Samstag, 4. Juni 2011

FDIC: Die 45. Bankpleite in diesem Jahr

Die FDIC (Einlagensicherungsbehörde) hat am Freitag laut Washington Post eine Bank in South Carolina geschlossen. Damit ist die Anzahl der Banken, die im Jahre 2011 verstaatlicht wurden, auf 45 gestiegen, nachdem im Vorjahr insgesamt 157 Banken gescheitert sind. Das Tempo der Bankschliessungen hat sich verlangsamt. Zu diesem Zeitpunkt vor einem Jahr waren 81 Bankenpleiten gezählt.

Die verstaatlichte Bank verfügt über ein Anlagevermögen von 208,2 Mio. $ und Einlagen von 191,6 Mio. $. Die Kosten der geschlossenen Bank beträgt für die öffentliche Hand  36,4 Mio. $.

Bankpleiten:
2011: 45
2010: 157
2009: 140
2008: 25
2007: 3

Warum Paul Krugman die Debatte mühelos gewinnt

(Wonkish)

Paul Krugman erinnert sich in seinem Blog an die grosse Debatte über die Auswirkungen der Haushaltsdefizite auf die Zinsen in einer Liquiditätsfalle. Es sind inzwischen mehr als zwei Jahre vergangen. Das Hauptargument der Gegner des Stimuluspakets (US-Konjunkturprogramm) lautete, dass eine gross angelegte staatliche Kreditaufnahme die Zinsen höher treiben und damit auf der Wirtschaft lasten würde, auch wenn die Arbeitslosigkeit dabei hoch verliefe.

Damals wurde das Argument mit Bezug auf den Crowding out Effekt, nicht auf die Kreditwürdigkeit eingerahmt. Krugman hatte eingewendet, dass das Ganze einen Verstoss gegen die grundlegende Makroökonomie darstellt. Der an der Princeton University lehrende Wirtschaftsprofessor hatte von Anfang an Recht. Die Abbildung zeigt den Verlauf der Rendite der US-Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit.


Rendite der US-Treasury Bonds mit 10 Jahren Laufzeit, Graph: Prof. Paul Krugman

Freitag, 3. Juni 2011

Banken: Lobbying gegen Regulierung

Bankers auf beiden Seiten des Atlantiks betreiben heftiges Lobbying gegen eine stärkere Regulierung. Die Behörden in verschiedenen Ländern zögern, die Regulierung zu stärken, als ob die Krise nie passiert wäre, schreiben Anat Admati und Martin Hellwig in einem lesenswerten Essay („Battle to regulate banks has just begun“) in FT. Die Europäische Kommission selbst zögert, Basel III in vollem Umfang umzusetzen. In dieser Debatte wird vielfach argumentiert, dass der globale Wettbewerb ein „level playing field“ erfordert.

Das „level playing field“-Argument („faire Wettbewerbsbedingungen“) ist ungültig, unterstreichen die Ökonomen. Wenn Banken der Wirtschaft eines Landes Kosten und Risiken auferlegen, ist das Land besser daran, wenn es Regeln gibt, die die Risiken und die Kosten limitieren, auch wenn andere Länder nicht mitziehen.

Die globale Wirtschaft ist nicht ein sportliches Ereignis, wo die Athleten eines Landes so viel wie möglich Medaillen gewinnen sollen, sondern ein System zum Austausch von Waren und Dienstleistungen, halten Admati und Hellwig fest. In diesem System sind die wettbewerbsbedingten Erfolge der Banken und die wettbewerbsbedingten Ausfälle der Unternehmen in anderen Branchen zwei Seiten derselben Medaille. Ein Land exportiert Finanzdienstleistungen und importiert andere Güter nach Massgabe seines komparativen Vorteils.

Der Fehler von 2010

Paul Krugman befasst sich in seiner lesenswerten Freitagskolumne („The Mistake of 2010“)  in NYT weiter mit dem Thema, ob wir heute die geld- und fiskalpolitischen Fehler der Vergangenheit wiederholen oder nicht. Der an der Princeton University lehrende Wirtschaftsprofessor deutet auf eine in der Woche veröffentlichte Forschungsarbeit der Federal Reserve Bank of New York hin. Es handelt sich dabei um den „Fehler von 1937“, den vorzeitigen geld- und fiskalpolitischen Rückzug, der die Grosse Depression (Great Depression) in den USA verlängert hat.

