Samstag, 18. Juni 2011

Arbeitslosigkeit: Die Antwort ist Jobs, Jobs, Jobs

Mark Thoma glaubt nicht, dass die Idee, dass das Problem der Arbeitslosigkeit meist strukturell ist, dem Nachweis standhält. Nehmen wir aber der Argumentation halber an, als ob die Arbeitslosigkeit strukturell wäre. Wie würden wird darauf reagieren? Es gibt mehrere Möglichkeiten, bemerkt der an der University of Oregon lehrende Wirtschaftsprofessor in seinem Blog.

(1) Nichts tun. Auch wenn die Probleme der Arbeitslosen durch Ereignisse, die sie nicht selbst kontrollieren, entstanden sind, haben sie die Arbeitslosigkeit und die damit verursachten Probleme nicht verdient. Und auch wenn diejenige, die das Problem verursacht haben, eine Menge Hilfe von Rettungsaktionen (bailouts) erhalten haben, sollten die arbeitslosen Arbeitnehmer von dem Staat nichts bekommen. Sie sind auf sich selbst angewiesen.

(2) Bereitstellung von staatlicher Hilfe in Form von Transferzahlungen (z.B. Geld oder Gegenwert z.B. als Essensmarken vom Staat). Aber man soll im Gegenzug nichts Sinnvolles erwarten: nur Schecks und Gutscheine senden. Das ist alles.

Freitag, 17. Juni 2011

Wie die Schweizerische Nationalbank ihre Devisen bewirtschaftet

Die SNB hat gestern im Mediengespräch auch das Thema „Devisenreserven“ beleuchtet. Die Devisenreserven der Schweizerischen Nationalbank (SNB) haben sich im Sog der Finanzkrise von rund 50 Mrd. Franken Ende 2008 auf gut 200 Mrd. Franken Ende 2010 erhöht. Seither steht die Bewirtschaftung der Devisen im Fokus des öffentlichen Interesses.

Der Anstieg der Devisenreserven im Jahr 2009 und 2010 ist eine direkte Folge der geldpolitischen Massnahmen. „Es wurden damit keine anlagepolitischen Ziele verfolgt“, unterstreicht Jean-Pierre Danthine, Mitglied des Direktoriums der SNB. Da die Zinsen nahe null lagen, hat die SNB zusätzliche Frankenliquidität durch Devisenmarktinterventionen geschaffen. „Damit wurde verhindert, dass der Anstieg des Schweizer Frankens damals zu einer unerwünschten Verschärfung der monetären Bedingungen führte“, erklärt Danthine.


Schweizer Nationalbank (SNB) Devisenreserven, Graph: Calvin Tse, Morgan Stanley

Eigenkapitalanforderungen vs. faule Argumente der Banken

Anat Admati veröffentlicht nach der Lektüre von Jamie Dimons Brief an die Aktionäre einen offenen Brief an den Vorstand von JPMorgan Chase.

Sie schreibt, wie sie selbst betont, zu fordern, dass der Vorstand JPMorgans seine Handlungen im Zusammenhang mit Eigenkapitalregulierung überdenkt. Diese Aktionen sind sowohl für die Gesamtwirtschaft als auch für die JPMorgan fehlgeleitet, bemerkt die an der Standford University lehrende Wirtschaftsprofessorin.

Die wirtschaftlichen Schmerzen aus der Finanzkrise waren erheblich und sie sind immer noch zu spüren. Eine wesentliche Ursache der Krise war der übermässige Fremdkapitaleinsatz (leverage) und die riskanten Investitionen von vielen Finanzinstituten. Die daraus resultierende Not der grossen Institutionen war für die Wirtschaft extrem teuer und störend.

Anteil des Faktors Arbeit am Einkommen von Unternehmen

Mark Thoma liefert in seinem Blog die folgende eindrückliche Abbildung, die den Anteil des Faktors Arbeit am Einkommen von Unternehmen ausserhalb der Landwirtschaft zeigt. Der Graph erklärt viel über die wachsende politische Zwietracht in den mittleren und unteren Schichten der Gesellschaft, bemerkt der an der University of Oregon lehrende Wirtschaftsprofessor.


