Dienstag, 7. Juli 2009

Türkische Inflationszahlen im Juni

Der Verbraucherpreis-Index (CPI) ist in der Türkei im Juni um 0,11% gestiegen, während der Erzeugerpreis-Index (PPI) um 0,94% zulegte. Annualisiert beträgt die Inflationsrate nun 5,73% (Mai: 5,24%). Seit Jahresbeginn beläuft sich die Teuerung auf 1,83%. Der Erzeugerpreisindex (PPI) ist von Juni 2008 bis Juni 2009 um 1,86% zurückgegangen. Das ist das tiefste Niveau seit Jahrzehnten.

Der Hauptantreiber der Inflation im vergangenen Monat waren die Preise im Transportwesen, welche um 2,8% gestiegen sind. Die Preise für Bekleidung sind um 0,8% zurückgefallen. Sollte der Trend anhalten, dürfte die Inflation im Juli unter die Marke von 5% sinken.

Januar bis Juni 2009:
CPI: 1,83%
PPI: 3,27%


Turkish Economy: CPI and PPI, Graph: Turkish Treasury

Die türkische Zentralbank (CBT)dürfte ihren lockeren geldpolitischen Kurs fortsetzen und am 17. Juli ihre Leitzinsen um 25 Basispunkte senken.

$/TRY: 1,5463
€/TRY: 2,1521
CHF/TRY: 1,4185.

US-Arbeitsmarkt: 1930er Jahre lassen grüssen

Angesichts der Entwicklung auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt fordert Paul Krugman in seiner Kolumne in The New York Times ein grösseres Konjunkturpaket. Seit Beginn der Rezession hat die US-Wirtschaft 6,5 Mio. Stellen verloren. Löhne sind ins Stocken und sind möglicherweise am Rande des endgültigen Niedergangs. Das ist ein Rezept für einen Abstieg in eine Deflation japanischen Stils, urteilt Nobelpreisträger.

Anders als die Bundesregierung sind die einzelnen Staaten in den USA gezwungen, ein ausgeglichenes Haushaltssaldo aufzuweisen. Und mit einem starken Rückgang der Einnahmen bereiten die meisten Staaten wilde Budgetkürzungen vor. Diese Kürzungen werden die Wirtschaft noch weiter niederdrücken (Depression), befürchtet Krugman. Ob die Obama Administration ein neues Konjunkturpaket schnüren wird, dürfte sich erst nach dem Ende der Sommerpause zeigen.

Donnerstag, 2. Juli 2009

US-Arbeitsmarkt: Keine Entspannung in Sicht

Die Arbeitslosenquote ist im Juni auf 9,5% geklettert. Das ist der höchste Stand seit August 1983. Die grösste Volkswirtschaft der Welt verlor im vergangenen Monat 467'000 Stellen. Deutlich mehr als Experten erwartet hatten. Das Tempo hat sich zwar verringert, aber die Arbeitslosigkeit dürfte noch lange nach Beginn der Erholung anhalten. Die USA befinden sich seit Dezember 2007 in der Rezession. Der Jobabbau hat im Ausmass den der letzten zwei Rezessionen überschritten. Hier ist eine interessante Abbildung. Der Rückgang der Beschäftigung und die unausgelastete Produktionskapazität werden daher weiter auf der Konjunktur lasten. Besorgnisse über einen kräftigen Anstieg der Inflation sind daher vollkommen unbegründet.


Total Nonfarm Payrolls,Graph: Fed St. Louis



Civilian Unemployment Rate,Graph: Fed St. Louis

Der Kaufkraftverlust der Haushalte dürfte sich als nachteilig für die Bankbilanzen erweisen. Nach Wertschriften droht den Banken nun Verluste auf Konsumentenkredite. Die Summe wird für die USA auf mind. 500 Mrd. $ geschätzt.

Türkei: Handelsbilanz-Zahlen von Mai

Nach Angaben des türkischen Statistik-Institutes sind im Mai die Ausfuhren um 41,0% und die Einfuhren um 43,9% gesunken. Das Handelsbilanzdefizit hat sich damit im Vergleich zum Vorjahresmonat um 49,1% verringert. Den gestern vorgelegten Daten zufolge hat sich das Defizit der Handelsbilanz zwischen Januar und Mai um 66,4% im Vergleich zur Vorjahresperiode zurückgebildet.

Mai 2009:
Ausfuhren: 7,35 Mrd. $ (-41%)
Einfuhren: 10,83 Mrd. $ (-43,9%)
Defizit: -2,44 Mrd. $ (-49,1%)
Export/Import: 67,9%



2008-2009 May, Export & Import, Graph: Turkish Statistical Institute

Die türkischen Ausfuhren gehen hauptsächlich in die EU. Allerdings hat sich der Anteil der EU am türkischen Export von 50,2% im Mai 2008 auf 47,2% im Mai 2009 verkleinert. Im Mai war Deutschland wiederum der Haupthandelspartner der Türkei mit einem Exportvolumen von 741 Mio. $. Gefolgt von Frankreich: 551 Mio. $, Italien: 449 Mio. $ und Grossbritannien 402 Mio. $.

Die Türkei hat im Mai am meisten aus Russland importiert: 1'496 Mio. $. Dann folgen Einfuhren aus Deutschland mit 1’204 Mio. $. Dann aus China: 980 Mio. $ und aus den USA: 641 Mio. $. In den Hauptkategorien für Ausfuhren fallen im Mai insbesondere Autos und Auto-Zubehör auf.



