Donnerstag, 9. August 2012

Ausländische Investoren an Istanbul Stock Exchange (ISE)


Der Anteil der ausländischen Investoren an Inhaberschaft der an der ISE gehandelten Aktien ist in den vergangenen Monaten von 61,6% auf 63,9% gestiegen.

Es ist noch weit unter dem historischen Höhepunkt von 72,6% im November 2011, aber immerhin der höchste Wert seit dem Ausbruch der Finanzkrise mit 68,6% im November 2011, berichtet das Research Team von Morgan Stanley in einer gestern vorgelegten Analyse.

Der Trend wird insbesondere vom Rückgang der Zinssätze und des Ölpreises angetrieben, was schliesslich dazu führt, dass die Türkei die Performance der Vergleichsgruppe übertrifft.

Die meisten gekauften Aktien entfallen auf den Banken-Sektor, wo zuletzt im Einklang mit fallenden Zinsen eine Rally zu beobachten war.


Anteil der ausländischen Investoren am türkischen Aktienmarkt (ISE), Graph: Tevfik Aksoy, Morgan Stanley

Fed und Maturity Extension Program


(Nur für Streber)

James Hamilton in Econbrowser mit dem Maturity Extension Program (genannt auch “Operation Twist”) der US-Notenbank.

Die Fed hat im vergangenen September angefangen, ein Programm durchzuführen: Verkauf von US-Treasury Bonds mit 3 oder weniger Jahren Laufzeit in Höhe von 400 Mrd. $ und Kauf (mit dem Erlös) von US-Treasury Bonds mit 6 bis 30 Jahren Laufzeit.

Im Juni hat die Fed angekündigt, dasselbe Programm mit 267 Mrd. $ weiterzuführen. Einige Analysten erwarten, dass die Fed demnächst ein zusätzliches Programm umsetzen will.

Die Fed erklärt die Theorie hinter dem Programm wie folgt:

Durch die Reduzierung des Angebots der längerfristigen US-Staatsanleihen im Markt soll die Massnahme die langfristigen Zinssätze nach unten drücken, einschliesslich der Zinssätze auf Finanzanlagen, die Investoren als enge Substitute für längerfristige US-Treasury Bonds betrachten. Der Rückgang der langfristigen Zinsen würden im Gegenzug dazu beitragen, dass die Konditionen am Finanzmarkt sich entspannen, sodass für die Erholung der Wirtschaft zusätzliche Unterstützung kommt.

Man könnte das Maturity Extension Program (MEP) daher als eine bewusste Anstrengung der Fed betrachten, die Folgen der früheren Entscheidungen des US-Schatzamtes (US-Treasury) die Zusammensetzung der Schuldtitel im Besitz der Öffentlichkeit rückgängig zu machen, beschreibt der an der University of California, San Diego lehrende Wirtschaftsprofessor.


US-Staatsanleihen: die gewichtete durchschnittliche Laufzeit der ausstehenden marktfähigen Schuldtitel, Graph: Office of Debt Managemeng, Fiscal Year 2012 Q3 Report.

Mittwoch, 8. August 2012

Bundesbank, Anleihekäufe und Gedächtsnisschwund


Erkennt man die wahren Ursachen der Euro-Krise nicht, kann auch keine Abhilfe geschaffen werden. Spanien und Italien leiden heute unter Ansteckungsgefahr der Krise in Griechenland. Italien hat zwar ein Haushaltsdefizit, aber es ist nicht besonders hoch. Grossbritannien hat ein hohes Haushaltsdefizit, und zwar viermal höher als Italien.

Dennoch zahlt Grossbritannien für Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit 1,55% Zinsen. Italien hingegen verzinst seine Staatsanleihen mit vergleichbarer Laufzeit mit 6%. Ein krasser Unterschied. Warum?

Grossbritannien kann sich in Pfund, d.h. der eigenen Währung verschulden. Italien kann es nicht, weil es Euro hat. Die britische Notenbank (BoE: Bank of England) erklärt sich zudem bereit, unbegrenzt Staatspapiere zu kaufen. In einer Währungsunion ist es aber nicht einfach, durch Sparmassnahmen die Zinsen zu drücken. Es bedarf einer gemeinsamen Handlung aller EU-Staaten.

Die EZB müsste Staatsanleihen von Italien und  Spanien aufkaufen. Aber die EZB weigert sich. Warum? Weil die deutsche Regierung dagegen ist. Warum? Weil die Deutsche Bundesbank die Ansicht vertritt, dass der Ankauf von Staatsanleihen gegen die alte Bundesbank-Tradition verstösst.

Peter Bofinger erklärt in einem lesenswerten Interview mit Kurier, dass die Deutsche Bundesbank in den 1970er Jahren im grossen Stil deutsche Staatsanleihen gekauft hat, um die langfristigen Zinsen zu senken.

„Bundesbank erleidet Anleihe-Kauf Amnesie“ berichtet Bloomberg mit Hinweis auf Bofingers Aussage. FT Alphaville redet von „ironischen Bundesbank lessons“. Die Bundesbank hat damals Staatspapiere in Höhe von 1% des BIP angekauft, weil die wirtschaftlichen Aussichten sich verschlechtert hatten.

Welche Bedeutung haben Währungsreserven?


Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihre Fremdwährungsreserven im Juli um 41,4 Mrd. Franken auf 406,5 Mrd. Franken erhöht. Heute liefert die ZKB eine interessante Abbildung dazu.

Der kräftige Anstieg ist im Wesentlichen auf Devisenkäufe der SNB am Markt zurückzuführen.


SNB Interventionen am Devisenmarkt und Fremdwährungsreserven per Ende Juli 2012, Graph: ZKB

Banking verlagert sich ins Repo-System


Der europäische Repo-Markt ist in den sechs Monaten bis Ende Juni dieses Jahres um rund 14,2% geschrumpft. Wie die European Repo Council of the International Capital Market Association (ICMA) meldet, belief sich der Gesamtwert der ausstehenden Repo-Kontrakte, mit denen Banken ihre Wertpapiere als Sicherheit (collateral) für kurzfristige Kredite von Geldmarktfonds oder anderen Investoren verpfänden, auf 5‘647 Mrd. Euro im Juni.

Die Banken in der Eurozone haben im Dezember und dann im Februar insgesamt mehr als 1‘000 Mrd. Euro von der EZB via LTRO aufgenommen. Die langfristigen Refinanzierungsgeschäfte (LTRO1 und LTRO2) der EZB hatten inzwischen die Abhängigkeit der Banken von der Finanzierung am Repo-Markt etwas verringert. Die Sorge war jedoch, dass es, wenn die Banken dem Repo-Markt auf lange Sicht fernbleiben, schwierig wäre, sich der Refinanzierung via EZB zu entwöhnen.

Die Schrumpfung des Marktes, welcher als Finanzierungsquelle für Banken in Europa gilt, unterstreicht, wie die Finanzinstitute im Euro-Raum von der Förderung durch die EZB abhängig werden.

Aber auch der Tri-Party Repo-Markt ist etwas geschrumpft. Was hier auffällt, ist, dass der Anteil der französischen Staatsanleihen, die als Sicherheit hinterlegt werden, von 4,8% auf 7,1% gestiegen ist. Der Anteil der deutschen Staatsanleihen, die im Tri-Party Repo-Handel als Sicherheit verpfändet werden, ist von 8,4% auf 10,8% gestiegen. Die Zusammensetzung der Sicherheiten im Tri-Party Repo Handel gilt als einen sensiblen Indikator für die Risikobereitschaft. Die neuesten Entwicklungen deuten auf eine erhöhte Risikoaversion hin.

Kurzum findet derzeit eine Verlagerung aus einem System der unbesicherten Kreditvergabe im Interbankenmarkt zu einem System der besicherten Kreditvergabe statt. Die Frage ist, ob es gut ist oder nicht?

Dienstag, 7. August 2012

Schweizer Wirtschaft unter Deflationsdruck


Die Konsumentenpreise fallen in der Schweiz den 10. Monat in Folge.

Der Landesindex der Verbraucherpreise (CPI) ist im Juli annualisiert um 0,5% gesunken. Innert Jahresfrist betrug die Teuerung Minus 0,7%, verglichen mit einer Jahresrate von Minus 1,1% im Vormonat, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) heute mitgeteilt hat.

Während die Deflation sich damit weiter vertieft, fällt auch die Kerninflation weiter. Die Teuerungsrate ohne frische und saisonale Produkte, Energie und Treibstoffe“ ist im Juli um 1,0% gesunken.

Rückläufig waren im Juli die Indizes der Hauptgruppen Bekleidung und Schuhe (-9,0%), Hausrat und laufende Haushaltsführung (-1,9%), Verkehr (-0,4%) und Restaurants und Hotels (-0,2%).


Schweiz Konsumentenpreise (CPI), Graph: Bundesamt für Statistik (BFS)

SNB und Fremdwährungsreserven


Die SNB ist in aller Munde. Die Fremdwährungsreserven der SNB sind per Ende Juli von 365 Mrd. Franken auf 406,5 Mrd. Franken gestiegen. Davon sind 60% in Euro angelegt.

Die SNB kauft Euro, um den Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro zu verteidigen. Die Devisenreserven belaufen sich damit auf rund 70% des BIP.

Währenddessen bedeutet die weitere Verschärfung der Euro-Krise zusätzliche Last für die Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz. Obwohl die SNB bei jeder Gelegenheit eindeutig und klar begründet, warum der Devisenmarkt gegenwärtig nicht mehr ordentlich funktioniert, geraten die Ziele und die Motivation der Festlegung des Mindestkurses in einer Extremsituation öfters aus dem Auge. Die Financial Times (FT) betrachtet die Schweiz als das „neue China“. Reuters bezeichnet die Schweiz als „Hedge Fonds“.

Die unbarmherzige Austeritätspolitik des Eurolands erschwert die Aufgaben der SNB, eine angemessene Geld- und Währungspolitik zu führen, die Preisstabilität zu gewährleisten und dabei der konjunkturellen Entwicklung Rechnung zu tragen.

SNB-Zielband: 0,00-0,25%, SARON (Repo-Overnight): -0,06% (in rot), Engpassfinanzierungsfazilität: 0,5%, 3-Monats-Libor CHF: 0,05% (in grün) und Rendite der Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit: 0,60& (in blau), Graph: SNB