Freitag, 2. September 2011

Island kommt über die Runden – ohne Fiscal Austerity


Der IWF berichtet, dass Islands Anpassungsprogramm erfolgreich gewesen ist. Island steht nicht mehr im Rahmen eines IWF-Programms.

Island hat noch immer hohe Arbeitslosigkeit und von einer vollständigen Erholung weit entfernt. Aber es befindet sich nicht mehr in der Krise, bemerkt Paul Krugman in seinem Blog. Das Land hat wieder Zugang zu internationalen Kapitalmärkten. Das alles wurde mit einer intakten Gesellschaft erreicht, hebt der an der University of Princeton lehrende Wirtschaftsprofessor hervor.

Island hat das durch eine sehr heterodoxe Wirtschaftspolitik erreicht: (a) Schuldenzurückweisung (debt repudiation), (b) Kapitalverkehrskontrollen und (c) Währungsabwertung.

Island, Arbeitslosigkeit, Graph: IWF via  Prof. Paul Krugman

Zentralbanken haben keine Ausrede für Untätigkeit


„Es ist die höchste Zeit für die Geldpolitik, mehr zu tun, um die Erholung zu stützen. Die Jackson Hole Konferenz ist gekommen und gegangen. Und kein Mangel an Ausreden wurde für die Zentralbanken bereitgestellt, damit sie sich zurückhalten, auch wenn die meisten Ökonomen die düsteren Aussichten für die fortgeschrittene Volkswirtschaften erkennen“, bemerkt Adam Posen in einem lesenswerten Meinungsartikel („No excuse for inaction – BoE’s Adam Posen“) in Reuters.

„Es ist auch die höchste Zeit, die Angst vor inflationären Geistern zu stoppen. Es gibt keine glaubwürdige Drohung mit nachhalting höheren Inflation in den entwickelten Volkswirtschaften, die die Aktivitäten der Zentralbanken einschränken würde“, erklärt der amerikanische Ökonom im geldpolitischen Ausschuss der britischen Notenbank (BoE: Bank of England).

Donnerstag, 1. September 2011

Schweizer Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal

Die Schweizer Wirtschaft ist im zweiten Quartal im Vergleich zum ersten Quartal um 0,4% gewachsen. Positive Impulse gingen laut Seco, dem Staatssekretariat für Wirtschaft, von der Handelsbilanz aus, weil die Importe sanken und die Exporte zunahmen. Der private Konsum stieg leicht um 0,2%. Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück. Die Brutto-Anlageinvestitionen sind um 2% gesunken. 

Die Länder der Eurozone wiesen im zweiten Quartal ein Wachstum von 0,2% auf. Die deutsche und die französische Wirtschaft stagnieren.

Die Schweizer Regierung hatte am 17. August 2011 die Bereitstellung eines Konjunkturprogramms in Höhe von max. 2 Mrd. Franken angekündigt, um die Wechselkursproblematik zu überwinden. Gestern hat Bern die Konkretisierung des Massnahmenpakets bekanntgegeben. Es stehen jetzt nur noch 870 Mio. Franken zur Verfügung. Die Regierung will jedoch dem Parlament im Winter ein zweites Konjunkturprogramm („Massnahmenpaket 2012“) präsentieren.


Schweizer BIP im II. Quartal 2011, Graph: SECO

USA: Schuldenwachstum ist niedriger als vor der Krise


Eine Tatsache, die nicht so bekannt ist, wie sie sein sollte, ist, dass es in den vergangenen Jahren keine Verschuldungsexplosion stattgefunden hat, bemerkt Paul Krugman in seinem Blog.

Es gab zwar einen starken Anstieg der Staatsverschuldung, aber es ist mit dem Zusammenbruch der Kreditaufnahme im privaten Sektor einhergegangen.

Das Wachstum der Gesamtverschuldung ist in den USA heute geringer als in den Jahren vor der Krise, hält der an der University of Princeton lehrende Wirtschaftsprofessor fest.


USA Gesamtverschuldung (Privatsektor + öffentliche Hand), Graph: Prof. Paul Krugman
Die blaue Kurve: Verschuldung im privaten nicht-Finanzsektor, und die rote Kurve: Verschuldung der öffentlichen Hand. Quelle: Flow of Funds Accounts

Zauberstab für US-Wirtschaft


James Hamilton befasst sich in seinem Blog mit der Frage, welche Mischung von Fiskal- und Geldpolitik unter den derzeitigen wirtschaftlichen Umständen wünschenswert wäre.

Diese interessante hypothetische Frage legt Hamilton so aus, wie wenn es keine Einschränkungen im Hinblick auf die Machbarkeit gäbe. Was sollen also die USA tun? Er habe Schwierigkeiten, Zugkraft zu finden, um die Frage zu analysieren, bemerkt der an der University of California, San Diego lehrende Wirtschaftsprofessor.

Soweit die Geldpolitik betrifft, ist die wichtigste Zutat, was die Öffentlichkeit in bezug auf die Zukunft erwartet. Das Management dieser Erwartungen ist das grundlegende Werkzeug, auf das sich die Fed in dieser Situation verlassen kann. Angesichts der Art und Weise, wie die Fed-Gegner agieren, sieht Hamilton aber keinen Weg, wie die Fed diesen Ansatz an den Tag legen könnte als zu warten, bis mehr überzeugende Beweise für eine Deflation oder den finanziellen Stillstand vorliegen, bevor sie handelt.

Grosse Kontraktion


Viele wollen wissen, ob Länder mit hohem Einkommen der Gefahr einer Double-dip Rezession gegenüberstehen. Martin Wolf schreibt in einem lesenswerten Kommentar („Struggling with a Great Contraction“) in FT, dass seine Antwort „nein“ ist, weil die erste Rezession noch nicht zu Ende ist. Die Frage ist vielmehr, wie viel tiefer und länger diese Rezession oder „Kontraktion“ werden dürfte. 

Der Punkt ist, dass keine der Volkswirtschaften mit hohem Einkommen im zweiten Quartal das BIP-Niveau vor der Krise (2008) erreicht hat, argumentiert der FT-Kolumnist. Die USA und Deutschland sind in der Nähe ihrer Ansatzpunkte, Frankreich etwas dahinter. Grossbritannien, Italien und Japan ermatten weit hinten.

CEOs stecken ein, während Konzerne Steuern ausweichen

Mindestens 25 CEOs haben mehr verdient als ihre Unternehmen an Steuern bezahlt haben. Das berichtet die Institute for Policy Studies (IPS) in einer aktuell vorgelegten Forschungsarbeit mit Bezug auf das Jahr 2010.

Diese 25 CEOs haben im Durchschnitt je 16,7 Mio. $ verdient, deutlich mehr als 10,8 Mio. $ im Vorjahr in den Top-US-Unternehmen (S&P-500). Auf die meisten von diesen 25 Unternehmen entfielen aus dem US-Steueramt (IRS) im Durchschnitt 304 Mio. $ an Steuererstattungen.

In der Tat ist die Steuervermeidung so ausser Kontrolle geraten, dass 25 US-Konzerne im vergangenen Jahr mehr Gelder an die Vorstände zukommen liessen, als Körperschaftsteuer an den Uncle Sam.


Bericht über CEO-Vergütungen, Illustration: Institute for Policy Studies (IPS)