Donnerstag, 28. Dezember 2023

Wealth Supremacy

Buchbesprechung

Marjorie Kelly: Wealth Supremacy - How the Extractive Economy and the Biased Rules of Capitalism Drive Today’s Crises, Berrett-Koehler Publishers, October 2023, Oakland, Canada.


Marjorie Kelly zeigt mit einer aussagekräftigen Analyse auf, wie die verborgene Kraft, die Voreingenommenheit, die die unendliche Gewinnung von Reichtum für die Wohlhabenden institutionalisiert, auch wenn dies für viele Menschen Stagnation oder Verluste bedeutet, viele der Krisen unserer Zeit antreibt.

Angesichts der jahrzehntelangen Desinvestition und Verarmung enthüllt die Darstellung der Autorin sicherlich auch eine schmerzliche Wahrheit für den Euroraum.

Die einseitige Ausrichtung auf (ökonomisch irrsinnigen) fiskalische Regeln a la Maastricht und die Schuldenbremse, aufoktroyiert von Berlin, die in die Struktur des europäischen Währungsraums eingewoben ist, schadet ohne Zweifel den Menschen, der Wirtschaft und dem Planeten.

Es geht darum, die Situation als Notlage zu erkennen, nicht nur die Notlage des Klimawandels und der Polykrise, sondern den Notfall der «financialization» (Finanzialisierung) und das unablässige Problem einer zu großen finanziellen Extraktion.

Dienstag, 26. Dezember 2023

Fed versus EZB - Beschäftigung versus Unterbeschäftigung

Fed’s Dovish Shift and Unchanged Deficit in 2024

ECB’s Focus on the Narrative “Last Mile”


Der von der US-Notenbank bevorzugte Inflationsindex, der Preisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE Index), sank im November um 0,1 % gegenüber dem Vormonat. 

Dies ist der erste Rückgang seit April 2020, teilte das Handelsministerium am Freitag mit. Die Preise stiegen im Jahresvergleich um 2,6% und waren damit nicht weit von der Zielvorgabe der Fed von 2% entfernt.


Die Preise in den USD fielen zum ersten Mal seit April 2020, da der PCE-Index, das bevorzugte Inflationsmaß der Fed, im Vergleich zum letzten Monat um 0,1 % fiel, Graph: Yahoo Finance, Dec 23, 2023 

Freitag, 15. Dezember 2023

Europas Sparkurs als Sackgasse

Europe’s Austerity Ideology as “cul-de-sac”

US-Industrial Policy and Economic Growth 


Die jüngste Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA auf «AA+» hat den Anlegern keine neuen Informationen in Sachen Finanz-Politik geliefert. Das ist eindeutig.

Und die Auswirkungen auf die Treasury-Märkte waren überschaubar.

Was sagt aber ein angemessener Einblick in den aktuellen und zukünftigen Zustand der finanziellen Gesundheit der öffentlichen Hand Amerikas aus?

Das Verhältnis von Zinsen zu Einnahmen in den USA wird laut Goldman Sachs Research bis 2025 voraussichtlich 10% erreichen, gegenüber nur 2,8 % für das Land mit dem Durchschnittsrating «AA» und 1 % für das Land mit dem Durchschnittsrating «AAA».

Ein Grund zur Sorge?

Nein. 


Die derzeitige Situation der Schuldentragfähigkeit der USA ist weder eine unmittelbare noch eine langfristige Bedrohung. Die Stärke der USA als globale Wirtschaftsmacht festigt ihre Glaubwürdigkeit und ihr endgültiges Versprechen, die Schulden zurückzuzahlen, Graph: Goldman Sachs, Dec 13, 2023.

Freitag, 8. Dezember 2023

«Higher-for-Longer» Narrativ und Ergodicity in Economics

A Fancy Story Telling by Global Central Banks


Die Fed und die EZB sagen uns ostentativ, dass die Zinsentscheidungen zunehmend datenabhängig sein werden. 

Unabhängig davon, was genau die Fed und die EZB damit meinen, kann festgehalten werden, dass die Wirtschaftsdaten nicht ergodisch sind.

Die Ergodizität («ergodicity») ist eine zentrale Annahme des Denkens des neunzehnten Jahrhunderts, ein mathematisches Konzept der Stabilität. 

Als eine Schlüsselannahme in den Naturwissenschaften besagt sie, dass wir durch wiederholte Experimente oder die Beobachtung derselben Phänomene im Laufe der Zeit die Naturgesetze lernen. Alles, was wir brauchen, sind genügend Beobachtungen. 

