Sonntag, 11. März 2012

Ist der Anstieg der Ungleichheit ein globales Phänomen?

Allan Meltzer behauptet in einem Artikel („A Look at the Global One Percent“)  in WSJ, dass der Anstieg der Ungleichheit in den USA einen Anstieg der Ungleichheit in anderen Ländern widerspiegelt.

Meltzers Hauptargument ist also, dass Top 1% seinen Anteil am nationalen Einkommen so ziemlich überall auf der Welt erhöht habe und dass die Ursachen dafür in globalen Trends gesucht werden sollten.

Daron Acemoglu und James Robinson erklären (h/t to Mark Thoma) in einem Artikel („Is the One Percent the Same Everywhere?“) als Antwort darauf, warum die Behauptung nicht stand hält. Es stimme, dass es wichtige globale Trends gebe, aber nichts davon sei (sehr) umstritten, schreiben Acemoglu und Robinson.

Aber Meltzer behauptet mehr als dies, dass z.B. diese Trends den Anstieg des Anteils des obersten 1% in den USA ausmachen. Dies ist viel umstrittener.

Erstens ist das Buch („Top Incomes in the Long Run of History“) über den Anteil des obersten 1%, das von Anthony Atkinson, Thomas Piketty und Emmanuel Saez geschrieben worden ist, eine sehr sorgfältige und gewissenhafte Arbeit. Die Autoren zeigen, dass die USA (zu einem gewissen Grad auch Grossbritannien) sich von anderen Ländern in Bezug auf das Aussmass des Aufstiegs des Top 1% Prozents des Volkseinkommens deutlich unterscheiden.


Anteil des Top 1% am Einkommen, Graph: Daron Acemoglu und James Robinson

Samstag, 10. März 2012

FDIC übernimmt die 13. Bank in diesem Jahr

Die FDIC (Einlagensicherungsbehörde) hat am Freitag laut Washington Post eine kleine Banken in Chicago geschlossen.

Damit ist die Anzahl der Banken, die im Jahre 2012 verstaatlicht wurden, auf 13 gestiegen, nachdem im Vorjahr insgesamt 92 Banken gescheitert waren.

Die Zahl der Bankschliessungen im Jahr 2012 markiert einen deutlichen Rückgang aus den beiden Vorjahren. Zu diesem Zeitpunkt vor einem Jahr hatten die Behörden 23 Banken geschlossen.

Die verstaatlichte  Bank verfügt über ein Anlagevermögen von 71,2 Mio. $ und Einlagen von 72,4 Mio $. Die Kosten der geschlossenen Bank betragen für die öffentliche Hand  17,4 Mio. $.

Bankpleiten:
2012: 13
2011: 92
2010: 157
2009: 140
2008: 25
2007: 3

Freitag, 9. März 2012

Target 2 und Kapitalflucht

Die folgenden Abbildungen, die ich heute von Morgan Stanley bekommen habe, deuten ohne Zweifel darauf hin, dass die Kapitalflucht aus der entwicklungsfähigen Peripherie an den relativ gesunden Kern der EU für die wachsenden Target 2-Salden verantwortlich ist.

Die Ungleichgewichte im Target 2 sind eine Folge der Euro-Krise, die wiederum auf die Lücke in Wettbewerbsfähigkeit innert Euro-Zone zurückzuführen ist.

Während bisher von der Mehrzahl der Mainstream-Ökonomen weitgehend ignoriert wurde, rückt die Lücke in Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Euro-Zone nun durch die wieder aufgeflammte Target 2-Debatte in den Vordergrund der Aufmerksamkeit.

In der Tat hat die Wettbewerbsfähigkeit des Kerns die der Peripherie seit der Einführung der Gemeinschaftswährung (2000) hemmungslos abgehängt, was dazu führte, dass die Länder wie Deutschland einen massiv unterbewerteten Wechselkurs (siehe die Abbildung 3) hatten, während die GIIPS einen grob überbewerteten Wechselkurs erlitten, aufgrund der Nutzung der gemeinsamen Währung.


Target-2 Salden Entwicklung, Graph: Morgan Stanley

Warum Republikaner gegen höhere Bildung sind

Paul Krugman befasst sich in seiner lesenswerten Freitagskolumne („Ignorance Is Strength“) in NYT mit dem Thema, warum die Republikaner sich gegen höhere Bildung stellen.

„Die Amerikaner waren schon immer aussergewöhnlich, was die Unterstützung für die Bildung betrifft. Aber jetzt nimmt eine der beiden grossen politischen Parteien eine harte Rechtskurve gegen die Bildung oder zumindest gegen die Bildung, die sich arbeitende Amerikaner leisten können“, schreibt der Träger des Wirtschaftsnobelpreises. Und dies geschieht gerade zu einer Zeit, wo das amerikanische Bildungssystem bereits in grossen Schwierigkeiten steckt.

Zu dieser Feindseligkeit deutet Krugman auf Santorum hin, der mit seiner Erklärung für Schlagzeilen sorgte, dass Präsident Obama College Einschreibung ausweiten möchte, weil die Colleges „Indoktrination-Mühlen“ seien, die den religiösen Glauben zerstören. Aber Romney Antwort auf einen High School Senior, der über College Kosten besorgt ist, ist sogar noch bedeutender.

