Sonntag, 3. März 2019

Warten auf Godot: Fed sucht geduldig Inflation


Das neue Schlagwort im FOMC-Statement (Januar 2019) lautet „geduldig“ (patient). 

Jerome Powell hat zuletzt auf konjunkturelle Risiken und das schwächere Wachstum der chinesischen Wirtschaft hingewiesen und eine Kursänderung angedeutet:

Die Fed werde künftig, was Zinserhöhungen betrifft, „geduldig“ vorgehen. 

Während die US-Notenbank den (im Herbst 2017 gestarteten) Abbau der Bilanzsumme beenden will, will sich Powell von Inflation-Daten informieren lassen, ob der geldpolitische Zinssatz zu hoch oder zu niedrig ist.

Ein typischer Witz auf den Finanzmärkten ist, dass die Fed die Straffung der Zinsen so lange weiterzieht, bis etwas kaputt geht. 

Offensichtlich sind aber einige Dinge in Sachen „risk assets“ auseinander gebrochen, sodass die Fed nun Geduld ausüben will und das globale Geschehen („trade wars“, „Brexit“ und China) näher beobachtet.


US-Inflationserwartungen (Uni Michigan Umfrage), Graph: BloombergTV, Febr 28, 2019

Bemerkenswert ist, dass die Anleihemärkte vor diesem Hintergrund keine weitere Zinserhöhung durch die Fed erwarten und sogar demnächst eine Zinssenkung nicht ausschliessen.


Fed Funds Futures deuten auf eine Zinssenkung hin, Graph: BloombergTV, Febr 26, 2019 

Die meisten Ökonomen und institutionelle Investoren hingegen rechnen mit mindestens einer weiteren Zinserhöhung später in diesem Jahr.


Fed‘s Metrik für Inflationserwartungen (forward) für 5 Jahre in 5 Jahren bleibt unter dem Wert von 2 Prozent, Graph: Michael Mackenzie FT 

Wichtig ist, sich zu vergegenwärtigen, dass Powell in dieser Woche während seiner Ausführungen die Verbindung zwischen schnellerem Lohnwachstum und höherer Inflation in Zweifel gezogen hat. 

Und er hat stattdessen nahelegt, dass es auf die Erwartungen ankomme. Die Erwartungen seien der wichtigste Treiber für die tatsächliche Inflation.

„Wir peilen die Preisinflation an, nicht die Lohninflation (wage inflation)“, so Powell im O-Ton.

Das heisst, dass die Inflationserwartungen vom gegenwärtigen Niveau irgendwie heftig ausbrechen müssten, damit die Fed dazu über geht, den Zyklus der Zinserhöhung wiederaufzunehmen.


US Treasury Bonds Renditen für 2 und 10 Jahre, der Spread, Graph: Bloomberg, Febr 2019

Die Inflation hängt aber von der Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage ab. Und die Nachfrage ist derzeit so schwach, dass nicht erwartet werden kann, dass sie das Angebot in Kürze übersteigt.

Ausserdem gibt es heute keine Vollbeschäftigung, dass ein wachsender Nachfrageüberhang zu steigenden Preisen führen müsste, wenn man v.a. die hohe Unterbeschäftigung berücksichtigt.

Powell scheint den stabilen Zusammenhang zwischen Lohnstückkosten und Preisen zu ignorieren. Aber er erklärt nicht, was einen Anstieg der Inflationserwartungen verursachen würde.

Denn die Faktoren (hohe Nachfrage und steigende Kosten), die i.d.R. Inflation auslösen, ruhen. Woher soll die Inflation kommen? Es bleibt zu hoffen, dass Powell demnächst dazu Stellung nimmt und uns aufklärt.


Bilanzsumme der Fed, Graph: Bloomberg, March 1, 2019


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