Buchbesprechung:
Roger E. A. Farmer: Prosperity for All. How to Prevent Financial Crisis, Oxford University Press, New York, London, 2017.
Wie die Great Depression (1930) ist auch die Great Recession (2008) ein transformatives Ereignis, das sowohl zu einem Paradigmenwechsel als auch zu einer grundlegenden Änderung der Wirtschaftspolitik führen wird, schreibt Roger Farmer in seinem neuen Buch.
Der an der UCLA lehrende Wirtschaftsprofessor bietet dazu eine neue Theorie, die seinen Ausführungen nach nicht nur die Depression, sondern auch die Stagflation mit berücksichtigt.
Im Gegensatz zu Keynes glaubt Farmer aber nicht, dass die Fiskalpolitik (mehr Staatsausgaben) die richtige Antwort darauf wäre. Sein Stichwort lautet Finanzpolitik („a new financial policy of asset market control“). Das heisst, dass die Zentralbank und das Finanzministerium gemeinsam in die Finanzmärkte systematisch eingreifen sollen, um die „Schwankungen der Preise von Vermögenswerten, die unser Leben entkräften“, zu verhindern.
Depressionen sind laut Farmer sich selbst erfüllende Prophezeiungen. Vor allem betont er, dass es so etwas wie den freien Markt nicht gibt. Die Pareto-Optimalität ist ein schwaches Konzept. Und der freie Handel führt im Allgemeinen nicht zu einem Pareto optimalen Ergebnis. Es gibt zwei Gründe, weshalb die Märkte fehlschlagen: (1) ein systemisches Versagen des Finanzmarktes und (2) ein systemisches Versagen des Arbeitsmarktes.
Das ist der Ausgangspunkt, weshalb Farmer gestützt auf seine Erkenntnisse den „Lebensstandard aller Menschen verbessern“ will. Und er verfolgt dabei zwei Zielsetzungen: Erstens, makroökonomische Theorie zu reparieren und zweitens, das Finanzsystem in Ordnung zu bringen.
Das Problem mit dem Arbeitsmarkt hat mit nach unten starren Löhnen („sticky“) und Preisen nichts zu tun, es ist viel wesentlicher: Arbeitslosigkeit geschieht nicht, weil die Löhne und Preise sich nicht anpassen können, sondern, weil es keinen Preis für die Job-Suche gibt, argumentiert Farmer.






