Sonntag, 21. Januar 2024

Bidenomics vs. Deutschlands Sparideologie

Sick Man of Europe - Do Davos Meetings matter? 


Goldman Sachs Research Team geht davon aus, dass das real verfügbare Einkommen in den USA wieder kräftig wachsen wird.

Der größte Teil stammt aus Zuwächsen beim Arbeitseinkommen, die größtenteils das alltägliche Potenzialwachstum in einer Wirtschaft mit wachsender Erwerbsbevölkerung und steigender Produktivität widerspiegeln, die wiederum tendenziell die Reallöhne in etwa eins zu eins in höhere Verbraucherausgaben umsetzen lassen dürften.


Das real verfügbare Einkommen wieder voraussichtlich wieder kräftig wachsen. 2024: +4% und 2025: +3%, Graph: Goldman Sachs, Jan 2024.

Montag, 8. Januar 2024

Der ausgeglichene Haushalt als Fetisch

Balanced-Budget Rule as Fetish

Germany’s Thrifty “Swabian Housewife” Narrative as Degradation of Women’s Economic Competence


Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Schuldenbremse sich prozyklisch entfaltet. Das heisst, dass sie wirtschaftliche Abschwünge verschärfen kann, was auch die praktische Erfahrung belegt.

Während wirtschaftlicher Abschwünge kann die Regel Sparmaßnahmen («austerity») erfordern, die die Staatsausgaben reduzieren und den Deflationsdruck möglicherweise verstärken.

Es macht insbesondere in der gegenwärtig stagnierenden Wirtschaft keinen Sinn, Schuldenbremse als Inflationsbremse anzupreisen, wie der deutsche Finanzminister sie in diesen Tagen der Öffentlichkeit unermüdlich vorträgt.

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, dass Deutschland mit einem dringenden Bedarf an öffentlichen Investitionen in den wirtschaftlichen Umbau konfrontiert ist. Und zwar seit einer langen Zeit.


Die realen Investitionen und das Vertrauen in die Investitionen in der Eurozone scheinen völlig am Boden zu liegen, was angesichts der "Schuldenbremse"-Manie und der Sparpolitik der EZB kein Wunder ist, Graph: JPMorgan AM, Jan 05, 2024


Dienstag, 2. Januar 2024

Carry Trades 2023

FX Gambler versus Poor Emerging Markets


Der transitorische Preisschub, ausgelöst durch die Störungen in den globalen Lieferketten, bedingt durch die COVID19 Pandemie, hat sicherlich die Nerven blank liegen lassen.

Prof. James K. Galbraith nennt es den «Fetisch der Fed-Anbetung», wenn Mainstream-Ökonomen den Rückgang der vorübergehenden Inflation in Folge der (unnötig) restriktiven Geldpolitik der Fed und der EZB gutschreiben.

"Wir haben keine Beweise dafür, dass die Geldpolitik irgendeinen signifikanten Einfluss auf den Kurs der Preise hatte - jedenfalls nicht vor dem Wendepunkt im Juni 2022 und auch nicht danach."

Der langen Rede kurzer Sinn:

Das eigentliche Problem besteht darin, dass die meisten der heute führenden Mainstream-Ökonomen in den 1970er Jahren ausgebildet wurden.

Rückblickend lässt sich festhalten, dass die Zinssätze, die in verschiedenen Ländern auseinander klafften, 2023 eine Gelegenheit für die so genannten "Carry Trades" boten. 

Die Idee ist, einen Kredit in einem Land mit niedrigen Zinsen aufzunehmen und das Geld in einer Währung zu parken, in der es eine höhere Rendite bringt. 


Carry Trades 2023: Wie 100 Dollar, die in Yen geliehen und in Real oder Pesos eingezahlt wurden, gewachsen wären, Graph: John Authers, Bloomberg, Dec 29, 2023


Donnerstag, 28. Dezember 2023

Wealth Supremacy

Buchbesprechung

Marjorie Kelly: Wealth Supremacy - How the Extractive Economy and the Biased Rules of Capitalism Drive Today’s Crises, Berrett-Koehler Publishers, October 2023, Oakland, Canada.


Marjorie Kelly zeigt mit einer aussagekräftigen Analyse auf, wie die verborgene Kraft, die Voreingenommenheit, die die unendliche Gewinnung von Reichtum für die Wohlhabenden institutionalisiert, auch wenn dies für viele Menschen Stagnation oder Verluste bedeutet, viele der Krisen unserer Zeit antreibt.