Wie Gauti Eggertsson aufzeigt, weisen wirtschaftliche Bedingungen heute eine starke Ähnlichkeit mit denen von 1936-37 auf: Output wächst, einige Preise steigen, aber die Arbeitslosigkeit bleibt immer noch sehr hoch. Die Frage ist, ob die modernen Entscheidungsträger heute denselben Fehler wiederholen werden oder nicht?

Eggertsson antwortet: „Nein. Die Ökonomen wissen es jetzt besser“. Aber Krugman stimmt nicht zu. „In der Tat haben wir den „Fehler von 1937“ bereits wiederholt“, argumentiert der Träger des Wirtschaftsnobelpreises. Er nennt es „Fehler von 2010“: ein Schwenk weg von Jobs in Richtung andere Sorgen, deren Verschrobenheit durch die jüngsten Konjunkturdaten hervorgehoben werden, so Krugman.

Paul Krugman erklärt Kerninflation

(Wonkish)

„Die Kerninflation ist für die Zentralbanken auf der ganzen Welt nicht mehr ein sehr nützlicher Indikator für die Geldpolitik und sie sollte daher aufgegeben werden“, schreibt Lorenzo Bini Smaghi in einem wunderlichen Kommentar („Ignoring the core can keep inflation at bay“) in FT. Das mag eine lange Zeit in Anspruch genommen haben, aber wie die Römer zu sagen pflegten, errare humanum est, perseverare diabolicum“ („irren ist menschlich, aber auf Irrtümern zu bestehen ist teuflisch“), unterstreicht das italienische Mitglied des Direktoriums der EZB.

Was ist davon zu halten? Eigentlich nichts. „LBS bietet in einem starrköpfigen Kommentar einige sehr schlecht gerahmte Argumente für die Verwendung der allgemeinen Inflation (headline inflation) anstelle von Kerninflation (core inflation), um Geldpolitik zu betreiben“, bemerkt Paul Krugman in seinem Blog. LBS scheint im Grunde genommen über den Unterschied zwischen Niveaus und den Veränderungsraten verwirrt, wie auch Brad DeLong in seinem Blog hervorhebt. Bemerkenswert ist, dass LBS bei der EZB als einen tiefen Denker gilt. Warum wohl? Keine Ahnung.


Vorhersage-Genauigkeit für Inflation (CPI), Graph: Mike Bryan, Federal Reserve Bank of Atlanta, and Brent Meyer, Federal Reserve Bank of Cleveland

Deutschsprachige Wirtschaftsblogs

Dirk Elsner macht in seinem Blog auf eine neulich von der SZ präsentierte Blogschau („Viel los im Affenkäfig“) aufmerksam. Elsner freut sich, genau wie die Bloggergemeinde, dass in der hiesigen Presse über die deutsprachigen Wirtschaftsblogs berichtet wird: „Schliesslich kommt das nicht so oft vor, dass eine der renommiertesten deutschen Zeitungen die Szene der Wirtschaftsblogs beleuchtet“.

Ein hohes Lob verdient der Blick Log für die Zusammenstellung und ständige Aktualisierung der „Mindmap Deutsche Wirtschaftsblogs“: Es ist eine herausragende Übersicht über die Wirtschaftsblogs in deutscher Sprache.

Wie ist Washingtons Aufmerksamkeit zu lenken?

Die aktuelle Abkopplung zwischen Washingtons Besessenheit von langfristigen Haushaltsdefiziten und der gegenwärtigen Schwäche der Volkswirtschaft ist beängstigend, schreibt Robert Reich in einem lesenswerten Beitrag („How to Get Washington’s Attention“) in seinem Blog.

Die Frage ist, ob das Ausmerzen am heutigen Aktienmarkt gekoppelt mit dem Absturz der Immobilienpreise, die in bezug auf das Wirtschaftswachstum entmutigen und der wahrscheinlich dürftige Arbeitsmarktbericht vom Freitag ausreichen, um Washington zu zwingen, die Spielchen über die Schuldenobergrenze (debt ceiling) aufzugeben und sofortige Massnahmen zu ergreifen, legt der ehemalige Arbeitsminister der Clinton-Regierung dar.

Vielleicht, besonders jetzt, müssen sich die Wall Street und Big Business der Realität stellen. Der Aktienmarkt beginnt, die Auswirkungen auf die amerikanische Mittelschicht zu fühlen, beschreibt Reich.