Samstag, 16. August 2014

Was bedeuet eine dauerhaft unter dem Zielwert der Zentralbank liegende Inflationsrate?

Narayana Kocherlakota, Präsident der Minneapolis Fed hat gestern  in einem beachtenswerten Referat betont, dass es die Aufgabe des geldpolitischen Ausschusses (FOMC) der US-Notenbank (Fed) ist, die Geldpolitik so zu gestalten, dass sowohl die Preisstabilität als auch die maximale Beschäftigung gefördert werden.

Das Ziel der Preisstabilität wird in Form einer Inflationsrate von 2% pro Jahr festgelegt. Der Bezugsrahmen ist der PCE Price Index.

Der Index der persönlichen Ausgaben beläuft sich nach aktuellen Daten auf 1,6%. Das ist ein Wert unterhalb des von der Fed angestrebten Zielwertes von 2 Prozent. In den vergangenen 6 1/2 Jahren seit dem Ausbruch der Rezession betrug die Inflationsrate im Durchschnitt 1,6%. Und die Erwartungen deuten an, dass die Inflation noch einige Zeit niedrig verlaufen wird.

Der ewig anhaltende Konjunktureinbruch in Europa

Es ist kaum zu glauben, dass nach dem Fall von Lehman Brothers, der zu der schlimmsten Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren geführt hat, fast sechs Jahre vergangen sind.

Die Erholung der Wirtschaft ist aber noch lange nicht abgeschlossen und die falsche Politik könnte die schwächelnde Wirtschaft noch in eine mehr oder weniger dauerhafte Depression verwandeln, hebt Paul Krugman in seiner lesenswerten Kolumne („The Forever Slump“) am Freitag in NYTimes hervor.

In der Tat ist das, was sich zur Zeit in Europa abspielt. Und der Rest von uns sollte von Europas Erfahrung lernen, argumentiert der am Graduierten Zentrum der City University of New York (CUNY) lehrende Wirtschaftsprofessor.

Europäische Beamte umarmen heute eifrig bereits diskreditierte Doktrinen, die angeblich Sparmassnahmen (fiscal austerity) rechtfertigen, auch in einer schwer angeschlagenen (depression) Wirtschaft. Eigentlich hat auch Amerika de facto eine Menge Sparpolitik betrieben, durch Zwangskürzungen im Haushalt (sequester) und  Ausgabenkürzungen auf der bundesstaatlichen und lokalen Ebene.

Die EZB ist nicht nur daran gescheitert, wie die Fed Staatsanleihen am Markt anzukaufen, sondern zudem auch die Zinsen im Jahr 2011 erhöht, um ein imaginäres Risiko von Inflation abzuwenden, erläutert der in der CUNY angegliederten Luxembourg Income Study Center forschende Ökonom weiter.

Goldstandard ist keine Garantie für Preisstabilität

Es gibt eine stehende Redewendung, dass die Fed aus dem Nichts Geld („out of thin air“) schaffen kann. Auch bekannt ist, dass die Gegner des Fiat-Money-System sich daher die Rückkehr der USA zum Goldstandard wünschen, damit die Fed nicht nach Belieben Geld schöpfen kann.

Die Phare „Geldschöpfung aus dem Nichts“ bezieht sich auf die Fähigkeit der US-Notenbank zu nahezu Null-Kosten Geld zu schaffen, erklärt David Andolfatto in einem lesenswerten Beitrag im Blog (“On the Economy”) der St. Louis Fed.

Es wird häufig behauptet, dass solch eine Fähigkeit zwangsläufig zu „zu viel Inflation“ führt. Unter einem Goldstandard sei die Versuchung zu Mehr-Inflation angeblich nicht vorhanden. Daher gilt es, so die Ansicht, dass das Gold nicht aus dem Nichts geschaffen werden kann.  Daraus folgt, dass eine Rückkehr zu einem Goldstandard die einzige Möglichkeit sei, Preisniveau-Stabilität zu gewährleisten.

Ein Goldstandard ist laut Andolfatto leider keine Garantie für die Preisstabilität. Es ist einfach ein Versprechen aus dem Nichts, um die Geldmenge in Bezug auf das Goldangebot verankert zu halten, legt der Vice President der St. Louis Fed dar.

Zu prüfen, wie dünn so ein Versprechen sein kann, stelle man sich das folgende Beispiel vor: Am 5. April 1933 hat Präsident Franklin D. Roosevelt das Goldbesitzverbot (gültig am dem 1. Mai) ausgesprochen: Alle Goldmünzen und Goldzertifikate von mehr als 100 USD (Wertgrenze) mussten zu einem Festpreis von 20,67 USD pro Unze bei staatlichen Stellen abgegeben werden, gegen Landeswährung.

Freitag, 15. August 2014

Warum ist die hohe und steigende Ungleichheit ein Problem?

Wenn wir über die Auswirkungen der Ungleichheit auf das Wirtschaftswachstum nachdenken, sollten wir mehr auf die Angebotsseite als auf die Nachfrageseite blicken, schreibt Alan Blinder in einem lesenswerten Artikel („The Supply-Side Case for Government Redistribution“) in WSJ.

Das ist ironisch. Die Fanfare für die angebotsseitige Wirtschaftspolitik seit den 1970er Jahren ist Steuersenkung für Reiche, in der Hoffnung (nicht aber durch Beweise unterstützt), dass die Vorteile einen „trickle-down“ auslösen.  

