Montag, 13. März 2017

Austerität und immer die gleiche Leier


Ein viel vorgetragenes Argument der Verfechter der Austerität ist, dass es an Geld mangelt und wir daher die Gürtel enger schnallen sollen. 

Es wird erzählt, dass es keine Alternative gibt (TINA: There Is No Alternative) und der Staat strukturelle Anpassungsmassnahmen ergreifen müsse.

Wenn die öffentliche Hand die Ausgaben kürze, werde das Vertrauen („confidence fairy“) der Investoren wiederhergestellt. Und wir können alle auf eine bessere Zukunft hoffen.

Das ist natürlich Unsinn. Denn Geld wird in dem Augenblick geschaffen, wenn ein Kredit gewährt wird. Die Schuldscheine (IOU: I owe you) der Banken sind ein wahres Zahlungsmittel, genannt „inside money“. 

Mehr als 90% der Geldmenge (money supply) in einer modernen Volkswirtschaft besteht heute aus „inside money“, wie Markus Brunnermeier in seinem lesenswerten Buch ("The Euro and the Battle of Ideas") unterstreicht.

Entgegen der landläufigen Meinung wird 95% des Geldes (broad money; d.h. Bargeld + Münzen und Bankeinlagen) von privaten Banken geschaffen, nicht von der Zentralbank, wie auch Ann Pettifor in ihrem neuen, lesenswerten Buch ("The Production of Money") beschreibt.


BIP pro Kopf in Europa, Graph: Simon Wren-Lewis

Samstag, 11. März 2017

Schweizer Negativzins und Zinsdifferenz zum Ausland

Die Rendite der Schweizer Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit ist am Freitag zum ersten Mal seit September 2015 wieder über die Marke von null Prozent geklettert: +0.021%.

Die Papiere der Eidgenossenschaft sind seit dem Ausbruch der globalen Finanzkrise von 2008 stark gefragt, weil sie als sicher, liquide und hochwertig gelten.

Im Januar 2015 ist die Rendite der zehnjährigen Schweizer Bundesobligationen (mit Fälligkeit Juli 2025) erstmals in den negativen Bereich gesunken: -0.003%.

Im April desselben Jahres hat die Schweiz zum ersten Mal eine Staatsanleihe mit 10 Jahren Laufzeit mit einer negativen Rendite ausgegeben.


Schweizer Zinskurve (yield curve) verzeichnet ab Laufzeit von 10 Jahren wieder positive Erträge, Graph: SIX

Donnerstag, 9. März 2017

Europäische Staatsanleihen mit Negativ-Rendite

Das Universum der Staatsanleihen, die mit einer Negativ-Rendite gehandelt werden, hat sich wieder ausgedehnt.

Der gesamte Wert der Staatsanleihen mit negativer Rendite hat per Ende Februar nachdem Ausverkauf im Anschluss der US-Präsidentschaftswahl erneut 10'000 Mrd. USD überstiegen, wie FT aus London mit Hinweis auf die Daten von Tradeweb berichtet.

Im vergangenen September wurden europäische Staatsanleihen im Umfang von 14'000 Mrd. EUR mit einer negativen Rendite gehandelt.

Mit den sich verschlechternden Anzeichen einer globalen Konjunkturerholung stieg damals die Nachfrage nach sicheren und liquiden Papieren so stark, dass sich daraus ein Spitzenwert im Volumen von Staatsanleihen, die mit Negativ-Rendite gehandelt werden, ergab.

Nachdem die Wahl von Donald Trump im November die Erwartungen über einen bevorstehenden Wachstumsschub geschürt hat, sind die Bond Preise unter die Räder geraten.

Das politische Vokabular („Investitionen in Infrastruktur, Steuersenkungen, Deregulierung“) hat dabei die Rendite der Staatsanleihen in die Höhe schnellen lassen. 


Europäische Staatsanleihen, die mit Negativ-Rendite gehandelt werden, Graph: FT

Mittwoch, 8. März 2017

Erneut negative Lauftzeitprämie für US-Staatsanleihen

Die US-Notenbank deutet seit geraumer Zeit an, die Zinsen zu erhöhen, wie Janet Yellen, die Fed-Präsidentin vergangene Woche mit Nachdruck noch einmal unterstrichen hat.

Es ist vor diesem Hintergrund bemerkenswert, dass das US-Schatzamt Überlegungen anstellt, in Zukunft Staatsanleihen mit 50 oder 100 Jahren Laufzeit zu begeben.

Ferner ist es ein offenes Geheimnis, dass China in den letzten Monaten des vergangenen Jahres Haufen US-Treasury Bonds verkauft hat.