Angesichts der jahrzehntelangen Desinvestition und Verarmung enthüllt die Darstellung der Autorin sicherlich auch eine schmerzliche Wahrheit für den Euroraum.

Die einseitige Ausrichtung auf (ökonomisch irrsinnigen) fiskalische Regeln a la Maastricht und die Schuldenbremse, aufoktroyiert von Berlin, die in die Struktur des europäischen Währungsraums eingewoben ist, schadet ohne Zweifel den Menschen, der Wirtschaft und dem Planeten.

Es geht darum, die Situation als Notlage zu erkennen, nicht nur die Notlage des Klimawandels und der Polykrise, sondern den Notfall der «financialization» (Finanzialisierung) und das unablässige Problem einer zu großen finanziellen Extraktion.

Dienstag, 26. Dezember 2023

Fed versus EZB - Beschäftigung versus Unterbeschäftigung

Fed’s Dovish Shift and Unchanged Deficit in 2024

ECB’s Focus on the Narrative “Last Mile”


Der von der US-Notenbank bevorzugte Inflationsindex, der Preisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE Index), sank im November um 0,1 % gegenüber dem Vormonat. 

Dies ist der erste Rückgang seit April 2020, teilte das Handelsministerium am Freitag mit. Die Preise stiegen im Jahresvergleich um 2,6% und waren damit nicht weit von der Zielvorgabe der Fed von 2% entfernt.


Die Preise in den USD fielen zum ersten Mal seit April 2020, da der PCE-Index, das bevorzugte Inflationsmaß der Fed, im Vergleich zum letzten Monat um 0,1 % fiel, Graph: Yahoo Finance, Dec 23, 2023 

Freitag, 15. Dezember 2023

Europas Sparkurs als Sackgasse

Europe’s Austerity Ideology as “cul-de-sac”

US-Industrial Policy and Economic Growth 


Die jüngste Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA auf «AA+» hat den Anlegern keine neuen Informationen in Sachen Finanz-Politik geliefert. Das ist eindeutig.

Und die Auswirkungen auf die Treasury-Märkte waren überschaubar.

Was sagt aber ein angemessener Einblick in den aktuellen und zukünftigen Zustand der finanziellen Gesundheit der öffentlichen Hand Amerikas aus?

Das Verhältnis von Zinsen zu Einnahmen in den USA wird laut Goldman Sachs Research bis 2025 voraussichtlich 10% erreichen, gegenüber nur 2,8 % für das Land mit dem Durchschnittsrating «AA» und 1 % für das Land mit dem Durchschnittsrating «AAA».

Ein Grund zur Sorge?

Nein. 


Die derzeitige Situation der Schuldentragfähigkeit der USA ist weder eine unmittelbare noch eine langfristige Bedrohung. Die Stärke der USA als globale Wirtschaftsmacht festigt ihre Glaubwürdigkeit und ihr endgültiges Versprechen, die Schulden zurückzuzahlen, Graph: Goldman Sachs, Dec 13, 2023.

Freitag, 8. Dezember 2023

«Higher-for-Longer» Narrativ und Ergodicity in Economics

A Fancy Story Telling by Global Central Banks


Die Fed und die EZB sagen uns ostentativ, dass die Zinsentscheidungen zunehmend datenabhängig sein werden. 

Unabhängig davon, was genau die Fed und die EZB damit meinen, kann festgehalten werden, dass die Wirtschaftsdaten nicht ergodisch sind.

Die Ergodizität («ergodicity») ist eine zentrale Annahme des Denkens des neunzehnten Jahrhunderts, ein mathematisches Konzept der Stabilität. 

Als eine Schlüsselannahme in den Naturwissenschaften besagt sie, dass wir durch wiederholte Experimente oder die Beobachtung derselben Phänomene im Laufe der Zeit die Naturgesetze lernen. Alles, was wir brauchen, sind genügend Beobachtungen. 

Deutschland hinkt seit Jahren bei den öffentlichen Investitionen hinterher und dürfte schneller als viele andere Länder des Euroraums zu einer strafferen Finanzpolitik zurückkehren. Der jüngste Schlag (Entscheid des Bundesverfassungsgerichts zum Zweiten Nachtragshaushaltsgesetz) wird die Sache nur noch schlimmer machen, Graph: Nordea Markets, Dec 02, 2023