Heutzutage dürfte die beste angebotsseitige Wirtschaftspolitik darauf gerichtet sein, die Einkommensunterschiede zu verringern, so der an der Princeton University lehrende Wirtschaftsprofessor.

Man stelle sich vor:

Kinder, die arm aufwachsen, bekommen K-12 Ausbildung und werden wahrscheinlich nicht aufs College gehen. Sie werden ihre Talente nicht so umfassend entwickeln können wir die Kinder aus der mittleren und oberen Klasse der Gesellschaft. Kinder, die unterernährt aufwachsen, erreichen nicht ihr volles körperliches oder geistiges Potenzial. Kindern, die ohne genügenden Zugang zu medizinischer Versorgung aufwachsen, werden als Erwachsene weniger gesund und leistungsfähig sein.

Diese schlimmen Auswirkungen der Armut bleiben aber nicht auf die armen Länder beschränkt, so der Autor des BuchesAfter the Music Stopped: The Financial Crisis, the Repsonse and the Work Ahead“.

Donnerstag, 14. August 2014

Warum sind sich Ökonomen nicht einig, was die Krise ausgelöst hat?

Eine besondere Eigenschaft der Great Recession ist, dass die Ökonomen sich nicht einig sind, was die Krise verursacht hat. Der Mangel an einem Konsens unter den Volkswirten in Bezug auf die Ursache der Rezession gibt Anlass, über den gegenwärtigen Zustand der Makroökonomie als Wissenschaft nachzudenken.

Fragt man die Makroökonomen, was die Rezession nach der Finanzkrise von 2008 ausgelöst hat, bekommt man unterschiedliche Antworten. 

Einige argumentieren, dass die mangelhafte Regulierung des Finanzmarktes dafür verantwortlich ist. Andere wiederum sagen, dass die hohe Verschuldung der privaten Haushalte getrieben durch die stagnierende Einkommen der Mittelschicht die schwere Krise herbeigeführt hat. 

Manche hingegen vertreten die Ansicht, dass es die Schuld der US-Notenbank ist, die die Zinsen „zu lange zu niedrig“ gehalten und damit eine Immobilien-Blase ausgelöst hat. Andere sind der Meinung, dass die financial innovation, mit der versprochen wurde, die Risiken in verbrieften Derivaten-Produkten deutlich reduzieren zu lassen, völlig fehlgeschlagen hat. 

Es gibt aber auch andere Auffassungen, wonach der Staat die Schuld trage, weil die öffentliche Hand versucht habe, Haushalten mit geringeren Einkommen zu groszügig zum Wohnungseigentum zu verhelfen. 

Die Ökonomen sind sich nicht einmal einig, warum die Krise so stark ausgefallen ist. Die fehlende Vereinbarung über die genannten Fragen bereitet daher aus drei Gründen besondere Sorgen, erklärt Mark Thoma in einem lesenswerten Artikel in The Fiscal Times.

Mittwoch, 13. August 2014

Warum unternimmt die EZB weniger gegen Deflationsrisiken als die Fed?

Es gelingt der EZB nicht, im Euro-Raum die absinkenden Inflationserwartungen zu stoppen.

Die Inflation ist in Spanien innert Jahresfrist um 0,3% und im Vergleich zum Vormonat um 0,9% gesunken., wie die spanische Statistik-Behörde INE heute mitgeteilt hat.

In einem solch schnellen Tempo sind die Preise in der viert grössten Volkswirtschaft Europas seit 2009 nicht mehr gefallen. Die Kerninflation beträgt mittlerweile null Prozent.

Auch im nächsten Jahr wird die EZB das eigene Inflationsziel von 2% allem Anschein nach unterbieten. Während Griechenland und Portugal bereits unter Deflation leiden, und in Italien die Inflation um die Null-Linie schwankt, gerät die EZB immer stärker unter Druck, weitere Massnahmen gegen Deflationsrisiken zu ergreifen.

Der Ausblick sieht in der Tat düster aus: Die Industrieproduktion im Euro-Raum ist laut eurostat im Juni gegenüber Mai um 0,3% gefallen.



Der konjunkturbereinigte Haushaltssaldo USA versus EU, Graph: Prof. Paul Krugman

Dienstag, 12. August 2014

Droht Deutschland eine „Japanisierung“?

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft scheint sich  einzutrüben. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelte Konjunkturindikator hat sich seit über zwei Jahren nicht mehr so stark verdüstert.

Der achte Rückgang des Indikators in Folge deutet darauf hin, dass die gegenwärtigen Stimulus-Massnahmen der EZB nicht viel taugen, eine deflationäre Spirale im japanischen Stil zu hindern, wie Bloomberg berichtet.

Während Inflationserwartungen im Euro-Raum fallen, fällt auch die Rendite der deutschen Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit. Die Rendite der Germany Bunds beläuft sich zur Zeit auf 1.06 Prozent. Es kam heute sogar mit 1,023% zu einem Rekordtief. Die Staatspapiere mit 2 Jahren Laufzeit werfen mittlerweile eine negative Rendite ab: -0,008%.

Deutschland schickt sich an, dem „exklusiven Club“ der Nationen seit einem Jahrzehnt beizutreten, die sich das Geld für 10 Jahre für weniger als 1% borgen können. Die Schweiz ist das einzige Land unter 25 Industrienationen, wo die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihen derzeit unter 1% liegt.