Was der Kandidat zu Studenten sagt, ist, dass sie nicht zu den Colleges gehen sollen, die teuer sind. „Gehen Sie zu den Colleges mit den niedrigen Kosten. Und erwarten Sie nicht, dass der Staat die Kosten, die Sie auf sich nehmen, erlässt“.

Romneys Bemerkungen sind sogar hartherziger angesichts dessen, was in letzter Zeit an den amerikanischen Hochschulen geschieht. Bereinigt um die Inflation ist die staatliche Unterstützung für die Hochschulen (higher education) in den vergangenen 5 Jahren um 12% gefallen, auch wenn die Anzahl der Studierenden weiter gestiegen ist. Der Schaden, den diese Änderungen zufügen, sollte klar sein. Warum sind aber die Republikaner so erpicht darauf, höhere Bildung in den Papierkorb zu werfen?

Donnerstag, 8. März 2012

QE, Operation Twist und sterilized QE

Fed-Chef Ben Bernanke hat zwar vor ein paar Wochen angedeutet, dass es keine neue Runde der mengenmässigen Lockerung der Geldpolitik (genannt QE: quantitative easing) geben wird.

Aber es gibt offenbar Überlegungen, die im geldpolitischen Ausschuss der US-Notenbank derzeit angestellt werden, eine neue Art von Anleihekaufprogramm in Angriff zu nehmen, wie Jon Hilsenrath in einem ausführlichen Artikel („Sterilized Bond Buying an Option in Fed Arsenal“) in WSJ berichtet.

Die Fed könnte mit dem neuen Ansatz langfristige Anleihen (Hypotheken-Anleihen und US-Treasury Bonds) kaufen und sich gleichzeitig zu niedrigen Zinsen Geld am Markt leihen. Die ordentliche Fed-Sitzung findet nächste Woche statt. Es gilt heute aber nicht als sicher, dass die Fed ein neues Anleihekauf-Programm ankündigt.

Die neue Fed-Strategie zum Ankauf von Anleihen am Markt ist aber insofern von Bedeutung, als die Rohstoffpreise und Aktien dadurch weiter zulegen dürften oder der US-Dollar weiter fallen könnte, was unter Investoren die Wahrnehmung aufkommen liesse, dass auf diese Weise Inflation ausgelöst würde.

Die Fed hat bisher seit 2008 unterschiedliche Arten von Anleihekaufprogrammen an den Tag gelegt. Das Ziel war, die Renditen am langen Ende der Ertragskurve nach unten zu drucken, um Investitionen von Unternehmen und Ausgaben von privaten Haushalten anzukurbeln.


Sterilized Bond Buying, Graph: Jon Hilsenrath, WSJ

Inflation in der Schweiz weiter im Minus

Die Verbraucherpreise (CPI) verzeichneten in der Schweiz im Februar annualisiert einen Wert von Minus 0,9%, verglichen mit einer Jahresrate von Minus 0,8% im Januar 2012.

Die Deflation vertieft sich damit in der Schweiz den 5. Monat in Folge. Die Kerninflation ist gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,2% gefallen.

Während die Konsumentenpreise im Februar auf Monatsbasis, was Wohnungsmieten, Luftverkehr und Erdölprodukte betrifft, leicht gestiegen sind, waren die Indizes der Hauptgruppen Alkoholische Getränke und Tabak (-0,2%), Nachrichtenübermittlung (-0,1%) und Freizeit und Kultur (-0,1%) rückläufig.


Schweiz Konsumentenpreise (CPI), Graph: Bundesamt für Statistik (BFS)
Veränderung der Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat

Notenbankgeldmenge im Angesicht der Finanzkrise

Richard Koo von Nomura (h/t to FT Alphaville) liefert die folgende hervorragende Abbildung.

Was ist zu sehen? Einen Graph, der weder Inflationistas noch Goldbugs schmecken wird, wie Izabella Kaminska schildert.

Erstens, wie gewaltig die Notenbanken Liquidität in die Wirtschaft gepumpt haben. Und zweitens, wie das Verhältnis zwischen der Notenbankgeldmenge und dem gesamtwirtschaflichen Geldangebot zum Erliegen gekommen ist.

Drittens, wie bescheiden die Eurozone bislang geblieben ist, was bedeutet, dass es noch mehr Spielraum für die Expansion der Notenbankgeldmenge gibt.
Die EZB hat nämlich im Vergleich zu BoJ, Fed und BoE nur 2/3 der Liquidität bereitgestellt. Und das gilt auch nach der LTRO 2.

Ausgehend von einer Vor-Lehman-Liquidität von 100 hat die Fed die Notenbankgeldmenge auf 321 erhöht. Die BoE auf 297, während die Geldbasis der EZB bei 196 liegt, auch nach der zweiten LTRO. Die BoJ hat die Notenbankgeldmenge auf 313 angehoben, obwohl der Zeitrahmen wesentlich länger ist.


Notenbankgeldmenge (monetary base) im Vergleich, Graph: Richard Koo, Nomura