Montag, 11. August 2014

Inflation im Euro-Raum fällt und fällt

Am Donnerstag wird das Statistische Amt der Europäischen Union (EU), kurz eurostat den harmonisierten Verbraucherindex (HICP) im Euro-Raum bekannt geben.

Im Vorfeld spricht die folgende Abbildung Bände: Inflationserwartungen (gemessen an 10-Jahres Break-even Sätzen) nähern sich dem Niveau von 2008.


Inflationserwartungen im Euro-Raum (gemessen an Break-even Sätzen), Graph: Morgan Stanley

Markt ist nicht immer zauberhaft

In der aktuellen Ausgabe von Times Magazine porträtiert Robert Draper junge libertäre Menschen und fragt, ob wir uns möglicherweise auf einen „libetarian moment“ bewegen.

Wahrscheinlich nicht, bemerkt Paul Krugman in seiner lesenswerten Kolumne („Phosphorus and Freedom“) am Montag in NYTimes dazu. Umfragen zufolge neigen junge Amerikaner dazu, wenn überhaupt, Argumente zugunsten eines grösseren Staates zu unterstützen, mehr als ihre ältesten, erklärt der am Graduierten Zentrum der City University of New York (CUNY) lehrende Wirtschaftsprofessor.

Krugman stellt jedoch eine andere Frage: Ist libertarian economics überhaupt realistisch?

Die Antwort ist nein, so der im Luxembourg Income Study Center forschende Ökonom: „Der Grund lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Phosphor“.

Vielleicht haben Sie gehört, dass Toledo seine Bewohner neulich davor gewarnt hat, das Wasser zu trinken. Warum? Verunreinigung durch giftige Algenblüten im Erie See, weitgehend verursacht durch das Schmelzwasser des Phosphors aus Farmen.

Als Krugman die Nachricht gelesen hat, sei ihm das Ganze etwas bekannt vorgekommen: Vergangene Woche sprachen viele republikanische Schwergewichte auf einer Konferenz, die vom Blog Red State gesponsert wurde.

Sonntag, 10. August 2014

Europa vor Stagnation und Deflation

Es war der Verfolgunswahn von Inflation, der die EZB veranlasst hat, im April und dann im Juli 2011 mitten einer Rezession die Zinsen in der Euro-Zone zu erhöhen, anstatt zu senken.

Die dogmatisch geprägte Diagnose, wonach die Schuldner-Länder über ihre Verhältnisse gelebt hätten, hat dann die Austeritätspolitik hervorgebracht. Der von Brüssel und Berlin verordnete Sparkurs durch Lohnkürzungen an der EU-Peripherie und die Ausgabensenkung der öffentlichen Hand im Allgemeinen hat die bereits schwer angeschlagene Wirtschaft weiter getrübt.

Wo es kein Wachstum gibt, können Staatsschulden nicht abgebaut werden. Zumal nicht die Schulden, sondern die Ungleichgewichte im Aussenhandel die Ursache der Euro-Krise sind.

Keynesianisch inspirierte Ökonomen haben von Anfang an vorausgesagt, dass die Euro-Zone mit Stagnation und Deflation konfrontiert werde, wenn die angebotsorientierte Konzeption fortgesetzt würde.


Inflation im Euro-Raum, Graph: Morgan Stanley

Samstag, 9. August 2014

Warum Verbraucherausgaben sich so schwach entwickeln

Wenn man bedenkt, dass der private Verbrauch rund 70% der Wirtschaftsleistung (BIP) ausmacht, ist es unschwer, sich auszumalen, welche Rolle die Konsumausgaben in Bezug auf die verhaltene konjunkturelle Dynamik der Expansion nach dem technischen Ende der Rezession in den USA  spielen.

Auch wenn die Verbraucherausgaben in den vergangenen Quartalen etwas stärker gestiegen sind, verläuft die Entwicklung im Vergleich zu vorhergegangenen Expansionen noch sehr schwach.

In einem aktuellen Beitrag in Liberty Street Economics, dem Blog von New York Fed zeigt Jonathan McMarthy den Verlauf der Konsumausgaben geteilt in zwei Kategorien: (1) diskretionäre und (2) nicht-diskretionäre Ausgaben.

Die sog dicretionary Konsumausgaben sind in den vergangenen Quartalen spürbar gestiegen. Die non-discretionary Konsumausgaben hingegen bleiben hinter dem Höhepunkt vor der Rezession zurück.




