Dienstag, 21. August 2012

Israels Wirtschaftsleistung steigt um 3,2 Prozent


Die Wirtschaftsleistung ist in Israel im zweiten Quartal um 3,2% gestiegen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im ersten Quartal um 2,8% gewachsen. Die wichtigsten Wachstumstreiber waren der private Verbrauch (+5,4%) und Ausfuhren (+10,3%), während Invesitionen (-1,1%) und Einfuhren (-9,3%) zurückgingen.

Morgan Stanley rechnet mit einem Wirtschaftswachstum um 2,5% für das gesamte Jahr 2012. Die Inflation (1,4%) dürfte auf kurze Sicht wegen Steuererhöhungen (*) etwas ansteigen. Die restriktive Fiskalpolitik, die das Haushaltsdefizit unter Kontrolle (4% des BIP) hält, lastet aber auf Wirtschaftswachstum.


Israel Wirtschaftswachstum, BIP-Komponenten, Graph: Tevfik Aksoy, Morgan Stanley

Kerninflation bleibt in der Schweiz anhaltend negativ


Die Kerninflation verharrt in der Schweiz den 10. Monat in Folge negativ. Im Juli belief sich die Inflation (ohne frische und saisonale Produkte, Energie und Treibstoffe) auf Minus 1,0%.

Wie dem von der SNB heute vorgelegten Monatsheft (August 2012) zu entnehmen ist, blieb der getrimmte Mittelwert (TM15), der wie die Kerninflation ein geeigneteres Bild der Entwicklung der allgemeinen Inflation liefert, unverändert. Der TM15 hat davor 5 Monate in Folge einen negativen Wert von jeweils Minus 0,1% verbucht.

Die Abschwächung der relativen Stärke der deflationären Tendenz deutet darauf hin, wie wichtig die Aufrechterhaltung des Mindestkurses von 1.20 Franken pro Euro durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) ist. Gemeint ist  damit der auslaufende Basiseffekt der starken Aufwertung des Frankens vom vergangenen Sommer.

Da die am Konsumentenpreisindex gemessene Teuerung kurzfristigen Schwankungen unterliegt, ist es wichtig, den Verlauf der Kerninflation im Auge zu behalten.

Gemessen am Landesindex der Verbraucherpreise (CPI) betrug der Preisrückgang in der Schweiz im Juli innert Jahresfrist Minus 0,7% (Vormonat: -1,1%).


Schweiz: Kerninflation und der getrimmte Mittelwert, Graph: ACEMAXX ANALYTICS


Source: SNB Monthly Statistical Bulletin, August 2012


PS: Der vorübergehende Anstieg der Teuerung im März 2011 ist im Wesentlichen auf einen Sondereffekt aufgrund eines höheren Erhebungsrhythmus der Preise für Bekleidung und Schuhe zurückzuführen.

Eine unethische Kommentierung über die Gesundheitsreform


Was ist mit Niall Ferguson los? Der konservative britische Historiker fordert in einem wunderlichen Artikel („Obama’s Gotta Go“) in Newsweek Magazine, dass Präsident Obama gefeuert wird.

Ferguson lag bisher praktisch mit allen seinen Prognosen im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung falsch. Der an der Harvard University lehrende Professor hat zum Beispiel im Sommer 2009 angekündigt, dass der Bond-Markt Anzeichen des Widerstands (Bond Vigilantes) gegen das massive Haushaltsdefizit zeige. Seine Einschätzung hat vollkommen fehlgeschlagen. Die Zinskosten für die öffentliche Hand sind signifikant gefallen, obwohl die Kreditwürdigkeit der USA inzwischen durch die Rating-Agenturen gesenkt worden ist.

Im Februar 2010 hat Ferguson in einem Artikel („A Greek crisis is coming to America“) in FT behauptet, dass die Griechenland-Krise auf die USA überschwappe.