2008-2009 Jan-May, Export & Import, Graph: Turkish Statistical Institute

Januar - Mai 2009:
Ausfuhren: 39,41 Mrd. $ (-30,8%)
Einfuhren: 49,83 Mrd. $ (-42,3%)
Defizit: -10,42 Mrd. $ (-64,6%)
Export/Import: 79,1%

Reverse Stock Split: AIG 20 zu 1

Die American International Group (AIG) hat gestern einen „Reverse Stock Split“ vollzogen. 20 Aktien wurden zu einer zusammengelegt. Nach einem volatilen Handel schloss die Aktie den Tag mit einem Abschlag von 22% auf 18,08$ ab. Was bedeutet aber Reverse Split? Unternehmen zielen damit auf einen steigenden Kurs der eigenen Aktien ab, weil sie der Meinung sind, dass die Aktie aufgrund des tiefen Kurses für viele Anleger unattraktiv erscheint. Im Grunde genommen wird durch das Reverse Stock Split die Anzahl der ausstehenden Aktien reduziert. Die Gesamtzahl der Aktien haben aber unmittelbar nach dem Reverse Split denselben Marktwert wie vor dem Split. Die einzelne Aktie ist allerdings jetzt mehr wert. Zum Beispiel: Ein Unternehmen hat 10 Millionen Aktien ausstehend. Der Kurs der Aktie ist 10 US-Dollar. Bei einem Reverse Stock Split von 1 zu 10 hätte das Unternehmen 1 Million Aktien ausstehend. Und eine Aktie hätte einen Wert von 100 US-Dollar.


AIG Stocks, Graph: finance.yahoo.com

Warum tut AIG das? Die Aktien unter 5 $ werden von den meisten institutionellen Investoren gemieden. Das Unternehmen will sich deshalb einen technischen Vorteil verschaffen. Der weitgehend verstaatlichte Konzern will sich ferner von grossen Geschäftssegmenten trennen, um die staatliche Finanzhilfen zurückzuzahlen. Angeblich will der Versicherungskonzern seine Anteile an AIA und ALICO in zwei Zweckgesellschaften bündeln und in Form von Vorzugsaktien an die US-Notenbank übertragen. Kürzlich hat das Versicherungsunternehmen vor neuen massiven Risiken in seinem Geschäft mit europäischen Banken gewarnt. Die Risiken drohen durch sog. „Credit Default Swaps“ (Versicherungen gegen Zahlungs- und Kreditausfälle). Zur Hälfte entfallen diese Kreditderivate auf Unternehmensdarlehen und Immobilienhypotheken.

Der einst grösste Versicherer der Welt hat heute eine Markkapitalisierung von rund 2,4 Mrd. $. Die gesamten öffentlichen Finanzhilfen belaufen sich bislang auf sage und schreibe 180 Mrd. $!

Mittwoch, 1. Juli 2009

US-Zinsmarkt: Overnight Repo fällt auf 0,02 Prozent

Gestern ging das II. Quartal zu Ende. Der Repo-Satz für Übernachtgeschäfte (o/n repo on general collateral) fiel an diesem Tag auf 0,02%. Das ist deutlich niedriger als der Satz, der in den vergangenen Wochen um den Wert 0,20% schwankte. Bemerkenswert ist, dass es an diesem Quartalsende zu keinen Marktverzerrungen kam, die ansonsten geschehen, wenn Händler eifrig Positionen ausgleichen („window dressing“). In den Rahmen passte auch die Aussage einer Fed-Vertreterin. Die Federal Reserve (Fed) soll sich nicht in Aktionismus stürzen, indem sie wegen der unbegründeten Sorgen über die Inflation rauschend Zinsen erhöht, sagte San Francisco Federal Reserve Präsidentin Janet Yellen.

"Wenn überhaupt, ich bin besorgt darüber, dass wir in Versuchung kommen, die geldpolitischen Zügeln zu früh zu straffen und damit die Erholung abbrechen", sagte Yellen. Die Rezession werde ihrer Einschätzung nach wahrscheinlich am Jahresende abklingen. Die Erholung werde aber wahrscheinlich langsam, so Yellen.

Exit-Strategie: SNB will expansive Geldpolitik fortsetzen

Ist es soweit, von den expansiven geld- und fiskalpolitischen Massnahmen Abschied zu nehmen? Braucht die Konjunktur keine Stützung mehr? Sind Hoffnungen auf eine Bodenbildung realistisch? Kommt der Welthandel bald auf Touren? Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt in ihrem am Montag vorgelegten Jahresbericht davor, dass die Zentralbanken die Leitzinsen zu spät anheben könnten. Damit sprechen die Volkswirte der BIZ die im Markt gegenwärtig zunehmenden Besorgnisse an, dass die massiven Konjunkturmassnahmen zu einem kräftigen Anstieg der Inflation führen könnten.

Die anhaltende Kontraktion der Wirtschaftaktivitäten lässt jedoch zur Zeit keine Dringlichkeit der Exit-Thematik erkennen. Die Schrumpfung der aggregierten Nachfrage und die unausgelastete Kapazitätsnutzung dürften weiterhin auf der Konjunktur lasten. Das bedeutet, dass der Fall Disinflation wahrscheinlicher ist als Hyperinflation in den industrialisierten Ländern. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beteiligt sich beispielsweise derzeit nicht an der Exit-Debatte. Jean-Pierre Roth, Präsident des Direktoriums der SNB vertrat am 18. Juni im Mediengespräch die Ansicht, dass die Zeit für eine Korrektur noch nicht gekommen ist. Eine weitere Lockerung der geldpolitischen Bedingungen sei aber ebenfalls nicht nötig. Deswegen hat die SNB auf ihrer Sitzung vor rund zwei Wochen beschlossen, ihre expansive Geldpolitik fortzusetzen, und die am 12. März eingeleiteten Massnahmen weiterzuführen.