Samstag, 21. Juli 2012

Austerität im Teufelskreis


David Glasner (via Mark Thoma) befasst sich in seinem Blog mit der Lobhudelei, die Edmund Phelps in einem ermüdenden Artikel („Germany is right to ask for austerity“) in FT zu Gunsten von Austerität liefert.

Prof. Phelps sagt uns in der britischen Wirtschaftszeitung, dass die Ursache der Euro-Krise nicht Angela Merkels Beharren auf die Austeritätspolitik und Arbeitsmarktreformen ist, sondern das Versagen der Regierungen am Rande der Insolvenz, dem deutschen Vorbild nachzueifern.

Der an der Columbia University lehrende Wirtschaftsprofessor schreibt, dass Angela Merkel und Wolfgang Schäuble Recht hätten, die Banken Union (bank union) ohne Politische Union (political union) abzulehnen. „Ohne Zähne in solchen Vereinbarungen könnten die Staaten nun berauscht vom Wohlstand (privat und sozial) die Kredite und die Zuschüsse für die Finanzierung von weiteren Haushaltsdefiziten und weiteren Ansprüchen verwenden als den Weg für die haushaltspolitische Verantwortung zu glätten“.

Es ist durchaus möglich, sogar wahrscheinlich, dass Lohnsenkungen und Arbeitsmarkt-Liberalisierung für alle europäischen Länder von Vorteil wären. Aber das ist nicht das Problem, hebt Glasner hervor. Frankreich und Italien und andere EU-Länder können eigene Haushalts- und Arbeitsmarkt-Politik wählen. Diese Entscheidungen implizieren Kosten und Folgen. Höhere Steuern und unproduktive Staatsausgaben werden tendenziell Wachstumsrate drücken.

FDIC schliesst am Freitag fünf weitere Banken


Die FDIC (Einlagensicherungsbehörde) hat am Freitag laut Washington Post zwei kleine Banken in Georgia und jeweils eine in Florida, Kansas und Illinois geschlossen.

Damit ist die Anzahl der Banken, die im Jahre 2012 verstaatlicht wurden, auf 38 gestiegen, nachdem im Vorjahr insgesamt 92 Banken gescheitert waren.

Die Zahl der Bankschliessungen im Jahr 2012 markiert einen deutlichen Rückgang aus den beiden Vorjahren. Zu diesem Zeitpunkt vor einem Jahr hatten die Behörden 58 Banken geschlossen.

Die verstaatlichten  5 Banken verfügen insgesamt über ein Anlagevermögen von 738,6 Mio. $ und Einlagen von 674,3 Mio. $. Die Kosten der geschlossenen Banken betragen für die öffentliche Hand  schätzungsweise 145,1 Mio. $.

Bankpleiten:
2012: 38
2011: 92
2010: 157
2009: 140
2008: 25
2007: 3

Freitag, 20. Juli 2012

Microfoundations – Worum geht es?


Simon Wren-Lewis befasst sich in seinem Blog mit zwei Einträgen (hier und hier) mit der in den USA wiederbelebten Debatte über die microfoundations.

In Wirtschaftswissenschaften bezieht sich der Terminus microfoundations (Mikrofundierung) auf die mikroökonomische Analyse des Verhaltens von einzelnen Agenten wie von privaten Haushalten oder Unternehmen, die eine makroökonomische Theorie untermauern.

Kritiker äussern Zweifel, ob diese gesamtwirtschaftlichen Beziehungen, die die (früheren) keynesianischen Modelle (als aggregierte Grössen wie Produktion, Beschäftigung und Investitionen) in Betracht ziehen, mit Grundsätzen der Mikroökonomie im Einklang stehen oder nicht. Ausserdem weisen die Kritiker des keynesianischen Ansatzes darauf hin, dass einige von Annahmen der Modellierung mit Standard-Mikroökonomie nicht vereinbar seien.

Ökonomische Aggregate sind ökonomische Masse, die die Daten über verschiedene Märkte summieren, wie Märkte für Waren und Dienstleistungen, Arbeitskräfte und Vermögensgüter, wie Paul Krugman in seinem Lehrbuch („Economics“) beschreibt.

Krugman bedauert in seinem Blog angesichts der Besessenheit von microfoundations, die dieser Tage wieder in den Mittelpunkt der Ökonomen-Diskussion in der Blogosphäre rückt, dass der ökonomische Beruf entschlossen scheint, sich selbst nutzlos zu machen. Die Makroökonomie ist gerade dafür geschaffen worden, mit der Art der schweren Krise, die gegenwärtig vorherrscht, umzugehen, betont der Träger des Wirtschaftsnobelpreises.

Pathos der Plutokraten


Es ist kein Geheimnis, dass Amerikas reichste Männer, einschliesslich einiger ehemaligen Unterstützer von Obama, jetzt Präsident Obama hassen, schreibt Paul Krugman in seiner lesenswerten Kolumne („Pathos of the Plutocrat“) am Freitag in NY Times.

Warum? Weil, wie sie behaupten, der Präsident Business „dämonisiert“ oder wie Mitt Romney Anfang der Woche formuliert hat, dass der Präsident „Erfolg angreift“.

Unnötig zu sagen: es ist wahnsinnig, hebt Krugman hervor. In der Tat hat Präsident sich ein Bein ausgerissen, um zu erklären, dass er freies Unternehmertum fördert und es völlig in Ordnung ist, reich zu werden. Was Präsident nahelegt, ist, dass Unternehmen sich manchmal schlecht verhalten und dass es einen Grund gibt, warum wir so was wie eine Regulierung am Finanzmarkt brauchen. Egal. Selbst diese Andeutung, dass reiche manchmal nicht ganz lobenswert sind, hat gereicht, Plutokraten zur Raserei zu bringen.