Real Discretionary Services PCE in Erholungsphasen der Konjunktur, Graph: Jonathan McMarthy in: Liberty Street Economics, New York Fed

Freitag, 8. August 2014

Ungleichheit beeinträchtigt Wirtschaftswachstum

Seit mehr als drei Jahrzehnten hat jeder, der in der amerikanischen Politik etwas zu sagen hat, der Ansicht zugestimmt, dass höhere Steuern für Reiche und verstärkte Sozialhilfe für Arme das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen.

Es gibt aber immer mehr neue Beweise dafür, dass die gesamte Prämisse dieser Debatte falsch war, betont Paul Krugman in seiner lesenswerten Kolumne („Inequality is a drag“) am Freitag in NYTimes.

Aktuelle Analysen kommen aus Orten wie z.B. dem Internationalen Währungsfonds (IWF), dass die starke Ungleichheit auf dem Wachstum lastet und dass die Umverteilung gut für die Wirtschaft ist.

Die neue Ansicht wird auch von Standard & Poor’s geteilt: Laut einer letzte Woche vorgelegten Analyse gilt hohe Ungleichheit als Wachstumshindernis.

Wie ist es aber möglich? Verringern die Besteuerung der Reichen und die Handreichung für die Arme nicht den Anreiz, Geld zu verdienen? Nun, ja, es ist so, dass extreme Ungleichheit vielen Menschen die Chance beraubt, sich selbst zu erfüllen.

Man denke darüber nach: Haben talentierte Kinder in amerikanischen Familien mit geringerem Einkommen die gleiche Chance, die richtige Ausbildung zu bekommen, um die richtige Karriere einzuschlagen, um höher auf der Leiter zu kommen? Natürlich nicht. Extreme Ungleichheit bedeutet eine Verschwendung von Human Ressourcen, so der am Graduierten Zentrum der City University of New Work (CUNY) lehrende Wirtschaftsprofessor.

Donnerstag, 7. August 2014

Konsumentenpreise fallen in der Schweiz weiter

In der Schweiz ist der Index für Verbraucherpreise (CPI) im Juli 2014 gegenüber dem Vormonat um 0,4% gesunken. Verglichen mit Jahresraten blieb die Teuerung unverändert.

Bemerkenswert ist, dass die Importpreise im Juli gegenüber dem Vormonat um 1,1% gefallen sind. Innert Jahresfrist ist der Import-Preisindex um 0,7% zurückgegangen.

Während der Schweizer Franken (CHF) sich gegenüber dem USD seit Mai abschwächt, bleibt die Niedriginflation („lowflation“) das grösste Risiko aus Sicht der Schweizer Volkswirtschaft.

Sollte es zu Deflation kommen, müsste die SNB mit weiteren unkonventionellen Massnahmen reagieren. Solange deflationäre Risiken bestehen bleiben, dürfte die SNB am aktuellen Kurs der Geldpolitik festhalten. Das heisst u.a., dass auch am Mindestwechselkurs von 1,20 CHF per EUR (EUR/CHF floor) nicht gerüttelt wird.

Deflationsrisiken könnten v.a. aus dem Euro-Raum überschwappen (spillover effects). Deshalb gilt es, die Entwicklung des Import-Preisindex aufmerksam zu beobachten.



Inflation schwankt in der Schweiz um die Null-Grenze, Graph: ZKB in DMO

Mittwoch, 6. August 2014

Warum ist die Erholung der Wirtschaft so schwach?

Josh Bivens liefert in einem lesenswerten Beitrag im EPI Blog die folgende Abbildung, um zu zeigen, warum die Erholung von der Great Recession so schwach ist.

Die Antwort: Der Kürzung der Staatsausgaben.

Das heisst, dass die Austeritätspolitik für die schwache Erholung der Wirtschaft weithin verantwortlich ist.

Wie in der Abbildung zu sehen ist, sind die Staatsausgaben in den bisherigen Rezessionen (bis auf die aktuelle Great Recession) in der ersten Hälfte der Erholung tendenziell gestiegen.

Das Augenmerk richtet Bivens dem Tiefstpunkt der Konjunktur, wo er den Index für die Gestaltung der Abbildung "100" setzt. 

Auf der rechten Seite der Grafik sieht man die Entwicklung der Staatsausgaben über die Erholungsphase der Konjunktur. Auf der linken Seite der Grafik beobachtet man die Entwicklung der Staatsausgaben über die Rezession-Phase der Konjunktur.



Der Verlauf der US-Staatsausgaben während Konjunkturschwankungen der US-Wirtschaft, Graph: Josh Bivens in EPI Economic Policy Institute