Dienstag, 24. Juli 2012

Kerninflation verläuft in der Schweiz weiter negativ


Die Kerninflation verharrt in der Schweiz den 9. Monat in Folge negativ. Im Juni belief sich die Inflation (ohne frische und saisonale Produkte, Energie und Treibstoffe) auf Minus 1,2%.

Wie dem von der SNB gestern vorgelegten Monatsheft (July 2012) zu entnehmen ist, verbleibt auch der getrimmte Mittelwert (TM15), der wie die Kerninflation ein geeigneteres Bild der Entwicklung der allgemeinen Inflation liefert, unter der Null Marke: Minus 0,1%. Der TM15 verbucht damit den 5. Monat in Folge einen negativen Wert.

Die Schätzungen der Kerninflation sind nützlich, weil die am Konsumentenpreisindex (CPI) gemessene Teuerung kurzfristigen Schwankungen unterliegt.

Gemessen am Produzenten- und Importpreisindex betrug der Preisrückgang in der Schweiz im Mai 2012 innert Jahresfrist Minus 2,3%.


Schweiz: Kerninflation und der getrimmte Mittelwert, Graph: ACEMAXX ANALYTICS

PS: Der vorübergehende Anstieg der Teuerung im März 2011 ist im Wesentlichen auf einen Sondereffekt aufgrund eines höheren Erhebungsrhythmus der Preise für Bekleidung und Schuhe zurückzuführen.

Negative Realrenditen bedeuten keine Angst vor Haushaltsdefizit


Paul Krugman veranschaulicht in seinem Blog mit dem Hinweis auf die aktuellen Realrenditen der US-Staatsanleihen, dass die Investoren für jede Laufzeit unter 20 Jahren das US-Schatzamt bezahlen, ihnen das Geld abzunehmen.

Und der Preis für die Laufzeiten unter 10 Jahren ist besonders hoch.

Worum geht’s hier?

(1) Investoren sind über die Aussichten für die Realwirtschaft pessimistisch, was sie veranlasst, US-Staatspapiere als sicheren Hafen anzupeilen, auch bei sehr niedrigen Renditen.

(2) Es ist offensichtlich, dass die Investoren die US-Staatspapiere für sicher halten. Es gibt also keine Besorgnisse in Bezug auf die Höhe der Verschuldung der öffentlichen Hand und das Haushaltsdefizit.


Daily Treasury Real Yield Curve Rates, Graph: US Department of The Treasury

Montag, 23. Juli 2012

Die israelische Zentralbank behält Zinsen unverändert


Die Bank of Israel (BoI) hat heute den Benchmark-Zins bei 2,25% unverändert belassen.

Der Verbraucherpreis-Index (CPI) ist im Juni um 0,3% zurückgegangen. Die wichtigsten Faktoren, die dazu beigetragen haben, sind die Preisrückgänge in den Komponenten für Verkehr, Kommunikation und Energie, und der weniger als erwartete Anstieg der Komponenten im Wohnungswesen.

Die Inflation ist damit in diesem Monat annualisiert auf 1,0% zurückgefallen.

Die Entscheidung, die Zinsen auf 2,25% zu senken, steht im Einklang mit der Geldpolitik, die auf die Stabilisierung der Inflation innert Zielkorridor von 1-3% in den kommenden 12 Monaten ausgerichtet ist und dient der Förderung des Wachstums bei gleichzeitiger Wahrung der Finanzstabilität, erklärt die BoI.


Israel Staatsanleihen (10Jahre), Rendite, Graph: Bank of Israel

Was bedeutet „Fiscal Cliff“?


James Hamilton hebt in seinem Blog hervor, dass in Sachen Fiscal Cliff vorerst das Offensichtliche anerkannt werden soll: die USA sehen, was das fiskalpolitische Finanzvermögen betrifft, einem sehr schlimmen Problem gegenüber.

Eine aktuelle Analyse des CBO (Congressional Budget Office) zeigt die projizierten Staatsausgaben als Prozentsatz des BIP unter zwei Szenarien auf:

Das erweiterte Baseline-Szenario reflektiert die Annahme, dass das geltende Recht im Allgemeinen unverändert bleibt, sodass davon ausgegangen werden kann, dass die Gesetzgeber Änderungen nach dem gegenwärtigen Recht, die bereits eingeplant sind, zulassen werden, was Verzicht auf routinemässige Anpassungen bedeutet, die in der Vergangenheit zum Anstieg der Defizite geführt haben.

Das erweiterte alternative Fiskal-Szenario beinhalte die Annahme, dass bestimmte Richtlinien, die seit einigen Jahren bestehen, fortgesetzt werden und einige Bestimmungen des Gesetzes, die möglicherweise für einen längeren Zeitraum schwierig zum Aufrechterhalten sind, modifiziert werden, sodass sie beibehalten werden, was einige Analysten als „gegenwärtige Richtlinien“ bezeichnen, im Gegensatz zum geltenden Recht.


US-Staatsschulden, Graph: CBO in: “The 2012 Long-Term Budget Outlook”

Microfoundations für Makroökonomie?


(Nur für Streber)

Im Kern von Microfoundations steht im Grunde genommen eine scharfe Kritik am keynesianischen Ansatz. Kritiker prangen an, dass einige der Annahmen des Keynes-Modells mit der Standard Mikroökonomie nicht im Einklang stehen.