Dennoch erfolgt der Anstieg der Renditen der US-Staatspapiere in geordneten Bahnen. Warum? Weil die Nachfrage nach US-Treasury Bonds (UST) nicht abreisst.

So lässt sich teilweise auch die jüngste Entwicklung am Markt für Staatsanleihen erklären: 

Die Laufzeitprämie für UST ist Ende Februar wieder in den negativen Bereich gerutscht, wie die Daten der Fed New York nahelegen: -0,0164% (*).


Laufzeitprämie für US-Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit, Graph: Bloomberg

Dienstag, 7. März 2017

Chinas Bankensystem übertrifft Europa

Chinas Bankensystem hat, gemessen an Vermögenswerten (assets), das der Eurozone übertroffen. Das hat FT aus London am Montag berichtet.

Es ist ein Zeichen sowohl für den verstärkten Einfluss des Landes im Kreditgeschäft weltweit als auch seine Abhängigkeit von der Fremdfinanzierung, um das Wirtschaftswachstum seit der globalen Finanzkrise zu fördern, kommentiert die britische Wirtschaftszeitung weiter.

Bemerkenswert ist, dass Chinas BIP die Wirtschaftsleistung der EU im Jahr 2011 übertroffen hat.

Die aktuelle Entwicklung unterstreicht die erhöhte „finanzielle Vertiefung“ (financial deepening) des Landes. Die entscheidenden Faktoren sind sicherlich die expansive Geldpolitik und das Konjunkturpaket (fiscal stimulus).

Die Vermögenswerte (assets) der chinesischen Banken belaufen sich nun insgesamt auf rund 33'000 Mrd. USD.

Im Vergleich: Eurozone: 31'000 Mrd. USD, USA: 16'000 Mrd. USD und Japan: 7'000 Mrd. USD.


Chinas Banken überholen Rivalen, Graph: FT

Samstag, 4. März 2017

Die Fed räumt die Stimulus-Party auf


Janet Yellen hat am Freitag in Chicago mit Nachdruck hervorgehoben, den geldpolitischen Kurs demnächst zu straffen.

Eine Zinserhöhung sei wahrscheinlich angebracht, falls „sich der Arbeitsmarkt und die Inflation weiterhin gemäss unserer Erwartung entwickeln“, sagte Fed-Präsidentin.

Die Fed hat den Leitzins zuletzt im Dezember auf das gegenwärtige Niveau von 0,5% bis 0,75% angehoben. Der nächste Zinsschritt dürfte nun am 15. März erfolgen.

Investoren preisen mittlerweile eine Straffung der Zinszügel auf mehr als 80% ein. Zu Wochenbeginn wurde die Chance noch mit 40% eingestuft. 

Während der Aktienmarkt Yellens Aussage relativ positiv aufgenommen hat, mutet die Entwicklung am Anleihemarkt viel anregender an.

Obwohl die Fed den punch bowl (Bowlenschüssel) aufräumt, damit die „Stimulus-Party“ nicht all zu heiss läuft, sendet der Bond-Markt pessimistische Signale.


Die US-Ertragskurve wird flacher, gemessen an 5y30y UST Spread, Graph: Lisa Abramowicz, Bloomberg

Donnerstag, 2. März 2017

Unterbeschäftigung im Euroraum

Gemäss Schätzung von Eurostat am Donnerstag waren im Januar 2017 in der EU28 insgesamt 19,9 Millionen Männer und Frauen arbeitslos.

Die hohe Arbeitslosenquote deutet darauf hin, dass Investitionen und Ausgaben im Euroraum nicht ausreichen, um die Arbeitslose zu beschäftigen.

Es gibt keinen "Planeten B"; die Menschen brauchen einen Job zum Broterwerb. Wenn man so will, bleibt der Euroraum in einem Zustand des Ungleichgewichts der Unterbeschäftigung.

Eine Arbeitslosenquote 9,6% ist angesichts der seit langer Zeit nahe Nullgrenze liegenden Nominal-Zinsen abnormal hoch.

In einer Welt, wo nicht die Kreditgeber, sondern die Kreditnehmer bezahlt werden (Stichwort: Negativ-Zinsen), ist es vollkommen bizarr, annähernd 20 Mio. Arbeitslose zu haben.

Mit Austerität ist keine Jobs zu schaffen. Kürzungen von Ausgaben (fiscal consolidation) im öffentlichen Sektor helfen daher nicht. 

Arbeitslosigkeit im Euroraum im Januar 2017, Graph: Eurostat