Freitag, 11. März 2011

Good News: Pimco trennt sich von US-Staatsanleihen

Der grösste Anleihefonds der Welt verkauft US-Staatsanleihen. Ist das ein dramatisches Alarmsignal für die Weltwirtschaft, wie es den Mainstream-Medien zu entnehmen ist? Keineswegs. Ganz im Gegenteil. Es handelt sich dabei um gute Nachrichten für die Weltkonjunktur und die Aktienmärkte. Der grösste Rentenfonds der Welt stosst sämtliche Staatsanleihen nicht ab, weil Bill Gross, Pimco-Fondsmanager glaubt, dass der US-Staat bankrott ist, wie er gestern in einem TV-Interview selbst gesagt hat, sondern weil er mit steigenden Renditen rechnet. Gross denkt, dass die Preise der US-Treasury Bonds nicht weiter zulegen werden. Die Renditen steigen, wenn die Anleihepreise fallen. Im Übrigen hat Gross nicht alle US-Staatsanleihen verkauft. Er behält die Papiere, nämlich die T-Bills mit einer Restlaufzeit von 1 Jahr und weniger als 1 Jahr noch im Portfolio. Gross bringt damit seine Erwartung zum Ausdruck, dass „die Überbewertung der Staatsanleihen bislang von der Kaufkraft der US-Notenbank abhängig war“. Wer soll die Staatspapiere zu welchen Preis kaufen, wenn die Fed das Anleihekaufprogramm (QE II) im Sommer zu Ende führt?, fragte er in seinem TV-Auftritt.





Versteigerung: US-Staatsanleihen mit 30 Jahren Laufzeit, Graph: Igor Cashyn & Jim Caron & Ting Cui, Morgan Stanley

Stresstest: Wie die Debatte über die Krise in Europa versiegt

„Warum wollen die Banken im Allgemeinen Boni zahlen? Weil sie in einer „too big to fail“-Welt leben, in der der Staat sie rettet, wenn sie scheitern“, sagte Mervyn King, BoE-Gouverneur in einem Interview („We prevented a Great Depression. But people have right to be angry“) mit der britischen Zeitung The Telegraph. King vertritt die Meinung, dass das Kasino-Art-Banking die jüngste Krise verursacht hat, bemerkt Simon Johnson in einem lesenswerten Essay („Battle of the Bank Policy Heavyweights“) in NYT. King betont, dass Finanzdienstleister das Wort Casino nicht mögen. Aber die Instrumente sind nur innerhalb der Financial Community geschaffen und getraded worden. Es war ein Null-Summen-Spiel. Niemand wusste, wer die Gewinner waren, als die Krise zuschlug. Jeder wurde verdächtig. Daher wollte niemand diesen Institutionen Liquidität zur Verfügung stellen. Wir haben ein System aufgebaut, welches den Keim der eigenen Zerstörung beinhaltete“, beschreibt King. Und die Reformbemühungen, die strengere Vorschriften durchsetzen würden, kommen nicht so weit. Wir haben die „too big to fail“-Problematik nicht gelöst, so King weiter, wobei er betont, dass er die Bezeichnung „too important to fail“ bevorziehe. „Das Konzept des „too important to fail“ (zu relevant, um zu scheitern) hat keinen Platz in einer freien Marktwirtschaft“, ergänzt der BoE-Chef.

Donnerstag, 10. März 2011

Geldillusion zwischen Wissenschaft und Politik

David Andolfatto hat nun den Beitrag, der vergangene Woche mit der Überschrift „Ron Paul’s Money Illusion“ in seinem Blog veröffentlicht worden war, gelöscht, weil der Inhalt des Beitrags einen „sinnlosen Wut anstatt wohlüberlegte Debatte provoziert hat“, wie er in einem neuen Beitrag in seinem Blog beschreibt. Der Senior Vice President von Federal Reserve Bank of St. Louis, der inzwischen Hunderte von bösen E-Mails bekommen hat, entschuldigt sich beim Kongressabgeordneten höflich. Andolfatto präsentiert jetzt die umschriebene Version des hastig geschriebenen früheren Beitrags, „ein wenig genauer und mit ein bisschen weniger bunter Sprache“. Aufgrund der schlimmen E-Mails fühlt sich der Wirtschaftsprofessor, Simon Faser University, Canada nicht beledigt. Akademiker brauchen ziemlich dicke Haut, um zu überleben. Aber er möchte auch keine Namen nennen. Zum Hintergrund: Vor langer Zeit fand eine bemerkenswerte Debatte über den optimalen Weg zu einem Geld- und Bankensystem einer Wirtschaft statt. Die Befürworter eines freien Bankensystems haben gegen diejenigen, die für irgendeine Form von Zentralbank-Regime plädiert haben, verloren. Eine schöne Zusammenfassung der Natur dieser Debatte findet sich im Buch von Vera Smith: The Rationale of Central Banking.

