Buchbesprechung
Ann Pettifor: The Global Casino – How Wall Street Gambles with People and the Planet, Januar 2026, Verso Books, London.
Das ist ein hervorragendes und scharfsinniges Werk, das zweifellos Wellen in der ökonomischen Fachwelt schlägt.
Es handelt von der Illusion eines „privaten, entstaatlichten (Geld-) Marktes“ à la Hayek, der die Plutokraten der Wall Street und des Silicon Valley stärkt, Ungleichheit beschleunigt und Finanzkriminelle begünstigt.
Und das Buch zeigt auf, warum das "Global Casino" vor dem Bankrott steht.
Ann Pettifors Timing könnte kaum besser sein: In einer Zeit, in der das globale Finanzsystem zwischen Klimakrise und geopolitischen Spannungen unter Druck steht, liefert sie das dringend benötigte Vokabular für einen Systemwechsel.
Ich habe versucht, den Fokus auf die Verbindung zwischen Geldtheorie, Geschichte und der aktuellen politischen Lage zu legen.
Die Kernbotschaft ist sicherlich: Systemwechsel statt Symptom-Bekämpfung
Ann Pettifor nimmt in ihrem neuesten Werk kein Blatt vor den Mund. Ihr zentrales Argument: Das globale Wirtschaftssystem ist nicht länger mit der Biosphäre und den Grundbedürfnissen der Menschheit vereinbar.
Sie fordert eine radikale Rückbesinnung auf die Binnennachfrage (domestic demand) anstelle der zerstörerischen Fixierung auf Exportüberschüsse und Überproduktion.
Der rote Faden: Vom "Nixon-Schock" zum "Trump-Schock"
Pettifor liefert eine brillante historische Analyse der Deregulierung:
• 1971 (Der Ursprung): Präsident Nixon beendet einseitig das Bretton-Woods-System. Dieser "Nixon-Schock" entfesselte das Kapital und ersetzte die Ordnung durch ein gesetzloses, grenzüberschreitendes Finanzsystem.
• 2025 (Die Konsequenz): Pettifor argumentiert überzeugend, dass der "Nixon-Schock" das Fundament für den "Trump-Schock" von 2025 legte.
Die jahrzehntelange Vernachlässigung der heimischen Arbeiterklasse durch fiskalische Disziplin und Lohnstagnation führte zwangsläufig zum Zusammenbruch des Vertrauens in demokratische Institutionen.
| Wesentliche ökonomische Thesen des Buches "The Global Casino" von Ann Pettifor. |
Die De-mystifizierung des Geldes
Ein Highlight des Buches ist die Klarheit, mit der Pettifor das Wesen des Geldes erklärt. Geld ist kein physisches Gut, sondern Kredit, der auf Vertrauen basiert. Wenn das Finanzsystem ungezügelt agiert, korrodiert dieses Vertrauen – und damit das Fundament der Demokratie.
Pettifors Werk mag wie eine Provokation vorkommen, aber auch eine Chance. In einem Umfeld, das oft nur auf Korrelationen und Volatilitäten schaut, erinnert sie uns an die Kausalität:
• Finanzanlagen sind "Papierkopien" realer Vermögenswerte.
• Wenn die Schere zwischen Finanzwelt und Realwirtschaft zu weit auseinandergeht, droht der "Meltdown" des Vertrauens.
Pettifors Buch ist ein "Must-Read" für jeden Ökonomen, der die Verbindung zwischen Geldpolitik und politischer Instabilität verstehen will. Es ist eine rigorose, aber zugängliche Analyse der Machtverhältnisse.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen