eswar Prasad und Raghuram Rajan in einem lesenswerten Essay („Rethinking central banking“) in voxeu.

Ein geldpolitischer Handlungsrahmen mit Fokus auf die Preisstabilität und das Wirtschaftswachstum hat auch auf die finanzielle Stabilität Auswirkungen, durch die Effekte auf die Bewertung von Vermögenswerten, Rohstoffpreisen, Kredit, Leverage, Kapitalströmen und Wechselkursen.

Die Geldpolitik eines Landes kann auf andere Länder übergreifen, v.a., wenn die Zentralbanken widersprüchlichen Rahmenkonzepten folgen, während grenzüberschreitende Kapitalzuflüsse als Übertragungskanal dienen.

Montag, 19. September 2011

Warum die Wirtschaft der Liquiditätsfalle nicht entkommt

Paul Krugman kann es nicht fassen, dass das Faktum, dass die Wirtschaft in einer Liquiditätsfalle steckt, geleugnet wird, wie er in seinem Blog in NYT zum Ausdruck bringt.

Das Kennzeichen einer solchen Falle ist, dass die Menschen das Geld nicht um des Moneyness willen, sondern einfach als Wertaufbewahrungsmittel halten und die herkömmliche Geldpolitik keine Wirkung entfaltet, was einschliesst, dass das Geld für non-money Vermögenswerte wie US-Treasury Bills getauscht wird. Die Geldpolitik zeigt keine Wirkung, weil der eine Vermögenswert mit Null-Zinsen mit dem anderen getauscht wird, hält Krugman noch einmal mit Nachdruck fest.

Als Bestätigung deutet Krugman auf einen aktuellen Bericht von LA Times hin: Bankeinlagen legen kräftig zu. Die Menschen halten im Grunde genommen monetäre Vermögenswerte einfach als einen sicheren Ort, um ihr Vermögen dort zu parken und die Banken haben keine Lust, diese Gelder arbeiten zu lassen.


Umlaufsgeschwindigkeit der Geldmenge M2, Graph: Prof. Paul Krugman

Sparmassnahmen mit fatalen Folgen für die Zukunft

Der politische Diskurs wird in Europa und in den USA in den letzten anderthalb Jahren von Aufforderungen zu rigorosen Sparmassnahmen (fiscal austerity) dominiert. Durch die Kürzung der Ausgaben und den Abbau des Haushaltsdefizits, wird behauptet, können die Länder das Vertrauen wiederherstellen und das Wirtschaftswachstum beleben, schreibt Paul Krugman in seiner lesenswerten Montagskolumne („The Bleeding Cure“) in NYT.

Und die strengen Sparmassnahmen wurden getroffen. Seltsam, dass das Vertrauen nicht angestiegen ist. Irgendwie scheinen Unternehmen und Verbraucher über Mangel an Konsum und Arbeitsplätze viel mehr besorgt zu sein. In jedem Fall mehren sich die Anzeichen, dass die „kurzfristigen“ Besorgnisse (jetzt im vierten Jahr) die langfristigen Aussichten obendrein schwer belasten, legt Krugman dar.

In normalen Zeiten legt die Produktionskapazität in den USA um 2 bis 3% pro Jahr zu. Angesichts einer anhaltend schwachen Konjunktur liegt aber die Produktionskapazität heute um fast 5% niedriger als im Dezember 2007.

US-Notenbank und Operation Torque

Das Augenmerk gilt in dieser Woche der Sitzung der US-Notenbank am 20./21. September. Ben Bernanke wird über die Zinsen entscheiden. Erwartet wird, dass der Fed-Chef weitere Massnahmen zur Lockerung der Geldpolitik ankündigen wird.

Es ist möglich, dass die Fed ihr SOMA Portfolio (System Open Market Account) umschichtet, anstatt eines grossen Einsatzes, indem sie kurzlaufende US-Treasury Bonds aus dem eigenen Porfolio verkauft und mit dem Erlös länger laufende US-Treasury Bonds kauft, was die Analysten von Morgan StanleyOperation Torque“ nennen.

Das SOMA Konto besteht aus in- und ausländischen Portfolios der Fed, sowie wechselseitigen Währungsabkommen (swap lines) mit ausländischen Zentralbanken.

Nachfrageausfall und Hysterese

Der Abschwung in den USA und in den anderen entwickelten Volkswirtschaften ist das Ergebnis eines Nachfrageausfalls. Basta! Das ist die Geschichte. Alle Versuche, zu behaupten, dass es irgendwie strukturell oder vielleicht das Resultat der abnehmenden Anreize ist, zu produzieren, brechen bereits mit der ersten Aufnahme mit der Evidenz zusammen, schreibt Paul Krugman in seinem Blog.

Es gibt aber eine ernsthafte Besorgnis, dass der Abschwung, wenn er lange genug anhält, sich in ein angebotsseitiges Problem wandeln kann, weil die Investitionen gedrückt werden, sodass die künftige Kapazität reduziert wird, weil die Arbeitnehmer, die lange Zeit keine Beschäftigung haben, nicht vermittelbar werden. Das ist ein Thema der Hysterese, erklärt der an der Princeton University lehrende Wirtschaftsprofessor.

Wenn man einen Blick auf die Fertigungskapazitäten wirft, erkennt man, dass es bereits geschieht.


Industrieproduktion dividiert durch Kapazitätsauslastung, Graph: Prof. Paul Krugman

Sonntag, 18. September 2011

Europas Lehman Moment

„Europa ist in der Mitte seiner Variante der grossen Schuldenkrise, die die USA im Jahr 2008 getroffen hat. Angst ist reichlich vorhanden, dass, wenn etwas schief geht, der Kontinent seinem „Lehman Moment“ gegenüberstehen würde, d.h. eine Wiederholung der Panik, die Amerika und die globalen Märkte nach derm Zusammenbruch von Lehman im Oktober 2008 getroffen hat“, schreibt Jeffry Frieden in einem lesenswerten Gastbeitrag („Europe’s Lehman Moment“) im Blog Econbrowser.

Wie ist Europa in diese arge Not geraten? Was sind die Optionen? Was würde wahrscheinlich geschehen?

Europa verfolgt die Schritte, die die Amerikaner ein paar Jahr davor unternommen haben. Zwischen 2001 und 2007 erlebte der amerikanische Verbrauch einen Amoklauf, finanziert durch die Kreditaufnahme in Billionen Dollar aus dem Ausland, Ein Teil des Geldes ging dazu über, das Haushaltsdefizit zu decken, welche nach den Bush-Steuersenkungen zwischen 2001 und 2003 entstanden ist. Ein Grossteil davon führte zur Finanzierung eines Booms im landesweiten Immobilienmarkt. Der Boom ist geplatzt. Die USA sind nun dran, in den Nachwirkungen der eigenen Schuldenkrise die Scherben aufzusammeln, beschreibt der an der Harvard University lehrende Wirtschaftsprofessor.

Samstag, 17. September 2011

Hat der Euro eine Zukunft?

Die Euro-Krise ist eine Folge des Krachs von 2008, schreibt George Soros in einem lesenswerten Essay („Does the Euro Have a Future?“) in The New York Review of Books.

In einer denkwürdigen Sitzung der europäischen Finanzminister im November 2008 wurde beschlossen, eine Garantie dafür abzugeben, damit nach Lehman Brothers keine andere Finanzinstitution, die für das Funktionieren des Finanzsystems wichtig ist, scheitern darf. Dem Beispiel wurde von den USA Folge geleistet, beschreibt der amerikanische Investor und Manager vieler Hedge Fonds.

Angela Merkel hat darauf hin erklärt, dass die Garantie von jedem europäischen Staat einzeln gewährleistet werden sollte, und nicht von der EU oder der Euro-Zone als Ganzes.

Dies säte die Samen der Euro-Krise, weil es eine versteckte Schwäche im Bau des Euros aufgedeckt und aktiviert hat. Die Krise ist mehr als ein Jahr später im Jahr 2010 ausgebrochen, legt Soros dar. Die Euro-Krise ist im Vergleich zur Subprime-Krise noch komplizierter, ergänzt der Gründer des Quantum Fonds.