Bondkönig und Bondmärkte

Bill Gross, der weltgrösste Bondinvestor soll sich laut Presseberichten vorerst von US-Staatsanleihen verabschiedet haben. Gross hat laut Bloomberg seine Bestände an US-Treasury Bonds auf Null reduziert und den Barbestand von zuletzt 5% auf 23% erhöht. Dass der weltgrösste Anleihefonds (237 Mrd. $) US-Staatspapiere verkauft, gilt nach Ansicht vieler Makrtbeobachter als Misstrauensvotum, weil Gross vor negativen Auswirkungen des US-Haushaltsdefizit gewarnt hat. Im Markt ist aber davon nichts zu spüren, dass die Stimmung sich dreht. Die Investoren scheinen sich vom amerikanischen Staat nicht abzuwenden. Weit und breit sind keine horrenden Zinsen in Sicht. Ganz im Gegenteil. Investoren gewähren dem Staat Kredit, und zwar zu 0,93% für inflationsgeschützte Staatsanleihen (TIPS) mit 10 Jahren Laufzeit. Die Rendite für die TIPS mit 30 Jahren Laufzeit beträgt 1,89%, für die mit 5 Jahren Laufzeit sogar Minus 0,56%.


US-Treasury inflationsgeschützte Anleihen (5 Jahre), Graph: Fed St. Louis

Chinas Wirtschaftswachstum und die Folgen für die Welt

Barry Eichengreen befasst sich in einem Essay („Slowing China“) in Project Syndicate mit dem Wirtschaftswachstums Chinas. Während die reichen Länder der Welt immer noch unter der Finanzkrise leiden, ist das Wachstum der globalen Wirtschaft von Emerging Markets abhängig. Exporteure von Maschinen, Energieversorger und Produzenten von Rohstoffen blicken zunehmend auf China und andere schnell wachsende Entwicklungsländer als wichtigste Quelle der Nachfrage, bemerkt der an der University of California, Berkeley lehrende Wirtschaftsprofessor. Chinesische Behörden sind überzeugt, dass das Wirtschaftswachstum sich als Reaktion auf ausländischen und inländischen Druck verlangsamt. China muss seine Wirtschaft ins Gleichgewicht bringen, indem es weniger Gewicht auf Ausfuhren und Herstellung verlagert und mehr Wert auf Dienstleistungen und Binnenkonsum legt, ist Eichengreen überzeugt.

Mittwoch, 9. März 2011

Erdöl: Spekulation versus Grundlagen

Seit dem Ausbruch der Unruhen in Öl-Ländern steht das Thema Lieferengpässe im Fokus des allgemeinen Interesses. Hat der Ölpreisanstieg aber mit Spekulation oder mit Fundamentaldaten zu tun? Vorerst gilt es daher, sich zu vergegenwärtigen, dass das Öl ein Rohstoff mit einer sehr unelastischen kurzfristigen Nachfrage ist, wie Paul Krugman in seinem Blog anmerkt. Das bedeutet, dass jeder Versorgungsengpass zu einem grossen Anstieg der Preise führt. Die Versorgung aus den meisten Quellen ist auch sehr unelastisch. Eine Ausnahme ist Saudi Arabien. Es ist eine reale Möglichkeit, dass das Angebot aus Libyen, was eine wesentliche Menge darstellt, vom Markt ausgeschaltet wird, wie James Hamilton in seinem Blog andeutet. Das wirft echte Fragen auf, ob die Saudis die Lücke füllen wollen oder können. Was überrascht, ist aber, dass der Ölpreis nicht weiter zulegt.


Saudi Arabien, Ölproduktion (in Tausend Fass pro Tag) und der Ölpreis (WTI Sorte), Graph: Prof. James Hamilton

Wird die zunehmende Einkommensungleichheit durch den Anstieg der Mobilitität ausgeglichen?

Obwohl die Einkommensungleichheit in den USA über Generationen gestiegen ist, sehen einige wenig Grund zur Sorge. Ein Grund dafür ist, dass Menschen sich über die Zeit nach oben und nach unten bewegen, schreibt Lane Kenworthy in seinem Blog.  „Unser Einkommen mag in einem bestimmten Jahr mehr auseinander getrieben sein als vor einigen Jahrzehnten. Aber wenn viele von uns von Jahr zu Jahr den Ort wechseln, warum die Aufregung?“, legt der an der University of Arizona lehrende Professor für Soziologie und Politikwissenschaften dar. Zwei Behauptungen müssen hier unterschieden werden. (1) Man sagt, dass es „genug“ Bewegungen nach oben und nach unten in der Einkommensverteilung über die Zeit gibt, sodas wir uns über einzelne Jahre Ungleichheit keine Sorgen zu machen brauchen. In technischer Sprache heisst das, dass es eine „relative intragenerationale Einkommensmobilität“ (mehr dazu hier) gibt. Laut dieser Ansicht ist einzeljährliche Einkommensungleichheit einfach irrelevant, weil es „viel“ Mobilität gibt.  Da die Betrachter „genug“ und „viel“ im Auge behalten, können Nachweise die Behauptung weder bestätigen noch widerlegen, erklärt Kenworthy.


Ungleichheit, Die beste Abbildung, Graph: Prof. Lane Kenworthy