Anteil von Arbeit am Unternehmereinkommen (ausserhalb der Landwirtschaft), Graph: FrumForum via Prof. Mark Thoma

Donnerstag, 16. Juni 2011

Wie die Schweizer Nationalbank die Geldpolitik beurteilt

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) behält ihre expansive Geldpolitik bei. Das Zielband für den 3-Monats-Libor bleibt weiterhin bei 0%-0,75%, wie die SNB heute mitgeteilt hat.

Die weltweite Konjunkturerholung setze sich laut SNB fort, auch wenn sich die Aussichten in den letzten Wochen leicht eingetrübt haben. Die Schweizer Wirtschaft sei zunehmend gut ausgelastet. Die Margen der Exportwirtschaft geraten allerdings zunehmend unter Druck.

Insgesamt überwiegen jedoch weiterhin die Abwärtsrisiken, unterstreicht die SNB: (1) fiskalische Konsolidierungsmassnahmen in den peripheren Ländern der Eurozone, obwohl die Wirtschaftslage fragil ist. (2) Der Rohstoffpreisanstieg belastet das Wachstum der Weltwirtschaft.


Schweiz, Zinssätze (1 Jahresverlauf), Graph: SNB
Die rote Kurve: Repo Overnight (0,05%), die grüne: 3-Monats-Libor (0,18%), und die blaue: Rendite der Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit (1,70%)

Schweizer Grossbanken: Einmal gross – Immer gross?

Die Gewinnsituation der Schweizer Grossbanken hat sich im vergangenen Jahr markant weiter verbessert. Im Jahr 2010 haben Credit Suisse und UBS zusammen einen Reingewinn von 13 Mrd. Franken erwirtschaftet, gegenüber knapp 4 Mrd. Franken im Jahr 2009.

Am Ende des Jahres 2010 belief sich die Bilanzsumme des Schweizer Bankensektors auf 3'582 Mrd. Franken, was mehr als das Sechsfache des jährlichen BIP der Schweiz ausmacht.

Im Vergleich mit den anderen G10 Ländern ist dies die zweithöchste Quote nach dem Vereinigten Königreich.


Struktur des Schweizer Bankensektors, Graph: SNB, Financial Stability Report

Geldpolitik der EZB und Taylor-Regel

(Wonkish)

Die San Francisco Fed hat eine neue Forschungsarbeit („Monetary Policy When One Size Does Not Fit All“) vorgelegt. Es geht um die Analyse des geldpolitischen Dilemmas in der Eurozone in Sinne einer Taylor-Regel. Die Studie hat aber ein methodisches Problem, was die Ergebnisse verzerrt, hebt Paul Krugman in seinem Blog hervor. Würden die Fehler korrigiert, würde das Ergebnis der Analyse weniger günstig für die EZB aussehen, bemerkt der an der Princeton University lehrende Wirtschaftsprofessor.

Im Research-Paper wird eine Taylor-Regel verwendet, die auf die Unemployment Gap*, statt auf die Output Gap (Produktionslücke) basiert. „Beide sind OK, aber, wenn Sie Europa und die USA miteinander vergleichen, müssen Sie erkennen, dass es grosse Unterschiede in Sachen Arbeitsmarkt-Institutionen gibt, sodass vergleichbar fundierte Rezessionen in den USA einen viel grösseren Anstieg der Arbeitslosigkeit verursachen“, erklärt Krugman. Und es ist zudem nicht wahr, wie in der Analyse behauptet wird, dass die Erholung der europäischen Wirtschaft schneller als die der amerikanischen erfolgt ist. „In bezug auf die Produktionslücke sind wir ähnlich“, unterstreicht Krugman.


Taylor Regel Empfehlungen, Graph: FRBSF, Economic Letter, 2011-18.