Es gibt aber mehr, legt Krugman dar. Nicht nur viele der Superreichen fühlen sich von der Vorstellung tief gekränkt, dass jemand in ihrer Klasse unter Kritik geraten dürfte, sondern sie bestehen darauf, dass ihre Wahrnehmung, dass Obama sie nicht mag, die Wurzel der wirtschaftlichen Probleme bildet. Unternehmen investieren nicht, behaupten sie, weil Unternehmer sich nicht geschätzt fühlen. Romney hat diese Linie auch wiederholt betont, indem er argumentiert, dass „wir weniger Erfolg haben, weil der Präsident Erfolg angreift“.

Dies ist natürlich auch verrückt. „Weil die Reichen anders sind als Sie und ich“, unterstreicht Krugman. Viele von ihnen sind unglaublich egozentrisch. Sie sehen es nicht einmal ein, wie lustig es ist, wie lächerlich sie aussehen, wenn sie die Schwäche einer Wirtschaft im Wert von 15‘000 Mrd. $ ihren eigenen verletzten Gefühlen anrechnen. Sie sind in einer Blase aus Ehrerbietung und Schmeichelei sicher eingenistet, schildert Krugman weiter.

Donnerstag, 19. Juli 2012

Ermüdende Argumente zu Gunsten von Austerität

Daniel Gros greift in einem von der Spardoktrin durchdrungenen Artikel "Austerity is unavoidable after a bout of profiligacy“) in voxeu das Manifesto von Krugman und Layard an. 

Keine Frage: Gros‘ Argumentation ist langweilig.

Simon Wren-Lewis bemerkt in seinem Blog, dass die Argumente der anderen Seite nicht besser werden, aber es um „eine Schlacht geht, die wir gewinnen müssen“. Die makroökonomische Theorie ist so klar, dass die Austerität in der gegenwärtigen Situation die Produktion (output) reduzieren und die Arbeitslosigkeit erhöhen wird. Die Evidenz ist auch ungefähr so eindeutig wie immer in der Makroökonomie.

Auf der anderen Seite sieht die Evidenz, die Gros vorführt, wie folgt aus. Die Erholung der US-Wirtschaft war ähnlich wie die der Eurozone und die USA hatten am Anfang expansivere Fiskalpolitik, sodass die Austerität nicht so wichtig ist.

Dies sind die Art von Argumenten, die wir verwenden, um unsere Studenten davon zu überzeugen, dass sie einen Kurs für Ökonometrie besuchen sollen, erklärt der an der Oxford University lehrende Wirtschaftsprofessor.

Warum gilt aber dasselbe Argument nicht für die Geldpolitik?

Die Zinssätze sind schnell gesenkt worden, mehr in den USA als in der Eurozone. Aber die Erholung war ähnlich, sodass die Geldpolitik auch keine Rolle spielt. In Grossbritannien ist die Erholung zum Stillstand gekommen, obwohl die Zinsen auf Null liegen. Die niedrigen Zinssätze länger niedrig zu halten, kann langfristig Probleme verursachen, sodass wir die Zinsen jetzt anheben, wenn nicht heute, dann gestern! Niemand macht dieses Argument, weil es so offensichtlich dumm ist. Also warum denken gute Ökonomen, dass sie dasselbe Argument für die Fiskalpolitik verwenden können?

Gordon Gekko Wirtschaft


Die Verfechter von Mitt Romney schlagen einen unglaublichen Ton an, bemerkt Paul Krugman in seinem Blog. Zu Recht.

Die Fürsprecher des Kandidaten der Republikanischen Partei für die US-Präsidentschaftswahl 2012 argumentieren, dass das, was Romney gemacht habe, in den vergangenen 30 Jahren schliesslich die Norm gewesen sei.

Tatsächlich wissen wir nicht, wie Romney Verhalten dem Standard entspricht, da er sich weigert, seine Steuererklärung offenzulegen, was wahrscheinlich nie passieren wird, hebt Krugman hervor.

Die Tatsache, dass wir in den vergangenen 30 Jahren Gordon Gekko Wirtschaft hatten, rechtfertigt es nicht.

Vor diesem Hintergrund liefert der an der University of Princeton lehrende Wirtschaftsprofessor die folgenden beachtenswerten Abbildungen über die Lohnstagnation (trotz Produktivitätszuwachs) und die Verschuldung der privaten Haushalte in den vergagenen 30 Jahren.


Lohnstagnation in den USA, Median-Einkommen (männliche Arbeitnehmer), Graph: Prof. Paul Krugman

Negative Renditen und Currency Wars


Deutschland hat gestern eine zweijährige Schatzanweisung in Höhe von 4,17 Mrd. Euro für eine negative Rendite von -0,06% verkauft.

Der Bund hat neulich auch Papiere mit 6 Monaten Laufzeit für eine negative Rendite begeben. Damit hat sich zum ersten Mal auf einer Auktion für die mittelfristige Mittelaufnahme eine negative Rendite ergeben.

Anleger scheinen bereit zu sein, als Gegenleistung für das Privileg, an Deutschland Kredit verleihen zu dürfen, einen garantierten Verlust zu akzeptieren, berichtet Reuters in einem lesenswerten Artikel. Das heisst, dass die Anleger davon ausgehen, dass der Nennwert am Ende der Laufzeit ausbezahlt werde, komme da, was wolle, auch wenn dafür jetzt eine Art Gebühr erhoben werde.

Heute Morgen sehen die Renditen am kurzen Ende der Zinsstrukturkurve in Deutschland wie folgt aus. Hauptsächlich von Minuswerten geprägt:

3 Monate: 0.0%,
6 Monate: -0.02%,
1 Jahr: -0.016%,
2 Jahre: -0.058%,
3 Jahre: -0.013%.