Sonntag, 21. Februar 2021

Corona-Krise und „Hochdruckwirtschaft“

Es ist Wert, darüber ausführlich zu berichten, wenn zwei der profiliertesten Mitte-Links-Ökonomen Amerikas sich über die erste große innenpolitische Massnahme des demokratischen Präsidenten Joe Biden uneinig sind. 

Die Rede ist von Larry Summers und Paul Krugman. 

Das Thema: Der 1,9 Billionen Dollar schwere Rettungsplan für die Corona-Krise. 

Summers und Krugman haben ihre Differenzen neulich in einer Videokonferenz, die von Prof. Markus Brunnermeier moderiert wurde, diskutiert.

Prof. Summers, der ehemalige Finanzminister, Direktor des National Economic Council und Harvard-Präsident, trat gegen Prof. Krugman an, den Nobelpreisträger, der früher in Princeton und jetzt an der City University of New York lehrt.

Hier ist eine interessante Abbildung, die Summers während der Video-Konferenz vorgestellt hat. Wie wir sehen, war damals - nach der GFC - das Konjunkturpaket der US-Regierung unter Barack Obama im Vergleich zur Produktionslücke (output gap) viel zu klein.


US-Wirtschaft nach der GFC 2008-2009 und nach der Corona-Krise 2020; realisierte Produktionslücke vs. fiskalischer Stimulus (realized output gap vs. fiscal stimulus), Graph: Larry Summers, Febr 2021


Dienstag, 16. Februar 2021

Aktienmärkte, Bullen und Bubbles

Während die US-Aktienindizes weiter auf neue Rekorde klettern, kommt einem einer von Warren Buffetts berühmtesten Sprüche in den Sinn: 

Investoren sollten "ängstlich sein, wenn andere gierig sind".

Jeder Buffett-Jünger, der in diesen Tagen einen Blick auf die bevorzugte Marktbewertungskennzahl des Milliardärs wirft, könnte den Drang verspüren, vor Angst zu schreien, wie Bloomberg das Geschehen beschreibt.

Der "Buffett-Indikator" ist eine einfache Kennzahl: 

Die gesamte Marktkapitalisierung der US-Aktien geteilt durch den gesamten Dollarwert des Bruttoinlandsprodukts des Landes. Der Indikator überschritt 2019 erstmals seinen früheren Höchststand aus der Dotcom-Ära. Dennoch tendiert er seit Jahrzehnten nach oben.

Der Trend ist dein Freund?

Da die US-Marktkapitalisierung mehr als doppelt so hoch ist wie das geschätzte BIP für das laufende Quartal, deutet die Kennzahl auf eine "stark überbewertete" Situation hin.



Warren Buffett Indikator, Graph: Bloomberg, Febr 2021

Donnerstag, 11. Februar 2021

Covid-19 Bekämpfung mit Katastrophenhilfe (nicht Stimulus)

Die Debatte ist so spannend, dass es nicht überflüssig wäre, dazu einen weiteren Blog-Beitrag zu liefern.

Worum geht es? 

Es geht um Joe Biden’s Covid-19 «American Rescue Plan» im Umfang von 1‘900 Mrd. USD.

Larry Summers und Olivier Blanchard fürchten, dass der Plan eine Überhitzung der Wirtschaft verursachen und damit hohe Inflation auslösen könnte.

Einige Fragen, die vor diesem Vordergrund aufgeworfen werden, lauten: Ist es wirklich ein Stimulus? Ist es zu gross? Können die Fed und der US-Kongress die Dinge unter Kontrolle bringen, wenn es sich als «zu gross» herausstellen sollte?

Noah Smith beispielsweise beantwortet die Fragen in der Reihenfolge mit nein, nein und ja.

Warum ist es kein Stimulus?

Da wir uns nicht in einer herkömmlichen Rezession - einem Rückgang der Produktion aufgrund einer unzureichenden Gesamtnachfrage, befinden.


US BIP, Graph: Paul Krugman, Febr 09, 2021, substack


Dienstag, 9. Februar 2021

Wie gross ist zu gross? US-Wirtschaftsschutzprogramm

Wow! Das ist eine hochinteressante Debatte über die Grössenordnung des Rettungsprogramms von Joe Biden, dem neuen US-Präsidenten.

Larry Summers, der ehemalige US-Finanzminister äussert sich besorgt, dass Bidens Rettungspaket im Umfang von 1,9 Billionen USD zu gross sei und die Überhitzung dadurch Inflation auslösen könnte.

Zudem bliebe zu wenig Spielraum zurück, um weitere Investitionen in die Infrastruktur zu finanzieren. Das Fazit des an der Harvard University lehrenden Wirtschaftsprofessors lautet, dass das Weisse Haus die Inflationsgefahr unterschätze.

Die gegenwärtige, von Biden ernannte Finanzministerin Janet Yellen, die ehemalige Fed-Präsidentin, hingegen unterstützt das grosse Paket der neuen US-Administration in aller Deutlichkeit. 