Er hat im Mai 2011 vor einem massiven Anstieg der Inflation gewarnt. Er hat erklärt, dass die Ära der zweistellinge Inflation zurückkomme. Die Inflation liegt heute deutlich tiefer.

Paul Krugman schreibt in seinem Blog, dass der oben erwähnte aktuelle Artikel von Ferguson mehrere Fehler und Verdrehungen enthalte. Newsweek scheint kein fact-checking durchzuführen, bemerkt der an der University of Princeton lehrende Wirtschaftsprofessor.

SNB und die Feuerkraft der EZB


Die EZB erwägt den Kauf von Staatsanleihen, sobald die Risikoaufschläge der betroffenen Schuldtitel ein bestimmtes Niveau überschreiten. Der EZB-Rat werde das „Zinsziel“ laut dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel (via Reuters) in der kommenden Sitzung Anfang September besprechen.

Das deutsche Finanzministerium hat sich bereits gegen die Festlegung eines „Zinsziels“ durch die EZB ausgesprochen. Auch die Bundesbank kritisiert Mario Draghis Kurs, unbeschränkt Staatsanleihen aufzukaufen, um den Euro zu erhalten. EZB-Präsident will notfalls mit voller Feuerkraft am Markt intervenieren, um Spekulanten abzuschrecken.

Die Festlegung einer Untergrenze (floor) für den Preis der Staatsanleihen von z.B. Spanien und Italien ist genau die Art und Weise, wie die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Mindestkurs von Franken 1.20 pro Euro handhabt. Die Ankündigung einer bestimmten Obergrenze (cap) für die Spreads von spanischen und italienischen Staatspapieren gegenüber deutschen Staatsanleihen um z.B. 300 Basispunkte, wie Prof. Paul De Grauwe vorschlägt, wäre vollkommen glaubwürdig.

Die EZB müsste sich bereit erklären, die Festlegung dieses Risikoaufschlags der spanischen und italienischen Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen mit vergleichbarer Laufzeit mit aller Konsequenz durchzusetzen und unbeschränkt Staatsanleihen zu kaufen.

Montag, 20. August 2012

Ryans Haushaltsplan ist ein Witz


Mitt Romneys Wahl zu Gunsten von Paul Ryan als runnig mate (Vize-Präsidentschaftskandidat) hat eine Reihe von Anerkennung durch einige Experten ausgelöst. Aber Ryanomics ist und war immer ein Trickbetrug (con game), schreibt Paul Krugman in seiner lesenswerten Kolumne („An Unserious Man“) am Montag in NY Times.

Was ist aber der Ryan-Plan tatsächlich? Wenn wir Ryans konkrete Vorschläge zusammenaddieren, ergeben sich Steuersenkungen in Höhe von 4‘300 Mrd. $, zum Teil ausgeglichen durch Ausgabensenkungen in Höhe von 1‘700 Mrd. $. Von den Steuersenkungen profiert – überraschenderweise- Top 1% überproportional, während die Ausgabenkürzungen auf Kosten von Familien mit niedrigen Einkommen gehen. Insgesamt käme es auf diese Weise zu einem Anstieg des Haushaltsdefizits um rund 2‘500 Mrd. $, hält Krugman fest.

Doch Ryan behauptet, dass er ein fiskalpolitischer Falke (deficit hawk) sei. Was ist die Grundlage für diese Behauptung? Nun, er sagt, dass er die Steuersenkungen durch den Abbau von Steuerabzügen ausgleichen würde, um entgangene Einnahmen wieder wettzumachen. Welche Steuernachlässe würde Ryan abschaffen? Er weigert sich, diese zu nennen. Es ist praktisch unmöglich, solche Einnahmen auf der Skala, die er einfordert, zu realisieren.

Gleichzeitig behauptet Ryan, dass die Ausgaben kräftig kürzen will. Was will er kürzen? Er weigert sich, Einzelheiten zu nennen. Was Ryan tatsächlich unterbreitet, sind spezifische Vorschläge, die das Haushaltsdefizit kräftig steigern würden. Plus die Behauptung, dass er geheime Pläne im Hinblick auf die Steuern und Ausgaben, was seinen Gesamtplan in Defizitabbau verwandeln soll.

