Freitag, 5. Juli 2013

Gegner von „easy money“ bieten keine Analyse

Eine Unzahl von Mainstream-Ökonomen rührt seit langer Zeit lautstark die Werbetrommel dafür, dass die Fed die mengenmässige Lockerung der Geldpolitik (QE: quantitative easing) zu Ende bringt.

Wer? Zum Beispiel Martin Feldstein, BIZ, Raghuram Rajan, John Taylor usw.

Dieser Chor hat, wie Paul Krugman zu Recht hervorhebt, durch die Schikanierung der US-Notenbank bereits erhebliche Schäden angerichtet. Es ist kein Zufall, dass die Fed plötzlich von tapering redet, obwohl es keine ökonomische Rechtfertigung dafür gibt. 

Kein Wunder, dass die Zinsen am langen Ende der Kurve jetzt ansteigen, weil eben die Erwartungen steigen, dass die Fed sich anschicke, zu einer „hawkish bias“ überzugehen.

Was steckt aber hinter dieser Kampagne? Es ist bemerkenswert, dass die Vertreter dieser Ansicht glauben, dass die Fed irgendwie machtlos sei, die Wirtschaft anzukurbeln.

Donnerstag, 4. Juli 2013

Austerity

Buchbesprechung:

Mark Blyth: Austerity. The History of a Dangerous Idea. Oxford University Press, Oxford, New York, 2013.


Die Austerität gilt nicht nur als „Wirtschaftspolitik“, sondern auch als eine zusammenhängende Reihe von ökonomischen Ideen. Mark Blyth zeigt in seinem Buch überzeugend auf, dass die Austerität im Hinblick auf beide Aspekte fehlschlägt. Die Austerität führt nämlich dazu, dass die Verschuldung zunimmt.

Wenn Ökonomen solche Art von Fragen untersuchen, sind sie nicht in der Lage, Laborexperimente durchzuführen, wie z.B. ein Chemiker oder Physiker es tun würde. Volkswirte sind stattdessen auf historische Daten angewiesen und sie hoffen mittels „natürliche Experimente“ über historische Episoden hinweg neue Erkenntnisse zu gewinnen, damit sie verschiedene Theorien der Makroökonomie testen können.

Die Great Recession bietet ein wichtiges „Feldexperiment“ (natural experiment) an. Denn während einige Länder wie z.B. Griechenland und Italien die Sozialausgaben drastisch senkten, und damit einer Austeritätspolitik folgten, erhöhten andere Länder wie z.B. Island die Ausgaben und setzten damit eine Wirtschaftspolitik à la Keynes um.

Blyth stellt vor diesem Hintergrund einen Vergleich der unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Massnahmen der betreffenden Regierungen in Bezug auf die Grössenordnung und die Zusammensetzung an, nicht nur in Folge der Finanzkrise, sondern auch im historischen Verlauf (1692-1942 sowie 1942-2012). Die intellektuelle Geschichte der Austerität ist allerdings relativ kurz. Die natürliche Geschichte ist sogar noch kürzer. Die Botschaft des Buches ist aber klar: Austerität funktioniert nicht.

Der Autor unterstreicht von Anfang an, dass das, was heute als Staatsschuldenkrise vermarktet wird, nichts anderes als eine Lockvogeltaktik ist. Der an der Brown University lehrende Wirtschaftsprofessor trifft bereits im ersten Kapitel seines Buches den Nagel auf den Kopf: Austerität ist nicht einfach der Preis für die Rettung der Banken, sondern auch der Preis, der, wie Banken wollen, andere zahlen sollen. Die Euro-Krise ist nichts anderes als die einschneidende Folge der übermässigen Bank-Leverage und eines ziemlich schwachen Risiko-Managements.

Mittwoch, 3. Juli 2013

Anstieg des Geldmultiplikators im Euroraum

Der Geldmengenmultiplikator ist im Euroraum in den vergangenen Wochen von Tiefs abgeprallt.

Was ist von dem jüngsten Anstieg des Multiplikators (money multiplier M3) zu halten?

Die EZB braucht jetzt die Zinsen nicht zu erhöhen. Es droht dadurch keine Inflation, da der Anstieg vorwiegend auf einen Rückgang der Notenbankgeldmenge zurückzuführen ist. Es hat mit einer vermehrten Geldschöpfung der Banken nichts zu tun.

Der Multiplikator wird so definiert: M3 dividiert durch monetary base.

Geldmultiplikator, der das Verhältnis zwischen M3 (Geldaggregat) und Geldbasis (Notenbankgeldmenge) angibt, war im Sog der Finanzkrise von 2008 dramatisch abgestürzt. Die Finanzinstitute haben aus Vorsichtsgründen Liquidität zurückbehalten und sich gegenseitig erheblich weniger Kredit gewährt als vorher- Dadurch wurden immense Reserven angehäuft.



Geldmengenmultiplikator im Euroraum, Graph: Morgan Stanley

Nervige Anti-Fiskal Stimulus Argumente

Simon Wren-Lewis geht in seinem Blog auf die hauptsächlichen Argumente gegen Fiscal-Stimulus (Konjunkturpakete) ein. Der an der Oxford University lehrende Wirtschaftsprofessor nennt vier davon. Besonders bemerkenswert sind die Nr. 3 und Nr. 4.

Wir müssen die Grösse des Staates verkleinern:

Dieses Argument ist oft da, aber nicht immer klar ausgesprochen, weil der explizite Vortrag eine Täuschung beinhaltet. Aber der Fall für die Austerität wird erbitterter.

Es ist eine Täuschung insofern, als die Grösse des Staates im Grunde genommen nichts mit Austerität und Stimulus zu tun hat. Wie soll aber die Grösse des Staates sein? Einige Dinge werden durch den Privatsektor deutlich besser gehandhabt, während andere Dinge durch den Staat besser durchgeführt werden. Das Ganze hat aber fast nichts damit zu tun, wie die gesamtwirtschaftliche Nachfrage angekurbelt werden soll, wenn die nominalen Zinsen nahe Null (zero lower bound) liegen. Die Idee, dass vorübergehende Konjunkturprogramme dauerhaft werden würden, hält nicht stand.

Wir müssen an die Kinder denken:

Das ist ärgerlich, nicht weil es grundsätzlich falsch ist, sondern es ist falsch, weil es entweder ignoriert, wer unter Kosten der Austeritätspolitik leidet oder weil es nicht aufrichtig ist. Das richtige Argument ist, dass durch die Erhöhung der Verschuldung das Geld umverteilt wird, von künftigen Generationen zu der gegenwärtigen Generation.

Dienstag, 2. Juli 2013

Unsicherheit um die Fed

Ben Bernankes Amtszeit als Vorsitzender der US-Notenbank geht im Januar 2014 zu Ende. Wird er von Präsident wieder ernannt oder wird er ersetzt?

Bernanke ist länger geblieben, als von ihm erwartet wurde, sagte Obama neulich. Die Aussage deutet darauf hin, dass der amerikanische Präsident einen eigenen Kandidaten bestimmen wird. Bernanke war ursprünglich von George W. Bush (Republikaner) ernannt und von Obama 2010 für weitere vier Jahre im Amt bestätigt worden.

Doch während die Unsicherheit über Bernankes Zukunft bei der Fed geklärt ist, gibt es mehrere Möglichkeiten, wie die Fed via weitere Unsicherheiten die Erholung der Wirtschaft zurückhalten kann. Mark Thoma nimmt dazu in einem lesenswerten Artikel („Four Ways the Fed is Creating Harmful Uncertainty“) in The Fiscal Times Stellung.

(1) Ein neuer oder eine neue Fed-Vorsitzende: Es kommt auf die Institution an, nicht auf die Personen. Doch glaubt die Aussenwelt, dass der Fed-Vorsitzende die Politik nach eigenem Wunsch bestimmt. Daher ist die Unsicherheit darüber, wer der nächste Fed-Vorsitzende wird, zugleich eine Unsicherheit darüber, wie die Geldpolitik festgelegt wird. Die Unsicherheit kann daher die langsame Erholung der Wirtschaft beeinträchtigen. Thoma wünscht sich, dass Bernanke noch eine Amtsperiode bleibt. Ansonsten soll Janet Yellen als Nachfolgerin so rasch wie möglich ernannt werden.

Montag, 1. Juli 2013

Nicht Inflation, Arbeitslosigkeit ist das Problem im Euroraum

Die Arbeitslosenquote ist im Euroraum im Mai auf 12,1% (gegenüber 12,0% im April) gestiegen. Nach Schätzungen des eurostat waren im Mai in der EU27 26,4 Millionen Männer und Frauen arbeitslos. Gegenüber April 2013 stieg die Zahl der arbeitslosen Personen in der EU27 um 16‘000 und im Euroraum um 67‘000. Die höchsten Quoten meldeten Spanien (26,9%) und Griechenland (26,8%).

Auch die Jugendarbeitslosigkeit ist weiter gestiegen. Im Mai 2013 waren in der EU27 5,5 Millionen Personen im Alter unter 25 jahren arbeitslos, davon 3,5 Millionen im Euroraum. Die höchsten Quoten meldeten Griechenland (59,2%), Spanien (56,5%) und Portugal (42,1%).




Die Arbeitslosenquote für den Euroraum und EU27, Graph: eurostat

Warum Arbeitslose noch mehr leiden

Paul Krugman befasst sich in seiner lesenswerten Kolumne („War on the unemployed“) am Montag in NYTimes mit dem Thema Arbeitslosigkeit und warum es so einfach war, den Arbeitslosen den Rücken zu kehren.

Ist das Leben zu einfach für die Arbeitslosen? Nein. Aber es ist bemerkenswert, was viele und vielleicht die meisten Republikaner denken, bemerkt der an der University of Princeton lehrende Wirtschaftsprofessor. Und sie handeln auf diesem Glauben: es ist laut Krugman eine landesweite Bewegung im Gange, um die Arbeitslosen zu bestrafen, basierend auf der Annahme, dass die Arbeitslosigkeit bekämpft werden kann, indem man die Arbeitslosigkeit noch elender macht.

Man betrachte den Fall North Carolina. Der Bundesstaat wurde von der Rezession schwer betroffen. Die Regierung hat die Hilfe für die Arbeitslosen scharf gekürzt. Es ist ein ziemliches Spektakel. Aber North Carolina ist nicht allein: eine Reihe anderer Bundesstaaten haben auch das Arbeitslosengeld gekürzt. Und auf nationaler Ebene hat der Kongress es zugelassen, dass die Zusatzleistungen, die während der Wirtschaftskrise eingeführt wurden, nun verfallen, auch wenn die Langzeitarbeitslosigkeit auf historischen Höchstständen bleibt.

Was ist also hier los? Im Allgemeinen glauben moderne Konservative, dass der natinale Charakter durch Sozialprogramme geschwächt werde. In den denkwürdigen Worten von Paul Ryan: „Das soziale Sicherheitsnetz ist eine Hängematte, die körperlich leistungsfähige Menschen in Abhängigkeit und Selbstzufriedenheit wiegt“.