Zur Erinnerung: Das Konjunkturprogramm 2009 von US-Präsidenten Barack Obama wurde damals von Summers getragen und war im Umfang viel zu klein, um die wirtschaftlichen Wogen nach der GFC (Global Financial Crisis) richtig nachhaltig zu glätten.


Die US-Wirtschaft ist seit 1980 meist unter ihrem Potenzial gewachsen, Graph: Bloomberg, Febr 09, 2021

Montag, 1. Februar 2021

Exportismus

Buchbesprechung

Andreas Nölke: „Exportismus – Die deutsche Droge“, Westend Verlag, Frankfurt, Februar 01, 2021

Man kann es drehen und wenden wie man will: Die deutsche Wirtschaft ist viel stärker von Exporten geprägt als alle anderen Volkswirtschaften vergleichbarer Grösse.

Wenn man die deutsche Ökonomie verstehen will, führt kein Weg daran vorbei, die Exportlastigkeit der deutschen Wirtschaft unter die Lupe zu nehmen, wie Andreas Nölke in seinem neulich vorgelegten Buch beschreibt.

Obwohl Berlin im internationalen Vergleich mit einem umfangreichen Konjunkturpaket auf die Pandemie reagiert hat, ist die deutsche Wirtschaftsleistung im 2Q2020 infolge der Corona-Krise signifikant eingebrochen.

Nölke argumentiert, dass die Ursache für den starken Einsturz der deutschen Wirtschaft eindeutig die Krise des Exportsektors ist.

Die Exportorientierung einer Wirtschaft wird konventionell durch die Exportquote (das Verhältnis der Ausfuhren zum BIP) gemessen. Weitere Kriterien sind z.B. der von der Bertelsmann Stiftung zusammengestellte „Aussenhandels-Abhängigkeitsindex“ und der vom Wirtschaftsministerium dokumentierte „Offenheitsgrad“. Entscheidend ist aber auch der Anteil der Arbeitsplätze, die insgesamt vom Export abhängen.

Freitag, 29. Januar 2021

Wie bringt der Staat mehr Geld in die Wirtschaft

Wie Stories die Aktienmärkte antreiben, beobachten wir heute in aller Deutlichkeit an der Kursentwicklung der GameStop Aktie, die ja in diesen Tagen in aller Munde ist.

Prof. Robert Shiller nennt es im Allgemeinen «narrative psychology». Populäre Narrative sind wesentliche Treiber der Motivation, argumentiert der an der Yale University in den USA forschende Ökonom weiter.

Menschen sind geneigt, Narrative zu sehen. Wenn es zum Beispiel um die Wirtschaft geht, dominieren die Erzählung von Geschichten (story telling) und mächtige Narrative unsere Wahrnehmung der Realität. 

Das gegenwärtig auffällige Narrativ im Sozial-Media beinhaltet den Hinweis auf die «Hyperinflation» und das «Gelddrucken» durch die Zentralbanken. Häufig wird dabei die Abbildung, die den Anstieg der Bilanzsumme der Fed (oder der EZB) zeigt, als Indikator herangezogen.

Erstens gilt es festzuhalten, dass es nicht die Fed ist, die das Geld druckt, sondern, wenn schon, das US-Schatzamt (US Treasury).

Zweitens: was die Fed mit der QE-Politik vollzieht, ist, ein Austausch (swap) von Vermögenswerten (assets), mit längeren (Kauf) versus kürzeren (Verkauf) Laufzeiten.


Bilanzsumme der Zentralbanken (jährliche Veränderung); weiss: Fed, blau: EZB, gelb: BoJ und lila: BoE, Graph: Bloomberg TV, Jan 27, 2021


Dienstag, 26. Januar 2021

Zentralbanken und Fiskalpolitik

Zentralbanken haben im Sog des schweren Nachfrage-Schocks, der durch die Pandemie ausgelöst wurde, explizit versprochen, an der lockeren Geldpolitik bis weit in einen Aufschwung nach der COVID19 Krise festzuhalten.

Die Strategie ist klar und durchdacht: Die Volatilität des Anleihemarktes auszublenden und die Kreditaufnahme so billig wie noch nie zu machen, um das Sparen zu verhindern und Investitionen zu fördern. 

Die Hoffnung: Billiges Geld veranlasst Unternehmen zu Investitionen und Einstellungen, da steigende Vermögenspreise die Menschen zuversichtlicher und ausgabefreudiger machen.

Der zyklische Schaden durch die Pandemie (Umsatzverluste) betrifft einige, aber nicht alle Unternehmen. Da dies einem traditionellen Wirtschaftszyklus ähnelt, haben die Zentralbanker mit der Geldpolitik ohne Zweifel einen gewissen Einfluss. 

Die strukturellen Veränderungen in der Weltwirtschaft hingegen sind eher eine Sache der Fiskalpolitik, wie Paul Donovan von der UBS darlegt.



Die Bilanzsumme der Zentralbanken, der EZB, Fed und der BoJ, Graph: Bloomberg Quint, Jan 25, 2021