Samstag, 31. August 2024

Aufstieg und Fall der Inflation

Geldpolitik und Pandemie-bedingte wirtschaftliche Verwerfungen


Jerome Powell, Präsident der US-Notenbank (Fed) hat während seiner Rede auf der Zentralbank-Konferenz in Jackson Hole im Bundesstaat Wyoming hervorgehoben, dass die Inflationsrate seit ihrem Höchststand im Jahr 2022 stark zurückgegangen ist.

Er hat sich zuversichtlich gezeigt, dass die Teuerungsrate auf dem Weg ist, das Ziel der Fed von 2% zu erreichen, und zwar ohne Massenarbeitslosigkeit auszulösen.

Zur Erinnerung: Larry Summers, der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler, der von 1999 bis 2001 als 71. Finanzminister der Vereinigten Staaten und von 2009 bis 2010 als Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats tätig war, sagte, dass wir massive Arbeitslosigkeit brauchen, um die Inflation zu besiegen.


Störungen in den globalen Lieferketten haben sich wieder normalisiert, Graph: New York Fed, Aug 31, 2024.


Montag, 19. August 2024

EZB und Toxic Monetary Austerity

Daten-Abhängigkeit: Ein "Groundhog Day" Scenario


Wie bizarr! Gerade wenn eine Zinssenkung absolut notwendig ist, belehrt uns die EZB über Vorzüge von Zinserhöhungen.

In einem aktuellen Blog-Beitrag vom 15. August 2024 erläutert die EZB, dass die Zentralbanken die Zinssätze anheben, wenn sie die Nachfrage in der Wirtschaft dämpfen wollen, was letztlich dazu beitrage, die Inflation in Schach zu halten.

Eine Binsenwahrheit.

Bemerkenswert ist, dass die Wirtschaft im Euro-Raum seit einer langen Zeit stagniert, was zweifelsohne auf eine Nachfrage-Schwäche hindeutet. Und dazu kommt, dass der vorübergehende Preisanstieg (bedingt durch die COVID19 Pandemie) sich in der Zwischenzeit zurückgebildet hat.


Der neutrale Realzins (*) setzt sich aus zwei Teilen zusammen: einem globalen neutralen Realzins (für den die US-Zinsen häufig als Richtwert verwendet werden) und einer länderspezifischen Risikoprämie, Graph: Goldman Sachs, Aug 15, 2024.

Sonntag, 11. August 2024

Der hohe reale Leitzins und sein Komplize

Stehen die USA vor einer Rezession?


New York Fed Präsident John Williams hat vor rund zwei Monaten gesagt, dass das Verhalten der Wirtschaft im vergangenen Jahr ein guter Beweis dafür ist, dass die Geldpolitik in einer Weise restriktiv ist, die hilft, Fed’s Ziele zu erreichen.

Was meint die Federal Reserve, wenn sie von einer "akkommodierenden" oder "restriktiven" Geldpolitik spricht?

Die Frage beantwortet sie selbst wie folgt:

Die Geldpolitik wird als "restriktiv" bezeichnet, wenn sie darauf abzielt, die Zinssätze auf einem ausreichend hohen Niveau festzulegen, um Abwärtsdruck auf die Wirtschaftstätigkeit und die Inflation auszuüben. 

Der reale Leitzins der Fed auf 17-Jahres-Hoch: 2,5 %, Graph: Reuters, Aug 08, 2024.

Mittwoch, 7. August 2024

Warum hinkt die Fed hinterher? – Austeritäts-Overkill.

Eine berechtigte Panik an den globalen Aktienmärkten


Es ist wie die Ironie des Schicksals, zu beobachten, wie die abrupte Auflösung von ausgerechnet hoch-spekulativen Carry-Trades enthüllt, dass die US-Notenbank «hinter der Kurve hinkt» ist.


Die Taylor-Rule besagt, dass die Fed hinter der Kurve hinkt, Graph: Bloomberg, Aug 05, 2024.

Samstag, 3. August 2024

Carry Trades und Aktienmarktrotation

Ende der Erfolgssträhne von Mega-Cap Tech?


Die Aktienmärkte in aller Welt werden gegenwärtig von dem Narrativ überspannt: «Flut der Verkäufe».

Das ist ungewöhnlich. 

Denn der Bull-Market war bis zum Anfang der lauen Sommerpause von der sog. «Magnificent Seven» getrieben. 

Doch die Mega-Cap-Technologiewerte scheinen mittlerweile eine lange Siegesserie hinter sich zu lassen, zumal die Außenseiter (sog. «small-caps») nun die Führung übernehmen.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass jeder Bullenmarkt Anführer und Nachzügler hat.

Die Erwartung einer anhaltenden Desinflation, einer Zinssenkung durch die Fed im September und einer Reihe von politischen Entscheidungen trugen inzwischen zu der erheblichen Rotation an den Märkten bei, die auf den US-Inflation-Bericht vom Juni folgt.


Die japanische Notenbank (BoJ) hat am Mittwoch um 0,15% auf 0,25% erhöht, Graph: Reuters, July 31, 2024.

 

Samstag, 27. Juli 2024

Central Bank Capitalism

Buchbesprechung

Joscha Wullweber: Central Bank Capitalism - Monetary Policy in Times of Crisis, Stanford University Press, August 2024.


Das globale Finanzsystem ist ohne Zweifel inhärent instabil

Was die Bedeutung von Finanzregulierung und -aufsicht offenkundig unterstreicht, ist sicherlich nicht schwer zu erkennen: die zyklische Natur der Finanzmärkte und die Risiken, die mit Phasen übermäßigen Optimismus und überzogener Fremdkapitalisierung einhergehen.

Es ist zudem ein offenes Geheimnis, dass die Stabilität im heutigen marktliberalen Finanzsystem seit den 1980er Jahren eher die Ausnahme als die Regel ist. 

Die COVID-19-Pandemie und die globale Finanzkrise (GFC) sind keine Ereignisse, die in einem ansonsten stabilen Finanzsystem auftreten würden.

Der Begriff "Zentralbankkapitalismus" bezieht sich vor diesem Hintergrund auf einen grundlegenden Wandel, der sich im heutigen Kapitalismus vollzieht:

Gemeint ist der laufende Prozess, der während der GFC deutlich wurde: Der radikale und tiefgreifende Umbruch des Wesens der westlichen Wirtschafts- und Finanzsysteme.

Sonntag, 21. Juli 2024

Besessenheit mit Schuldenbremse: Deutschland steckt die Schweiz an

Eine unverhohlene Paranoia wegen Defizit


Die giftige Besessenheit von der Schuldenbremsedebt brake») scheint sich von Deutschland auf die Schweiz auszubreiten.

Wie Yves Wegelin in Republik Magazin ausführlich berichtet, hat das Schweizer Finanzdepartement im Frühling eine «Expertengruppe» zur «Bereinigung des Bundeshaushaltes» beauftragt.

Finanzministerin Karin Keller-Sutter (FDP) will herausfinden, wo der Staat sparen soll. Lobbyisten, angeführt von einer privaten Denkfabrik warnen vor angeblich ausufernden Staatsausgaben in der Schweiz.

Die Ausgaben des Bundes mögen zwar seit 1990 stark gestiegen sein. Aber das gilt nur in absoluten Zahlen. Denn auch die Schweizer Wirtschaft (gemessen am BIP) ist seither stark gewachsen.


Öffentliche Investitionen in der Schweiz und in Deutschland, Graph: FT, July 17, 2024.