Donnerstag, 2. Juni 2011

Ein gemeinsames Finanzministerium für Euro?

Der EZB-Präsident, Jean-Claude Trichet hat heute in einer Rede in Aachen die Einrichtung eines gemeinsamen Finanzministeriums für die Eurozone gefordert, wie Bloomberg TV berichtet hat.

„Wäre es zu kühn, sich eine Union vorzustellen, die nicht nur einen gemeinsamen Markt, eine gemeinsame Währung und eine gemeinsame Zentralbank hat, sondern auch ein gemeinsames Finanzministesrium?“, sagte Trichet. Er befürchworte auch, die EU zu ermächtigen, gegen bestimmte wirtschaftspolitische Entscheidungen der Länder, die „schädlich vom Weg abkommen“, Veto einzulegen, obwohl dies eine Änderung der EU-Verträge erfordern würde.

Stärke der Euro-Schwäche

Paul Krugman geht in seinem Blog auf die Fragen (einige neugierig, einige angriffslustig) ein, wie man düstere Ansichten über die Aussichten der Eurozone mit der Stärke des Euros gegenüber dem US-Dollar in Einklang bringen kann.

Es gibt wirklich keinen Widerspruch. Um zu sehen, warum, muss man darüber nachdenken, was die Wechselkurse bestimmt, hebt der an der Princeton University lehrende Wirtschaftsprofessor hervor. Für eine grob-fertige Wechselkurs-Modellierung wende er sich wie viele andere an eine Version des Anker-Modells („anchor model“), erklärt Krugman. Dieses Modell postuliert, dass es einen langfristigen Gleichgewicht-Wechselkurs gibt, was Investoren für angebracht halten, welcher durch Handelsströme, Kaufkrafparität usw. bestimmt wird.

Der geldpolitische Fehler von 1937

Gauti Eggertsson, Fed New York befasst sich in einer lesenswerten Forschungsarbeit („Commodity Prices and the Mistake of 1937“) mit dem monetären und fiskalischen Fehler von 1937 und bringt damit seine Besorgnisse um eine Wiederholung der in der Vergangenheit gemachten Fehler zum Ausdruck.

Im Jahre 1937, am Vorabend eines wichtigen wirtschaftspolitischen Fehlers war das Umfeld der Wirtschaft überraschend ähnlich wie mit dem von heute, unterstreicht der Makroökonom. Er fasst die wirtschaftlichen Bedingungen wie folgt zusammen: (1) Anzeichen deuteten darauf hin, dass die Rezession endlich vorbei ist, (2) die kurzfristigen Zinsen waren seit Jahren nahe Null und sie dürften jetzt voraussichtlich ansteigen, (3) einige waren über eine übermässige Inflation besorgt, (4) Inflationssorgen waren zum Teil von einer grossen Expansion der monetären Basis in den vergangenen Jahren und durch die überschüssigen Reserven der Banken angetrieben, und (5) darüber  hinaus waren einige besorgt, dass der starke Anstieg der Rohstoffpreise eine Inflationsspirale auslösen würde.


Rohstoffpreise während des Fehlers von 1937, Graph: Gauti Eggertsson, Federal Reserve Bank of New York (FRBNY).

Mittwoch, 1. Juni 2011

Israel: Makroökonomische Prognosen für 2011 und 2012

Die Bank of Israel (BoI) erwartet nach eigenen Angaben eine Wachstumsrate von 5,2% für das Jahr 2011. Die Arbeitslosenquote wird nach heute präsentierten Daten voraussichtlich auf 5,8% im Durchschnitt fallen. Das schnelle BIP-Wachstum und die Nutzung der Ressourcen im ersten Quartal, insbesondere der Anstieg der Ausfuhren und der Anlageinvestitionen resultieren aus einer Aufwärtskorrektur der meisten Positionen, teilte die israelische Zentralbank heute Nachmittag mit.


Israel: makroökonomische Prognosen für 2011-2012, Graph: Bank of Israel

Sind die Steuern in den USA hoch oder niedrig?

Die Bundessteuer verweilen auf ihrem niedrigsten Niveau seit mehr als 60 Jahren, was 14,8% des BIP entspricht. Das letzte Jahr, als die Einnahmen niedriger lagen, war 1950. Die Steuereinnahmen machten während der Amtszeit von Ronald Reagan im Durchschnitt 18,2% des BIP aus, schreibt Bruce Bartlett in Economix, NYT.

Kurzum: Das derzeitige Niveau ist ungewöhnlich niedrig, was seit einiger Zeit anhält. Doch wenn man Republikanern zuhört, würde man denken, dass die Steuern noch nie höher gewesen sind und dass eine übermässige steuerliche Belastung die wichtigste Einschränkung ist, die das Wirtschaftswachstum bremst und dass eine grosse Steuersenkung genau das ist, was die Wirtschaft wieder zum Wachstum bringen würde.


Einnahmen aus Körperschaftsteuern als Prozentsatz des BIP, Graph: Bruce Bartlett in Economix, NYT

Schweizer Wirtschaft im ersten Quartal 2011

Die Schweizer Wirtschaft ist im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,3% gewachsen, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) gestern mitgeteilt hat.

Positive Wachstumsimpulse gingen von der Handelsbilanz und Bauinvestitionen aus. Die Bruttoanlageinvestitionen sind leicht (-0,3%) gesunken.

Die abnehmende Dynamik der Schweizer Wirtschaft ist auf den Binnensektor zurückzuführen. Der private Verbrauch hat im ersten Quartal gegenüber dem vierten Quartal 2010 nur um 0,2% zugenommen. Für den abgeschwächten Konsum sind zum Teil die gestiegenen Gebühren für Bankdienstleistungen und Versicherungsprämien verantwortlich.


Schweiz BIP, Graph: Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco)

Niall Ferguson, Fiscal Austerity und die Schweiz

Niall Ferguson kritisiert in einem Artikel („Austerity Works“) in The Daily Beast die begründete Kritik von Paul Krugman an Europas Austerity Policy (strenge Sparprogramme). Ferguson verweist dabei auf die Schweiz als „die beste Option“. „Ein Land, das von Krugman seltsamerweise ignoriert wird. Die Schweiz hat eine umsichtige Fiskalpolitik während der Wirtschaftskrise geführt“, schreibt der an der Harvard University lehrende britische Wirtschaftsprofessor.

Es stimmt, dass die Schweiz die Folgen der Finanzkrise trotz der Skandale am Schweizer Finanzplatz bisher deutlich besser gemeistert als die EU-Länder. Die Gründe sind (1) der private Verbrauch hat sich als eigentliche Wachstumsstütze erwiesen, (2) es gab am Immobilienmarkt keine Verzerrungen und (3) die SNB hat mit einer raschen und entschiedenen Lockerung der Geldpolitik reagiert.

Darüber hinaus haben die im Rahmen der fiskalpolitischen Konjunkturstützungsprogramme eingeleiteten Infrastrukturprojekte der öffentlichen Hand stimulierend gewirkt.


Schweiz: Geldmultiplikator und Notenbankgeldmenge, Graph: SNB, Monatsheft I, 2011