Mittwoch, 25. Mai 2011

Gold ist keine Investition

„Gold ist keine Investition. Es ist eine Spekulation. Investitionen werden aufgrund der Auswertung der zugrundeliegenden Werte getätigt. Spekulative Wetten werden mit Hinblick auf den Preis abgeschlossen, in der Hoffnung, dass der Preis steigt“, schreibt Carl Richards in einem lesenswerten Beitrag („Gold is not an Investment“) in NYT.

Bei Investitionen geht es um Werte. Bei Glückspielen um den Preis. Gold hat keinen zugrundeliegenden Wert. Es gibt dafür einen Markt, der echt ist, so echt wie der Immobilienmarkt im Jahr 2007, beschreibt der Autor.

Was ist aber der Wert eines Goldbarren? Es hat keinen Wert, ausser einem, der durch eine Herde von Spekulanten zugeordnet wird. Das gilt für die meisten Rohstoffe. Sie stellen tatsächlich nichts her. Sie sind Rohmaterial. Kein Wert. Keine Dividenden. Und kein Cash-Flow.


Gold is not an investment, Graph: Carl Richards in NYT.

Dienstag, 24. Mai 2011

Schulden-Todesspirale versus Schulden-Arithmetik

(Wonkish)

Was in der aktuellen Debatte über die Defizite auffällt, ist der Ton für eine Dringlichkeit: Defizite müssen sofort reduziert werden, und zwar jetzt sofort oder die Krise braut sich zusammen, bemerkt Paul Krugman in seinem Blog. Woher kommt es aber? Bestimmt nicht von der Arithmetik.

Die Geschichte wird so erzählt, bescheibt Krugman: Defizite bedeuten höhere Schulden, was höhere Zinsszahlungen bedeutet, was wieder zu einer Spirale in den Konkurs führen kann. Und das ist qualitativ nicht falsch. Wenn man aber konkrete Zahlen von Ländern, die keinen riesigen Risikoprämien gegenübersehen, zugrunde legt, erweist sich die Spirale als sehr, sehr langsam, legt der Träger des Wirtschaftsnobelpreises (2008) dar.

Der jüngsten Prognose von IWF Fiscal Monitor nach beträgt das Haushaltsdefizit für die USA im nächsten Jahr 7,5% des BIP. Die Staatsverschuldung dürfte sich demnach auf 75% des BIP belaufen.

Griechenland: Rettung, Zahlungsverzug oder Plan C

Die griechische Schuldenkrise hackt wieder auf uns herum. Die Zeitungen sind mit Artikeln über Konsequenzen für die Eurozone und Empfehlungen dafür, was jetzt zu tun ist, gefüllt, schreibt Perry Mehrling in seinem Blog. Verständlich, da die Eurozone nun die grösste Gläubigerin von Griechenland ist, vielleicht sogar noch grösser, wenn sie auch noch die unbedachte IWF-Exposition übernimmt. Kalifornien hat kein IWF-Paket. Griechenland sollte auch keins haben, bemerkt der an der Barnard College, Columbia University lehrende Wirtschaftsprofessor.

Jürgen Stark, Mitglied des EZB-Direktoriums erzählt uns, dass eine Umschuldung, ob sanft (reprofiling) oder hart (default) eine Katastrophe für das griechische Bankensystem wäre. Aber das griechische Bankensystem hat insgesamt viel weniger Exposition als die Eurozone, einschliesslich der EZB.

Türkei: Länderrating

Das Länderrating der Türkei liegt derzeit zwei Stufen unterhalb des Investmentgrade von Moody’s und S&P, aber nur eine Stufe unterhalb von Investmentgrade von Fitch.

Kürzlich hat Fitch den Ausblick für die Länderbonität der Türkei auf „positiv“ revidiert, was eine Signalbedeutung hat, dass eine Heraufstufung des Ratings nach Juni möglich ist.

Die Türkei verdient laut Analysten von Morgan Stanley ein besseres Rating, was in den Marktpreisen reflektiert wird.


Türkei Inflation, Graph: CEEMEA Monitor, Morgan Stanley

Superkern-Inflation

Paul Krugman befasst sich in seinem Blog mit folgenden zwei Fragen: (1) Was würde die EZB machen, wenn sie die Fed wäre? Und (2) Warum zeigen manche Messgrössen der US-Kerninflation letztens eine leichte Höhernotierung?

Um die erste Frage zu beanworten, liefert Krugman die folgende Abbildung. Die Daten werden von der  Eurostat zur Verfügung gestellt: „CPI sans Energie, Lebensmittel und Tabak“. Das Ergebnis ist mehr oder weniger die Kerninflation im amerikanischen Stil.


Eurozone Kerninflation, Graph: Prof. Paul Krugman

Montag, 23. Mai 2011

Bank of Israel erhöht Benchmark-Zins auf 3,25 Prozent

Die Bank of Israel (BoI) hat heute den Benchmark-Zins um 25 Basispunkte auf 3,25% angehoben. Die BoI hat damit die Zinsen zum vierten Mal in diesem Jahr erhöht. Die israelische Wirtschaft ist im ersten Quartal annualisiert um 4,7% gewachsen.

Der Zinsentscheid steht laut BoI im Einklang mit dem schrittweise erfolgenden Prozess der Rückkehr der Zinsen auf ein „normales“ Niveau, in der Absicht, die Inflation im Zielbereich fest zu verankern und zur Erholung der Wirtschaft weiter beizutragen, bei gleichzeitiger Unterstützung der Stabilität des Finanzsystems.


Israel Benchmark Zinssatz, Graph: Bloomberg.com

Angst vor Inflation

Anzeigen, die vor inflationärem Verhalten warnen, waren während des Zweiten Weltkriegs häufig, bemerkt Tim Duy in seinem Blog. Der an der University of Oregon lehrende Wirtschaftsprofessor verweist auf die folgende Abbildung.

Dies ist eine einfache Beschreibung einer Lohn-Preis Spirale (wage-price spiral), etwas, was eine reale Bedrohung darstellte, als massive Ressourcen durch Kriegsanstrengungen gesteuert wurden, erklärt Duy. Einige Fed-Vertreter scheinen zu glauben, dass diese Bedrohung auch heute real ist wie damals. Mark Thoma deutet vor diesem Hintergrund in seinem Blog auf einen Artikel in WSJ hin, wie Kathleen Madigan die FOMC Minutes liest und was sie daraus schliesst.


Fed Werbeplakate während des Zweiten Weltkriegs, Graph: Federal Reserve via Prof. Tim Duy