„Microfoundations für Makroökonomie ist im Prinzip gut, nicht unverzichtbar, aber nützlich. Das Problem ist das, was für die Microfoundations gilt, im Universum der orthodoxen Makroökonomie einfach Mist ist“, schreibt Peter Dorman in seinem Blog.

Achten Sie darauf, dass ich das Wort „M“ benutzt habe, nicht „Sch“, betont Dorman und zählt drei vernichtende Fehler auf, was die Microfoundations betrifft, wobei „jeder davon ausreichend ist, ein breites Loch in einem vermeintlich nützlichen Modell zu blasen“:

(1) Nutzenfunktion (utility theory): Andrew Gelman nennt es “Alltagspsychologie”, was grosszüzig sein mag. Die Theorie ist voll von Anomalien (siehe „behavioral economics“) und am wichtigsten nimmt sie die Arbeit in Psychologie, Evolutionstheorie, Neuropsychologie und Organisationstheorie der letzten Jahrzehnte nicht wahr. Das sind alles Disziplinen, wo Menschenverhalten auf wissenschaftliche Weise studiert werden, erklärt Dorman.

(2) Annahmen über mono-equilibrium: Es gibt keine Interaktion-Effekte, um multiple Gleichgewichte in Microfoundations zu erzeugen, die die Makro-Theoretiker verwenden. Jedes Individium, jeds Unternehmen und jeds Produkt ist ein isolitiertes Atom, ununterbrochen durch den Raum schwimmend, bis es auf ein anderes stösst, legt Dorman dar. Das heisst, dass das Versagen, den interaktiven Charakter des wirtschaftlichen lebens zu erkennen, Ökonomen veranlasst, grundlegend falsche Fragen zu stellen: wie „was ist das Gleichgewicht?“ und „was ist das Optimum?“.

Klimawandel und gezinkte Würfel


Vor ein paar Wochen war der Nordosten im Griff einer schweren Hitzewelle. Inzwischen ist es jedoch recht kühl am Tag, schreibt Paul Krugman in seiner lesenswerten Kolumne („Loading the Climate Dice“) am Montag in NY Times.

Das Wetter ist so: es schwankt.

Und diese banale Feststellung ist wahrscheinlich, was uns der Klima-Katastrophe verdammt, und zwei auf zwei Arten, schildert Krugman. Auf der einen Seite ist die Variabilität der Temperaturen, was es einfach macht, die längerfristigen Aufwärtstrends zu übersehen, zu ignorieren und zu verschleiern. Auf der anderen Seite führt ein ziemlich bescheidener Anstieg der Durchschnittstemperaturen zu einer viel höheren Frequenz von Extremereignissen, wie die verheerende Dürre, die jetzt Amerikas Herzland fesselt, was grossen Schaden anrichtet.

Wie sollen wir mit dem Verhältnis zwischen dem Klimawandel und den täglichen Erfahrungen umgehen? Vor fast einem Vierteljahrhundert hat James Hansen, NASA-Wissenschaftler die Analogie mit einer gezinkten Würfel vorgebracht, beschreibt Krugman. Man stelle sich gemessen an historischen Standards die Wahrscheinlichkeit eines heissen, durchschnittlichen und kalten Sommers vor, wie eine Würfel mit jeweils zwei Gesichtern gemalt in rot, in weiss und in blau. Im frühen 21. Jahrhundert wäre es so, als ob die vier Gesichter der Würfel in rot, eins in weiss und eins in blau gemalt wären. Heisse Sommer kommen viel häufiger vor, aber es werden noch hin und wieder auch kalte Sommer geben.

Und es hat sich so erwiesen: Seit 2000 fanden 9 von 10 heissesten Sommer statt. Das ist aber nicht alles: wirklich extrem hohe Temperaturen sind inzwischen weit verbreitet. Man betrachte es als rollende zwei Sechsen, was öfters geschieht, wenn die Würfel gezinkt ist. Und die steigende Häufigkeit von Extermereignissen bedeutet, dass die Kosten des Klimawandels keine Jahrzehnte in der Zukunft fernliegende Aussicht. Im Gegenteil sind sie bereits hier, erklärt Krugman.

Samstag, 21. Juli 2012

Rückzahlung des Kapitals gilt als neue Rendite


In der Schweiz notieren die Renditen am Geldmarkt bereits seit einem Jahr negativ.

In den vergangenen zwei Wochen sind auch die Rendite der kurzfristigen Staatspapiere  in Deutschland, Dänemark, Frankreich, Finnland und Österreich unter Null gerutscht.

Was auffällt, ist, dass unterdessen auch die sog. „semi-core“ Euro-Länder am Kapitalmarkt Mittel aufnehmen können, die günstiger kommen als die Inflationsrate. 

Die EZB hat vor zwei Wochen den Zinssatz für die Einlagefazilität auf Null gesenkt, was den Trend "Geld für Sicherheit" zu tauschen, verstärkt. Der Euro wird am Swap Markt (Basis Swaps) vermehrt für Carry Trade-Geschäfte als Funding Currency eingesetzt.


„Core“ und „Semi-Core“ im Euro-Raum konvergiert gegen Null Prozent, Graph: Laurence Mutkin, Morgan Stanley

Anton Heese nennt es „Steamroller Effect“ (Dampfwalzen-Effekt): während die Kurve flacher wird, werden die Spreads fester. Darüber hinaus nehmen Kreditrisiko-Prämien für höhere Qualität aufgrund der wachsenden Suche nach Rendite ab. Die Korrelation in Bezug auf die Credit Spreads zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit bleibt aber negativ.