Sonntag, 19. August 2012

SNB and the minimum exchange rate


The problems in euro area continue to exacerbate SNB’s monetary policy and to weigh on the Swiss economy. The question of whether the maintenance of the minimum price of CHF 1.20 per euro is justified, is still a topic in Switzerland as well as abroad.

The Swiss National Bank (SNB) wants to maintain the minimum exchange rate of CHF 1.20 per euro and enforce it with the utmost determination. According to its own inflations the SNB remains prepared to buy foreign currency in unlimited quantities for this purpose.

The SNB introduced a floor to the EUR/CHF exchange rate at 1.20 on 6th September 2011. Since then the maintenance of minimum exchange rate per euro seems justified for the following reasons:

(1) There is no inflation risk. The annual inflation rate has been in negative territory since the fourth quarter of 2011. The SNB forecast shows an inflation rate of -0.5% for 2012. For 2013 the SNB is expecting inflation of 0.3% and for 2014 of 0.6%.

(2) Switzerland’s foreign exchange reserves rose to a record level. The foreign currency reserves make up now with total 365 billion CHF ($374 billion) around 70% des GDP. But there is no theoretical limit to the amount of foreign currency reserves. The rate is 90% for Singapore and 120% for Hong Kong.

(3) The SNB is able to diversify its reserves. In order to diversity its investments the SNB included Australian and Singapore dollars as well as Swedish krona and Danish krone in its investment portfolio. Since the first quarter of 2012 the SNB has also been investing in Korean won. Furthermore the SNB is evaluating additional investment opportunities both for bonds and for shares.


Export-weighted external value of Swiss franc, Graph: SNB in Quarterly Bulletin, June 2/2012

Samstag, 18. August 2012

Ryan-Plan: Die ersten zehn Jahre


Paul Krugman setzt in seinem Blog seine Analyse des sog. Ryan-Plans fort. Heute wirft der an der University of Princeton lehrende Wirtschaftsprofessor einen näheren Blick darauf, wie die tatsächlichen Versprechungen des Plans (im Gegensatz zu vagen Vorhaben) in den ersten 10 Jahren aussehen.

Erstens gibt es eine Reihe von Steuersenkungen für höhere Einkommensschichten und Konzerne. Tax Policy Center schätzt die Kosten für diese Steuersenkungen (im Vergleich zum gegenwärtigen System) auf 4‘300 Mrd. $.

Zweitens gibt es Ausgabenkürzungen. Rund 800 Mrd. $ kommen daher, dass Medicaid (staatlicher Gesundheitsdienst für arme Leute) in ein Block Grant verwandelt wird, was nur mit Bevölkerung und Gesamtinflation wächst: ein grosser Schnitt im Vergleich mit Projektionen, die mit steigenden Kosten des Gesundheitswesens  und einer altenden Bevölkerung in Rechnung gezogen werden, da ältere und behinderte Menschen die meisten der Medicaid Kosten ausmachen.

Eine weitere 130 Mrd. $ kommt von etwas ähnlichem wie Essensmarken. Dann gibt es Kleinigkeiten (Reste): Studienzuschüsse, Job-Training. Alle diese spezifischen Schnitte belaufen sich auf 1‘000 Mrd. $.

Ausserdem sollten Kostensenkungen in Höhe von 700 Mrd. $ in Medicare dazu gerechnet werden, die Ryan in Obamacare anprangert, aber dennoch in seinen Plan einbezieht.



62% der vorgeschlagenen Kürzungen im Ryan-Plan kommen aus Programmen für einkommensschwache Menschen (Medicaid, Studienzuschüsse, Essensmarken, Job Training), Graph: CBPP: Center on Budget and Policy Priorities