Deutschland hinkt seit Jahren bei den öffentlichen Investitionen hinterher und dürfte schneller als viele andere Länder des Euroraums zu einer strafferen Finanzpolitik zurückkehren. Der jüngste Schlag (Entscheid des Bundesverfassungsgerichts zum Zweiten Nachtragshaushaltsgesetz) wird die Sache nur noch schlimmer machen, Graph: Nordea Markets, Dec 02, 2023


Samstag, 25. November 2023

The Illusion of Control

Buchbesprechung

Jón Daníelsson:The Illusion of Control” – Why Financial Crises Happen, and What We Can (and Can’t) Do About It, Yale University Press, June 2022, UK.


Wir sind gut darin, die Risiken von heute zu managen, aber auf Kosten von Aussichten und Bedrohungen, die in Zukunft liegen, welche wir ignorieren. Das ist die Illusion der Kontrolle.

Die Art und Weise, wie wir heute finanzielle Risiken messen, um wichtige Entscheidungen zu treffen, stützt sich in der Tat erstens auf unvollkommene Modelle und zweitens auf ungenaue Messungen.

Der Schwerpunkt unserer Wahrnehmung liegt laut dem Autor auf der jüngsten Vergangenheit und kurzfristigen Risiken. 

Der Grund dafür ist einfach. Schliesslich steht dafür eine Fülle von Daten zur Verfügung, und es handelt sich dabei um das am einfachsten zu messende Risiko.

Wir verwenden solche Modelle trotzdem, wohlwissend, dass sie nicht besonders gut funktionieren. 

Die Gründe dafür liegen im Zusammenspiel zweier komplexer Themen, der Schwierigkeit der Risikomessung und dem menschlichen Erfindungsreichtum, argumentiert Jón Daníelsson, Professor für Finanzen und Direktor des Systemic Risk Centre an der London School of Economics.

Zur Erinnerung: 

Alle Modelle sind falsch, aber einige sind nützlich.

Sonntag, 12. November 2023

Toxische Straffung der Geldpolitik

Fed Chair Powell is busking: Higher for Longer


Die Anleger hatten es in den vergangenen zwei Wochen gewagt, schon wieder von einer schnellen Zinssenkung zu träumen.

Doch dann wurde ihnen vom Vorsitzenden der Fed Jerome Powell ein böses Erwachen bereitet. Er sagte zwar, dass die Zentralbank vorsichtig bleiben werde, warnte aber auch, dass sie nicht zögern werde, die Zinssätze bei Bedarf wieder anzuheben.

Mit anderen Worten wiederholt Powell die Botschaft “hohe Zinsen für längere Zeit” (“higher for longer”) für die Wall Street quasi mit der Lyric von Bruno Mars: “I'ma leave the door open, hoping and I'm hoping, hoping”.

Einige Anleger glauben jedoch, dass die finanziellen Bedingungen für die Fed zu locker werden könnten, wenn die Renditen weiter sinken und die Zentralbank gezwungen wäre, die Zinsen länger hochzuhalten, um einen Anstieg der Inflation zu verhindern.

Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen sind tatsächlich von ihren Höchstständen um fast 50 Basispunkte gefallen, während sich der S&P 500 in diesem Zeitraum um etwa 6,5 % erholt hat.


US Lohn-Wachstum, Graph: Jerome Powell, Fed, Nov 09, 2023


Montag, 6. November 2023

Das Ende der japanischen Zinskurvensteuerung

Reflation in Japan: BoJ and YCC


Die Bank of Japan (BoJ) ist nun fest auf dem Weg, die Zinskurven-Kontrolle (YCC: Yield Curve Control) abzuschaffen.

Der Schritt dürfte auch Auswirkungen auf die Märkte für US-Unternehmensanleihen entfalten: ausländische Investoren – allen voran Japan – waren im letzten Jahrzehnt massive Rendite-Touristen und kauften haufenweise US-Anleihen, wie FT Alphaville berichtet.

Der Spread zwischen der 10-jährigen UST-Rendite und der 10-jährigen JGB-Rendite hat sich inzwischen auf ein 22-Jahres-Hoch ausgeweitet.

Die YCC-Politik der BoJ ist ein geldpolitischer Ansatz, der darauf abzielt, die Renditekurve japanischer Staatsanleihen (JGBs) zu kontrollieren und zu beeinflussen, um bestimmte wirtschaftliche und finanzielle Ziele zu erreichen.


Der Gouverneur der BOJ, Kazuo Ueda, will die ultralockere Geldpolitik der Zentralbank weiterhin nur schrittweise abbauen und versuchen, irgendwann im nächsten Jahr aus dem jahrzehntelangen akkommodierenden Regime auszusteigen, Graph: Reuters, Nov 02, 2023.